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Man kann Potenzial nicht essen

Mitte April wurde der Weltagrarbericht verabschiedet, nachdem in einer letzten Sitzung mit mehr als sechzig Regierungen dessen Endfassung verhandelt wurde.

Vier Jahre haben sich vierhundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der globalen Landwirtschaft angenommen, was war der Auftrag?

Wir wollten wissen, wie Wissenschaft und Technologien die Landwirtschaft in den vergangenen 50 Jahren beeinflusst haben und welche Wisssenschaft und Technologie man brauchen würde, um in den nächsten 50 Jahren vier Kernfragen zu beantworten. Diese Kernfragen waren: Wie kann man das Problem von Hunger und Armut lösen? Wie kann man das ländliche Einkommen verbessern? Wie können Ernährung und Gesundheit verbessert werden? Wie kann man die Ungleichheit zwischen Stadt und Land überwinden? Diese Fragen sollten in dem Sinne beantwortet werden, dass die entsprechenden Maßnahmen nachhaltig sein und dass sie die abnehmenden natürlichen Ressourcen, die Folgen eines drohenden Klimawandels und das Wachstum der Weltbevölkerung berücksichtigen sollten.
Dabei muss man beachten, dass Nachhaltigkeit für die Landwirtschaft zum Beispiel bedeutet, Land in einem besseren Zustand zu hinterlassen, als man es vorgefunden hat und auch andere Ressourcen zu schonen. Die sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit legen nahe, dass alle Zugang zu den verschiedenen Ressourcen haben.
Gleichzeitig ist es nicht an uns gewesen, konkrete Empfehlungen zu geben. Vielmehr haben wir verschiedene Optionen dargestellt und vorgeschlagen. Je nach Land und Politik ist es auch so, dass sich hier die eine und dort eine andere Option besser durchsetzen lässt oder aus anderen Gründen empfiehlt.

Es gibt in dem Bericht verschiedene zentrale Begriffe, die für einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft stehen. „Multifunktionalität der Landwirtschaft“ ist so einer, oder auch die „Internalisierung von Kosten“. Können Sie bitte anhand dieser Begriffe erklären, was es mit dem Paradigmenwechsel auf sich hat?

Die Multifunktionalität ist ein sehr wichtiger Punkt für die Autorinnen und Autoren des IAASTD-Berichtes und auch schon früherer Berichte. Er will die Tatsache würdigen, dass Landwirtschaft nicht allein Lebensmittel und andere Agrarrohstoffe bereitstellt, sondern eben auch andere Leistungen wie zum Beispiel so genannte Umwelt-Dienstleistungen. Darunter versteht man zum Beispiel die Rolle von nützlichen Insekten aus der Umgebung bei einer biologischen Schädlingskontrolle.
Die Externalisierung von Kosten ist einer der wichtigsten Kritikpunkte an der industriellen Landwirtschaft. Bekannte externalisierte Faktoren sind insbesondere die Folgekosten für die Umwelt - und damit oft genug für die Gesellschaft -, die aus der Verwendung von Pestiziden und anderen Agrarchemikalien entstanden sind. Solche Kosten müssen in Zukunft deutlicher in die Bewertung der Landwirtschaft aufgenommen werden.

Wer ist denn eigentlich arm? Welche Gruppe oder Gruppen stehen im Fokus der Aufmerksamkeit, wenn über die Ziele des Berichtes gesprochen wird?

Es sind vor allem die ländlichen Armen und ganz allgemein kann man sagen, dass es diejenigen sind, die keinen Zugang zu Land haben. Diese Gruppen sind es dann auch, die in die Städte gehen, um dort ein besseres Auskommen zu finden, was in der Regel nicht funktioniert.
Vielmehr wirken sich auf sie die Krisen mit den teurer werdenden Lebensmitteln viel stärker aus als bei anderen, da sie in der Regel auch niemanden in ihrer Umgebung haben mit Zugang zu Land, mit eigenen Erträgen, der sie gegebenenfalls mit Nahrung unterstützen kann.

Was heißt das konkret für Regierungen und Hilfsprojekte? Welcher Art müssen unterstützende Maßnahmen sein?

In der Regel geht es um die Ausbildung der Infrastruktur. Das heißt, es geht zum Beispiel um die Versorgung von ländlichen Gebieten mit Strom, damit es eine gewisse Wertschöpfung, die Verarbeitung bestimmter landwirtschaftlicher Produkte, geben kann. Das ist auch insofern von Bedeutung, als dass zum Beispiel nicht nur Wasser - zum Beispiel in Tomaten - herumtransportiert wird, sondern dass es möglichst früh eine erste Konzentration der Produkte gibt.
Ein anderer Punkt ist der Straßenbau, damit die Waren ökonomisch zu den Märkten gelangen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bewässerung. Das ist gerade im südlichen Afrika von herausragender Bedeutung. Last but not least gibt es in Afrika in manchen Regionen einen eklatanten Mangel an Phosphaten in den Böden. Die Reserven, die es zum Beispiel in Tansania, in Togo oder in Mauretanien gibt, müssten einmal verfrachtet werden und könnten dann durch entsprechende zyklische Agrarsysteme dauerhaft genutzt werden.
Sicher ist es auch wichtig wissenschaftliche Institutionen zu entwickeln.

Wie ist das Verhältnis des Weltagrarrates zu anderen Berichten, die in den vergangenen Jahren veröffentlicht wurden, zum Beispiel des Weltklimarates IPCC oder zu den Aktivitäten zur Agrobiodiversität unter dem Dach der UN-Konvention über Biologische Vielfalt CBD?

Da wir jetzt später veröffentlicht haben, hat es sich schon ergeben, dass wir auf den Klimabericht und auf eine Reihe anderer Berichte verweisen - wir wollten das Rad nicht neu erfinden. Für die Zukunft aber wird es von großer Bedeutung sein, dass die verschiedenen internationalen Berichte, Räte und Kommissionen mehr aufeinander abgestimmt arbeiten. Jeder hat seine Spezialfragen, aber ein Austausch zwischen den Berichten und ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sollte vereinfacht werden. Das ist nicht optimal gelaufen.
Ich möchte das IAASTD gerne als ständiges Büro weiterführen. Sie wissen, wir haben hier das Millenium-Institut, dessen Direktor ich bin. Es sollen hier nationale, regionale und globale Informationen in unser bestehendes Modell, Threshold 21, T21 (1), eingespeist werden. Das Modell müsste für den landwirtschaftlichen Teil erweitert werden, aber es könnten auch andere Daten, zum Beispiel aus den Berichten des Internationalen Klimarates, eingebracht werden. Interessierte Ministerien oder auch andere sollten über ein Internet-Portal direkt und zeitnah auf diese Informationen und die daraus abgeleiteten Modellierungen zugreifen können. Darüber spreche ich gerade mit der FAO, IFAD (2) und anderen möglichen Geldgebern.
Grundsätzlich ist es tatsächlich so, dass die verschiedenen Bereiche, Klima, Biologische Vielfalt und Landwirtschaft, stärker zusammenwachsen, und auch zusammenwachsen müsssen. Von verschiedenen Rednerinnen und Rednern, zum Beispiel Professor Jeffrey Sachs, wurde das in der jüngeren Vergangenheit auch so betont. Auch von dem ehemaligen Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer, der ja auch deutscher Umweltminister war. Zusammengebracht werden diese Bereiche durch den Klimawandel.

Wie ist es mit der Kritik an dem Bericht - gerade auch aus der Wissenschaft? Ich habe zum Beispiel ein Zitat gelesen, der Bericht sei gegenüber der modernen Landwirtschaft und ihren Errungenschaften zu kritisch, zu negativ.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der jetzt vorliegende Bericht an manchen Stellen detaillierter hätte sein können. Das haben auch andere Beteiligte gesagt. Aber man muss auch sehen, dass wir diesen Bericht jetzt zum ersten Mal erarbeitet und vorgelegt haben und dass mit mehr Zeit und Mitteln die Autoren noch ausführlicher hätten sein können. Die ganze Arbeit wurde ja auch gratis gemacht, nur Unkosten wurden bezahlt.
Es wurde zum Beispiel kritisiert, dass wir die Produktivitäts-Steigerung der vergangenen Jahrzehnte durch die industrialisierte - auf Dünger und Pestizide aufbauende - Landwirtschaft nicht deutlich genug gewürdigt haben. Die Kritik, die geäußert wurde, gerade aus den Reihen der Agrochemie-Industrie, ist aber meiner Meinung nach nicht berechtigt. Man muss sich anschauen, welche Fragen gestellt worden waren. Da es für uns zuallererst um die Bekämpfung von Armut und Hunger gehen sollte, muss man eben auch sehen, dass es nicht in erster Linie einer besseren Technologie bedarf. Es geht eher um soziale und politische Aspekte und ebensolche Lösungen.
Wir sind aber zu dem Schluss gekommen, dass im Moment genug Nahrungsmittel produziert werden. Wenn wir uns das Beispiel Indien ansehen, dann findet man, dass dort eineinhalbmal über den Bedarf produziert wird. Totzdem ist Hunger und Armut sehr weit verbreitet - gerade auch in der ländlichen Bevölkerung.
Das Problem ist der Zugang zu den Lebensmitteln. Und bei diesem Problem hat uns auch die so genannte Grüne Revolution, die in den vergangenen Jahrzehnten geholfen hat die geernteten Mengen deutlich zu erhöhen, nicht geholfen. So müssen wir für die Zukunft etwas anderes probieren.
Gleichzeitig ist es sicher richtig, dass die Weltbevölkerung weiter wächst, und auch aus anderen Bereichen, wie zum Beispiel dem Energie-Sektor, die Begehrlichkeiten zunehmen. Das heißt wir müssen die Produktivität weiter steigern, aber eben nachhaltig. Genau dieses „aber“ wollen aber viele Leute nicht hören. Zu vielen geht es jetzt um eine schnelle Lösung der aktuellen Krise. Das wollten wir aber nicht unterstützen. Wir suchen nach zukunftsfähigen Lösungen, die sich in der Vergangenheit bereits bewährt haben. Untersuchungen haben ergeben, dass es technisch nicht so schwierig wäre, die Erträge zum Beispiel auch in Afrika zu verdoppeln. Wir haben das am Insektenforschungsinstitut ICIPE in Kenia, das ich geleitet habe, selber zeigen können und haben dabei die Böden nicht verschlechtert, sondern von Jahr zu Jahr verbessert.
Es kann durchaus sein, dass die Biotechnologien in der Zukunft etwas hervorbringen, das uns weiterhilft, aber bisher ist das eben nicht der Fall. Es heißt bei uns: Man kann Potenzial nicht essen. Seit zwanzig Jahren sagen uns die Leute, es wird mit den Biotechnologien mehr produziert. Aber es wird eben nicht mehr produziert. Es wird weniger produziert, das kann in wissenschaftlichen Journalen nachgelesen werden. Ich sage nicht, dass wir Gentechnologie nicht haben sollten. Wenn es zum Beispiel diese Pflanzen geben würde, die den Stickstoff aus der Luft selber fixieren könnten, wie das bisher ja nur die Leguminosen tun, das könnte uns sicher helfen. Aber das ist kompliziert und die Entwicklung kostet - ohne dass man weiß, ob es klappt - viel Geld. Mit mehr Investitionen - sagen wir in dem selben Rahmen, was heute in der Gentechnologie ausgegeben wird - in die nachhaltige Landwirtschaft könnte man mehr und besser Nahrungsmittel produzieren.

Der Bericht wurde ja auch noch in einer anderen Art kritisiert. Die Wissenschaftlerin Deborah Keith hat zum Beispiel in einem Kommentar in dem Wissenschaftsmagazin New Scientist geschrieben, „social science seems to have taken place of scientific analysis“. Sie ist eine von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die vor dem Ende des Prozesses, Anfang dieses Jahres, ihren Ausstieg aus dem IAASTD bekanntgegeben hatte. Was ist davon zu halten?

Wir wollten die verschiedenen Wissenschaftsbereiche eigentlich zusammenbringen. Wie ich bereits gesagt habe, sind die Probleme, die zu Hunger und Armut führen, in der Regel sozialer und politischer Natur, so dass es angeraten ist, nicht nur auf die Naturwissenschaften und die Steigerung der Erträge zu schauen, sondern eben auch die Gesellschaftswissenschaften zu befragen. Meine Kollegin, Dr. Judi Whakungu, der Direktor Dr. Robert Watson und ich haben in den Meetings, in denen es Krach gegeben hat, immer versucht, Frau Keith und die anderen, die dann später ausgestiegen sind, im Prozess zu halten. Es ist meiner Meinung nach auch ein taktischer Fehler gewesen, rauszugehen. Es ist immer besser, drin zu sein und über das weitere Vorgehen mitzubestimmen.

Die Wissenschaftler, die aus dem Prozess ausgestiegen sind, waren die alle von den Konzernen beschäftigt? Oder gab es zum Beispiel auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Universitäten oder anderen staatlichen Stellen, die mit dem Verfahren oder mit dem verabschiedeten Bericht nicht einverstanden waren?

Tatsächlich gab es auch in anderen Bereichen - zum Beispiel, wenn es um die Bewertung der ökonomischen Relevanz von bestimmten Maßnahmen ging - sehr heftige Diskussionen. Doch ist meines Wissens niemand anderes aus dem Gesamt-Prozess so ausgestiegen, wie wir das bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Agrarchemie-, der Bio- und der Gentechnologie-Konzerne gesehen haben.
Wir haben es ja auch darauf angelegt, dass möglichst viele verschiedene Ansätze von der ganzen Welt Berücksichtigung finden. Das ist dann immer wieder für Einzelne nicht leicht. Es kommt immer wieder vor, dass nicht jeder mit jeder Meinung einverstanden ist. Zum Beispiel hätten sich auch manche eine stärkere Betonung des Freihandels gewünscht. Aber eigentlich hat jeder seine Einschätzung einbringen können.

In Bezug auf die Biotechnologien wird von den AutorInnen des Berichtes ein „problem oriented approach“ empfohlen. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Was wir uns fragen, ist: Was sind die aktuellen Probleme? Es muss für bestimmte Lösungsansätze in erster Linie eine Nachfrage da sein. Das heißt wir schauen uns die Problemlage an, suchen nach den verschiedenen Optionen, die für deren Lösung in Frage kommen und entscheiden dann, welcher Weg der beste ist. Oft sind es ganz einfache methodische Ansätze, die zur nachhaltigen und ökonomisch sinnvollen Lösung von landwirtschaftlichen Problemen führen. Auch geht es darum, nicht nur die industrielle, sondern auch die mittlere und kleine Landwirtschaft zu fördern. Diese Ansätze sind aber oft nicht jedermanns Sache, da man mit ihnen keine neuen Produkte verkaufen kann.

Außerdem kommt bei den gentechnisch veränderten Sorten ja auch noch die Patent-Problematik hinzu.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Einerseits wegen dieser konkreten geistigen Eigentumsrechte, aber auch in dem Sinn, dass es in der Landwirtschaft eine Konzentration der Marktanteile gibt, die man in anderen Bereichen nicht zulassen würde. Das ist unverantwortlich. Hier in den USA gibt es Bundesstaaten, da kann ein Landwirt, der nicht gentechnisch veränderte Sojabohnen anbauen will, keine anderen Sorten mehr bekommen, weil die Marktbeherrschung einzelner Firmen so groß ist, dass sie praktisch diktieren können, was auf die Felder kommt. Zum Teil wird an die Nutzung des Saatgutes auch die Nutzung von bestimmten - von der gleichen Firma gelieferten - Herbiziden gekoppelt, so dass das Patent dazu dient, auch andere Produkte des Konzerns mitzuverkaufen. Das halten wir nicht für eine Landwirtschaft, die eine Zukunft hat. Die Konzentration geht eindeutig gegen die Diversität, die wir in dem Bericht betonen. Damit wollen wir ja einer zu starken Abhängigkeit von nur wenigen Pflanzen und einer entsprechenden Verwundbarkeit durch bestimmte einzelne Insekten und Krankheiten begegnen.

Sie haben die Situation in den USA angesprochen. Was sagt der Bericht eigentlich zu der Landwirtschaft in den industrialisierten Ländern?

Es wurde besonders Kritik an dem System mit den sehr starken Supermarktketten geübt, weil insbesondere deren Marktmacht als ein großes Problem wahrgenommen wird. Auch hier gibt es eine ganz klare Tendenz hin zu einer Konzentration. Diese ist in dem gesamten Lebensmittelsektor sehr typisch. Demgegenüber denken die Autorinnen und Autoren des Berichtes, dass es eine Re-Regionalisierung geben muss. Und es werden auch schon erste Trends in diese Richtung ausgemacht, denen zufolge Menschen zunehmend wieder wissen wollen, wer ihre Lebensmittel herstellt. Auch durch die Energiepreis-Steigerungen der letzten Monate könnte es in der Zukunft zum Umdenken kommen, wenn zum Beispiel bestimmte Transportwege nicht mehr bezahlbar sind.
Zum Schluss vielleicht noch zu der Umsetzung auf nationaler oder regionaler Ebene. Schelmisch könnte man sagen: Der Bericht ist fertig, jetzt kann die Arbeit beginnen...
Jetzt ist es noch ein bisschen zu früh. Es gibt einen ersten Plan für Vorstellungen und Diskussionen auf der nationalen Ebene. Da gibt es schon Anfragen aus einer ganzen Reihe von Ländern. Aber erst einmal werden gerade die Dokumentation und die Übersetzungen realisiert, damit wir dann vor Ort auch was zum Verteilen haben - das wird vermutlich bis etwa September dauern.
In der Zwischenzeit versuchen wir natürlich in den entsprechenden Gremien dabei zu sein, was nicht immer ganz einfach ist. Zum Beispiel wäre die Welternährungsorganisation FAO mit ihrem Zugang zu den Regierungen ein gutes Vehikel für unsere Ergebnisse. Aber zu der großen Konferenz der FAO Anfang Juni in Rom sind wir nicht explizit eingeladen worden, um unsere Ergebnisse vorzustellen. Immerhin wird die Konferenz schon seit Anfang des Jahres geplant und es war auch lange klar, dass unser Bericht im April veröffentlicht werden wird.

Herr Herren, wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Christof Potthof.

Dr. Hans Herren ist Direktor des Millenium-Institutes in der Nähe von Washington, D.C. (USA). Er war einer von zwei stellvertretenden Vorsitzenden des Weltagrarrates. Er hat viele Jahre in Afrika zu landwirtschaftlichen Themen gearbeitet, insbesondere zu Fragen von Schädlingen und deren biologischer oder integrierter Bekämpfung. 1995 wurde er mit dem Welt-Ernährungs-Preis (World Food Prize) ausgezeichnet, der weltweit höchsten Auszeichnung für eine einzelne Person, die sich um die Verbesserung der Ernährungslage der Welt verdient gemacht hat.
188
Juni 2008
S. 29 - 32

Der Weltagrarbericht IAASTD

Der Weltagrarbericht ist unter dem Dach der Vereinten Nationen (UN) und der Weltbank angesiedelt. Als Vorsitzender der Geschäftstelle fungierte Robert Watson. Er hatte in früheren Zeiten bereits bei den grundlegenden wissenschaftlichen Arbeiten des Weltklimarates und des Kyoto-Protokolls und bei den Arbeiten zum Schutz der Ozonschicht mitgearbeitet. Ihm zur Seite standen Judi Wakhungu und Hans Herren als so genannte Co-Chairs, Stellvertreter.
Insgesamt waren an der Erstellung des Berichtes und der fünf regionalen Unterberichte mehr als 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt. Die Zusammenfassungen sind im April dieses Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Weitere Dokumentationen folgen in den nächsten Monaten.

Weitere Informationen auf:
www.agassessment.org
www.agassessment-watch.org


(Christof Potthof)

  1. T21 ist das wichtigste Projekt des von Hans Herren geleiteten Millenium-Institutes. Es ist ein Planungswerkzeug für die Entwicklung von Staaten und Gemeinschaften, dessen Konzept die drei Säulen der Nachhaltigen Entwicklung Ökonomie, Ökologie und Soziales integriert. Es wurde in Kooperation mit Agenturen und Organisationen der Vereinten Nationen und der Weltbank entwickelt und in etwa fünfzehn Ländern auf vier Kontinenten angewandt (www.millenium-institute.org).
  2. Die FAO ist die Organisation für Landwirtschaft und Ernährung der Vereinten Nationen. Der IFAD, International Fund for Agricultural Development ist eine spezielle Finanzagentur der Vereinten Nationen, die im Kontext von Ernährung und Hungerbekämpfung arbeitet.