Public Health- Genetik
Public Health- Genetik
Public Health-Genetik sieht ihre Aufgabe darin, den Nutzen von Ergebnissen der Genom- und Genforschung für die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung abzuschätzen und dabei ethische und soziale Fragen einzubeziehen. Die neue Disziplin hat aber noch ganz andere Funktionen.
Ilkilic, Ilhan & Paul, Norbert W.
Das Hauptanliegen der Anwendung von Genetik für Fragen der öffentlichen Gesundheit ist die Integration des durch die medizinische Genomforschung generierten Wissens in das Gesundheitswesen, um die individuelle und die öffentliche Gesundheit zu verbessern und Krankheiten zu vermeiden. Da Public Health nicht primär auf den einzelnen Patienten gerichtet ist, sondern auf die Bevölkerung insgesamt, werfen die zugrunde liegenden Ansätze und Verfahren eine Reihe systematisch-theoretischer und ethischer Probleme auf.
Lemke, Thomas
Während „Public Health Genetics“ in anderen Staaten längst ein eigenständiges wissenschaftlich-politisches Feld darstellt, haben sich hierzulande erst in den letzten Jahren die Bemühungen verstärkt, genetisches Wissen in Forschung und Praxis von Public Health umfassend zu integrieren. Die dabei verfolgten Konzepte von Gemeinwohlverpflichtung und sozialer Verantwortung kommen aktuellen gesundheitspolitischen Tendenzen entgegen.
Wagenmann, Uta
Public Health-Genetik etabliert sich als Disziplin nicht im luftleeren Raum. Ähnlich wie bei der Bioethik Anfang der 1990er Jahre spielt der Legitimationsbedarf politischer Strategien und Leitlinien eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren sind akademische Kooperationen entstanden, die in enger Anbindung an die Europäische Kommission und nationale Gesundheitsbehörden agieren und die Agenda des im Entstehen begriffenen Fachgebietes entsprechend prägen. Ein Blick auf institutionelle und politische Rahmenbedingungen der Public Health-Genetik.
Interview mit
Egger, Bernhard
Der GID sprach mit Bernhard Egger über die Zukunft von prognostischen und prädiktiven Gentests in der öffentlichen Gesundheitsversorgung, über das Solidarprinzip im gesetzlichen Krankenversicherungssystem und über dessen Ambivalenzen.
Bröckling, Ulrich
Vorbeugen ist besser als Heilen – das Motto besitzt eine fraglose Plausibilität. Dass es sinnvoller ist, künftige Übel durch geeignete Interventionen in der Gegenwart zu vermeiden, als sie erst dann zu bekämpfen, wenn sie manifest geworden sind, erscheint selbstverständlich. Ein Blick auf die Ökonomie des Zuvorkommens bringt allerdings so manche Frage an die Logik der Prävention zum Vorschein.
GID-Redaktion
Public Health-Genetik sieht ihre Aufgabe darin, den Nutzen von Ergebnissen der Genom- und Genforschung für die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung abzuschätzen und dabei ethische und soziale Fragen einzubeziehen. Die neue Disziplin hat aber noch ganz andere Funktionen.
Landwirtschaft & Lebensmittel
Wolff, Karsten
Die Kontroverse um Agro-Gentechnologie in Indien spitzt sich zu: Während Aktivisten immer wieder - zum Teil illegale - Freilandversuche zerstören, hat der Oberste Gerichtshof entschieden, dass vorerst keine neuen Feldversuche zugelassen werden. Bereits genehmigte unterliegen nun strikten Auflagen.
Yang, Mundo
Allgemein wird angenommen, dass das Internet auch für den Bereich der Politik eine mediale Revolution darstellt. In der Debatte um die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft stellt es sich bisher als eine Art Hinterbühne zu den klassischen Printmedien dar, auf der zwar mehr Akteure zu Wort kommen, diese allerdings nicht selten unter sich bleiben.
Potthof, Christof
Heftig gestritten wird um die Frage „Was tun mit geringfügigen Verunreinigungen mit GVO, die keine Zulassung haben?“. Im Rahmen der Verhandlungen des Nahrungsmittel-Standards Codex Alimentarius ist es jetzt zu keiner (*) Aufweichung der strikten Regeln gekommen.
Mensch & Medizin
Bauer, Susanne & Hanke, Christine
US-amerikanische Forscher entwickeln aus der Pigmentgenetik an Zebrafischen humanbiologische Thesen und aktualisieren damit rassifizierende Klassifikationen nach Hautfarben.
Feuerlein, Monika
Im letzten Jahr hatte ein Arzneimitteltest in London für sechs Probanden schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Eine neue Richtlinie der Europäischen Arzneimittelbehörde soll künftig das Risiko bei solchen medizinischen Experimenten senken. Das Problem der zunehmenden Kommerzialisierung und der damit einhergehenden Undurchsichtigkeit klinischer Studien löst sie nicht.
Renner, Ilona
Im Jahr 2004 hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine repräsentative Befragung Schwangerer zur Pränataldiognostik durchgeführt. Trotz intensiver Inanspruchnahme pränataldiagnostischer Angebote ist der Informationsstand der Frauen niedrig und ihr Verhältnis dazu ambivalent, wie die im letzten Jahr erstmals veröffentlichte Studie zeigt.
Politik & Wirtschaft
Schwerin, Alexander von
Bis heute fehlt ein rechtlicher Schutz vor „genetischer Diskriminierung“. Ein effektiver Schutz ist deshalb seit langem eine wichtige politische Forderung der Gentechnikkritik. Ohne Frage ist die Kritik gut gemeint, doch in ihrer geläufigen Form läuft sie Gefahr, das Gegenteil des Gewollten zu erreichen. Was läuft schief in der Kritik? Ein neues Buch von Thomas Lemke hinterfragt die Sonderstellung „genetischer Diskriminierung“ gegenüber anderen Formen der Diskriminierung.
Tolmein, Oliver
Nach zwei Jahren Diskussion und einem halben Jahr abgestimmter Übersetzungsarbeit wird die EU-Verordnung über „Medizinische Produkte für neuartige Therapien“ voraussichtlich im Januar 2008 in Kraft treten und ab Ende 2008 Anwendung finden. Ethische Fragen werden in dem Regelwerk, dass dann die Zulassung von Arzneimitteln auf der Basis von Gewebezüchtungen, Gen- oder Zelltherapie regelt, konsequent außen vor gelassen.
Heineke, Corinna
Im letzten Jahr machten gleich mehrere Länder des Südens von ihrem Recht Gebrauch, günstigere Nachahmermedikamente von lokalen Herstellern produzieren zu lassen oder zu importieren. Pharmaunternehmen befürchten den Verlust von Marktanteilen und kämpfen mit harten Bandagen – unterstützt von einigen einflussreichen Regierungen des Nordens.
Knirsch, Jürgen
Vor gut einem Jahr wurde das Urteil der Welthandelsorganisation (WTO) im Gentechnikstreitfall der USA nebst Verbündeten gegen die Europäische Union veröffentlicht. Beide Seiten sahen sich durch das Urteil bestätigt. Nur Nichtregierungsorganisationen warnten vor den weitreichenden Konsequenzen der Entscheidung der WTO, da sie das Vorsorgeprinzip ignoriert und damit das Biosicherheits-Protokoll unterminiert.
Sprenger, Ute
Mit 150 Millionen US-Dollar will die Bill und Melinda Gates-Stiftung helfen, die Ernährung in Afrika zu sichern. Alte Bekannte aus dem globalen Agrobiotech-Geschäft haben dabei die Fäden in der Hand und streiten über die Rolle gentechnisch veränderter Pflanzen.
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Impressum
GID 184, Oktober 2007, 23. Jahrgang ISSN 0935-2481 Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Monika Feuerlein, Christof Potthof, Uta Wagenmann, Naima Blum


