Kurz notiert - Landwirtschaft und Lebensmittel
EFSA-Gutachten: Gv-Mais MON810 ist sicher
Die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority - EFSA) ist der Meinung, dass „der [gentechnisch veränderte (gv)] Mais MON810 im Hinblick auf potenzielle Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier genauso sicher wie sein herkömmliches Pendant ist.” Dieser habe außerdem „im Rahmen seiner vorgesehenen Verwendungen wahrscheinlich keine nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt”. Dies geht aus einem wissenschaftlichen Gutachten des Gremiums für genetisch veränderte Organismen der Behörde hervor. Das Gutachten wurde im Rahmen einer Neubewertung des gv-Mais erstellt und ist für das „fortgesetzte Inverkehrbringen von (1) existierenden Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten, die aus genetisch verändertem, insektenresistentem Mais MON810 hergestellt wurden, (2) Futtermitteln, die aus Mais MON810 bestehen beziehungsweise diesen enthalten, einschließlich der Verwendung von Saatgut für den Anbau und (3) Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffen und Futtermitteln, die aus Mais MON810 hergestellt wurden” von Bedeutung. Der EU-Kommision liegt ein entsprechender Antrag auf Zulassung vor. Prekärerweise wurde die Öffentlichkeit von dem US-Unternehmen Monsanto am 29. Juni über die positive EFSA-Bewertung informiert und nicht von der Behörde, was sogleich Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan rief. Nach Auskunft eines Mitgliedes des Gentechnik-Ausschusses gegenüber dem GID ist das Gutachten am 15. Juni verabschiedet worden, „Zeitpunkt und Modalitäten der Veröffentlichung” seien nicht Sache des Ausschusses. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass es sich bei dieser EFSA-Stellungnahme um das aktuell kontroverseste GVO-Zulassungsverfahren in der EU handelt, zeige die Tatsache, dass die EFSA dem Konzern privilegierten Zugang zu Informationen gewähre, wie „pro-GMO and pro-industry” die Behörde ist, wie es die Gentechnik-Koordinatorin der EU-Sektion der Umweltorganisation Friends of the Earth, Helen Holder, formulierte. MON810-Mais bildet das Insektengift Bt, das nach dem bodenlebenden Bakterium Bacillus thuringiensis benannt ist, aus dem es ursprünglich stammt. Er ist die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die in Europa über eine Anbauzulassung verfügt. Allerdings ist MON810 aufgrund von Sicherheitsbedenken in verschiedenen EU-Ländern verboten, so in Frankreich, Griechenland, Liechtenstein, Ungarn, Österreich und Deutschland. (PM Monsanto, 29.06.09, www.monsanto.com; siehe auch: www.blogs.taz.de > saveourseeds; www.efsa.eu > Wissenschaftliche Dokumente, 30.06.09; PM Friends of the Earth, 30.06.09, www.foeeurope.org; 30.06.09; siehe auch folgende Notiz) (pau)Verbände: EFSA-MON810-Gutachten beklagenswert inadäquat
Die EU-Sektionen von Greenpeace und Friends of the Earth (Freunde der Erde) haben in einem gemeinsamen Papier eine Reihe von Schwächen des EFSA-Gutachtens zur Bewertung des gentechnisch veränderten Mais MON810 präsentiert. EFSA musste MON810 neu bewerten, da Monsanto eine EU-Zulassung für dessen Kultivierung und Nutzung in Lebens- und Futtermitteln anstrebt. MON810 bildet ein so genanntes Bt-Protein, das ursprünglich aus dem bodenlebenden Bakterium Bacillus thuringiensis stammt. Das auch als Bt-Toxin bezeichnete Eiweiß soll den Mais vor dem Maiszünsler schützen. Nach Darstellung der Verbände wird in dem EFSA-Gutachten zum Beispiel der Eindruck erweckt, MON810-Mais sei in Fütterungsuntersuchungen über einen Zeitraum von 90 Tagen getestet worden. Die zur Stützung zitierte wissenschaftliche Publikation beschrieb jedoch nicht MON810-Mais, sondern eine andere gentechnisch veränderten Pflanze und sei somit für diese Bewertung nicht von Relevanz, die Evaluierung der EFSA entsprechend nicht gültig. An anderer Stelle schreiben die EFSA-Gutachter, dass die „vermeintlich mit gentechnischen Methoden hergestellten Proteine keine Homologie mit irgendeinem bekannten Protein zeigten und keine neuen Sicherheitsbedenken aufwerfen”. Wie die Analyse des Gutachtens ergab, war ein Teil dieses Zitats aus der Zusammenfassung eines wissenschaftlichen Artikels abgeschrieben. Nur hatten die EFSA-Gutachter den letzten Teil „und keine neuen Sicherheitsbedenken aufwerfen” einfach angehängt, ohne darzustellen, wie sie zu dieser Schlussfolgerung kommen. Der Originalartikel, aus dem das Zitat stammt, bietet dafür keine Datengrundlage, trifft zu dieser Frage aber auch keine Aussage. Auch konzeptionell wird das Gutachten kritisiert, zum Beipiel sei eine Reihe von Untersuchungen zitiert worden, die negative Wirkungen von Bt-Giften auf so genannte Nichtzielorganismen deutlich machen. In dem EFSA-Gutachten wird dann beklagt, dass „Daten zu bestimmten Aspekten (...) limitiert sind”, aber anstatt daraus eine Unsicherheit in Bezug auf die Bewertung abzuleiten, stellen die Gutachter kurzerhand ein eigenes Simulationsmodell vor, mit dessen Hilfe die Sicherheit des Mais bestätigt werden kann. Nach Einschätzung der Verbände wird deutlich: Die EFSA-Gutachter halten sich nicht an den für das Europäische Recht wesentlichen Grundsatz, demzufolge in der Risikobewertung Unsicherheiten zu identifizieren sind. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit folgt europäischem Recht und wesentlichen wissenschaftlichen Prinzipien nicht. Das ist eine Schlussfolgerung der für die Verbände tätigen AutorInnen, Janet Cotter von der Wissenschaftsabteilung von Greenpeace und Werner Müller, von eco-risk in Wien. Auch die französische Regierung hat die Einschätzung der EFSA zurückgewiesen. In einer gemeinsamen Erklärung betonten das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium, dass die Schlussfolgerungen des EU-Ministerrates respektiert werden müssen. Die EFSA habe es versäumt, die Methoden ihrer Evaluierung zu überarbeiten. („A critique of the European Food Safety Authority‛s opinion on genetically modified maize MON810”, in Englisch, im Netz unter: www.greenpeace.eu oder www.foeeurope.org; AFP, 03.07.07, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (pau)Mexiko: Kontamination im Mais
Erneut haben WissenschaftlerInnen in den traditionellen mexikanischen lokalen und so genannten Teosinte-Maissorten Verunreinigungen mit gentechnisch verändertem Material gefunden. Die Arbeitsgruppe um George Dyer von der Universität des US-Bundesstaates Kalifornien in Davis und der Molekulargenetikerin Alma Piñeyro-Nelson von der Autonomen Universität in Mexiko-Stadt konnte für gentechnisch veränderte Sorten charakteristische Proteine in insgesamt 16 Proben Maissaatgut nachweisen. Das entspricht einem Anteil von fünf Prozent an den landesweit gesammelten Proben. Die Proteine Cry1Ab und Cry1Ac stammen aus Insektengift-produzierenden so genannten Bt-Pflanzen, das CP4/EPSPS-Protein vermittelt den gv-Pflanzen eine Toleranz gegen das Herbizid Roundup und dessen Wirkstoff Glyphosat. Der größere Teil der Verunreinigungen wurde im Südosten des Landes gefunden, ein Teil aber auch in dessen westlich-zentraler Region. In ihren Untersuchungen interessierten sich die ForscherInnen aber insbesondere für die Frage, wie diese Kontaminationen vonstatten gehen, ob sie zum Beispiel mit einem stetigem Import von transgenem Saatgut aus den USA zusammenhängen und welche Rolle der lokale Tausch von Saatgut spielt. Ihrer Einschätzung nach ist für Verbreitung der Transgene ein Netzwerk verschiedener Prozesse notwendig, so zum Beispiel die Kommerzialisierung der gentechnisch veränderten Varietäten, deren Hybridisierung mit lokalen - nicht-gentechnisch veränderten - Sorten und der Saatguttausch in informellen Netzen. Da die kommerzielle Nutzung gentechnisch veränderter Mais-Varietäten in Mexiko in der Zeit der Untersuchung - und auch heute - nicht erlaubt war (und ist), kommen als Quellen in erster Linie Getreidelieferungen aus den USA in Frage, die nicht als Saatgut gedacht oder deklariert sind. Im Gegensatz zu der Kontamination durch zum Beispiel Pollenflug, sei die Ausbreitung von (gentechnisch verändertem) Saatgut durch den Menschen praktisch nicht begrenzt, da es - gegebenenfalls tausende Kilometer - verbracht werden kann. Die Vermischung von mexikanischen Maissorten mit gentechnischem Material wird von vielen WissenschaftlerInnen als besonders bedeutsam angesehen, da in dem mittelamerikanischen Land die Ursprungsregion des Mais liegt. Die dort auch heute noch verbreitete große Vielfalt an Mais- und Teosinte-Varietäten ist wesentlicher Teil der Basis für die zukünftige Entwicklung neuer Maissorten. (Dyer, GA et al. (2009) Dispersal of Transgenes through Maize Seed Systems in Mexico. PLoS ONE, im Netz unter www.plosone.org) (pau)Mexiko: Freisetzungen von gv-Mais
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bereitet die mexikanische Regierung die Genehmigung der ersten Freisetzungen mit gentechnisch verändertem (gv) Mais im Land vor. Nachdem die Regierung im März letzten Jahres die Regulierungen für Freisetzungsversuche vorgelegt hatte, sind laut Angaben von Enrique Sanchez, eines Mitarbeiters im Landwirtschaftministerium, 25 Anfragen für solche Anbauversuche mit gv-Maissorten eingegangen. Vier der Anträge seien kurz vor der Genehmigung durch das Umweltministerium und könnten gegebenenfalls noch im September beginnen. Testfelder können nach den bestehenden Regulierungen bis etwa 200 Hektar groß sein. Eine der Firmen, die um eine Genehmigung nachgesucht habe, ist der US-Gentechkonzern Monsanto. (www. reuters.com, 04.06.09, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (pau)Bohnen-Patent aufgehoben
Das Beschwerde-Gericht der US-amerikanischen Bundesgerichtsbarkeit (United States Court of Appeals for the Federal Circuit) hat das US-Patent mit der Nummer 5894079, das so genannte „Enola”- oder „Gelbe Bohnen”-Patent aufgehoben. Seitdem das Patent im Jahre 1999 erteilt worden war, wird es von zivilgesellschaftlichen Gruppen, insbesondere der kanadischen Nichtregierungsorganisation ETC group als Paradebeispiel von Biopiraterie gebrandmarkt. Der so genannte Erfinder Larry Proctor aus dem US-Bundesstaat Colorado hatte, wie das Gericht nun beschrieb, das getan, was jeder mit einem Interesse an der Reproduktion und Verbesserung mexikanischer Bohnen getan hätte: Er hat mexikanische Bohnen genommen, sie ausgesät, deren Ernte wieder ausgesät und diesen Vorgang zwei Mal wiederholt. Die in dem Patent formulierten Ansprüche seien zum Zeitpunkt der Entscheidung offenkundig („obvious”) gewesen und deshalb nicht gültig. Kathy Jo Wetter von der ETC group beklagte, dass das ungültige Patent nun zehn Jahre wirksam gewesen sei - „das ist die Hälfte der Gültigkeitsspanne eines Patentes”. Proctor hatte auf der Basis des Gesetzes zum Beispiel Lieferungen aus Mexiko mit den Gelben Enola-Bohnen wegen der Verletzung des US-Patentes aufhalten lassen. Die mexikanischen Farmer hätten das Patent verletzt. Auch andere Firmen und Landwirte, die die Enola-Bohnen verkauft oder ausgesät hatten, waren von ihm gerichtlich belangt worden. (www.cafc.uscourts.gov/opinions/08-1492.pdf) (pau)Sonderwege für EU-Mitgliedstaaten?
Österreich hat sich weiter für nationale Sonderwege bei der Anwendung gentechnisch veränderter (gv) Pflanzen stark gemacht. Dabei soll es EU-Mitgliedstaaten möglich sein, die gv-Pflanzen zu verbieten, auch wenn diese eine EU-weite Zulassung besitzen. Der Vorschlag wird von mindestens neun Ländern unterstützt, darunter Griechenland, Ungarn und Polen. Auch die Niederlande hatten sich zunächst für einen solchen Weg ausgesprochen, ihre derzeitige Haltung zum Thema ist allerdings unklar. Wie eine solche Regelung im Detail aussehen könnte, ist noch offen. (www.traceconsult.ch, 24.06.09; der österreichische Vorschlag im Netz unter: http://register.consilium.europa.eu/pdf/en/09/st11/st11226-re01.en09.pdf) (pau)Biopatentrecht im Bundestag
Bündnis 90/Grüne hatten bereits im Januar dieses Jahres einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der auf die Verbesserung der Gesetzgebung vor dem Hintergrund aktueller Beschwerdeverfahren zielt. Insbesondere wird die Bundesregierung aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass „Patente auf Gene nur in Verbindung mit einer konkreten Anwendung erteilt werden können und der Geltungsbereich der Patente auf diese konkrete Anwendung begrenzt wird”. Darüber hinaus fordern die AntragstellerInnen, dass „Interpretationsspielräume hinsichtlich der Patentierbarkeit von biologischen Verfahren geschlossen werden” und dass „Patente auf Pflanzen und Tiere nicht erteilt werden können”. Der Antrag wurde mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP abgelehnt. Die Linksfraktion enthielt sich der Stimme. Anlässlich dieses Antrags hat die Lobbyorganisation BIO-Deutschland im Juni eine neue Stellungnahme zu Biopatenten veröffentlicht. Derzufolge soll das Biopatentrecht auf der Basis der europäischen Biopatentrichtlinie 98/44/EG nicht geändert werden. In der BIO-Stellungnahme heißt es unter anderem, eine „Einschränkung dieses Stoffschutzes auf bestimmte Verwendungen würde die Leistung des Erfinders nicht vollumfänglich würdigen” - eine Begründung bleibt der Verband seinen Leserinnen und Lesern allerdings schuldig. Der Verband nimmt in dieser Stellungnahme für sich in Anspruch, für „Industrie und Wissenschaft” zu sprechen. Namentlich seine Arbeitsgruppe für „Lizenzen und technische Verträge“ schreibt: „Eine Entdeckung ist per Patentgesetz klar von einer Erfindung abgetrennt. Es wird daher seitens der Industrie und der Wissenschaft keine Notwendigkeit gesehen, die Gesetzeslage zu ändern.” In der Arbeitsgruppe findet sich kein einziger Wissenschaftler und nur eine wissenschaftsnahe Gesellschaft, die Max-Planck-Innovation GmbH, die ihrerseits Patentierungsaufgaben für die Max-Planck-Gesellschaft übernimmt. (Bundestags-Drucksache 16/11604 vom 14.01.09, Das Parlament, 22.06.09, beide im Netz unter: www.bundestag.de; Stellungnahme zum Antrag von B90/G und Pressemitteilung, 19.06.09, www.biodeutschland.org) (pau)Agro-Gentechnik in Rostock
In der Umgebung von Rostock und dem Agrobiotechnikum Groß Lüsewitz hat sich die Lage um die Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) und den Protest dagegen verschärft. Auf der einen Seite soll die dortige Versuchsleitung illegalerweise ein zweites Feld mit gv-Gerste angepflanzt haben. „Deshalb sind Kerstin Schmidt, Inge Broer, Karl-Heinz Kogel, Gregor Langen und weitere Unbekannte am 20.6.2009 bei der Staatsanwaltschaft Rostock angezeigt worden”, heißt es in einer Mitteilung der Projektwerkstatt Saasen. Auf der anderen Seite habe es in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli bei einer Aktion einen verletzten Wachmann gegeben. Dies geht zumindest aus Berichten auf verschiedenen Internetseiten hervor. Das AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz bei Rostock entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer Art Zentrum der Freisetzungen mit GVP in Deutschland. Alleine für dieses Jahr sind in den benachbarten Gemeinden Thulendorf und Sanitz sechs verschiedene Freisetzungsversuche (Aktenzeichen 6786-01-0195, -191, -200, -199, -202, alle in Thulendorf und -196 in Sanitz) genehmigt worden. Das AgroBioTechnikum steht derzeit nicht zuletzt wegen engmaschiger - beschriebener wie vermuteter - Seilschaften zwischen Wissenschaft, Behörden und Politik in der Kritik. (www.projektwerkstatt.de, dort zum Beispiel auch der Text der genannten Strafanzeige; www.ostsee-zeitung.de, 24.06.09; www.transgen.de, 03.07.09; www.bvl.bund.de > Gentechnik) (pau)Gentechnisch veränderte Weltraum-Tomaten
„Wir arbeiten an neuen Tomaten (...) Das wird Auswirkungen auf die Landwirtschaft auf der Erde, aber auch für die im Weltraum haben.” Verwundert reibt man sich die Augen beim Lesen der Pressemitteilung der Universität des US-Bundesstaates Arkansas in Little Rock. Die von Mariya Khodakovskaya und Dr. Stephen Grace entwickelten gentechnisch veränderten Tomaten sollen toleranter gegenüber Trockenheit, aber auch gegenüber anderen Stressfaktoren sein. Dafür haben die WissenschaftlerInnen den Gehalt an so genannten Antioxidantien erhöht, Stoffen, deren Gegenspieler, die Oxidantien mit einer Reihe von Krankheiten in Verbindung gebracht werden, zum Beispiel Krebs. (PM Universität von Arkansas, 06.05.09, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (pau)Brasilien: Neue gv-Sorten, alte Gefahren
Der US-Konzern Dow AgroScience will in Brasilien gentechnisch veränderte (gv) Soja- und Maissorten im Freiland testen, die gegen Herbizide mit dem Wirkstoff 2,4-D resistent sind. Das brasilianische Biosicherheits-Komitee CTNBio hat dieses Ansinnen Mitte Juni genehmigt. 2,4-D kam zu tragischer Bekanntheit, da es eine der Wirkstoffkomponenten von „Agent Orange” war, das insbesondere im Vietnamkrieg eingesetzt worden war und zur Vergiftung weiter Landstriche und großer Bevölkerungsteile führte. Anvisa, die nationale brasilianische Gesundheits-Agentur stuft 2,4-D als „extrem giftig” ein. Es steht im Verdacht Krebs zu erregen und in den Hormonhaushalt von Menschen und Tieren einzugreifen. Dow AgroSciences plant außerdem die gentechnische Veränderung der Herbizidtoleranz gegen 2,4-D in Pflanzen mit der so genannten SmartStax-Technologie einzusetzen. Dabei handelt es sich um ein gemeinsam von Dow und dem US-Gentechkonzern Monsanto betriebenes System kombinierter gentechnischer Veränderungen in Pflanzen, bei dem acht verschiedene Eigenschaften in eine Pflanze eingefügt werden. Gentechnisch veränderter SmartStax-Mais hat im Juli dieses Jahres die Zulassung für die Nutzung in den USA und in Kanada erteilt bekommen. Damit ist es wahrscheinlich, dass der Mais bereits in der kommenden Anbausaison auf die Felder kommen wird. Auch in Japan ist der Mais, zumindest für den Import, genehmigt worden. Die neu eingefügten Eigenschaften sind die Produktion verschiedener Insektengifte, wie auch die Toleranz gegen verschiedene Unkrautvernichtungsmittel. (PM von Dow AgroSciences und Monsanto, 20.07.09, im Netz unter www.dowagro.com und www.monsanto.com; Newsletter „Update from the GM-Free Brazil Campaign”, 09.06.09 und 01.08.09, www.aspta.org.br) (pau)BASF und Uni Köln
BASF Plant Science und die Universität in Köln haben eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, um ertragreichere und stresstolerantere Nutzpflanzen zu entwickeln. Dies gaben sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt. Derzufolge teilt sich die Vereinbarung in einen Lizenz-, einen Forschungs- und einen Entwicklungsvertrag. Von Seiten der Universität werden Prof. Dr. Ulf-Ingo Flügge und Dr. Verónica G. Maurino vom Botanischen Institut der Universität zu Köln mit der BASF zusammenarbeiten. Den Forschern war es in der Vergangenheit gelungen, eine Stoffwechselspezialität des Mais auf eine Modellpflanze, die Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana), zu übertragen. Diese gentechnische Methode auch an anderen Pflanzen, insbesondere Soja, Raps und Reis, anzuwenden, ist eines der Ziele der jetzt verabredeten Zusammenarbeit. Bei der Verbesserung der Stresstoleranz soll es in erster Linie um die Verbesserung der Salzverträglichkeit der Pflanzen gehen. (PM BASF, Uni Köln und proVendis, 08.07.09, www.basf.de) (pau)Gv-Schweinegrippen-Mais
Wenn in fünf bis sieben Jahren die Schweinegrippe noch ein Thema ist und bei den Forschungen der Universität des US-Bundesstaates Iowa alles gut geht und eine Reihe weiterer Fragen beantwortet worden sind, dann könnte eventuell ein Impfstoff gegen die derzeit weltweit grassierende Krankheit mit den morgendlichen Cornflakes gegessen werden. So sieht es das Szenario in einer Pressemitteilung der Hochschule vor. Die Forscher versuchen den Impfstoff in gentechnisch veränderten Maispflanzen zu produzieren. Die WissenschaftlerInnen sind bemüht, den Prozess zu beschleunigen. (PM Universität des US-Bundesstaates Iowa, 30.04.09, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (pau)Gv-Eukalyptus
In den US-Bundesstaaten Alabama und Florida sollen, entsprechend einem Antrag des US-Unternehmens ArborGen, zum wiederholten Male gentechnisch veränderte (gv) Eukalyptus-Bäume freigesetzt werden. Dabei soll die Fläche, auf denen sich die Bäume bis zur Blüte und zur Samenbildung entwickeln sollen, von heute etwa 3 auf dann über 130 Hektar erweitert werden. So geht es aus einer Bewertung der US-Landwirtschaftsbehörde Aphis (Animal and Plant Health Inspection Service) hervor, die eine Umwelt-Risikobewertung veröffentlicht hat. Eine Koalition von Umwelt- und anderen Verbänden, die von der US-Gruppe Global Justice Ecology Project koordiniert wird, hat mit einer Petition dagegen protestiert. Es wird insbesondere beklagt, dass in der Risikobewertung die mit der Blüte und der Samenbildung der Bäume verbundenen Gefahren nicht ausreichend berücksichtigt worden sind. (www.globaljusticeecology.org; www.aphis.gov, 02.06.09; www.regulations.gov) (pau)Indien: Gv-Gemüse in drei Jahren
Die indische Regierung hat in einer parlamentarischen Anfrage zum Ausdruck gebracht, dass sie von mindestens drei verschiedenen gentechnisch veränderten Gemüsesorten ausgeht, die auf dem Subkontinent in drei Jahren kommerziell genutzt werden. Berichten zufolge - zum Beispiel in der Times of India - sollen dies Tomaten, Auberginen und Blumenkohl sein. Die Regierung verbindet mit der Nutzung die Hoffnung auf höhere Ernten und einen besseren Schutz gegen Schädlinge und Krankheiten. Bisher wird in dem Land nur eine Sorte gentechnisch veränderter Pflanzen genutzt, eine insekten-giftige so genannte Bt-Baumwolle mit einem neu eingefügten Gen, das ursprünglich aus dem bodenlebenden Bakterium Bacillus thuringiensis stammt. (Times of India, 16.07.09, http://timesofindia.indiatimes.com, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (pau)Gen für Trockentoleranz offengelegt
Wissenschaftler der in einer Forschungs- und Entwicklungsallianz verbundenen Konzerne BASF und Monsanto haben Informationen über ein Gen offengelegt, mit dem Maispflanzen besser mitdurch Trockenheit verursachten Stress zurechtkommen sollen. Die beiden Unternehmen verwenden das ursprünglich aus einem Bakterium stammende Gen cspB in einem Projekt zur Entwicklung einer gentechnisch veränderten Maissorte, deren Erträge auch bei üblicherweise nicht ausreichender Wasserversorgung stabil bleiben. Es sei geplant, dass die neuen Maissorten im Jahre 2012 für die kommerzielle Nutzung bereitstehen. Weitere Sorten einer so genannten zweiten Generation trockentoleranter Maispflanzen befinden sich den Angaben der Konzerne zufolge derzeit in Entwicklungsphase zwei, in der Tests sowohl im Labor wie auch im Freiland stattfinden. (PM Monsanto und BASF, 09.06.09) (pau)


