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Heimat verlassen

Nun ist es raus! Seit Jahrhunderten versuchen US-Amerikaner den US-amerikanischen Charakter zu erklären: Was gemeinhin und etwas hochtrabend als "American Exceptionalism", just die amerikanische Eigenart bezeichnet wird, wurde unter anderem den Erfahrungen der Einwanderer im 17. und 18. Jahrhundert zugeschrieben. Damals landeten zunächst aus Großbritannien geflüchtete Puritaner, später verarmte Iren und andere Europäer an der heutigen Ostküste der Vereinigten Staaten an, um immer weiter ins Innere des Landes vorzurücken. Dass alle heutigen US-Amerikaner Vorfahren haben, die dieses Wagnis auf sich nahmen, könnte durchaus genetische Ursachen haben - jedenfalls kamen dieses Jahr gleich zwei Bücher von Psychologieprofessoren auf den Markt, die diese These propagieren: Peter Whybrow ("American Mania") und John Gartner ("The Hypomanic Edge") entwickeln beide die These, es gebe ein spezielles Immigranten-Genprofil, dass darüber entscheide, ob sich ein Mensch entscheidet, sein Land und seine Leute zu verlassen. Damit wäre auch endlich die amerikanische Besonderheit gefunden: Sie besteht in einer genetischen Eigenart ihres Dopamin-Rezeptorsystems und führt dazu, dass US-Amerikaner alias Emigranten beziehungsweise Imigranten, besonders neugierig und wagemutig, das heißt willig zu migrieren sind. Was wären wir nur ohne die Genforschung...
New York Times, 11.12.05