Gentechnik-Kritik
Gentechnik-Kritik
Im dritten Jahr mit kommerziellem Anbau von gentechnisch verändertem Mais in Deutschland brodelt es in allen Ecken. Das frisch verabschiedete Gentechnikgesetz tut sein Übriges. Die Stimmung ist gereizt, doch die KritikerInnen können selbstbewusst in die Auseinandersetzungen gehen.
Colombo, Luca
Italienische Verbände hatten sich während der Überarbeitung der EU-Bio-Verordnung sehr für eine Null-Toleranz gegenüber gentechnischen Verunreinigungen stark gemacht. Das zeigte, wie auch die starke Beteiligung an einer Befragung von unten im vergangenen Jahr, dass die Kritik an der Agro-Gentechnik hier in speziellen Bahnen verläuft, die Luca Colombo nachzuzeichnen versucht.
Interview mit
Janßen, Georg
Gentechnikfreie Regionen sind aus der Diskussion um den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Bauern schließen mit ihren Berufskollegen in der Nachbarschaft Selbstverpflichtungserklärungen und machen auch nach außen hin deutlich, dass sie selbst entscheiden, was auf ihren Acker kommt und was nicht.
Bongartz, Antonette & Schappert, Karin
Gentechnikkonzerne erwecken gerne den Eindruck, als könnten sie tun und lassen, was sie wollen. Dass dem nicht so ist, hat eine kleine Gemeinde in Hessen eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Potthof, Christof
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer spricht sich für einen Stopp bei den Zulassungen von gentechnisch veränderten Organismen und die Reformierung des Verfahrens aus. Mit seinen Vorschlägen aber irrt der Minister
Schörpf, Markus
Österreich gilt vielen in der Agro-Gentechnik-Debatte als Vorbild auch für wünschenswerte deutsche Politik. Nicht nur, dass es seit Jahren genau die gentechnisch veränderten Sorten verboten hat, die in der Europäischen Union zum Anbau zugelassen sind. Auch haben österreichische Akteure einen - nicht unumstrittenen - pragmatischen Weg gefunden, 400 Nahrungsmittel als Gentechnik-frei zu kennzeichnen.
Landwirtschaft & Lebensmittel
Heistinger, Andrea
Ein Blick in die Diskussionen in der züchterischen Fachpresse lässt vermuten, dass es bei der Züchtung von Kulturpflanzen heute praktisch ausschließlich um Gene geht. Doch Pflanzen sind mehr als die Summe ihrer Gene. Kulturpflanzen werden auch von ihrer Umwelt und den Menschen, die sie züchten und anbauen, geformt.
Mensch & Medizin
Kröger, Fabian
Für große Empörung sorgte im September 2007 die gesetzliche Einführung von DNA-Tests bei Familienzusammenführungen von MigrantInnen in Frankreich. Wenig später wurde bekannt, dass in Deutschland seit über zehn Jahren solche DNA-Tests durchgeführt werden - und dies sogar ohne gesetzliche Grundlage.
Seyler, Helga & Thonke, Ines
Vor einem Jahr beschäftigte sich ein Schwerpunkt des GID 180 mit den neuen Impfstoffen gegen zwei Typen von Humanen Papillom-Viren (HPV), die als Verursacher von Gebärmutterhalskrebs gelten. Just im selben Monat verabschiedete die Ständige Impfkommission (StIKo) in Deutschland ihre Empfehlung an die Krankenkassen, die HPV-Impfung als generelle Reihenimpfung zu etablieren. Ein Jahr später haben bereits 700.000 Mädchen mindestens eine der drei Impfdosen hinter sich.(1) Jedoch: Der Nutzen der Impfung kann bis heute nicht zweifelsfrei belegt werden. Zwei Todesfälle mit unklarer Ursache sorgten in diesem Zusammenhang für zusätzliche Irritation.
Interview mit
Möller, Martin
Die erste vergleichende Nutzen-Risiko-Analyse zu abbaubaren und nicht-abbaubaren Nano-Transportsystemen legt nahe, Nanomaterialien wie Fullerene und Kohlenstoffröhrchen aus Sicherheitsgründen vorerst nicht einzusetzen.
Politik & Wirtschaft
Baureithel, Ulrike
Am 11. April hielt der Deutsche Ethikrat nun - nach langem Vorgeplänkel - seine konstituierende Sitzung ab. Der erste Akt war es, den ehemaligen Justizminister unter Helmut Kohl, Edzard Schmidt-Jortzig, zum Vorsitzenden zu wählen. Die Wahl des Juristen und FDP-Politikers setzt ein klares Zeichen für die forschungsfreundliche Orientierung der Mehrheit des Rates. Zwei alte Hasen des Nationalen Ethikrates, die Medizinerin Christiane Woopen und der Theologe Eberhard Schockenhoff stehen ihm als Stellvertreter zur Seite.
Interview mit
Seifert, Ilja
Am 13. Februar haben Bundeskabinett und Bundestag die 26 Mitglieder des Deutschen Ethikrates, Nachfolgegremium des Nationalen Ethikrats, für die Zeit bis 2012 bestimmt. Der Deutsche Ethikrat soll nicht nur biopolitisches Beratergremium, sondern - so Bundesforschungsministerin Annette Schavan - auch „ein nationales Forum für den Dialog über zentrale ethische Fragen in den Lebenswissenschaften“ sein. Der GID sprach mit Ilja Seifert, MdB, der sich bei der Abstimmung im Bundestag der Stimme enthalten hatte.
Banker, Michael J. & Nelson, Kristen C.
„Problem Formulation and Options Assessment“ (PFOA) - unter diesem Titel erschien im vergangenen Dezember ein Handbuch für eine Umwelt-Risikoabschätzung von transgenen Organismen als Multi-Stakeholder-Prozess. Wie es der Name verspricht, beginnt die Methode mit der Formulierung beziehungsweise der Analyse der Problemlage und der Abschätzung verschiedener Lösungsoptionen. Die beiden AutorInnen fassen hier die wesentlichen Aspekte des Handbuchs zusammen.
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Impressum
GID 187, April 2008, 24. Jahrgang, ISSN 0935-2481, Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Susanne Schultz, Christof Potthof, Naima Blum


