Jump to Navigation

Gesichtserkennung

Einmal mehr diente eine Zwillingsstudie dazu, genetische Anlagen zu eruieren; diesmal ging es um die Fähigkeit, Gesichter wiederzuerkennen. Ein internationales Forschungsteam, koordiniert von Jeremy Wilmer vom Wellesley College in Massachusetts, hat die Fähigkeit untersucht, sich an Gesichter zu erinnern. 164 eineiige und 125 zweieiige Zwillingspaare wurden darum gebeten, in einer Lernphase Bilder von Gesichtern anzuschauen und sie dann unter mehreren unbekannten Gesichtern wiederzuerkennen. Die statistische Übereinstimmung der prozentualen Wiedererkennung war bei den zweieiigen Zwillingspaaren etwas geringer als bei den eineiigen. Daraus schließen die ForscherInnen, die ihre Ergebnisse im online-Magazin PNAS veröffentlichten, auf die genetische Veranlagung der Gesichtserkennung. Auch in der Hirnforschung haben sich NeurologInnen in der letzten Zeit begeistert auf die Gesichtserkennung gestürzt, um biologische Grundlagen geistiger Tätigkeiten zu suchen, da hier die Aktivität eng umgrenzter Hirnareale visualisiert werden konnte. Ob sich die Zwillingsstudie in molekulargenetische Erkenntnisse übersetzen lässt, lassen die AutorInnen des PNAS-Artikel offen. Sie gestehen ein, dass Forschungen, die nach den genetischen Grundlagen „allgemeiner Intelligenz“ suchten, bisher regelmäßig gescheitert sind.
PNAS online, 22.02.10; Ärztezeitung, 23.02.10