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Autismus

Autismus kann nicht mit einfachen Vererbungsmechanismen oder als eine Folge von „Gendefekten“ erklärt werden. Zu diesem Ergebnis führt die Analyse der Arbeiten von rund sechzig Forscherteams, die weltweit die genetischen Ursachen des Autismus beforscht haben. Bei der Untersuchung von 1000 Autismen und 1000 Vergleichspersonen wurden 300 genetische Faktoren entdeckt, die mit autistischem Verhalten in Verbindung gebracht werden können. Dies sind weit mehr als die bislang neun bekannten genetischen Risikofaktoren. Dabei stellten die ForscherInnen vor allem zahlreiche Verdopplungen und Vervielfachungen von einzelnen Genen fest. Diese entsprechen zwar nicht einem klassischen „Gendefekt“, können aber die Ausschüttung und Regulierung bestimmter Botenstoffe beeinflussen. Unter den 300 identifizierten Genfaktoren sollen sich viele befinden, die mit der Regulierung von Botenstoffen im Gehirn in Zusammenhang gestellt werden. Zwar sei der Autismus offensichtlich „keine klassische Erbkrankheit, die durch ein Gen von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird“, so der Wissenschaftsjournalist Michael Lange, der die Forschungsergebnisse im Deutschlandradio präsentierte. Alllerdings gäbe es offensichtlich auch „etwas im Erbgut, das für die autistischen Symptome auf jeden Fall mitverantwortlich ist“. Die unterschiedliche Anzahl der Kopien im Erbgut (englisch: copy number variations) erkläre auch die große Bandbreite an autistischen Symptomen: Es gäbe weder den Autisten noch den Nicht-Autisten. Versuche einen Autismus-Gentest anzubieten, seien denn auch „Blödsinn“. Genetische Untersuchungen in diesem Zusammenhang leisteten „viel fürs Verständnis und wenig für die Medizin“.
drradio, 14.06.2010