Gentests und Genomsequenzierung

Die vollständige Sequenzierung der menschlichen DNA war das große Projekt der 1990er Jahre, die Kosten des Human Genome Projects betrugen drei Milliarden US-Dollar. Mittlerweile werden die Tests immer schneller und billiger. Die Anzahl kommerzieller Anbieter, die ihren Kund*innen eindeutige Aussagen zu Gesundheitsrisiken oder Lebensstilfragen durch Sequenzierung ihres Genoms oder einzelner Genvarianten versprechen, steigt. Doch wie oft die Sequenzierung des gesamten Genoms oder Exoms (dem proteinkodierenden Bereich) tatsächlich zu einer Diagnose führt, darüber ist wenig zu erfahren.

Auch ist umstritten, inwieweit genetische Informationen solche Rückschlüsse zulassen. Denn der tatsächliche kausale Zusammenhang von abweichenden Genvarianten mit möglichen Konsequenzen für die Gesundheit ist für die allermeisten Erkrankungen unbekannt. Das GeN kritisiert, dass die Entscheidung für eine Sequenzierung angesichts möglicher nicht interpretierbarer Ergebnisse und Nebenbefunde kaum als eine „informierte“ zu bezeichnen ist.

Beiträge zu diesem Thema

  • Ahnenforschung mit Gentests

    Von
    GeN ,

    Sind die neuen Gentests-to-Go wirklich zuverlässig? Und wie gut sind Daten geschützt? GeN-Mitarbeiterin Isabelle Bartram wurde für den Podcast "My Challenge" von MDR Wissen zu kommerziellen Gentests befragt.

  • Meine DNA und ich - Was bringen Gentests to go?

    Von
    GeN ,

    Was bringen kommerzielle "Gentests to go"? GeN-Mitarbeiterin Isabelle Bartram erläutert in der Radiosendung ZÜNDFUNK des Bayerischen Rundfunks die fehlende Wissenschaftlichkeit und die großen Datenschutzrisiken der Tests.

  • Big Data, big Errors

    Interview mit
    Gerd Antes , 27. Februar 2019

    Seit über 20 Jahren setzte sich Gerd Antes für eine evidenzbasierte Medizin und Qualitätssicherung in der biomedizinischen Forschung ein. Am aktuellen Trend der Präzisionsmedizin und Big Data-Gesundheitsforschung kritisiert er die Untergrabung von Standards guter Wissenschaft und Forschung zugunsten leerer Versprechen.

  • Profitable Gene

    Von
    GeN ,

    Seit Ende 2018 sind Abstammungs-Gentests der US-amerikanischen Firma Ancestry auf dem deutschen Markt erhältlich - warum die Tests problematisch sind erklärt ein Artikel von GeN-Mitarbeiterin Isabelle Bartram in der aktuellen Jungle World (2019/07).

  • Kontinuitäten von Eugenik und Genetik

    Von
    GeN ,

    Am 14. März zeigt das GeN den Dokumentarfilm „A Dangerous Idea". Er verfolgt die Geschichte von eugenischen Sterilisationsprogrammen, pseudowissenschaftlichen „Rasse"theorien und dem Wettlauf um die Entschlüsselung der genetischen Sequenz. Dabei kommen nicht nur Expert*innen aus den Naturwissenschaften, der Soziologie und Politik zu Wort, sondern auch direkt Betroffene von Zwangssterilisationen.