Vorsicht giftig! - Herbizide und Gentechnik
Giftige Mittel ...
Dass diese Mittel - wenigstens für die Unkräuter - giftig sein müssen, liegt in ihrer Logik und ist an sich schon Anlass zur Kritik. Jetzt wurde allerdings herausgefunden, dass menschliche Leberzellen von Roundup-Herbiziden stark geschädigt werden.(1)In Versuchen hatten die ForscherInnen die Zellen mit Mengen des Giftes in Kontakt gebracht, die weit unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte für Lebens- oder Futtermittel lagen. Auch Schäden an der Erbsubstanz der Zellen und negative Effekte auf deren Hormonhaushalt wurden festgestellt. Glyphosat-haltige Herbizide genossen bislang den Ruf (verhältnismäßig) schonend zu sein. Roundup sei biologisch abbaubar und - für Mensch und Tier - nicht giftig. Um es kurz zu machen: Dieser Ruf ist hin!
... in Verbindung mit gentechnisch veränderten Pflanzen ...
Gentechnisch veränderte herbizidtolerante Pflanzen bilden gemeinsam mit Unkrautvernichtungsmitteln ein Anbausystem. Werden die Gifte auf den Feldern versprüht, sterben alle Pflanzen, außer den gentechnisch veränderten, ab. Das Gift wurde von dem US-amerikanischen Gentech- und Chemiekonzern Monsanto entwickelt. Monsanto baute eine Toleranz gegen den Roundup-Wirkstoff Glyphosat in seine gentechnisch veränderten Pflanzen ein und kurbelte das eigene Geschäft so kräftig an. Bisher hat sich dieses System vor allem beim Sojaanbau in Nord- und Südamerika durchgesetzt. In Argentinien zum Beispiel, dem weltweit drittgrößten Produzenten dieser Ölfrucht, wird mittlerweile praktisch ausnahmslos gv-Soja des US-Konzerns Monsanto angebaut. Dabei handelt es sich um so genannte Roundup Ready-Soja, bei deren Pflanzung immer das Spritzmittel zum Einsatz kommt. Daher hat sich der Verbrauch des Giftes in den letzten Jahren immens gesteigert.Der Anbau von herbizidtoleranter Soja ist wegen des obligatorischen Einsatzes der Herbizide an sich schon problematisch, denn Menschen und Umwelt werden vergiftet. Der intensive Gifteinsatz fördert zudem Toleranzen bei Unkräutern, was zu weiter steigenden Dosierungen und der Nutzung von anderen - noch giftigeren - Mitteln führt.
Aktuell wird die Situation verschärft, weil sich Argentinien wirtschaftlich in extreme Abhängigkeit vom Anbau der gv-Sojapflanzen begeben hat. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Anbau dieser Pflanzen nicht verboten - trotz erheblicher Sicherheitsbedenken gegenüber dem komplementär eingesetzten Herbizid. Politischer und wirtschaftlicher Druck im Land verhindern eine vorbehaltlose Prüfung des Wirkstoffs Glyphosat. Ähnlich sieht es in anderen Ländern des Kontinents aus, zum Beispiel in Paraguay.
... auf Kosten der lokalen Bevölkerung und der Artenvielfalt
Um die Bevölkerung vor weiteren Vergiftungen zu schützen, hat eine Gruppe von Umweltanwälten ein vorläufiges Verbot von Glyphosat gefordert.(2) Denn: Die schädlichen Wirkungen der Unkrautvernichtungsmittel gehen insbesondere zu Lasten der ländlichen Bevölkerung in den Anbaugebieten der gentechnisch veränderten Pflanzen. Die neuen Erkenntnisse bestätigen Beobachtungen und Erfahrungen von Vergiftungen bei Mensch, Tier und Ernten, die seit Jahren insbesondere aus Argentinien aber auch aus anderen Ländern Südamerikas berichtet werden.(3)Roundup und Glyphosat müssen verboten und umfassend sowie unabhängig neu bewertet werden!
Flächen, Zahlen, Fakten:
Die landwirtschaftliche Nutzfläche weltweit beträgt nach Angaben der Industrie 1,4 Milliarden Hektar. Im Jahre 2008 wuchsen gentechnisch veränderte Pflanzen auf 120 Millionen Hektar. Pflanzen mit einer Toleranz gegenüber Unkrautvernichtungsmitteln wurden auf mehr als der Hälfte dieser Fläche angebaut (79 Millionen Hektar, davon gv-Soja: 65 Millionen Hektar).Andere Herbizide, die in Verbindung mit gv-Pflanzen ausgebracht werden (sollen):
• Syngenta arbeitet an einem System mit dem Wirkstoff 2,4-D, der im Verdacht steht, Krebs zu erregen.• Bayer vertreibt und entwickelt Pflanzen, die gegen den Wirkstoff Glufosinat tolerant sein sollen. In der Europäischen Union wird dieser Wirkstoff in Zukunft verboten sein, weil seine Verwendung unter anderem ein „hohes Risiko für Säugetiere“ darstellt.
Fußnoten:
(1) Gasnier, C. et al.: Glyphosate-based herbicides ..., in: Toxicology (2009)
(2) www.aadeaa.org.ar
(3) www.lasoyamata.org
Weitere Informationen auch auf den Internetseiten des GeN
Price: 0,00 €
| Anhang | Größe |
|---|---|
| 0909mailing_flyer.pdf | 141.17 KB |



