Jump to Navigation

Verbände rufen zum „Gene Drive“-Moratorium auf. Zum Start der 13. UN-Biodiversitätskonferenz

(Hamm und Berlin, 4. Dezember 2016) Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks spricht sich gegen die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen aus, die mit einem „Gene Drive“ ausgestattet sind. „Ich teile Ihre Bedenken, dass ,Gene Drive‘ erhebliche Auswirkungen auf die Ökosysteme haben kann und dass daher insbesondere Vorsicht bei der Forschung und Risikobewertung walten sollte. Eine Freisetzung von Organismen, bei denen Gene Drive verwendet wird, halte ich aus ökologischer Sicht zurzeit für nicht vertretbar,“ positioniert sich die Ministerin im Vorfeld zur 13. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt, die vom 4. bis 17. Dezember in Mexiko stattfinden wird.

„Wir begrüßen die Stellungnahme von Frau Dr. Hendricks und fordern die Bundesregierung auf, sich für ein „Gene Drive“-Moratorium auf der anstehenden Vertragsstaatenkonferenz stark zu machen. Zudem muss sich die Bundesregierung für wirksame Maßnahmen gegen jegliche unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen einsetzen. Dieses Problem erfordert eine wesentlich größere Aufmerksamkeit und ein energisches Handeln,“ so Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V.

 

UPDATE: (5. Dezember 2016)

Bitte beachten Sie auch den Aufruf von 160 internationalen Gruppen für ein Gene Drive-Moratorium

www.synbiowatch.org/gene-drives/gene-drives-moratorium

 

Zum Hintergrund:

„Gene Drives“ verändern nicht nur das Erbgut selbst, sondern auch die Häufigkeit der Vererbung. Das Verfahren basiert auf der Anwendung der „DNA-Schere“ CRISPR-Cas. Die Nuklease wird dabei fest im Erbgut verankert. Dadurch vererbt sich der Mechanismus der gentechnischen Veränderung, so dass alle Nachkommen in Bezug auf die gentechnische Veränderung reinerbig sind. Auf diese Weise verbreitet sich die gentechnische Veränderung wesentlich schneller. Das Verfahren soll eingesetzt werden, um auch natürliche Populationen wie Insekten, Unkräuter oder auch wild lebende Säugetiere gentechnisch zu verändern. Geht dabei allerdings etwas schief, drohen schwerwiegende Schäden an den Ökosystemen. Eine wirksame Kontrolle derartiger Freisetzungen gibt es bislang nicht.

 

In den letzten Jahren wurden bereits mehrere Fälle einer unkontrollierten Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen in der Umwelt dokumentiert: Baumwolle in Mexiko, Raps in Nordamerika, Japan, Australien und der Schweiz sowie Gräser in den USA. Darüber hinaus wurden wiederholt gentechnische Veränderungen in regionalen oder ursprünglichen Sorten gefunden, so zum Beispiel in mexikanischem Mais und in Reis aus China. In der Stellungnahme der Umweltministerin auf ein gemeinsames Schreiben von Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Gen-ethisches Netzwerk (GeN), Interessengemeinschaft für Gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG Saatgut), Save our Seeds (SOS) und Testbiotech heißt es dazu, dass dieses Thema auf der Konferenz von ihrem Amtskollegen, Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung Christian Schmidt, vertreten werde. Die Bauern-, Umwelt und Zivilgesellschaftlichen Organisationen fordern deswegen ein geschlossenes Auftreten der Bundesregierung mit dem Ziel, wirksame Gegenmaßnahmen auf den Weg zu bringen.

 

Kontakte:

Annemarie Volling, AbL e.V., Tel. 0160/96760146, volling@abl-ev.de

Christof Potthof, GeN, Tel. 0163/2606359, christof.potthof@gen-ethisches-netzwerk.de

Dr. Eva Gelinsky, IG Saatgut, gentechnikfreie-saat@gmx.de

Benny Haerlin, SOS, Tel. 0173/9997555, haerlin@zs-l.de

 

Weitere Informationen:

Die Antwort von Ministerin Dr. Barbara Hendricks: http://www.abl-ev.de/presse.html

Der gemeinsame offene Brief an Ministerin Dr. Barbara Hendricks: http://www.abl-ev.de/presse.html

Die internationale Tagung zum Schutz der biologischen Vielfalt: http://cop13.mx/en/cop-13/