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Wann wird die KWS Saat AG von Monsanto übernommen?

(Berlin und Witzenhausen, 17. Dezember 2014) Wann wird die KWS Saat AG von Monsanto übernommen? ... das ist die Leitfrage, mit der ein Bündnis von kritischen Aktionärinnen und Aktionären in der morgen stattfindenden Hauptversammlung der KWS Saat AG auftreten wird.


Genau wie viele andere Konzerne setzt auch die KWS auf globales Wachstum. Firmenübernahmen sind auch für die KWS das Mittel der Wahl. Ist das zugehörige Motto «Fressen oder gefressen werden»?

Schon heute ist die Konzentration auf dem weltweiten Saatgutmarkt besorgniserregend. Immer weniger transnationale Konzerne teilen den sprichwörtlichen Kuchen unter sich auf. Letzte Untersuchungen malen ein erschreckendes Bild: In nur sechs Konzernzentralen (Monsanto, DuPont, Syngenta, Bayer, Dow, und BASF) (1) wird über mehr als 60 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes entschieden. Gleichzeitig konzentriert sich in diesen Zentralen das Sagen über drei Viertel der gesamten privatwirtschaftlichen Züchtungsforschung. Sechs Vorstände entscheiden wofür drei von vier Euro oder Dollar auf der Welt von privater Seite für Züchtungsforschung ausgegeben werden ... und der Vorstand der KWS ist nicht dabei.(2)

Dass diese Entwicklung nicht an ihrem Ende angekommen ist, wurde gerade in diesem Jahr deutlich. BeobachterInnen wurden von der Nachricht aufgeschreckt, dass der weltweite Branchenprimus auf dem Saatgutmarkt, der US-Chemie- und Gentech-Konzern Monsanto, den schweizerischen Multi Syngenta (Platz 3 der Branche) übernehmen wolle. Bisher ist es zwar nicht dazu gekommen, nichtsdestotrotz wird es auch in Zukunft Übernahmen geben. Auch die KWS wurde in der Vergangenheit als Kandidat gehandelt, von einem der globalen Chemie-Multis übernommen zu werden.(3)

Christof Potthof, Mitarbeiter des Gen-ethischen Netzwerk e.V., kommentiert diese Entwicklung: „Wir sind sehr besorgt über die Art, wie die Konzerne «Wachstum» sagen, wenn nach der Zukunft gefragt wird. Wachstum ist unserer Meinung nach keine passende Antwort - weder auf die Frage nach dem Ziel, noch auf die Frage nach der Strategie. Natürlich ist die Frage «Wann wird die KWS von Monsanto übernommen?» eine Provokation. Aber, wie das eben so ist mit Provokationen: Oft funktionieren sie nur, weil in ihnen ein wahrer Kern steckt.‟

Saatgut für gentechnisch veränderte Pflanzen spielt in der Strategie der KWS Saat AG eine zentrale Rolle - trotz anhaltender, zum Teil stärker werdender Kritik (siehe insbesondere auch die Kennzeichnungsdebatte in den USA).(4) Hier knüpft ein weiterer Kritikpunkt des Bündnisses an. Steffen Tackmann von der Initiative Witzenhäuser Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft: „Uns bereitet die zunehmende Fokussierung auf die Gentechnik Sorgen. Heute erzielt die KWS bereits ein Drittel ihres Umsatzes mit gentechnisch verändertem Saatgut. Wir befürchten, dass mit dieser Entwicklung eine Vernachlässigung klassischer Züchtung einhergeht. In der konventionellen Zucht und dem systemischen Wissen um Pflanzen und ihre Standorte steckt enormes Potential. Dieses Potential läuft Gefahr, ungenutzt zu bleiben - weil zunehmend in die Gentechnik und andere molekulare Verfahren investiert wird, deren Risiko wir nicht abschätzen können.‟

Fußnoten:

(1) Die BASF verkauft zwar nicht im großen Stil Saatgut, hat aber in den vergangenen Jahren in erheblichem Umfang in Saatgut- und Genomforschung investiert.

(2) ETC Group (2013): Putting the Cartel before the Horse ...
www.etcgroup.org/sites/www.etcgroup.org/files/NR_CartelBeforetheFarm9Sep...
Andere Berechnungen sehen die KWS unter den TOP 5 der weltweiten Saatgut-Unternehmen. Es kommt auf die zugrunde gelegten Geschäftszahlen an.
Regelrechten Kultstatus genießt die Darstellung „Seed Industry Structure 1996 - 2013‟ des US-amerikanischen Wissenschaftlers Phil Howard
www.msu.edu/~howardp/seedindustry.html.

(3) Handelsblatt (2010): Heiße Wette auf Agraraktien (von Jörg Hackhausen und Christian Panster)
www.handelsblatt.com/finanzen/aktien/aktien-im-fokus/rendite-vom-acker-h...
(„Übernahmegerüchte gab es zuletzt auch um KWS Saat. Das Einbecker Unternehmen stellt hochwertiges Saatgut her. Chemieriese BASF, der auch an K+S beteiligt ist, solle Interesse haben, hieß es Anfang November. Die Aktie des Saatgutherstellers schoss daraufhin nach oben.‟)

(4) Kennzeichnungsdebatte in den USA: Nach aktuellen Informationen scheiterte der Volksentscheid im November an nur 800 Stimmen (bei insgesamt etwa 1,5 Millionen Wahlberechtigten).

Gegenanträge:

www.kws.de oder www.kurzlink.de/GeN_kws14a

Pressekontakt und weitere Informationen:

Christof Potthof, Gen-ethisches Netzwerk e.V.
Brunnenstr. 4, D - 10119 Berlin
030 - 685 8030, 0163 - 2606 359
christof.potthof@gen-ethisches-netzwerk.de

Steffen Tackmann
Witzenhäuser Agrarstudierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft
0157 - 82 33 83 83


Siehe auch zur HV 2013: www.gen-ethisches-netzwerk.de/gen/2013/1312GeN_kws_akionaerInnen_hv


Gen-ethisches Netzwerk und die Witzenhäuser Agrarstudierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft kooperieren vor Ort mit:
Bürgerinitiative für ein gentechnikfreies Südniedersachsen: www.gentechnikfreies-suedniedersachsen.de