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Kurz notiert - Landwirtschaft und Lebensmittel

EU: 40 Funde von nicht zugelassenen GVO

Im vergangenen Jahr sind insgesamt 3.157 Meldungen über Gesundheitsgefahren, die von Lebens- oder Futtermitteln ausgehen, bei der EU-Kommission eingegangen. Das ist ein Anstieg von 25 Prozent im Vergleich zu 2013. 40 Meldungen davon betreffen nicht zugelassene gentechnisch veränderte (gv) Organismen, die zum Großteil in Futtermitteln gefunden wurden: In über 20 Fällen wurde die aus China stammende nicht zugelassene gv-Reissorte Bt63 entdeckt, die in Futtermittelzusatzstoffen verwendet wurde. In sechs Fällen war es gv-Baumwolle von der Elfenbeinküste, außerdem wurden Funde von gv-Mikroorganismen in Futtermittelzusätzen gemeldet. Insgesamt neun Mal sind nicht zugelassene gv-Pflanzen in Lebensmitteln gefunden worden, mehrere dieser Fälle gehen auf den Import von gv-Papaya aus Thailand zurück. Die Zahlen stammen aus dem Jahresbericht 2014 sowie der Datenbank des Schnellwarnsystems für Lebensmittel und Futtermittel (Rapid Alert System for Food and Feed, RASFF). Das Schnellwarnsystem wird seit 1979 von der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher der EU-Kommission betrieben. Es dient der Überwachung der EU-weiten Lebensmittelsicherheit. (PM EU-Kommission, 30.06.15; RASFF Portal, ec.europa.eu/rasff) (ab)

 

Gv-Fliegen in Spanien?

Das britische Biotechnologie-Unternehmen Oxitec will seinen lange geplanten Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten (gv) Olivenfliegen in Spanien (Katalonien) in diesem Jahr durchführen. Laut dem bei den spanischen Behörden eingereichten Antrag sollte der Versuch bereits im Juli 2015 gestartet werden und bis Juli 2016 andauern. Bis zu 5.000 Insekten pro Woche will das Unternehmen in diesem Zeitraum freisetzen. Ob der Antrag genehmigt wurde, war zu Redaktionsschluss noch unklar. Oxitec hatte bereits 2013 einen Antrag auf Freisetzung eingereicht, diesen allerdings zurückgezogen, als die Behörden zusätzliche Daten forderten. Die gv-Insekten mit dem Produktnamen OX3097D-Bol sollen über die neue Eigenschaft verfügen, dass weibliche Nachkommen bereits im Larvenstadium sterben. Dadurch soll die Population des Schädlings eingedämmt werden. Mehrere NGOs aus Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Griechenland und Deutschland warnen vor unkalkulierbaren Effekten auf die Ökosysteme und fordern, dass die Freisetzung derartiger Fliegen verboten wird. (Testbiotech, 27.07.15; Informationsdienst Gentechnik, 28.07.15; GVO-Register der EU-Kommission, 30.07.15, gmoinfo.jrc.ec.europa.eu) (ab)

 

Artikel zum Goldenen Reis zurückgezogen

Das American Journal of Clinical Nutrition hat einen Beitrag über die Verwendung von gentechnisch verändertem (gv) Reis als Quelle für Beta-Carotin zurückgezogen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Redaktion der Zeitschrift ihre Pläne für den Rückzug bekanntgegeben, aber den Versuch der Erst-Autorin des Artikels abgewartet, eine richterliche Verfügung gegen einen Rückzug zu erwirken. Dieser Versuch wurde nun von einem Gericht im US-Bundesstaat Massachusetts abgelehnt. Die Amerikanische Gesellschaft für Ernährung als Herausgeberin der Zeitschrift begründet ihren am 29. Juli veröffentlichten Schritt unter anderem damit, dass die AutorInnen nicht mit ausreichender Sicherheit hätten deutlich machen können, dass die dem Artikel zugrunde liegende Untersuchung von einer lokalen (chinesischen) Ethikkommission begutachtet und angenommen worden sei. Auch hätten sie nicht darlegen können, dass alle Eltern der in dem Versuch beteiligten Kinder ihre volle Einwilligung zu der Untersuchung gegeben hätten. In dem Artikel war über eine Untersuchung berichtet worden, bei der gv-Reis - sogenannter „Goldener Reis“ - an insgesamt 68 chinesische Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren gegebenen worden war, um zu prüfen, inwieweit dieser geeignet ist, eine Versorgung mit dem Provitamin A zu gewährleisten. In einer früheren Stellungnahme hatte die Tufts Universität in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts) mitgeteilt, dass die Erst-Autorin und verantwortliche Wissenschaftlerin Guangwen Tang universitätsintern bestraft worden sei. Nach Darstellung des Internetportals retractionwatch.com ist weiterhin ein Gerichtsverfahren zu dem Rückzug des Artikels anhängig. Siehe dazu unter anderem „Untersuchung mit Goldenem Reis unethisch“ im GID 220 (Oktober 2013; im Netz unter www.gen-ethisches-netzwerk.de/2684). (http://ajcn.nutrition.org, 29.07.15; www.retractionwatch.com, 30.07.15) (pau)

 

Brasilien: Gv-Bohnen taugen nichts

Die staatliche landwirtschaftliche Forschungsinstitution Embrapa in Brasilien hat angekündigt, die gentechnisch veränderte Bohne Embrapa 5.1 nicht für den kommerziellen Anbau anzubieten. Grund für diese Entscheidung ist, dass die Virusresistenz der Bohnen im Freiland nicht funktioniert. Die Bohnen waren in der Vergangenheit begleitet von großem Tamtam durch das Zulassungsverfahren gebracht und letztendlich vor knapp vier Jahren zugelassen worden. (Siehe dazu „Brasilien lässt gv-Bohnen zu“ im GID 208 vom Oktober 2011, S. 30). In dem Verfahren hatten verschiedene KritikerInnen - zum Beispiel die Bauernorganisation AS-PTA - vorgebracht, dass die Risikobewertung völlig unzureichend gewesen sei. In einem aktuellen Beitrag für die britische Nichtregierungsorganisation GMWatch begrüßt der brasilianische Wissenschaftler Nagib Nassar (Emeritus der Universidad de Brasilia) die aktuelle Entscheidung. Auch Nassar betont die Lücken in der Bewertung der Pflanzen und der aus ihnen gewonnenen Produkte. Zum Beispiel sei die Bewertung der Lebensmittelsicherheit auf Basis von nur einer Fütterungsstudie vorgenommen worden und in dieser seien die gv-Bohnen an nur drei Ratten getestet worden. (www.gmwatch.org, 28.04.15) (pau)

 

Großbritannien: Gv-Weizen taugt nichts

Gentechnisch veränderter Weizen, der modifiziert worden war, um weniger änfällig für Blattläusbefall zu sein, hat seine Bewährungsprobe im Freiland nicht bestanden. Das mussten die beteiligten WissenschaftlerInnen nun nach fünfjähriger Entwicklungszeit eingestehen. Die ForscherInnen hatten den Weizen mittels gentechnischer Veränderung dazu veranlasst, ein Pheromon zu bilden, mit dem Blattläuse von den Pflanzen ferngehalten werden sollten. Forschung und Entwicklung wurden am staatlichen britischen Forschungsinstitut Rothamsted durchgeführt. Das Institut stand schon in der Vergangenheit wegen dieser Forschung massiv in der Kritik. (Reuters, 01.07.15, www.reuters.com) (pau)

 

Frankreich: gv-Lammfleisch als Lebensmittel verkauft

Wie Spiegel online berichtete, ist in Frankreich das Fleisch eines gentechnisch veränderten (gv) Lamms in den Handel gekommen und verkauft worden. Das Tier stamme aus einem Programm, „das Zelltransplantationen am Herzen“ untersuche. „Die Schafe dort werden gentechnisch so verändert, dass sie das grün fluoreszierende Quallen-Protein GFP herstellen können, das biochemische Prozesse in Organismen durch sein grünes Leuchten sichtbar macht“, heißt es mit Verweis auf die französische Zeitung Le Parisien. Bei dem Lamm, das nun in den Handel gekommen ist, habe sich das Protein allerdings nicht gezeigt. Ein Mitarbeiter des französischen Agrarforschungszentrums INRA habe versucht, den Fall zu verschleiern. Wie in solchen Fällen üblich versicherte INRA, es habe „keine Gefahr für Menschen oder die Umwelt“ bestanden. (SPON, 23.06.15, www.spiegel.de) (pau)

 

Gv-Schweine: doppelt so viele Muskeln

Eine Gruppe koreanischer WissenschaftlerInnen um Jin-Soo Kim von der Nationalen Universität in Seoul hat Schweine derart gentechnisch verändert, dass sie etwa doppelt so viele Muskeln ausbilden, wie ihre nicht gentechnisch veränderten Artgenossen. Das berichtet das Onlineportal des Fachmagazins Nature. Die Forschenden hoffen nun, dass ihre Schweine weltweit die ersten gentechnisch veränderten (gv) Tiere sein werden, die eine Zulassung als Nahrungsmittel erhalten. Ihre Hoffnung knüpfen sie dabei an das von ihnen benutzte, spezielle Verfahren: Bei der Entwicklung der gv-Schweine kam das so genannte gene editing zum Einsatz. MIt diesem Begriff werden Verfahren zusammengefasst, mit denen - ohne das Hinzufügen von Fremd-DNA - (relativ) ortsspezifische Veränderungen am Erbgut vorgenommen werden können. Diese Verfahren sind bisher noch nicht als „Gentechnik" reguliert und so erhoffen sich die ForscherInnen einen schnellen Marktzugang für die Tiere oder ihre Zuchtprodukte wie zum Beispiel Sperma. Die WissenschaftlerInnen aus Seoul haben mit dem so genannten TALEN-Verfahren das MSTN-Gen abgeschaltet, das üblicherweise das Muskelwachstum hemmt. Die Tiere wurden dann ausgehend von einer Ursprungszelle geklont. Neben den gewünschten Eigenschaften - zum Beispiel die erhöhte Fleischproduktion je Tier - zeigten die Schweine offensichtlich auch gesundheitliche Probleme, angefangen mit Problemen bei der Geburt oder einer relativ kurzen Lebenserwartung. Nur 13 von ursprünglich 32 Tieren erreichten beispielsweise den achten Lebensmonat. (Nature News, 30.06.15, www.nature.com) (pau)

 

UN: Gremium zur Technologie-Bewertung beschlossen

Wie die kanadische Nichtregierungsorganisation ETC Group berichtet, haben sich die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf die Einrichtung eines Gremiums zur Bewertung von Technologien geeinigt. Das Gremium mit dem Namen Technology Facilitation Mechanism setzt sich aus verschiedenen Stakeholdern zusammen, darunter VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen, der Privatwirtschaft und der Wissenschaft. Außerdem sollen VertreterInnen aus den verschiedenen Agenturen der UN beteiligt sein. Es soll direkt beim Generalsekretär der Vereinten Nationen angesiedelt werden. Die ETC Group hatte den Vorschlag für ein solches Gremium - nach eigenen Angaben - bereits 2012 in die Verhandlungen über die sogenannte Post 2015-Agenda der Vereinten Nationen eingebracht. Technologien, die in diesem Rahmen diskutiert werden könnten, sind: Gen- und Biotechnologien, Synthetische Biologie, Nanotechnologie und das sogenannte Geo-Engineering, also die technische oder chemische Manipulation von Wetter zur Milderung von Effekten des Klimawandels. Im Rahmen der Post 2015-Agenda formulieren die Vereinten Nationen ihre Ziele für den Zeitraum bis 2030. Nach Darstellung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist dies das erste Mal, dass „die Weltgemeinschaft systematisch die Bekämpfung von Armut mit der Bewahrung unseres Planeten“ verbindet. Die Agenda soll im September auf einem UNO-Nachhaltigkeitsgipfel aller Staats- und Regierungschefs verabschiedet werden. (ETC Group, 16.07.15, www.etcgroup.org; BMU PM vom 03.08.15, www.bmu.de) (pau)

 

Monsanto will Syngenta - BASF vielleicht auch

Das Übernahme-Roulette in der globalen Saatgut-, Pestizid- und Gentech-Szene transnationaler Konzerne ist in den vergangenen Monaten mächtig in Schwung gekommen. Bereits im Mai hatte der US-Gentechkonzern Monsanto ein Übernahmeangebot für den schweizerischen Agrarkonzern Syngenta abgegeben. (Siehe GID 230, Juni 2015, S. 32). Das Angebot ist weiter gültig. Einige Investoren, zum Beispiel Henderson Global Investors haben die Syngenta-Führung für ihre strikte Ablehnung kritisiert. Ende Juni berichtete die Wirtschaftspresseagentur Bloomberg, dass Monsanto sich auch vorstellen könnte, die Agrarchemie-Unternehmensteile des Bayer-Konzerns zu kaufen. Das habe Monsanto-Geschäftsführer Brett Begemann bestätigt. Mittlerweile verdichten sich zudem die Insiderberichte, dass der deutsche Chemiekonzern BASF seinerseits ein eigenes Angebot vorbereitet und die dafür notwendigen Mittel sammelt. Das berichteten unterschiedliche Medien Ende Juli. Ursprünglich wurde die BASF insbesondere als Übernahmekandidat für das Saatgutgeschäft Syngentas genannt, da hier im Falle einer Übernahme von Monsanto kartellrechtliche Probleme erwartet werden. Monsanto und BASF haben seit etwa acht Jahren eine umfangreiche Kooperation bei der Entwicklung und Vermarktung von gentechnisch veränderten Sorten. (www.bloomberg.com, 23.06.15; www.reuters.com, 15.07.15; www.handelsblatt.com, 04.08.15) (pau)

 

Imker Bablock erhält Schadensersatz

Wie das Bündnis zum Schutz der Bienen mitteilt, zahlt der Freistaat Bayern dem Imker Karl-Heinz Bablock einen Schadensersatz von 6.000 Euro. Die Kosten, die dem Imker „wegen verunreinigter und deshalb nicht verkehrsfähiger Imkereiprodukte, für DNA-Analysen und für Mehrkosten beim Abwandern seiner Bienenvölker“ entstanden waren, waren in den vergangenen Jahren Streitgegenstand in mehreren umfangreichen Gerichtsverfahren. Eines führte bis zum Europäischen Gerichtshof, wo die Position des Imkers in wesentlichen Punkten bestätigt worden war. In der Folge hat die Europäische Union und auch der deutsche Gesetzgeber die Regulierungen für die Kennzeichung von Honig abgeschwächt. Zuletzt wurde im Juli dieses Jahres die deutsche Honigverordnung geändert. Der Neuregelung zufolge wird der Pollen von gentechnisch veränderten (gv) und nicht-gv Pflanzen nicht mehr als Zutat, sondern als natürlicher Bestandteil angesehen. Eine GVO-Kennzeichnung - im Falle der Verwendung gentechnisch veränderter Pollen - wäre entsprechend nicht mehr nötig. Nichtsdestotrotz spricht sich der Bundesrat in einer dem Beschluss zur Seite gestellten Entschließung für eine bundeseinheitliche Regelung zum „Schutz der Imker vor Verunreinigungen ihres Honigs mit GVO“ aus. (Bundesrat: Beschluss und Entschließung, Drucksache 108/15, 12.06.15, www.bundesrat.de; PM Mellifera und Bündnis zum Schutz der Bienen, 05.08.15, www.mellifera.de) (pau)

 

Frankreich: Erste Resistenz gegen Glyphosat nachgewiesen

WissenschaftlerInnen haben erstmalig in Frankreich eine Resistenz gegen den Herbizidwirkstoff Glyphosat nachgewiesen. Darüber berichten ForscherInnen aus Frankreich und Spanien in einem Artikel in der Fachzeitschrift Agronomic Sustainable Development. Sie fanden die Resistenz im Süden Frankreichs in einer krautigen Pflanze mit dem schönen Namen „Steif-Lolch“ (Lolium rigidum). Glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel sind die weltweit am häufigsten eingesetzten Herbizide; die wichtigste Handelsmarke ist Roundup des Herstellers Monsanto. (Pablo Fernandez: First case of glyphosate resistance in France. Agronomic Sustainable Development, 08.07.15) (pau)

 

Argentinien: Klage gegen GVO und Pestizide zugelassen

Ein argentinisches Bundesgericht hat eine Gruppenklage zugelassen, in der ein Verbot der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen und der Nutzung der mit diesen Pflanzen obligatorisch eingesetzten Pestizide gefordert wird. Eine von mehreren weiteren Forderungen umfasst das Außer-Kraft-Setzen von Zulassungen für den unbeschränkten Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wie zum Beispiel der Herbizid-toleranten Sojasorte RoundupReady 2 von Monsanto. In dem Verfahren „Gimenez Alicia Fanny und andere gegen die Nationale Regierung, Monsanto und andere“ wird über Schäden an der Umwelt („environmental damage“) verhandelt. Fünf Fälle wurden in dem Verfahren zusammengefasst, darunter mehrere, in denen über das Schicksal von Kindern gestritten wird, die sehr jung an Leukämie erkrankt oder gestorben sind. Es geht auch um der Fall eines Arbeiters, der stark mit Pestiziden in Kontakt gekommen und später erkrankt war. (www.sustainablepulse.com, 22.06.15, zitiert nach GM Watch) (pau)

 

Futter der Labortiere verzerrt Ergebnisse von Studien

Der französische Molekularbiologe Gilles-Eric Séralini hat mit einer ForscherInnengruppe in einer umfassenden Studie die Beschaffenheit von typischen Laborfuttermitteln untersucht. Damit wollte er klären, inwieweit diese eine Rolle spielen bei der Beobachtung, dass bestimmte Stämme von Labortieren oft bestimmte Arten von Krankheiten bekommen. Diese Krankheiten würden heute als „historische Kontrolldaten“, das heißt praktisch als „normal” angesehen. Die zentrale Frage ist: Sind für diese häufig beobachteten Krankheitsfälle genetische oder der Umwelt entstammende Ursachen verantwortlich? Zu den Umwelteinflüssen wird auch das Futter gerechnet. Die Futtermittel werden zur Ernährung der Kontrollgruppen eingesetzt und dürfen selbst keine Gesundheitseffekte bei den Versuchstieren auslösen, da sie sonst die Ergebnisse mit den zu untersuchenden (möglichen) Schadstoffe verfälschen (können). Die WissenschaftlerInnen haben 13 Futterproben von fünf Kontinenten auf 262 Pestizide, 4 Schwermetalle, 17 Dioxine und Furane, 18 Polychlorierte Biphenyle und 22 gentechnisch veränderte Organismen (GVO) untersucht. Alle untersuchten Proben enthielten irgendwelche Reste von Pestiziden, dabei war der Grad der Verunreinigung und die Anzahl der in einer Probe gefundenen Pestizide sehr unterschiedlich. Gentechnisch veränderte Pflanzen waren in 11 der 13 Proben enthalten, manche der Futtermittel waren - entsprechend der in den jeweiligen Ländern gültigen Regulierung - als GVO gekennzeichnet. Eine Probe aus den USA enthielt zum Beispiel etwa 12,8 Prozent gv-Soja und etwa 35,6 Prozent gv-Mais; diese Probe war nicht als gentechnisch verändert gekennzeichnet. In der Konsequenz bedeutet das, dass in einer Untersuchung von Gesundheitseffekten durch den Konsum von gv-Pflanzen, auch die Kontrollgruppe mit gv-Pflanzen gefüttert wird. Eigentlich müssten hier die so genannten isogenen Linien zum Einsatz kommen, also die Pflanzen der gleichen Sorte ohne gentechnische Veränderungen. Verunreinigungen mit Herbiziden beziehungsweise deren Abbauprodukten fanden die ForscherInnen nur in Proben, in denen glyphosattolerante gv-Pflanzen nachgewiesen werden konnten. Entsprechend fanden sie auch nur Glyphosat und AMPA (ein Glyphosat-Abbauprodukt). Insgesamt werten die WissenschaftlerInnen ihre Ergebnisse als sehr bedeutend für die Zukunft der biomedizinischen Forschung. Die Daten sprechen auch in Bezug auf die Interpretation der oben genannten „historischen Kontrolldaten“ eine deutliche Sprache: Die bei den Kontrollgruppen auftretenden gesundheitlichen Probleme dürfen in Zukunft nicht mehr als Basis oder als „normal” angesehen werden. Auch andere jüngere Forschung habe bezüglich des Laborratten-Stammes F344 infrage gestellt, dass spontane oder genetische Gründe für das in Art und Häufigkeit heterogene („diverse and fluctuant“) Auftreten von pathologischen Effekten entsprechend historischer Daten plausibel seien. Umwelteinflüsse seien laut einer Untersuchung von Yuichi Kuroiwa und KollegInnen wahrscheinlicher. Séralini und KollegInnen zufolge müssten Anstrengungen unternommen werden, um die Labortiere gesünder zu füttern. Das würde nicht nur die Aussagekaft toxikologischer Tests verbessern, sondern ebenso den Wert von Fütterungsstudien in der biomedizinischen Forschung. (Yuichi Kuroiwa und KollegInnen: „Transition of Historical Control Data for High Incidence Tumors in F344 Rats“. Journal of Toxicologic Pathology, Band 26 (2013) S. 227-230. Robin Mesnage und KollegInnen: „Laboratory Rodent Diets Contain Toxic Levels of Environmental Contaminants: Implications for Regulatory Tests“. PLoS One, 02.07.15, www.plosone.org) (pau)

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August 2015
S. 20 - 22