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Medikamente

179 - Dezember 2006
Medikamente

"Für jeden etwas?" In diesem GID-Schwerpunkt zum Thema Medikamente beschäftigt sich Christian Wagner mit der Frage, ob die Arzneimittelforschung, so wie sie derzeit stattfindet, eigentlich im öffentlichen Interesse ist. Monika Feuerlein geht dem biologistischen Diskurs der "ethnischen Medizin" nach und in einem Interview erklärt Irene Krämer, warum Biopharmazeutika "unnachahmlich" sind. Außerdem gehen zwei weitere Artikel auf gentechnisch hergestelltes Insulin ein.

 
Wagner, Christian

In Deutschland werden jährlich 9 Milliarden Euro für die Arzneimittelforschung ausgegeben.(1) Fast die Hälfte dieses Geldes stammt aus öffentlichen Kassen. Patentschutz wird als wichtigstes Stimulans zur Forschung eingesetzt und auch Universitäten werden angehalten, alle Entwicklungen zu patentieren, die kommerziell verwertbar sein könnten. Dennoch geht die Forschung oft an den Gesundheitsbedürfnissen vorbei, und global gesehen hat die Mehrheit der Weltbevölkerung keinen Zugang zu Medikamenten. Dient die moderne Arzneimittelforschung noch dem öffentlichen Interesse?

Groth, Sylvia

In einer großen Marketingkampagne zu dem neuen, gentechnisch hergestellten Impfstoff Gardasil verspricht der herstellende Pharmakonzern Sanofi Pasteur MSD Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Die Hoffnungen sind groß. Unabhängige Informationen dazu sind hingegen trotz einer Flut von Artikeln ebenso rar wie evidenzbasierte Daten über die Langzeitwirkung der neuen Impfung.

Feuerlein, Monika

In den USA hat sich das erste Medikament, das nur für AfroamerikanerInnen zugelassen wurde, wirtschaftlich als Flop erwiesen. Doch biologistische Diskurse machen Karriere.

Interview mit Krämer, Irene

Interview mit Dr. Irene Krämer
Im Frühjahr hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA das erste Nachahmerprodukt eines biotechnologisch hergestellten Medikaments zugelassen. Das von der Novartis-Tochter Sandoz hergestellte Medikament Omnitrope enthält das gentechnisch erzeugte Wachstumshormon Somatropin und ist dem Pfizer-Produkt Genotropin nachempfunden. Die Entscheidung der EMEA hat eine Debatte über die Sicherheit solcher "Biosimilare" ausgelöst. Wieder nur eine Strategie der Pharmaindustrie?

Böhme, Jana

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Juli diesen Jahres beschlossen, dass kurzwirksame Insulinanaloga, die eine gentechnisch hergestellte Abwandlung des Insulins darstellen, unwirtschaftlich sind und bei Patienten mit Typ 2-Diabetes nur noch in Ausnahmen auf Kassenrezept verordnet werden dürfen. Der Nutzen und die Sicherheit klassischer Humaninsuline – die immer noch als Vorzeigemedikament der Gentechindustrie gelten – wird weiterhin nicht hinterfragt.

Interview mit Hancl, Sabine

Interview mit Sabine Hancl
Im Streit um die Erstattungsfähigkeit von Insulinanaloga werden die Nebenwirkungen von Humaninsulin erstmals publik gemacht: Vor allem Hersteller und Diabetologen beziehen sich nun auf diese, um einen Verlust von Marktanteilen zu verhindern. Was bedeutet der Argumentationswechsel für die Betroffenen?

Landwirtschaft & Lebensmittel

Leiber, Tobias

Von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, werden seit Jahren gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Eine Diskussion darüber hat es öffentlich nicht gegeben. Wie auch? Die Kammer hat weder Nachbarn noch das zuständige Ministerium noch sonst irgendwen informiert.

Potthof, Christof

Mit dem Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen soll sichergestellt werden, dass nur unbedenkliche Lebens- und Futtermittel auf den Markt kommen. Verfahrensmängel und fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse führen jedoch zu fragwürdigen Entscheidungen.

Mensch & Medizin

Steven, Elke

Eigentlich sollte bereits in diesem Jahr eine elektronische Gesundheitskarte (abgekürzt eGK) die Krankenversicherungskarte ersetzen. Nun wird sich ihre Einführung wohl noch weiter verschieben. Das Komitee für Grundrechte ruft dazu auf, die Zeit zu nutzen, um gegen die Ausweitung der Datensammelei zu protestieren.

Feyerabend, Erika

Das Deutsche Hygiene Museum in Dresden hat einen Medienpreis an den Journalisten und Autor Erwin Koch für seinen Beitrag "Der gute Tod" verliehen. In diesem wird die Tötung von kranken oder behinderten Neugeboren in den Niederlanden befürwortet.

Politik & Wirtschaft

Potthof, Christof

BASF hat noch keine europäische Anbau-Zulassung für seine gentechnisch veränderte (gv) Kartoffel der Sorte "Amflora" bekommen.

Potthof, Christof

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften hat sich mit ihrem Ansinnen, einen Beschluss der internationalen Akademien zur Unterstützung der grünen Gentechnik herbeizuführen, nicht durchsetzen können.

Potthof, Christof

Wieder ein neues Papier als Grundlage für ein neues Gentechnikgesetz. Die unendliche Geschichte zu dessen Novellierung setzt sich fort - die Stimmung kippt in Richtung der Interessen der Gentechnik-Befürworter und nebenbei wird das Gentechnikrecht an sich ausgehöhlt.

Sprenger, Ute

Bevor transgene Nutzpflanzen in Monokulturen zum Einsatz kommen, muss erst einmal das entsprechende Saatgut in ausreichender Menge erzeugt werden. Bereits vor 1996, dem Jahr des ersten kommerziellen Anbaus im Pionierland der Gentechnik, den USA, begannen die Saatgutvermehrungen und der experimentelle Einsatz. Beides fand überwiegend in Staaten statt, wo derartige Arbeiten unbehelligt von gesellschaftlichen Debatten oder besonderen Kontrollen möglich sind.

Potthof, Christof

Deutsche Nichtregierungsorganisationen erheben Einspruch gegen das Urteil im Gentechnikstreitfall der Welthandelsorganisation. Sie warnen damit vor einer weitreichenden Schwächung von internationalen Umweltabkommen durch Handelsabkommen.

Schimpf, Mute

Mit gentechnischen Wunderpflanzen soll der Hunger in der Welt zu bekämpfen sein, meinen einige Wissenschaftler und die Werbeabteilungen aus der Gentechnikbranche seit Jahren. Schon bald könnten trockenresistente, ertragsreiche oder mit Eiweiß angereicherte Pflanzen auf die Felder in Entwicklungsländern kommen.

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Impressum

GID 179, Dez. 2006/Jan. 2007 22. Jahrgang - ISSN 0935-2481 Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Monika Feuerlein, Amadeus Janio, Christof Potthof, Andrej Schönhof, Ute Sprenger