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Kurz notiert - Mensch und Medizin

Neuer Krebsfall nach Gentherapie

Nach vier Krebsfällen infolge einer Gentherapie in Frankreich ist mehrere Jahre später auch bei einer vergleichbaren britischen Studie ein Kind an Leukämie erkrankt. Betroffen ist ein dreijähriger Junge. Er war im September 2005 als einer von insgesamt zehn Jungen von ei-ner Forschungsgruppe um Adrian Trasher und Bobby Gaspar vom Institute of Child Health in London mit genetisch modifizierten Stamm-zellen behandelt worden. In Frankreich war das Verfahren zur Behandlung der angeborenen Immunkrankheit X-SCID nach zunächst Erfolg versprechendem Verlauf vor fünf Jahren abgebrochen worden, weil vier der elf Kinder an einer Leukämie erkrankten. Vor der französischen Studie war das Krebsrisiko bei einer Gentherapie als minimal eingestuft worden. In einer tierexperimentellen Studie, die im letzten Jahr im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde, war bei Experimenten an Versuchs-tieren in den USA jedoch jedes dritte Tier erkrankt. Bei der x-chromosomal vererbbaren Krankheit X-SCID wird die Entwicklung des Immunsystems verhindert. Die einzige Heilungschance besteht derzeit in einer
Stammzelltherapie, die aber mangels geeigneter Spender nur für etwa ein Drittel der Betroffenen infrage kommt und außerdem zu tödlichen Komplikationen führen kann. Das Krebsrisiko der Gentherapie wird von den meisten Forschern darauf zurückgeführt, dass nicht steuerbar ist, wo die als Genfähren verwendeten Retroviren ihre Genfracht ins Genom des Empfängers einbauen. Auf diese Weise ist es möglich, dass benachbarte, unter Umständen krebsauslösende, Gene aktiviert werden. (www.aerzteblatt.de, 19.12.07) (mf)

Künstliches Genom

Am J. Craig Venter Institute in Rockville im US-Bundesstaat Maryland soll es erstmals gelungen sein, das gesamte Genom eines Bakteriums künstlich nachzubauen. Dies berichten die Wissenschaftler des Instituts im Fachmagazin Science. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte Genomforscher und Institutsgründer J. Craig Venter angekündigt, „das erste künstliche Lebewesen” in seinem Labor zu erschaffen (siehe dazu auch den Artikel „Leben 2.0“ von Florian Rötzer in GID 183). Das Ergebnis, das der Wissenschaftler nun in Science präsentiert, ist zwar kein eigenständiges lebensfähiges Bakterium, aber das bisher längste künstlich synthetisierte Chromosom. Es besteht aus 381 Genen und 580.000 Basenpaaren, die in eine entkernte Hefezelle eingebaut wurden, und entspricht angeblich dem Genom des Bakteriums Mycoplasma Genitalium. Venter und seine Kollegen sollen außerdem ihre Namen als eine Art „Wasserzeichen” in die chemisch synthetisierte DNA-Sequenz eingebaut haben. Dies stellten Redakteure des Magazins Wired fest: Sie führen bereits eine ganze Liste solcher „Autorenbotschaften“ in künstlichen DNA-Sequenzen, die offensichtlich mal keine Erfindung des Venter-Teams sind. Beispielsweise sollen deutsche Biologen ins Genom der Ackerschmalwand einen Vers aus Vergils Georgica eingebaut haben. Dieser ist zu decodieren, wenn man die DNA-Folgen in die ihnen entsprechenden Aminosäuren übersetzt. Es gibt zwanzig Aminosäuren, die jeweils durch einen Buchstaben des Alphabets symbolisiert werden. Verzichtet man auf die fehlenden sechs Buchstaben, so lässt sich mit diesem Code eine Botschaft schreiben. Venter und seine Co-Autoren wollten damit angeblich aber nicht nur ihrer Eitelkeit genüge tun. Ihr Ziel ist es, so schreiben sie in Science, das künstliche Genom als nächstes einem lebenden Bakterium einzubauen und zu testen, ob dieses auch mit der synthetischen DNA noch lebensfähig ist. Dann soll das „Wasserzeichen” gewährleisten, dass die natürlichen Bakterien von den „künstlichen” unterschieden werden können. (www.zeit.de, 24.01.08; New Scientist 2641, 31.01.08, Seite 4; Die Presse, Printausgabe, 31.01.08; New York Times, 24.01.08) (mf)

1.000-Genome-Projekt

Ein internationales Forschungsteam hat angekündigt, in den nächsten Jahren die Genome von mindestens 1.000 Menschen aus aller Welt zu analysieren und zu vergleichen. Auf diese Weise soll eine Karte der „feinen, aber wichtigen” genetischen Unterschiede zwischen den Individuen erstellt werden. Wenn das Projekt mit voller Geschwindigkeit laufe, werde es in zwei Tagen mehr genetische Informationen liefern, als im gesamten letzten Jahr in öffentliche Datenbanken eingestellt wurden, teilte ein Sprecher des an dem Projekt beteiligten britischen Sanger Institutes in Hinxton bei Cambridge mit. Bislang sei es möglich gewesen, die genetischen Variationen bei 10 Prozent der Menschen zu erfassen, jetzt sollen auch solche identifiziert werden, die bei nur einem Prozent auftreten. Grundlage des Sequenzierungsprojekts ist die vom International HapMap Projekt erstellte Datenbank von einzelnen genetischen Varianten, den SNPs. Wie bereits beim staatlich finanzierten internationalen Humangenomprojekt sollen die Daten in anonymisierter Form öffentlich zugänglich gemacht werden, medizinische Informationen sollen nicht erhoben werden. Allerdings wird aus den Datensätzen hervorgehen, aus welcher Region und welcher ethnischen Gruppe der Spender kommt. (www.dradio.de, 22.01.08; telepolis, 23.01.08) (mf)

Klonen: wieder mal ein „Durchbruch”

US-Forscher Andrew French und seinem Forschungsteam von der kommerziellen Stemagen Corporation im kalifornischen La Jolla soll es gelungen sein, aus der entkernten Eizelle einer Frau und den Hautzellen eines Mannes einen Embryo zu erzeugen. Erbgutanalysen ergaben, dass der entstandene Embryo genetisch vollkommen mit den verwendeten Hautzellen identisch war und damit ein „echter Klon“, berichteten die Wissenschaftler in einer Online-Vorabveröffentlichung von Stem Cells. Für ihre Versuche sollen insgesamt 29 Eizellen von drei Frauen im Alter von zwanzig bis vierundzwanzig Jahren verwendet worden sein, und zwar bereits ein bis zwei Stunden nachdem sie den Spenderinnen entnommen worden waren. Dieser „Frische” der Eizellen sei der Erfolg auch zuzuschreiben, vermuten die Forscher. Allerdings gelang es ihnen nicht, dem Klon embryonale Stammzellen zu entnehmen. Bereits im Jahr 2004 hatten Wissenschaftler um den Südkoreaner Woo-Suk Hwang gemeldet, sie hätten embryonale Stammzellen aus geklonten Embryonen gewonnen. Später wurden die Wissenschaftler dann der Fälschung überführt (siehe zum Beispiel die Notiz „Klonstar verlässt die Bühne“ in GID 183, Mensch und Medizin). Eine Untersuchungskommission kam damals zu dem Schluss, es sei damals weder die Erzeugung von Stammzelllinien, noch die Herstellung eines menschlichen Klons gelungen. Die aktuelle Nachricht vom Klonerfolg wurde denn auch von WissenschaftlerInnen weltweit mit Skepsis aufgenommen. (www.wissenschaft.de, 17.01.08; www.suedddeutsche. de, 18.01.08; dfg, 18.01.08) (mf)

Klonen: und noch ein „Durchbruch”

Anfang des Jahres machte erneut eine Meldung Schlagzeilen, US-amerikanische Forscher hätten auf ethisch unbedenkliche Weise menschliche Zellen geklont. Hauptautor der Neujahrsbotschaft ist wieder einmal Robert Lanza von der US-Firma ACT, der bereits im August 2006 eine gleich lautende Meldung in die Welt gesetzt hatte. Damals musste er jedoch bereits wenig später zugeben, dass er keinen einzigen Embyo vorweisen konnte, der seine Versuche überlebt hatte. Angewandt wurde in beiden Fällen ein Verfahren, das so genannte Embryo-Splitting, welches in ähnlicher Weise auch bei der in Deutschland verbotenen Präimplantationsdiagnostik zum Einsatz kommt, hier allerdings in einem späteren Embryonalstadium. Beim Embryo-Splitting in La Jolla wurde ein menschlicher Embryo bis zum Achtzellstadium kultiviert, dann wurde ihm eine der Zellen entnommen. Diese Zelle konnten die Wissenschaftler, wie die Zeitschrift Cell Stem Cell berichtet, mit dem Protein Laminin in pluritpotentem Zustand halten und vermehren. Nach Angaben der Forscher wurde der Embryo, dem die Zellen entnommen wurden, nicht beschädigt. Gezeigt haben sie dabei freilich nur, dass der verbleibende Zellverband sich im Reagenzglas ohne äußerlich erkennbare Schäden zu einer Blastozyste fortentwickeln kann, also zu einem Gebilde aus rund hundert Zellen. Der endgültige Beweis, dass der Eingriff keine weiteren Folgen für den Embryo gehabt hat, kann aus ethischen Gründen schlichtweg nicht erbracht werden: Dafür müsste er nämlich einer Frau eingesetzt und eine Schwangerschaft herbeigeführt werden. Nach deutschem Recht wäre außerdem auch die entnommene Zelle selbst ein Embryo, da vermutet wird, dass sie totipotent ist, sich also unter geeigneten Bedingungen daraus ein Mensch entwickeln kann. Auch aus diesem Grund ist das von Lanza beschriebene Verfahren hierzulande untersagt. Kritisiert wurde die Veröffentlichung von Lanza auch, weil wirtschaftliche Interessen der beteiligten Firmen ACT und StemLifeLine vermutet werden, mit denen mehrere der Autoren in Verbindung stehen. StemLifeLine bietet Privatleuten bereits seit einigen Monaten an, aus Embryonen, die nach einer künstlichen Befruchtung übrig bleiben, „personalisierte Stammzelllinien” herzustellen, die sie dann „als Lebensversicherung” für die Paare und ihre Kinder einfrieren (vgl. hierzu die Notiz „Stammzellen als „Versicherung für die Zukunft“ in GID 185, Mensch und Medizin). (www.dradio.de, 11.01.08; FAZ, 16.01.08, www.sueddeutsche.de, 18.01.08) (mf)

Stammzellen: 25. RKI-Genehmigung

Das Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin in Münster hat am 31.01.08 eine erneute Genehmigung für den Import zweier humaner embryonaler Stammzelllinien (hES-Linien) aus den USA erhalten. Stammzellforscher Hans Schöler darf damit an den im Stammmzellregister der USA als WA01 und WA09 geführten hES-Linien Grundlagenforschung zu Differenzierungsprozessen betreiben. Bei den betreffenden Stammzellen handelt es sich um zwei der weltältesten hES-Linien, die von James Thomson 1998 angelegt worden sind. (www.rki.de; http://stemcells. nih.gov/research/registry/warf.asp) (mf)

Europäisches Stammzellregister

Wie schon in den USA ist nun auch in Europa ein Register für humane embryonale Stammzellen eingerichtet worden. Es listet Angaben zu derzeit 264 Zelllinien auf, von denen rund 180 aus Europa stammen. Allerdings sind aktuell nur 109 dieser Zellli-nien lieferbar, darunter die fünf
bereits 1998 vom US-amerikanischen Stammzellforscher James Thomson hergestellten Zellen. Angesiedelt ist das aus den Mitteln des sechsten EU-Forschungsrahmenprogramms mit einer Million Euro geförderte Projekt am Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien. Im US-amerikanischen Register der National Institutes of Health sind momentan 60 humane embryonale Stamm-zelllinien aufgeführt, die dem US-Stichtag am 9. August 2001 und damit den Kriterien für eine öffentliche Förderung genügen. 21 von diesen können derzeit bestellt werden. Damit ist die Zahl der über die Register verfügbaren Zelllinien seit der Verabschiedung des deutschen Stammzellgesetzes um ein Mehrfaches angestiegen. (Ärzte Zeitung, 21.01.08; mail Hubert Hüppe, 28.01.08) (mf)

Pharmafirmen schummeln gern

Wieder einmal zeigt eine neue Studie, dass Pharmafirmen lieber solche Studienergebnisse veröffentlichen, die für ihre Produkte sprechen – und Negatives gern für sich behalten. Untersucht wurden 74 Medikamentenstudien zu zwölf Wirkstoffen gegen Depressionen – also zu Mitteln die zu den Bestsellern des Pharmamarkts gehören. Psychatrieprofessor Erick Turner von der Oregon Health and Science University in Portland und seine KollegInnen stellten fest, dass die Studienergebnisse zwar komplett der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA gemeldet wurden. Nur gut zwei Drittel sollen dann aber auch in Fachzeitschriften veröffentlicht worden sein – und zwar jene, die sich aus der Sicht der Unternehmen eher günstig darstellen ließen. Die LeserInnen mussten so den Eindruck bekommen, 94 Prozent der Studien seien positiv verlaufen. In Wirklichkeit waren es nur 51 Prozent. Damit handelt die Pharmabranche ihren eigenen guten Vorsätzen zuwider: Vor gut zwei Jahren verpflichtete sie sich, die Ergebnisse jeder Studie spätestens ein Jahr nach Abschluss im Internet zu veröffentlichen. (www.berlinonline.de, 26.01.08) (mf)

Verhütung durch Genmanipulation?

Dass Verhütungshormone nicht ohne Nebenwirkungen sind, hat sich mittlerweile herumgesprochen: Auch aus diesem Grund forscht der US-amerikanische Gynäkologe Zev Williams vom Brigham and Womend’s Hospital in Boston, Massachusetts, an „Alternati-ven“. Herhalten soll dafür die so genannte RNA-Interferenz, ein gentherapeutisches Verfahren, dass sich die Wirkungsweise der Boten-RNA, also jener Moleküle, welche die Informationen der DNA vom Zellkern zum Ort der Proteinsynthese tragen, zunutze macht. Hierfür werden passende RNA-Moleküle in eine Zelle eingeschleust, wo sie sich wie die Zähne eines Reißverschlusses an die Boten-RNA heften. Dieses Objekt wird von der Zelle ausgestoßen, mit der Folge, dass das entsprechende Protein nicht mehr gebildet wird. Williams will dieses Verfahren anwenden, um ein Rezeptor-Protein auszuschalten, welches die Schutzhülle der Eizelle normalerweise bei der Befruchtung durchgängig für die Samenzelle macht. Fehlt dieses Protein, so die These, kann die Eizelle nicht mehr befruchtet werden. Bisher hat Williams seine Versuche aus ethischen Gründen allerdings nur im Reagenzglas und an Nierenzellen vorgenommen. Diese mussten zunächst genetisch modifiziert werden, damit das Gen, welches für das Protein in der Eizellenschutzhülle codiert, überhaupt aktiv wird. Eine Voraussetzung dafür, dass eine Verhütung auf diese Weise ohne Nebenwirkungen funktionieren kann, ist nämlich, dass das entsprechende Gen, das stillgelegt wird, tatsächlich nur in reifen Eizellen aktiv ist. Denn weil die meisten Gene in ganz verschiedenen Zelltypen aktiv sind und unterschiedliche Funktionen haben, sind unerwünschte Nebenwirkungen bei der RNA-Interferenz nicht auszuschließen. Wenn sich herausstellt, dass das Verfahren alle Eizellen in den Eierstöcken einer behandelten Frau beeinträchtigt, würde dies beispielsweise zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führen. (www.berlinonline.de, 02.02.08) (mf)

Fluoreszierende Ferkel

Leuchtende Schweine können ihre Eigenschaft auch an Nachkommen vererben. Dieser Nachweis wurde in China erbracht, wo zwei Ferkel geboren worden, deren Rüssel, Maul und Zunge unter ultravioletten Strahlen grün leuchten. Liu Zhonghua von der landwirtschaftlichen Universität Nordost in Harbin, Provinzhauptstadt der südlichen Provinz Heilongjang, teilte mit, dass bereits im Dezember 2006 ein weiblicher Schweinefötus noch kurz vor der Geburt genetisch verändert worden sei, so dass er im Dunkeln grünlich fluoresziert. Die so veränderte Sau wurde dann später mit einem genetisch unveränderten Eber gepaart. An zwei von elf Nachkommen der Sau soll auf diese Weise die genetische Eigenschaft weitervererbt worden sein, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Schon im Januar 2006 waren in Taiwan drei grün leuchtende Schweine auf die Welt gekommen. (www.zeit.de, 09.01.08) (nb)

Nur ein Urahn für Blauäugigkeit?

Die für blaue Augen codierende Genvariante soll nach Aussagen dänischer Forscher bei allen Menschen gleich aussehen und an der gleichen Stelle im Genom zu finden sein. Hans Eiberg von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen schließen daraus, dass die entsprechende Mutation auf einen einzigen Urahnen, der vermutlich vor circa sechs- bis zehntausend Jahren im Gebiet nordwestlich des Schwarzen Meeres lebte, aufgetreten ist. Vorgestellt werden die Ergebnisse der Wissenschaftler in Human Genetics. (www.wissenschaft.de, 01.02.08) (mf)

Gene für ... Gewicht

Eine Forschungsgruppe um die Genetikerin Danielle Reed vom Monell-Forschungszentrum in Philadelphia, USA, will errechnet haben, dass bei der Regulation des Körpergewichts von Mäusen rund 6.000 Gene eine Rolle spielen. Für Ihre Kalkulationen nutzten die WissenschaftlerInnen eine Datenbank, in der Informationen zu den Genomen von Knock-Out-Mäusen des Jackson Laboratory in Bar Harbor gespeichert sind. Die Idee für diese Nachforschungen entstand daraus, dass bei genveränderten Mäusen häufig Gewichtsveränderungen beobachtet werden. Diese Gewichtsveränderungen, die über dreißig Prozent der genmanipulierten Artgenossen betreffen, könnten womöglich auch dafür verantwortlich sein, dass viele Knock-Out Mäuse sterben oder nur sehr kurze Zeit überleben, vermuten die ForscherInnen. (www.wissenschaft.de, 16.01.08) (nb)

FDA gegen Brustkrebsbehandlung mit Avastin

Ein Gremium der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat sich gegen eine Zulassung des vom Pharmakonzern Roche entwickelten Medikaments Avastin zur Brustkrebsbehandlung ausgesprochen. Das Arzneimittel enthält einen gentechnisch hergestellten Antikörper und ist bisher in den USA nur für die Therapie von Darm- und kleinzelligem Lungenkrebs zugelassen. In der Europäischen Union darf Avastin dagegen auch gegen Brustkrebs eingesetzt werden und ist darüber hinaus auch für Nierenkrebs-Behandlungen empfohlen worden. Nach der Markteinführung des Mittels war der Umsatz von Roche innerhalb von neun Monaten um 41 Prozent gestiegen. Dies hatte Avastin zum drittstärksten Medikament unter den Roche-Produkten gemacht. Durch die Ablehnung der FDA erlitt das Unternehmen an der Börse einen Rückschlag von etwas über vier Prozent, die Aktie der Tochterfirma Genentech fiel um über neun Prozent. (www.faz.net, 06.12.07) (nb)

Krebs versus Schizophrenie

Auf dem Jahrestreffen des American College of Neuropsychopharmacology in Florida berichteten gleich mehrere Forschungsteams, sie seien auf Genvarianten gestoßen, welche die Wahrscheinlichkeit für Krebs-Erkrankungen erhöhen und gleichzeitig das Risiko für Schizo-phrenie-Erkrankungen senken. Einige der betreffenden Gene kämen beispielsweise in ei-ner Form vor, die den Stoffwechsel und die Zellteilung fördere. Damit würden Schizophrenie-Erkrankungen unwahrscheinlicher, gleich-zeitig erhöhe sich aber wegen unkontrollierter Zellteilung das Risiko für Krebs-Erkrankungen. Eine andere Gen-Variante wiederum bremse den Stoffwechsel und habe somit umgekehrte Auswirkungen. „Es ist sehr eigenartig, dass eine Gehirnerkrankung, die mit sehr komplexem menschlichem Verhalten verknüpft ist, auf dem genetischen und zellulären Level so frappierende Überschneidungen mit Krebs, einer ausgesprochen verhaltensunabhängigen Störung, zeigt", resümierte Daniel Weinberger vom National Institute of Mental Health. (www.wissenschaft.de, 11.12.07) (nb)

Gen für ... Hitzeschmerz

ForscherInnen um Alistair Garratt vom Berli-ner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin gaben bekannt, ein Gen gefunden zu haben, das die Schmerzempfindlichkeit bei Hitze beeinflussen soll. Bei Versuchen mit gentechnisch veränderten Mäusen, denen das Gen namens c-Kit fehlte, sei eine um knapp sieben Grad Celsius höhere Hitzetoleranz beobachtet worden als bei normalen Mäusen, berichten die Wissenschaftler. Wie die Zeitschrift Neuron berichtet, enthält das besagte Gen die Bauanleitung für ein Eiweiß, welches an der Zelloberfläche von Nervenfasern sitzt. An dieses dockt ein Botenstoff an, den die Haut bei Verletzungen ausschüttet. Dadurch sinkt die Schmerzgrenze für Hitze. Der umgekehrte Effekt soll nun durch die Entfernung des c-Kit-Gens erreicht worden sein. (www.berlinonline.de, 14.12.07) (nb)

Evolution durch Erziehung

WissenschaftlerInnen um David Bjorklund von der Florida Atlantic University behaupten, dass die Evolution entscheidend vom Umgang der Mütter mit ihren Kindern beeinflusst wird. Zu dieser These kommen sie nach einer Studie mit Schimpansen, die von Menschen erzogen wurden. Sprechen, Vorlesen und Erklären wirkten sich dabei positiv auf das soziale Verhalten und Lernvermögen der Tiere aus. Sie seien dadurch menschlichen Dreijährigen ähnlicher gewesen als ihre von Schimpansen erzogenen Artgenossen. Darüber hinaus verwiesen Bjorklund und seine KollegInnen auf Studien mit Rhesusaffen, bei denen sich zeigte, dass der Nachwuchs ein freundliches und ungestresstes Verhalten an den Tag legte, wenn er von fürsorglichen Affenweibchen aufgezogen wurde. Auch die Kinder von aggressiveren Müttern reagierten demnach unempfindlich auf Stress, wenn sie von liebevollen Stiefmüttern erzogen worden waren. Laut Bjorklund kann die Erziehung folglich einen Ausgleich für eine schlechtere genetische Ausstattung darstellen. (www.dradio.de, 12.12.07) (nb)

Patent auf Geschlechtsselektion

Der Streit vor dem Europäischen Patentamt um das Patent der US-amerikanischen Firma XY Inc. für eine Methode zur Geschlechtsselektion bei Menschen und Tieren hat einen Teilerfolg für die einsprechenden Parteien gebracht. Das Patent für die Geschlechtsselektion beim Menschen wurde von der Firma wegen der öffentlichen Proteste aufgegeben. Das Patent auf die Methode in der Anwendung auf Tiere wurde jedoch verteidigt. Eingesprochen hatten neben Greenpeace auch die Fraktion der Grünen im Eurropäischen Parlament und der US-Konzern Monsanto. Der Umweltoganisation zufolge hatte Monsanto „selbst ähnliche Patente angemeldet. Das Europäische Parlament verabschiedete damals eine Resolution, in der die Erteilung des Patentes aus ethischen Gründen ausdrücklich kritisiert wurde.“ (www.greenpeace.de, 30.01.08) (pau)

Gen für ... Gesang

Der Populationsgenetiker Floyd Reed von der University of Maryland in College Park, USA, ist der Auffassung, dass Gemeinsamkeiten in der Musikalität von Menschen auf Ähnlichkeiten in ihrem Erbgut zurückzuführen sind. Das schließt er aus einer Studie, in welcher er sowohl die Gesangs-Merkmale als auch die genetischen Daten von 39 afrikanischen Kulturen verglich. Dazu benutzte er eine vor etwa 40 Jahren von dem Musikforscher Alan Lomax erstellte Datenbank traditioneller Gesänge. Anhand von verschiedenen musikalischen Merkmalen wie zum Beispiel dem Tempo entwarf Reed nun ein Diagramm, das Ähnlichkeiten in der Musik verschiedener Kulturen verdeutlichte. Gleichzeitig verglich er genetische Daten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und kam zu dem Schluss, dass oft bei musikalischer Ähnlichkeit auch genetische Ähnlichkeit bestünde. Dagegen seien die musikalischen Gemeinsamkeiten geografisch benachbarter Bevölkerungsgruppen weniger stark ausgefallen. (www.wissenschaft.de, 12.12.07) (nb)

Gene für ... visuelles Erkennen

Eine US-amerikanische Forschungsgruppe um Thad Polk von der Universität von Michigan in Ann Arbor hat aus einer Studie mit 24 eineiigen und zweieiigen Zwillingspaaren den Schluss gezogen, dass die Fähigkeit, Gesichter und Orte zu erkennen, genetisch bedingt ist. Bei der Betrachtung bekannter Gesichter und Orte seien die Muster der Gehirnaktivitäten von eineiigen Zwillingen einander ähnlicher gewesen als die von zweieiigen. Bei der Verarbeitung von geschriebenen Worten, seien die Muster dagegen ähnlich vergleichbar miteinander gewesen wie bei den zweieiigen Zwillingen. Polk vermutet daher, dass in der Evolution die Erkennung von Orten und Gesichtern wichtiger gewesen sei als die von anderen Objekten und dass sie sich dadurch genetisch stärker entwickelt habe. (www.wissenschaft.de, 19.12.07) (nb)

Gentherapie bei ... Alkoholismus

Eine Forschungsgruppe um Yedi Israel von der Universität von Santiago de Chile will Alkoholismus bei Laborratten durch eine Genthe-rapie behandeln können. Für den Versuch machten die Forscher die Tiere zuerst alkoholabhängig, anschließend spritzten sie ihnen Gensequenzen ins Blut, die ein bestimmtes Ratten-Gen blockieren sollten. Dieses Gen sei für die Produktion des Enzyms Aldehyd-Dehydrogenase verantwortlich, welches dem Abbau von Alkohol im Körper diene. Ein Mangel an diesem Enzym habe bei Menschen Übelkeit und Herzrasen nach Alkoholeinnahmen zur Folge. Der diesbezügliche Konsum der Ratten habe nach der Injektion um die Hälfte abgenommen. (www.wissenschaft.de, 04.01.08) (nb)

Gen für ... allergische Reaktion

Ein britisches Forschungsteam um Carsten Schmidt-Weber vom Imperial College in London will ein Gen gefunden haben, das Allergien auslösen soll. Dieses GATA-3-Gen blockiere ein weiteres Gen namens FOXP3 und beeinflusse somit die Entwicklung von regulatorischen T-Zellen. Diese wiederum seien verantwortlich für Th2-Zellen, welche letzt-endlich die allergischen Reaktionen auslösen sollen. (www.heise.de, 27.12.07) (nb)

Gen für ... Lithium-Wirksamkeit

Ein Forschungsteam um Mazda Adli von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Universitätsklinik Charité vermutet, dass die genetische Ausstattung einer Person bestimmt, wie gut das chemische Element Lithium gegen Depressionen hilft. Grundlage ist eine Studie, in der 81 akut depressive PatientInnen bis zu acht Wochen lang zusätzlich zu Antidepressiva Lithium einnahmen. Dabei untersuchten die Wissenschaftler das Gen GSK3B. Bei über der Hälfte der PatientInnen mit einer bestimmten Form dieses Gens soll die Behandlung angeschlagen haben. Dagegen war nur bei rund dreißig Prozent der Versuchspersonen mit anderen Variationen ein Heilungseffekt zu beobachten. (www.berlinonline.de, 12.12.07) (nb)
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Februar 2008
S. 32 - 35