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Verbot erhalten !!! Transgener Mais MON810

Vor der Wiederzulassung: Monsantos gentechnisch veränderter Mais MON810 soll weiter in Europa angebaut werden dürfen - trotz der Risiken für die Umwelt!

Gentechnisch veränderter MON810-Mais: In der EU zugelassen ... in Deutschland verboten ... in der EU neu zugelassen ... in Deutschland nicht mehr verboten?

Der gentechnisch veränderte (gv) Mais MON810 wird in der Europäischen Union (EU) auf einer Fläche von 95.000 Hektar angebaut. Das entspricht 0,7 Prozent der europäischen Mais-Anbaufläche (14 Millionen Hektar). Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat die im Prinzip europaweit geltende Anbau-Zulassung des Gentechkonzerns Monsanto im April 2009 aus Vorsorgegründen ausgesetzt. Dieses Verbot könnte noch in diesem Jahr in Brüssel zu Fall gebracht werden: Denn für MON810 steht nach zehn Jahren eine Neuzulassung an. Die mit dem Mais verbundenen Bedenken konnten aber bisher weder von dem multinationalen Konzern, noch von der einer Neuzulassung überwiegend positiv gegenüberstehenden EU-Bürokratie (insbesondere EU-Kommission und EFSA1) ausgeräumt werden. Diese betreffen sowohl den Anbau der MON810-Pflanzen an sich, wie auch die Verfahren der Risikobewertung und Zulassung und viele der an diesem Verfahren beteiligten WissenschaftlerInnen.

MON810-Mais

Durch seine gentechnische Veränderung produziert MON810 ein insektengiftiges Protein. Mit dem Gift, das ursprünglich aus dem bodenlebenden Bakterium Bacillus thuringiensis (Bt) stammt, sollen die Larven des Maiszünslers abgetötet werden. Der Maiszünsler, ein Schmetterling, gilt in manchen Regionen Deutschlands, so zum Beispiel im Oderbruch an der Grenze zu Polen, als einer der Hauptschädlinge im Maisanbau.

MON810-Anbau

Bis 2005 wurde MON810-Mais in Deutschland nur in Versuchen auf kleinen Flächen angebaut. In den Jahren 2005 bis 2008 wurde MON810 deutschlandweit von bis zu 50 landwirtschaftlichen Betrieben kommerziell genutzt - zuletzt auf 3.173 Hektar. Das entspricht etwa 0,15 Prozent der gesamten hiesigen Maisanbau-Fläche (gut zwei Millionen Hektar). Der Löwenanteil dieser Flächen liegt in den neuen Bundesländern, insbesondere in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. In der EU ist der Anbau von gv-Mais in dem Zeitraum von 2005 bis 2008 leicht gestiegen. Im Jahr 2008 waren es knapp 108.000 Hektar. 2009 sank diese Fläche auf knapp 95.000 Hektar. Spanien war dabei mit 76.000 Hektar das Land mit der größten GVO-Fläche in der EU; weitere Länder, in denen MON810-Mais angebaut wird, sind Portugal und die Tschechische Republik, jeweils auf weniger als 10.000 Hektar.

Anbau-Zulassung

MON810 wurde in der EU erstmalig 1998 zum kommerziellen Anbau zugelassen. Diese Zulassung lief 2007 aus. Im Juni 2009 hat das zuständige wissenschaftliche Gremium der EFSA sein „OK“ für die vom US-Gentechkonzern Monsanto beantragte Neuzulassung von MON810 gegeben, allerdings sieht das Verfahren der EU eine Abstimmung der Mitgliedsländer vor. Diese steht noch aus. Es wird aber angenommen, dass eine Entscheidung noch in diesem Jahr zustande kommt. Bis dahin gilt die alte Zulassung. Allerdings haben sechs EU-Mitgliedsländer diese EU-Zulassung außer Kraft gesetzt. Dies sind neben Deutschland Frankreich, Griechenland, Luxemburg, Österreich und Ungarn.

MON810-Kritik

Landwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Organisationen, WissenschaftlerInnen und andere haben die Zulassung des Mais und das positive MON810- Votum der EFSA stark kritisiert. Das liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass die EFSA im Dezember 2008 von den EU-UmweltministerInnen aufgefordert worden war, das Verfahren zur Bewertung von gentechnisch veränderten Pflanzen zu überarbeiten. Diese Novellierung ist aber weder abgeschlossen, noch von den entsprechenden Gremien der EU akzeptiert. Letztendlich bleibt offen, auf welcher Basis die EFSA derzeit ihre Einschätzungen erstellt.

Argumente gegen den Anbau von MON810

MON810-Mais produziert ein so genanntes Bt-Toxin. Dieses Gift wirkt - so die Theorie - insbesondere auf eine Insektengruppe: Schmetterlinge. Doch das Gift wirkt auch „am Ziel vorbei“, wie verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben. Florfliegen, Marienkäfer, Wasserläufer und andere Insekten sind - als ausgewachsene Organismen oder als Larven - empfindlich. Sie sterben früher oder können sich schlechter fortpflanzen.2 Gleichzeitig zeigen neuere Forschungen, dass die Wirkungsweise noch nicht völlig geklärt ist. Auch ist bisher offen, wieviel Gift tatsächlich in den verschiedenen Pflanzenteilen gebildet wird.3

Weitere zugelassene gv-Pflanzen

Neben MON810 ist nur eine andere gv-Pflanze in der EU für den kommerziellen Anbau zugelassen: Die gv-Kartoffel Amflora des Chemiekonzerns BASF wurde im Frühjahr 2010 zugelassen. Sie bildet Kartoffeln mit einem gentechnisch veränderten Stärkehaushalt.

Aktiv werden gegen neue gv-Pflanzen

STOP THE CROP !!!


Was tun, wenn gentechnisch veränderter Mais in der Nähe angebaut werden soll?
Bis Anfang Februar jeden Jahres muss ein geplanter Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen im Standortregister gemeldet werden. Nachbar-Betriebe müssen auf dieses Vorhaben hingewiesen, Einwände müssen von dem Genmais-Anbauer berücksichtigt werden. „Was nach meiner Erfahrung schon sehr viel bringt, um den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu verhindern, ist die Veröffentlichung dieses Vorhabens“, so Christof Potthof vom Gen-ethischen Netzwerk: „Wir bauen ein soziales Netz von KritikerInnen um den geplanten Anbau von gv- Pflanzen auf. Kann man den Landwirt selbst nicht umstimmen, hilft zum Beispiel eine kleine Recherche, wem die Fläche, auf der die gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden sollen, gehört oder an wen die Ernteprodukte geliefert werden sollen. Mit dieser Strategie ist der Anbau von gentechnisch verändertem Mais - in den Jahren, in denen dieser überhaupt erlaubt war - auf sehr niedrigem Niveau gehalten worden.“ (Text: Christof Potthof & Anja Lägel; Stand: 15. April ‘10)


Diesen Flyer zum Ausdrucken hier (pdf-Dokument, 136 KB, direkter Link).
  1. 1. EFSA: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority) ist die zentrale Stelle der EU bei der Bewertung von gentechnisch veränderten Organismen.
  2. 2. Martha Mertens (2006): „Bt-Mais wirkt auch am Ziel vorbei“. In: Gen-ethischer Informationsdienst (GID); im Netz unter:
    http://kurzlink.de/GID_mertens0608.
  3. 3. „Bt - Bacillus thuringiensis“. GID, Juni 2009. Im Netz hier zu finden.
Price: 0,00 €
AnhangGröße
1006GeN-Flyer_gvMais_MON810.pdf136.71 KB
1201_GeN_MON810www.pdf185.58 KB