„Die Langzeitfolgen sind unbekannt“

Interview mit Gen-Mitarbeiterin Isabelle Bartram in der Zeitschrift Schrot & Korn über Genome Editing im Bereich Medizin.

Werden Gen-Scheren wie CRISPR/Cas auch genutzt, um das menschliche Erbgut zu ändern?

Isabelle Bartram: Da muss man unterscheiden zwischen Eingriffen bei Embryonen, wo DNA geändert und an die nächste Generation vererbt wird – und in Anwendungen bei erkrankten Menschen. Hier gibt es bereits erste klinische Studien, etwa mit austherapierten Krebskranken.

Wie kann Genome Editing bei Krebs helfen?

Da werden zum Beispiel Immunzellen entnommen und im Labor so verändert, dass sie Tumorzellen bekämpfen können. Diese aufgerüsteten Immunzellen werden im Labor vermehrt und PatientInnen verabreicht. Allerdings zeigen die bisherigen Versuche auch sehr starke Nebenwirkungen und die Langzeitfolgen sind unbekannt.

Was passiert bei Eingriffen in Embryonen?

Hier versuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, vererbbare Krankheiten zu verhindern, indem sie entsprechende Gene des Embryos verändern. Erste Studien haben die grundsätzliche Machbarkeit gezeigt. In den USA haben sich die Nationalen Wissenschaftsakademien in einem Bericht überraschend aufgeschlossen für solche therapeutische Eingriffe gezeigt – unter sehr vage definierten Bedingungen. In Deutschland plädieren namhafte Wissenschaftler dafür, das Embryonenschutzgesetz anzupassen. Bisher ist dort jegliche Forschung an menschlichen Embryonen ausgeschlossen.

Rechtfertigt der Nutzen diese Forschungen?

Von den Befürwortern werden unrealistische Versprechungen gemacht, eine Welt ohne Krankheit und Behinderung. Tendenzen dazu gibt es ja jetzt schon, etwa bei der vorgeburtlichen Diagnostik. Außerdem kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen, den Off-Target-Effekten, kommen. Diese zeigen sich womöglich erst Jahre später. Das Genom ist eben hochkomplex.

 

Ganzer Artikel "Gentechnik durch die Hintertür" in Schrot & Korn, Januar 2018.