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Gen-ethisches Netzwerk 1986-2006 - Festschrift

Verbundenheit
Es ist schlechterdings nicht möglich, 20 Jahre Dokumentation, Diskussionen und Aktionen in ein kleines Bändchen zu pressen. Das ist auf seine Art eigentlich ganz beruhigend, denn so mussten wir es auch gar nicht erst versuchen. Es bietet sich der Anlass, Blicke aus verschiedenen Perspektiven auf diesen Zeitraum zu werfen. Nicht repräsentativ, aber beteiligt, nicht immer neutral, sondern oft und vorsätzlich parteiisch. Von Freunden und Kolleginnen, von Ex-Mitstreitern und Sympathisantinnen, die sich seit mehr oder weniger langer Zeit dem Gen-ethischen Netzwerk (GeN) verbunden gezeigt haben. Verbundenheit ist hier ein wichtiges Stichwort, dem wir an dieser Stelle gerne seinen Platz zukommen lassen.

Denn das GeN ist nichts ohne die Menschen, die ihre Verbundenheit gezeigt haben und auch heute zum Ausdruck bringen. Das gilt natürlich ganz besonders für die Mitglieder des Vereins. Dieses Modell, ein Verein als organisatorische und finanzielle Basis, wirkt zuweilen altertümlich, hat aber auch in heutiger Zeit eine Berechtigung, nicht zuletzt um Unabhängigkeit zu gewährleisten, die gerade in den allseits beschworenen Zeiten leerer Kassen zunehmend wichtig ist.
20 Jahre, das heißt auch ebensoviele Jahre, in denen sich ständig Argumente und Diskussionen verschieben. Die im Fokus stehenden Technologien selbst und der persönliche wie auch der gesellschaftliche Umgang mit diesen haben sich verändert.
Auch haben sich inzwischendie Techniken diversifiziert und sind zumindest teilweise in die Anwendung gekommen. Manche sind so Alltag geworden, andere sind heute umstrittener denn je. Die meisten Versprechen haben sich nicht erfüllt.
Das alte Genmodell, in der Gründungszeit des GeN noch das Nonplusultra, hat sich gerade auch durch die weitere Forschung diskreditiert. Das hatte aber nicht die Auflösung grundlegender bekannter Annahmen zur Folge, sondern es wird das alte Modell in verfeinerter Weise fortgeführt.
Die Aufweichung des Gendeterminismus hat also nicht etwa den Abschied vom Genmodell gebracht, sondern einen neuen "flexiblen" Gendeterminismus. Dieser integriert sich - zum Beispiel mit der Verlagerung von Verantwortung für ein entsprechendes Genmanagement auf das Individuum - in die Politik der Privatisierung von Krankheitsvor- und -fürsorge.
An anderer Stelle wird das Gen noch behandelt, als sei es ein Wort in einem Buch. Dabei hat sich eben dieses Bild als trügerisch und allzu simpel herausgestellt. Auch um zu verhindern, dass sich diese Vereinfachungen stärker in Weltbildern - politischen wie auch anderen - festsetzen, bedarf es auch weiterhin der kritischen Analyse.
Mit der Einbindung und Institutionalisierung der Bioethik in die parlamentarische und akademische Praxis ist eine Phalanx von ExpertInnen und Expertengremien entstanden, die allzuoft auch aus ihren jeweiligen Zusammenhängen argumentieren. Sie machen die Notwendigkeit einer Recherche und Beobachtung von außen umso dringlicher.

Viel zu tun - für mindestens weitere 20 Jahre.

Dafür wünschen wir uns auch in der Zukunft vor allem die beschriebene Verbundenheit, von Einzelnen und Gruppen, in nationalen wie internationalen Netzwerken und Koalitionen.

Vorstand und MitarbeiterInnen,
Berlin, im Oktober 2006


Verbundenheit

20, 30, 50 Jahre Technologiekritik
Alexander Schwerin

Übungsfeld der Demokratie
Ulrike Baureithel

Aneignung von Wissen
Interview mit Benny Haerlin

Von der Risikobefürchtung zur Strukturkritik
Günter Altner

Diskurs-Guerilla oder Politikberatung?
Fabian Kröger

Zellen flüstern, Pflanzen lernen
Florianne Koechlin

Gen-Saaten: Das unterschätze Risiko
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Einteilung von Menschen in Kategorien
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The End of Farmers
Devinder Sharma

Politischer Eigensinn statt Privateigentum am Körper
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Ökonomisch erfolgversprechend
Bernhard Gill

Wem nützt es?
Jan van Aken

Preis: 5,00 €