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Medien

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165 - August 2004
Medien
Medien, Macht und Manipulation Ignacio Chapela, in Mexiko geborener Assistenzprofessor für Biologie an der Universität in Berkeley (USA), fand bei einer Untersuchung von mexikanischen Mais-Landsorten gentechnisch verändertes Material. Seine Ergebnisse wurden in dem Fachmagazin Nature publiziert. Später distanzierten sich die Herausgeber von dem Artikel - ein bis dato einmaliger Vorgang in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Magazins. Außerdem beschäftigen sich Mike Steffen Schäfer mit der Humangenomforschung in der Mediendebatte, Gernot Hofmann mit dem Management von Sichtweisen und Michael Strassnig mit der Politik der Stammzellen.
 
Hofmann, Gernot
Die Methoden der Akzeptanzbeschaffung für gentechnisch modifizierte Organismen (GMO) greifen tief in die Psyche ein, sollen Denkvermögen beeinträchtigen und Wahrnehmung steuern. Sie sind Kreationen amerikanischer PR-Agenturen und des US-Militärs. Auch bei wirtschaftlichen Aktivitäten wie der Vermarktung von gentechnisch modifizierten Organismen (GMO)
sollen sie deren Gegner demoralisieren und die Wahrnehmung der Öffentlichkeit, der Regierungen und Journalisten so steuern, dass sie sich mit der
GMO-Vermarktung identifizieren.
Interview mit Chapela, Ignacio
Ignacio Chapela, in Mexiko geborener Assistenzprofessor für Biologie an der Universität in Berkeley (USA), fand bei einer Untersuchung von mexikanischen Mais-Landsorten gentechnisch verändertes Material. Seine Ergebnisse wurden in dem Fachmagazin Nature publiziert. Später distanzierten sich die Herausgeber von dem Artikel - ein bis dato einmaliger Vorgang in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Magazins.
Schäfer, Mike Steffen
“Das menschliche Genom ist sequenziert” – nach 2000 und 2001 wurde diese Meldung im vergangenen Jahr zum dritten Mal, und dieses Mal wohl endgültig präsentiert. Damit wurde ein Kapitel beendet, das als Katalysator der massenmedialen Debatte über Humanbiotechnologien insgesamt fungierte und in seinen Hochzeiten umfassende Berichterstattung auslöste. Eine Untersuchung in den drei größten überregionalen deutschen Printmedien verdeutlicht, dass die Ausgestaltung der deutschen Debatte maßgeblich vom Handeln der biowissenschaftlichen Akteure und von ihren Argumenten bestimmt wurde

Landwirtschaft & Lebensmittel

Jensch, Nele
Den Prozess um die Bezeichnung der Erzeugnisse des Müller-Konzerns hat Greenpeace verloren. Am 23.06.04 entschied das Kölner Landgericht, die Umweltschutzorganisation dürfe Ausdrücke wie "Gen-Milch" in Bezug auf die Produkte der Unternehmensgruppe Theo Müller GmbH nicht mehr
gebrauchen.
Schimpf, Mute
Futtermittel mit Gentechnik-Anteil müssen seit April gekennzeichnet werden. Die Firma Bunge kennzeichnet sogar gentechnikfreies Soja und zieht damit den Ärger von Bäuerinnen und Bauern auf sich.

Mensch & Medizin

Brüser, Elke
Per Praxissoftware versuchen Arzneimittelhersteller, die Medikamentenwahl von Ärzten zu beeinflussen. Zusätzlich gibt die Software ihnen die Möglichkeit, das Verordnungsverhalten der Ärzte zu durchleuchten
Interview mit Andrew, Lori
In den USA hinken die gesetzlichen Regelungen der rasanten Entwicklung bei Reproduktionstechnologien und genetischen Diagnoseverfahren hinterher. Auch in absehbarer Zukunft scheint sich an dieser Situation nichts zu ändern. Im Juni diesen Jahres sprach Franz Seifert in Chicago mit der Bioethikerin Lori Andrews.

Politik & Wirtschaft

Potthof, Christof
Die Novellierung des Gentechnikgesetzes entwickelt sich zu einer nicht-enden-wollenden Geschichte. Das vorerst letzte Kapitel schrieb die EU-Kommission mit der Androhung eines Mahnverfahrens für den Fall, dass die Bundesregierung nicht verschiedene Änderungen an ihrer Vorlage vornimmt.
Vogel, Benno
Gentech-Industrie und Wissenschaft läuten «eine neue Ära für die Pflanzenbiotechnologie» ein. Kosten soll sie 45 Milliarden Euro. EU-Forschungskommissar Philippe Busquin ist begeistert. Die möglichen Folgen: Steuerzahler blechen, Stellensuchende gehen leer aus, Landwirte werden abhängig und Naturschützer verlieren stillgelegte Flächen. Die Gentech-kritischen Organisationen? Sie bleiben außen vor.
Dokumentation
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat sich in ihrem Bericht ”Ernährung und Landwirtschaft 2003/2004” ausführlich mit Fragen der Biotechnologie beschäftigt. Diese Veröffentlichung nahmen Nichtregierungsorganisationen zum Anlass, einen offenen Brief an den Generaldirektor der FAO, Dr. Jacques Diouf, zu richten (siehe Kasten). Hier die Erwiderung des FAO-Generaldirektors.
Strassnig, Michael
Ab wann wird aus einem Artefakt der Wissenschaft auch ein politisches Objekt? Die Unterscheidung von pluripotenter und totipotenter menschlicher Stammzelle ist, wie sie in den Labors vollzogen wird, immer auch eine politische. Mit der Akteur-Netzwerk Theorie lässt sich die Erfindung des politischen Objektes "Stammzelle" in den Verhandlungen von Wissenschaft, Gesellschaft und
Massenmedien zeigen.

Editorial

Im Rahmen eines OECD-Prozesses untersucht das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), welche Visionen Unternehmen, Forschung und gesellschaftliche Gruppen heute mit der Biotechnologie verbinden. Laut BMBF verständigten sich dabei führende ExpertInnen und StakeholderInnen der Biotechnologie auf Szenarien einer Bioökonomie für “technologisch getriebene, wirtschaftlich nachhaltige und...

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Impressum

GID 165, Aug./Sept. 2004 20. Jahrgang - ISSN 0935-2481 Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Monika Feuerlein, Christof Potthof, Nele Jensch