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Tierzucht-Monopoly

Tiergenetische Ressourcen werden zunehmend privatisiert. Gleichzeitig sind effektiv immer weniger Tiere an der Zucht beteiligt und der Markt konzentriert sich auf nur wenige Firmen, die ihrerseits weltweit aktiv sind. Eine internationale Konferenz im September wird diese Probleme nicht lösen können.

Wegen der wachsenden Nachfrage in Entwicklungsländern nach Fleisch, Eiern und Milch wird seit etwa einer Dekade die Viehzucht-Revolution ("Livestock Revolution") erwartet. Dabei werden nicht etwa Schweine aus Mastanlagen oder Hennen aus Legebatterien befreit, oder das Vieh macht sich gar - nach George Orwell's "Animal Farm" (erschienen 1945) - selb-ständig, sondern es werden immer mehr Tier-Produktionsanlagen in Entwicklungsländern eingerichtet, um die wachsenden städtischen Bevölkerungen zu versorgen.
In der globalen Landwirtschaft findet Wachstum derzeit - neben dem jüngsten Sektor Energiepflanzen - vor allem in der Tierproduktion und bei Futtermitteln statt, und zwar in erster Linie in Asien und in Lateinamerika sowie in einigen Transformationsländern Osteuropas . Große Tierzuchtunternehmen haben daher ihre Expansionspläne auf diese Märkte gerichtet. Die Unternehmen stammen überwiegend aus Europa und Nordamerika und haben sich in den letzten Jahren strategische Monopolstellungen in der Zucht industriell nutzbarer Hochleistungsrassen gesichert. Lokale Rassen sterben aus und deren Produkte geraten in Vergessenheit; bestenfalls werden sie in Nischenmärkte verdrängt.
Nur vier Konzerne beliefern die Welt mit Zuchtmaterial für Legehennen, Masthähnchen, Truthähne und anderes Geflügel. Beim Schweinefleisch, dem weltweit meistkonsumierten Fleisch, wird bereits ein Drittel industriell produziert, wobei die Zuchtlinien sich immer mehr in der Hand von wenigen Zuchtunternehmen konzentrieren. Die Hybridtechnologie spielt dabei eine Schlüsselrolle, denn sie erlaubt die Kontrolle über die Zuchtlinien. Aber auch bei der Genetik für die Rinderzüchtung hat sich der Konzentrationsprozess erheblich beschleunigt. Die führenden Tierzucht- und Biotechnologiekonzerne sind über Tochterfirmen in mehr als nur einer der Branchen tätig und entstanden in dieser Form erst während der letzten Jahre. Die kooperative Tierzucht von Schweinen und Rindern hat sich von der Regel zur Ausnahme entwickelt, während börsennotierte Unternehmen - neben einigen Familienunternehmen - an die Spitze getreten sind. Immer mehr bestimmt die Vorliebe für Patente, exklusive Lizenzen und marktbeherrschende Positionen das Geschäft. Die Landwirtschaft genießt - wie einige andere öffentlich wichtige Wirtschaftssektoren trotz der weit fortgeschrittenen Privatisierung - im Kartellrecht der EU einen auf die sechziger Jahre zurückgehenden Sonderstatus.

Die wichtigsten Tierzuchtkonzerne

  1. Geflügel: Die weltweite Geflügelzucht haben fast ausschließlich europäische Erzeuger in der Hand. Die Nummer Eins ist die deutsche Firma Erich Wesjohann GmbH&Co.KG. Sie liefert die Großelterntiere 1 für rund 70 Prozent aller Legehennen, die weiße Eier legen und ist der Marktführer in der Hühner- und Truthahn-Mast. Im Brauneier-Bereich kommen 80 Prozent aller Legehennen-Großelterntiere vom niederländischen Konzern Hendrix Genetics, der zudem Anfang 2007 die Übernahme der ebenfalls niederländischen Firma Euribrid (von ihrem jetzigen Mutterkonzern Nutreco) angekündigt hat. Euribrid "liefert" vor allem "die Genetik" für Masthähnchen und Puten und ist gleichzeitig der zweitgrößte Player in der Schweinezucht. Drittgrößter unter den Geflügel-Genetikern ist der französische Familienkonzern Groupe Grimaud. Über das Tochterunternehmen Hubbard besitzt die Groupe Grimaud die exklusiven Rechte an den Genom-Daten der US-Genfirma MetaMorphix. In den USA ist der weltgrößte Hühner- und Fleischvermarkter Tyson mit seinem Tochterunternehmen Cobb Vantress in der Hühnerzucht aktiv.
  2. Schweine: Auch in der industriellen Schweinezucht führen die Europäer. Größter Schweinegenetiker ist PIC (Pig Improvement Company), der seit 2005 zusammen mit dem größten Rinderzuchtkonzern ABS Global den weltgrößten Tiergenetik-Konzern Genus bildet. Als Nummer Zwei hinter PIC liegt die niederländische Euribrid, gefolgt von der niederländischen Kooperative Topigs, die unter anderem die Schweine-Zuchtlinien liefern, aus denen Parmaschinken hergestellt wird. Als Vierter in der Runde der Schweine-Gen-Monopolisten ist seit einigen Jahren der US-Agrar-Multi Monsanto aktiv, der sich als Quereinsteiger aus der Saatzucht-Genetik aggressiv in die Schweinezuchtbranche einkauft und exklusive Lizenzen auf große Teile des Schweinegenoms bei der Gen-Firma Meta-Morphix besitzt.
  3. Rinder: Der britische Konzern Genus (über seine Tochter ABS Global) führt auch hier die Züchterphalanx an. Die zweitgrößte Firma, Alta Genetics, gehört zum niederländischen Konzern Koepon Holding und ist bereits Kooperationsverträge mit Monsanto eingegangen: Monsanto sichert sich damit den Zugriff auf wichtige Zuchtergebnisdaten, sowie auf eine der neuen Technologien zur Steigerung des Anteils der weiblichen Nachkommen bei der künstlichen Besamung. Weitere global tätige Zuchtunternehmen sind die kanadische Semex und die dänische Dansire.

Profit aus Hybridlinien

Schon vor sechzig Jahren übertrug Henry Wallace, ehemaliger Vize-Präsident der USA und Gründer des Saatgut-Multis Pioneer Hi-bred, das Prinzip der Hybridzüchtung vom Mais auf das Huhn. Leistungsmerkmale werden verstärkt, wenn zwei verschiedene Zuchtlinien gekreuzt werden. Die erhöhte Leistung geht allerdings in der nächsten Generation wieder verloren. Dafür werden Zuchtlinien mit männlichen Merkmalen, zum Beispiel rasches Muskelfleischwachstum, und Zuchtlinien mit weiblichen Merkmalen, zum Beispiel hohe Fruchtbarkeit, entwickelt. So wird sichergestellt, dass die Vermehrer und Mäster jede Generation neu kaufen müssen. Um diese Monopolstellung noch auszubauen, werden weitere Maßnahmen ergriffen, wie etwa Exklusiv-Verträge der Züchter mit den Vermehrern. Vor allem in der Geflügelzucht kommen solche "biologischen Blockaden" zur Anwendung. Auch in der Schweinezucht ist die Hybridtechnologie verbreitet.

Die Genom-Besitzer

Kenntnisse und Kontrolle über die Genom-Daten der Nutztiere sind Schlüsselstrategien der Genetik-Konzerne. Diese Daten werden nur mit exklusiven Lizenzverträgen weitergegeben. Die US-Firma MetaMorphix kaufte 2002 von der Genom-Firma Celera den Bereich der Genom-Analyse am Tier. Celera wurde vom US-amerikanischen Forscher Craig Venter gegründet, um mit weit gehend automatisierten Sequenziermaschinen das menschliche Erbgut zu analysieren; Celera sequenzierte aber auch Tier-Genome. MetaMorphix erhielt die Genom-Daten von Rindern, Schweinen und Hühnern. Diese Daten lizensierte MetaMorphix exklusiv an internationale Agrar-Konzerne: an Monsanto das Schweine-Genom, an Cargill das Rinder-Genom, an Grimaud das Hühner- und an Willmar das Puten-Genom. Diese Firmen - allen voran Monsanto - melden nun Patente auf die Gene an, außerdem auf Zuchtmethoden und sogar Tiere und Zuchtherden.

Genom-Sequenzierung und Gen-Marker

Die Sequenzierung eines Genoms und die Suche nach Marker-Genen steht ebenfalls verstärkt im Interesse der Konzerne. 2004 wurde das Hühner-Genom fertig sequenziert und Firmen wie Aviagen (seit 2005 bei Erich Wesjohann) suchen nun systematisch nach wirtschaftlich besonders interessanten Genen. 2005 folgte das Rinder-Genom. Nun findet ein Wettlauf um die Fertigstellung der Sequenzierung des Schweine-Genoms statt: Sowohl die US-Regierung als auch die Europäische Union wenden dafür erhebliche Forschungsmittel auf, die zu großen Teilen den Gen-Firmen zugute kommen. Biotechnologische Forschung bei Nutztieren ist ein wichtiger Schwerpunkt des neuen Forschungs-Rahmenprogrammes der Europäischen Union, so dass die Branche mit jährlicher Unterstützung in Milliardenhöhe rechnen kann. Christian Paterson, zuständiger EU-Forschungsdirektor, hält es für einen Durchbruch, dass die Industrie überzeugt werden konnte, die Förderstrategie zu formulieren!

Die Menschheit verliert landwirtschaftliche Ressourcen
Laut Angaben der Welternährungsorganisation FAO verliert die Welt im Durchschnitt jeden Monat eine von nur noch zirka 8.000 Nutztierrassen. Die Ausbreitung der industriellen Produktion vom Norden in den Süden definiert die FAO als Hauptursache für diese Entwicklung. Lokale, angepasste Rassen werden selten weitergezüchtet, stattdessen werden industrielle Zuchtlinien aus Industrieländern importiert und oft auch durch Entwicklungshilfe beziehungsweise günstige Kredite national oder international subventioniert. Ohne solche Subventionen hätten sich möglicherweise lokale Produktionssysteme mit angepassten Rassen weiterentwickelt. Man glaubte jedoch, dass der über viele Jahre erzielte Zuchtfortschritt des Nordens nicht einzuholen und das industrielle Produktionssystem trotz der damit verbundenen Probleme auch für den Süden notwendig sei. Der Süden brauche tierische Nahrungsmittel, und kleinbäuerliche Tierhalter würden modernere Einkommensquellen und Lebensweisen bevorzugen.
Sicherlich stimmt dies - zum Teil. Viele Kleinbauern wollen ihre Produktionssysteme weiterentwickeln, haben aber dazu keine Möglichkeiten. Ihre Rassen werden nicht weiterentwickelt. Künstliche Befruchtung wird meist nur für Hochleistungstiere angeboten. Kredite gibt es selten, und selten befasst sich ein nationales Forschungsinstitut mit den von Kleinbauern genutzten oder nutzbaren Rassen und Produktionssystemen. Im Gegenteil, man bedeutet den Kleinbauern und Hirtenvölkern Rückständigkeit, mangelnde Hygiene und die Übernutzung von Weiden. Sie seien nicht produktiv - selbst wenn sie in vielen Ländern einen erheblichen Teil des Bruttosozialproduktes erwirtschaften.

Produktivität ist Ansichtssache

Das Verständnis von Produktivität kann sehr unterschiedlich sein. Nutztierwissenschaftler errechnen die Produktivität des einzelnen Tieres. Milchmenge und Fettgehalt zählen, Umweltkosten werden externalisiert. In 40 Jahren Züchtung ist die Anzahl der Eier pro Huhn um 30 Prozent und die Anzahl der Eier pro Tonne Kraftfutter um 80 Prozent gestiegen. Die Futterverwertung verbesserte sich um 43 Prozent. Kleinbauern rechnen anders: Kraftfutter wird nicht gekauft und auch nicht aus Brasilien herantransportiert. Urwälder werden dafür nicht gerodet. Es gibt vor Ort genug zu picken, die Hühner machen wenig Arbeit, kaum Kosten und vermehren sich von selbst, auch wenn die Hälfte der Küken aus verschiedenen Gründen eingeht. Fleisch und Eier lassen sich gut verkaufen. Der Kapitalertrag der kleinbäuerlichen Hühnerzucht in Vietnam wird mit 700 Prozent errechnet, auch wenn ein Huhn nur 70 Eier legt und davon die Hälfte von der Familie konsumiert wird.

Nachfrage oder Angebot - wo liegt die Ursache des Wachstums?

Die große Nachfrage nach tierischen Produkten in Entwicklungsländern ist die Allzweck-Begründung für die industrielle Produktion, in der es eigentlich um das Geschäft geht. Die australische Schafindustrie zum Beispiel versucht seit vielen Jahren, den lukrativen Markt in den Golfstaaten zu erobern. Zunächst wurden die dort beliebten Awassi-Fettschwanzschafe nach Australien geholt und dort gezüchtet. Als gefrorenes Fleisch konnte man sie trotz niedriger Preise in den Golfstaaten nicht absetzen, denn dort werden in der Regel lebende Tiere, meist nur zu besonderen Anlässen, gekauft. Den Transport lebender Schafe über die Weltmeere hatten die australischen Tierschutzorganisationen verhindert. Nun wollen die australischen Unternehmen die Konsumenten in den Golfstaaten durch Werbung von der nach religiösen Vorschriften durchgeführten Schlachtung überzeugen. Unterernährung oder Mangel an tierischen Produkten herrscht in den Golfstaaten nicht. Während Brasilien derzeit wegen seiner billigen Futtermittel und Arbeitskräfte zum Fleischexport-Weltmeister wird, bleibt der heimische Konsum auf niedrigem Niveau. Viele Länder, einschließlich der EU, allen voran China und Russland, importieren die brasilianischen Billigprodukte. Gleichzeitig werden in China, Russland, Indien, Pakistan und einigen anderen Ländern, in denen sich Kaufkraft entwickelt, massiv die Tierproduktionsindustrien aufgebaut, mithilfe der europäischen Zuchtfirmen. Kaum jemals werden die massiven Probleme in Bezug auf Umwelt, Gesundheit und Tierschutz auch nur diskutiert.

Interlaken - die verpasste Chance?

Im September dieses Jahres wird sich eine im schweizerischen Interlaken stattfindende Konferenz der FAO mit dem Verlust der biologischen Vielfalt der Nutztierrassen befassen - zehn Jahre nach der Leipziger Konferenz über pflanzengenetische Ressourcen. Allerdings wird es keinen mit dem Pflanzen-Vertrag vergleichbaren Tier-Vertrag mit multilateralem Zugangs-System geben, denn es gibt keine internationalen Genbanken für Tiergenetik. Private Firmen haben ihre Sammlungen. Viele Industrie- und einige wenige Entwicklungsländer haben nationale Gen-Banken. Die Konvention über die Biologische Vielfalt bestimmt die nationale Souveränität über die Genressourcen. Deren noch umstrittene Regelungen für den Zugang und den gerechten Vorteilsausgleich können Türöffner für Patentgesetze sein.
Nach dem TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation WTO können Tiere von Patentregelungen ausgenommen werden. Allerdings schließen die USA, die EU, Australien und Kanada immer mehr bilaterale Handelsabkommen, in denen den Entwicklungsländern Patentgesetze aufgezwungen werden. Die Entwurfsdokumente für die Interlaken-Konferenz nehmen dazu nicht Stellung.
Die industrielle Tierproduktion wurde zwar als Hauptursache des Verlustes identifiziert, steht aber nicht als Thema der Konferenz zur Debatte - in Interlaken wird vor allem über konkrete Erhaltungsmaßnahmen in situ und in Genbanken gesprochen werden. Vorbild sind die privaten Erhaltungs-Initiativen und Züchtervereinigungen in Europa. Die extensive Tierproduktion und kleinbäuerliche Gemeinschaften im Süden werden in den Entwurfsdokumenten gewürdigt, aber dies ist von wenig konkreten Aktionsvorschlägen begleitet. Nachhaltige Nutzung ist ebenfalls ein Thema, die vorgeschlagenen Aktionen bleiben jedoch relativ unkonkret. Die Industrie selbst hat begonnen, über die genetische Verengung nachzudenken. Die bisher diskutierten Ansätze werden in erster Linie in der Biotechnologie gesucht. Schon Dennis Meadows ("Die Grenzen des Wachstums", erschienen 1972) hatte gewarnt, wer nur einen Hammer habe, würde nur Nägel als Lösung wahrnehmen. Angesichts einer globalisierten Industrie wäre es für die internationale Staatengemeinschaft zwingend notwendig, sich auf internationaler Ebene mit der Industrie auseinanderzusetzen - hier versagt Interlaken.

  • 1. Großelterntiere sind insofern interessant, als dass dort die genetischen Eigenschaften fest in den genetischen Informationen eingeschrieben sind. Die Elterntiere werden dann an die Legebatterien geliefert und vereinigen positive Eigenschaften von beiden Eltern auf sich, was durch die so genannte Hybridzüchtung möglich ist. Die vereinten Eigenschaften werden aber nicht an die nächste Generation weitergegeben.
Susanne Gura ist freiberufliche Beraterin, derzeit arbeitet sie für die Liga für Hirtenvölker und Nachhaltige Viehwirtschaft (LPP). Sie koordiniert gemeinsam mit Monika Brinkmöller die AG Biodiversität des Forums Umwelt und Entwicklung.
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Juni 2007
S. 35 - 39

Ein Drittel der Weltproduktion des Schweinefleisches, die Hälfte der Eier, und Drei Viertel des Geflügelfleisches kommen aus industrieller Produktion, die nur auf eine Handvoll Rassen zurückgreift. Nur fünf Rassen liefern 42 Prozent der weltweiten Schweineproduktion, in Deutschland stellen sogar nur vier Rassen 99 Prozent der Schweine. Die Gene für die gesamte Produktion einiger der in Industrieländern üblichen Schweine-Rassen entsprechen rechnerisch einer Population von nur rund 70 Tieren ("effektive Populationsgröße").
Zwei Drittel der weltweiten Milchproduktion stammt von wenigen industriellen Rassen. Die genetische Vielfalt innerhalb der Rassen ist alarmierend niedrig. Von den zirka 3,7 Millionen Holstein-Rindern in den USA entspricht die effektive Populationsgröße nur 60 Tieren. Bei Geflügel ist die effektive Populationsgröße nicht bekannt, denn die genetischen Reserven der Hühnergenetikfirmen sind Betriebsgeheimnis. Das neue Tierzuchtgesetz in Deutschland hat die Tierzucht privatisiert, dem Staat bleibt die Rolle des Überwachens ("Monitoring"). Wie ein Landwirtschaftsministerium die genetische Vielfalt überwachen kann, wenn wichtige Teile davon Betriebsgeheimnisse sind, ist bislang völlig ungeklärt.
Für die Landwirtschaft hat die genetische Einfalt erhebliche Folgen: Die industriellen Zuchttiere liefern nur dann die angepriesenen Erträge, wenn die Haltungsbedingungen, zum Beispiel ausreichend Kraftfutter und moderate Temperaturen, optimal sind. Für den Biolandbau gibt es keine eigenen Zuchtlinien. Auch wenn der ökologische Landbau und seine tierschutzbewussten Verbraucher zum Beispiel gerne Zweinutzungshühner1 hätten, um die Massentötung der männlichen Küken der Legehennenlinien zu vermeiden - die Zuchtfirmen stellen keine solchen Linien bereit. Der Ökolandbau kann oft nicht auf alte Rassen zurückgreifen, weil deren Produktivität nicht weiterentwickelt worden ist. In einigen Ausnahme-Fällen wie dem Schwäbisch-Hällischen Schwein und dem Bunten Bentheimer Schwein konnten in den letzten Jahren Nischenmärkte etabliert werden. Auch werden hier zum Teil Kreuzungen mit industriellen Rassen genutzt.
Die Hochleistungsrassen sind zunehmend anfällig für Krankheiten, da bei der Züchtung überwiegend auf Leistung und kaum auf Widerstandsfähigkeit geachtet wird. Zudem führt die geringe genetische Streuung innerhalb der Herden zu genetischen Problemen. Bei Holstein-Kühen entwickeln sich beispielsweise die Fruchtbarkeit, die Rate der Geburten ohne Komplikationen, die Kälbersterblichkeit und die Robustheit der Tiere negativ. Hochleistungsrinder erleben heute im Durchschnitt nur noch zwei bis drei Laktationen, das heißt sie haben zwei bis drei Kälber und geben zwei bis drei Mal über mehrere Monate Milch. Dann werden sie krank und entsorgt. Demgegenüber können traditionelle Rassen zwanzig bis dreißig Jahre alt werden. Auch bei Schweinen und Geflügel wird die genetische Gleichförmigkeit, kombiniert mit den extremen Haltungsbedingungen, oft als Ursache für die rasche Verbreitung von Krankheitserregern gesehen.
Durch das Klonen droht jetzt eine erhebliche Verschärfung der Probleme: Die US-amerikanische Aufsichtsbehörde für Nahrungsmittel und Medikamente (Food and Drug Administration - FDA) hat im Januar 2007 Klontiere als Nahrungsmittel mit dem Argument zugelassen, dass sie sich nicht von herkömmlichen Tieren unterscheiden. 130.000 Protestschreiben bis April 2007 unterstreichen die Unangemessenheit dieser Entscheidung. Die EU hat ihrerseits angekündigt, Klontiere nach der Novel-Food-Verordnung zulassen zu wollen. Vor allem in der Rinder- und Schweinezucht sollen Vatertiere geklont werden. Damit wird die biologische Vielfalt innerhalb der Rassen weiter abnehmen. Mit den Hochleistungs-Tieren werden praktisch auch die damit verbundenen Probleme geklont und vervielfacht.

  • 1. Zweinutzungshühner werden auf zwei verschiedene Nutzungen hin gezüchtet. Zum Beispiel für gute Eierlege-Leistung und guten Fleischansatz.

Der Artikel fasst die wesentlichen Ergebnisse einer Studie der Autorin zusammen, die Anfang dieses Jahres veröffentlicht worden ist: Livestock Genetics Companies. Concentration and proprietary strategies of an emerging power in the global food economy. League for Pastoral Peoples and Endogenous Livestock Development (Liga für Hirtenvölker und Nachhaltige Viehwirtschaft), Ober-Ramstadt. Zum Herunterladen unter: www.pastoralpeoples.org

Kontaktadresse: Liga für Hirtenvölker und Nachhaltige Viehwirtschaft, Pragelatostraße 20, 64372 Ober-Ramstadt, Telefon/ Fax +49-6154-576628, E-mail: info@pastoralpeoples.org.