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Amflora ante portas - Transgene Stärkekartoffeln der BASF - LEIDER VERGRIFFEN (weiter als pdf verfügbar)

Geht es nach der Europäischen Kommission und dem Chemie- und Gentechnikunternehmen BASF, sollen schon bald gentechnisch veränderte Kartoffeln auf die Felder kommen, um industrielle Rohstoffe zu liefern. Am weitesten fortgeschritten in der Europäischen Union ist das Zulassungsverfahren für die BASF-Stärkekartoffel Amflora.
Sie produziert nur eine Stärke, das so genannte Amylopektin. Üblicherweise enthalten Kartoffeln zwei Stärke-Sorten; bei Amflora verhindert eine gentechnische Veränderung die Bildung der zweiten Stärke-Fraktion, der Amylose.

Kartoffeln für die Industrie

Geht es nach der Europäischen Kommission und dem Chemie- und Gentechnikunternehmen BASF, sollen schon bald gentechnisch veränderte (gv) Kartoffeln auf die Felder kommen, um industrielle Rohstoffe zu liefern. Am weitesten fortgeschritten in der Europäischen Union ist das Zulassungsverfahren für die BASF-Stärkekartoffel Amflora. Sie produziert nur eine Stärke, das so genannte Amylopektin. Üblicherweise enthalten Kartoffeln zwei Stärke-Sorten; bei Amflora verhindert eine gentechnische Veränderung die Bildung der zweiten Stärke-Fraktion, der Amylose.
Sollte die EU-Kommission Amflora zulassen, wäre das die erste neue Genehmigung für den Anbau einer transgenen Pflanze seit fast zehn Jahren. Angesichts der anhaltenden Widerstände gegen die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) wäre allein das schon ein Skandal, der sich allerdings einreiht in die EU-Politik: Insbesondere die Europäische Kommission verweigert sich seit Jahren sowohl dem Willen der Verbraucherinnen und Verbraucher als auch dem einer ganzen Reihe von Regierungen.

Gegen europäisches Recht und WHO

Im Fall von Amflora kommt erschwerend hinzu, dass eine Anbaugenehmigung nicht nur gegen europäisches Recht verstoßen würde. Die EU-Freisetzungsrichtlinie sieht "die schrittweise Einstellung der Verwendung von Antibiotika-Resistenzmarkern in GVO vor, die schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt haben können". Einzig die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hält wegen der vorgeblich geringen Wahrscheinlichkeit der Übertragung Ausnahmen für vertretbar.
Eine Zulassung käme auch einer Ohrfeige für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gleich: Die transgene Stärkekartoffel trägt ein Resistenzgen gegen Antibiotika, darunter Kanamycin und Neomycin. Da die Gefahr einer Übertragung der Antibiotikaresistenz auf Mikroorganismen besteht, rät die WHO in ihren Empfehlungen davon ab, solche so genannten Selektions-Markergene, mit denen im Labor der Erfolg der Genübertragung kontrolliert wird, in freigesetzten Pflanzen zu verwenden - und das, "obwohl die Wahrscheinlichkeit des Transfers gering ist", wie es in dem WHO-Papier heißt. Der zunehmenden Antibiotika-Resistenz von Krankheitserregern soll nicht zusätzlich Vorschub geleistet werden.

Gegen Länder des Südens

Aus Furcht vor Kontaminationen der Nahrungskette haben sich im vergangenen Jahr die Länder der Andenregion gegen die Nutzung und Entwicklung von transgenen Kartoffeln ausgesprochen, einschließlich ihrer Freisetzung auf Testfeldern. In den Andenländern ist die Kartoffel Grundnahrungsmittel - wie auch in großen Teilen der EU. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass sich Befürchtungen in Bezug auf die Kontamination mit gentechnischem Material in der Regel bewahrheiten. Erwähnt seien hier die mit Transgenen verunreinigten lokalen Maissorten in Mexiko und die im vergangenen Jahr entdeckte globale Kontamination von Reis, die von dem verhältnismäßig kleinräumigem Anbau auf Versuchsfeldern ausgegangen war.

Kein Bedarf für Amflora...

Noch fragwürdiger wird der anvisierte Anbau der gv-Kartoffel angesichts des fehlenden Bedarfs: Die Stärke verarbeitenden Unternehmen haben mehrfach betont, die Kartoffeln nicht zu benötigen. Längst wurden konventionelle Sorten entwickelt, deren Amylopektin-Gehalt dem von Amflora gleichkommt. Auch müsste die Stärkeindustrie im Falle eines Anbaus von Amflora bei Kartoffeln die Trennung in zwei Warenströme gewährleisten, um die Stärkeversorgung für Nahrungsmittel gentechnikfrei halten zu können. Warum also, so etwa Hubert Eilting von der Emsland-Stärke, "sollte man sich Probleme aufhalsen, wenn es sich vermeiden lässt?"
Auch die BASF hält entgegen früherer Zusagen eine Trennung der Warenketten nicht für machbar. Das Unternehmen stellte für die Amflora einen Antrag auf Zulassung als Lebensmittel, um das Haftungsrisiko für den Konzern zu verkleinern: Ohne Lebensmittelzulassung könnten schon bei geringsten Verunreinigungen Forderungen an die BASF gestellt werden.

...aber neue Akkumulationsformen

Mit den Amflora-Kartoffeln versucht die BASF zudem, ein neues Kapitel im Ackerbau einzuläuten. Die Kartoffeln sollen dem Unternehmen nämlich auch dann noch gehören, wenn sie bereits auf den Äckern der Landwirte wachsen. Möglicherweise wachsen solche Ideen auf dem Boden neuer Allianzen: Die BASF hat unlängst angekündigt, in der Agro-Gentechnik mit dem Branchenprimus Monsanto zu kooperieren. Vor dem Hintergrund der geschilderten Risiken und Fakten ist nicht einzusehen, dass Europa die Tür für den Anbau einer gv-Kartoffel öffnet. Nirgendwo auf der Welt werden großflächig transgene Kartoffeln angebaut. Ein Bedarf besteht nicht, wohl aber ein Risiko für die menschliche Gesundheit. Warum also sollte Europa den Anfang machen mit dem Anbau einer in jeder Hinsicht unattraktiven Kartoffel?
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