Ein europäischer Biobanken-Prototyp
Die im Februar 2008 gegründete „European Biobanking and Biomolecular Resources Research Infrastructure“ (BBMRI) hat eine erste Arbeitsphase abgeschlossen: Mehr als 300 größere Biobanken in Europa wurden katalogisiert. Das mit fünf Millionen Euro aus EU-Mitteln angeschobene BBMRI-Projekt zielt auf den Aufbau einer elektronischen Infrastruktur, mit der langfristig die europaweite Forschung zu „Assoziationen zwischen Krankheits-Subtypen und kleinen, aber systematischen Variationen von Genotyp, Phänotyp und Lebensstil“ vereinfacht werden soll. Das anvisierte zentrale Computernetzwerk soll nicht nur den Zugang zu, sondern auch die Vergleichbarkeit der Daten und Proben der verschiedenen europäischen Sammlungen ermöglichen. Der Start eines „Prototyp-Systems“ ist für 2010 angekündigt. Es soll zunächst aus den „fortgeschrittensten“ Biobanken gebildet werden, die „die wenigsten Schwierigkeiten bereiten“ und sukzessive um andere Sammlungen erweitert werden, wenn diese „so weit sind“. Derzeit gehören 51 Institute und 190 assoziierte Organisationen aus 30 europäischen Staaten zum BBMRI, darunter die UK Biobank, das estnische Biobankprojekt oder auch EPIC (European Prospective Study of Nutrition and Cancer). Koordinator für die Bundesrepublik ist Erich Wichmann vom Helmholtz-Zentrum München, der derzeit den Aufbau der mit geplanten 200.000 Probanden hierzulande bisher größten Biobank, der so genannten Helmholtz-Kohorte, vorbereitet (vgl. GID 191, S. 45 ff.). Sie soll ebenfalls Teil des BBMRI werden. (
www.phgfoundation.org/news/4704) (uw)
Richtlinien für Gentests an Kindern
An erster Stelle stünden die Interessen des Kindes, betont die Europäische Gesellschaft für Humangenetik (ESHG) in ihren jüngst herausgegebenen Richtlinien zu prädiktiven Gentests an Kindern. Zugleich lässt sie keinen Zweifel daran, dass auch andere Interessen bedient werden sollen, wenn Kinder sich Gentests unterziehen, die Aussagen über die Wahrscheinlichkeit machen, in der Zukunft krank zu werden. So empfiehlt die ESHG, Kinder mit erhöhtem Risiko für in der Kindheit auftretende, behandelbare Erkrankungen sofort zu testen, hält Gentests aber auch bei nicht behandelbaren Erkrankungen für sinnvoll, weil sie die Familie vorwarnen beziehungsweise entlasten könnten. Ähnlich widersprüchlich ist auch die Empfehlung bezüglich Gentests für so genannte spät manifestierende Erkrankungen: Wenn Minderjährige in der Lage seien, die Implikationen von Tests - beispielsweise zum erblichen Brustkrebs - zu verstehen, sollten sie entscheiden dürfen, heißt es in der Richtlinie. Kindern wird hier offensichtlich prinzipiell eine Kompetenz zugetraut, die Erwachsene nach allseitiger Übereinkunft erst durch die obligate eingehende Beratung zu Bedeutung und möglichen Folgen eines prädiktiven Gentests erlangen können. (New Scientist, 30.05.09;
www.eshg.org:documents) (uw)
Gen-Analysen als Entertainment
Der US-Forscher David Goldstein hält „kommerzielle Gen-Analysen” für nicht seriös. Im Interview mit dem Spiegel erklärte er: „Für mich ist das reines Entertainment, weil es derzeit aus dem Angebot dieser Genomfirmen nichts gibt, was ich für klinisch verwendbar hielte. Glauben Sie nur ja nicht, dass Sie mit einem solchen Test etwas tun, das wichtig für Ihre Gesundheit wäre.” Die Skepsis des Genomforschers bezieht sich vor allem auf solche prädiktiven Tests, die mit sehr großen statistischen Ungewissheiten verbunden sind. Firmen und Labore, die Gen-Analysen kommerziell anbieten, sind in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen. Private Labore für medizinische Genetik gibt es seit längerem. Die Angebote der neuen Generation von Genfirmen unterscheiden sich allerdings von diesen medizinischen Laboren dadurch, dass sie sich erstens unter Aufbietung eines hohen Werbeaufwands direkt über das Internet an potenzielle Kunden wenden, zweitens, dass sie zum Teil mit der Non-Biotech-Privatwirtschaft verknüpft sind (zum Beispiel mit Google), und drittens, dass ihr Testangebot über die üblichen in der medizinischen Genetik etablierten Tests weit hinausgehen (vgl. GID 194, S. 37). Die Kritik richtet sich insbesondere gegen so genannte Lifestyle-Gentests, die keine medizinische Zielsetzung verfolgen und Qualitätsmängel aufweisen. Dazu hat erst kürzlich die European Technology Assessment Group einen Bericht vorgelegt (vgl. GID 193, S. 35-39). Die kommerziellen Genfirmen bedrohen mit anderen Worten durch ihr Vorgehen die bisherige Organisation des Gentestmarktes. Ein Ziel des kürzlich vom Bundestag verabschiedeten Gendiagnostikgesetzes war es unter anderem, die Kontrolle der FachmedizinerInnen über Gentests zu sichern. Nach Recherchen des GID scheint das Gesetz aber gerade bezüglich kommerzieller Gentestangebote eine Lücke aufzuweisen. Insbesondere gelten für Lifestyle-Gentests keinerlei Einschränkungen. (GID 194, S. 54; Spiegel online, 30.05.09) (as)
Ein Depressions-Gen weniger
Die Untersuchung, die 2003 in der Zeitschrift Science erschien, gehörte zu den meist gefeierten Highlights der Psychiatrieforschung der letzten Jahrzehnte: Ein internationales ForscherInnenteam berichtete, dass ein bestimmtes Gen das Risiko determinieren würde, ob jemand beispielweise nach Verlust des Arbeitsplatzes oder nach einer Scheidung in eine Depression fällt oder nicht. Prominente Forscher, die sich der Mühe unterzogen haben, diese und ähnliche Untersuchungen zu evaluieren, kommen jetzt zu dem Schluss, dass diese Forschungsergebnisse von 2003 und auch weitere, die in ihrer Folge publiziert wurden, einer kritischen Untersuchung nicht standhalten. Das Fazit des Berichts, der in The Journal of the American Medical Association erschienen ist: Die statistische Analyse ist in allen 14 untersuchten Studien nicht korrekt oder zwingend. Rückblende: Die Aufregung war groß, als der Artikel mit dem Titel „Influence of Life Stress on Depression: Moderation by a Polymorphism in the 5-HTT Gene" im Juli 2003 erschien. Die Ausgangsfrage der ForscherInnen war, warum Stress bei manchen Menschen zu Depressionen führt, bei anderen nicht. Ihre Antwort: Bestimmte genetische Veränderungen im 5-HTT-Gen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass jemand an einer Depression erkrankt. Ihr Konzept für die Krankheitsentstehung beruhte auf der Annahme, dass Gen- und Umweltwirkung zusammenspielen: Die individuelle Reaktion auf Einflüsse der Umwelt werde durch genetische Unterschiede nicht determiniert, aber mitbestimmt. Das Spektakel, das sich an diese Veröffentlichung anschloss, war beispielhaft für den gängigen Wissenschaftsjournalismus. Die Medien machten aus dem Science-Artikel eine Sensationsmeldung. Das heißt, sie übernahmen die Ergebnisse Eins-zu-eins und überhöhten sie noch durch Verallgemeinerungen à la „Das Rätsel der Depression ist gelöst" oder: „Depression ist erblich”. Aufmerksamkeit hat der Artikel von 2003 auch deshalb erfahren, weil er das neue, so überzeugende Paradigma des Gen-Umwelt-Zusammenspiels zu bestätigen schien. Das Modell bot eine Alternative zu einem all zu einfach gestrickten Gen-Reduktionismus, der gerade in der Psychiatrie als überholt gelten konnte. Die Reaktion der Fachgemeinde auf den jüngsten Bericht ist deshalb empfindlich. Denn das Gen-Erfahrungs-Paradigma ist in der Psychiatrie nach wie vor einflussreich. Die Kritik des Berichts wird also geschluckt; vor allem jedoch wird sie als Anreiz gewertet, wiederum mehr Geld in die Forschung über Gen-Umwelt-Interaktionen zu stecken, um die Qualität dieser Forschung zu verbessern. (NYTimes, 17.06.09 und 18.07.03; Science, 18.07.03) (as)
Hodenzellen im Stammzellkarussell
Nun sind es wieder die Hodenzellen, die der Stammzellforschung Fortschritt bringen sollen. Kinarm Ko und Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster berichteten in der Fachzeitschrift Cell Stem Cell über Zellen aus Hodengewebe, die sich unter minimalen Eingriffen fast von allein in pluripotente Zellen verwandeln - in so genannte „germline derived pluripotent stem cells“ oder gPS-Zellen. Notwendig waren nach Aussage der Forscher allein „komfortablere“ Wachstumsbedingungen in der Petrischale. Solche Zellen seien zudem leicht durch Biopsie zu gewinnen. Sie liefern den KritikerInnen Argumente, die die Verwertung von Embryonen zur Stammzellgewinnung ablehnen. Das Forschungsjubelblatt Die Zeit beschrieb den Fund als einen wichtigen Schritt „auf dem Weg zur ethisch einwandfreien Stammzelle". Der wichtigste Forschungstrend liegt allerdings zur Zeit bei den induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS), also bei Körperzellen erwachsener Menschen, die genetisch gezielt manipuliert werden. IPS-Zellen seien „die Zellen der Zukunft", sagte Wolfgang Engel von der Universität Göttingen, dessen Team 2006 als erstes wandlungsfähige Hodenzellen gefunden hatte. „Die Zellen aus dem Hoden werden bald niemanden mehr interessieren." Doch derzeit stehen auch die iPS-Zellen in der Kritik, da niemand weiß, ob die „zurückverwandelten“ Erwachsenenzellen embryonalen Stammzellen wirklich gleichwertig sind. Schöler jedenfalls befindet die Hodenzellen für besonders hochwertig. „Körperzellen von reprogrammierten Keimbahn-Stammzellen von Menschen abzuleiten, ist deswegen so interessant, weil sie fast keine Erbgutschäden tragen." Die unterschiedlichen Meinungen und Alternativen können indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass von konkreten therapeutischen Optionen nicht die Rede sein kann. Auch die Stammzellforscher selbst scheinen derzeit vorsichtig genug zu sein, die Unwägbarkeiten einer therapeutischen Verwendung zu betonen. (Zeit online, 02.07.09; Financial Times, 02.07.09; Süddeutsche Zeitung, 03.07.09; Spiegel online, 03.07.09) (as)
Künstliche Spermien im Stammzellkarussell
Ein Forschungsteam in Großbritannien hat die erfolgreiche Produktion einer menschlichen Spermienzelle aus embryonalen Stammzellen gemeldet. Das Team aus Newcastle hatte aus den embryonalen Stammzellen zunächst Keimbahnstammzellen produziert, die sich auch in Geschlechtsorganen finden, und deren Entwicklung weiter in Richtung reife Spermienzellen manipuliert. Die gewonnenen „IVD-Spermien“ („in vitro derived sperm“) waren beweglich, hatten Schwänze und trugen nur 23 Chromosomen - wie Spermien. Azim Surani von der Cambridge University äußerte sich skeptisch zu diesem Ergebnis und erklärte, die Daten seien zu unvollständig, um damit belegen zu können, dass es sich wirklich um äquivalente Zellen handele. Seines Erachtens seien diese „spermienähnlichen“ Zellen noch weit davon entfernt, unverwechselbar mit Spermienzellen zu sein. Der Leiter des Teams in Newcastle, Karim Nayernia, erklärte, die IVD-Spermien seien wichtig, um männliche Unfruchtbarkeit zu beforschen und nicht, um sie in der Fortpflanzungsmedizin einzusetzen. Bisher ist dies in Großbritannien illegal. Es gibt in Wissenschaftskreisen jedoch schon eine Reihe von Überlegungen, in der Zukunft Ei- und Spermienzellen, die aus embryonalen Stammzelllinien oder auch aus iPS-Zellen („reprogrammierte“ pluripotente Zellen) gewonnen werden sollen, in der Reproduktionsmedizin einzusetzen - ganz abgesehen davon, welche Science-Fiction-Szenarien mit diesen Zellen sonst noch denkbar sind. Bei Versuchen mit Mäusen hatten IVD-Spermien bereits Eizellen befruchtet; die entstandenen Mäuse starben innerhalb weniger Monate aufgrund von schweren Gesundheitsschäden. (BBC News Online, 07.07.09; New East England Stem Cell Institute, 08.07.09; Ärzteblatt, 08.07.09; bio-news, 14.07.09) (sus)
Eizellkauf für die Klon-Forschung
Die Stammzellbehörde des US-Bundesstaates New York hat sich - entgegen bisheriger Standards der Wissenschaftsgesellschaften - für die Bezahlung von Eizellen für die Forschung ausgesprochen. Das Empire State Stem Cell Board vergibt jährlich etwa 50 Millionen US-Dollar öffentliche Gelder für die Stammzellforschung in New York. Es wird nun eine Bezahlung von bis zu 10.000 US-Dollar genehmigen, wenn sich Frauen für die Stammzellforschung zur Gewinnung der Eizellen mit Hormonen behandeln und operieren lassen - ein nicht ungefährliches Verfahren, dessen langfristige Folgen noch kaum erforscht sind. „Wir machen es für die Frauen, die Interesse haben, für die Forschung zu spenden, vernünftiger, dies tatsächlich zu tun“, erklärte Robert Klitzman vom Ethikkomitee der Behörde. Ein gewichtiges Argument für die bezahlte Eizell-„Spende“ ist, dass in der US-amerikanischen Reproduktionsmedizin der Handel mit Eizellen bereits gang und gäbe ist und auch hier teilweise fünfstellige Summen bezahlt werden. Die Übertragung dieser Praxis auf die Forschung widerspricht jedoch sowohl den Richtlinien der US-amerikanischen Academy of Science, die sich gegen die Bezahlung von Eizellen ausspricht, als auch der Politik des Bundesstaates Kalifornien, dem größten öffentlichen Geldgeber für Stammzellforschung in den USA. Hier untersagt ein Gesetz die Bezahlung jenseits der direkten Entschädigung von Unkosten. Die Politik des Bundesstaates New York könnte der Klonforschung neuen Auftrieb geben. Sie entwickelte sich in den letzten Jahren eher krisenhaft - aufgrund eines Betrugsskandals, dem viel beklagten „Eizellmangel“ und nicht zuletzt aufgrund immer neuer Erfolgsmeldungen in der Forschung mit den iPS-Zellen (induzierte pluripotente Stammzellen). Auch in Australien sprach sich unterdessen die Juristin Loane Skene für die Bezahlung von Eizellen aus, um die Klonforschung voranzubringen. Sie war Vorsitzende des Lockhart-Komitees, das das australische Parlament in Richtung einer gesetzlichen Deregulierung der Stammzellforschung im Jahre 2006 beraten hatte. (New Scientist, 24.06.09; NYTimes, 26.06.09; ABC news, 07.07.09; bionews, 14.07.09) (sus)
Rainbow Reproduktions-Reisen
Eine neu gegründete Reiseagentur in Spanien bietet Befruchtungsreisen speziell für die Zielgruppe lesbischer Paare an. Die in Alicante ansässige Agentur „Rainbow Tourism“ kooperiert dafür mit der privaten Reproduktionsklinik Instituto Bernabeu. Die Klinik bietet sowohl Samenspenden mit künstlicher Insemination als auch Samen- und Eizellspenden mit In-vitro-Fertilisation an. Diese Verfahren sind in Spanien Kundschaft jedweder sexuellen Orientierung erlaubt, anders als in Deutschland, wo heterologe Samenspenden nur für hetero-sexuelle Paare erlaubt und Eizellspenden verboten sind. Und anders als etwa seit neuestem in Großbritannien, ist die Samen- und Eizellspende in Spanien weiterhin anonym. Das Angebot zielt insbesondere auf deutsche, Schweizer, britische und italienische Paare ab; Paare aus diesen Ländern machen schon bisher einen nicht unerheblichen Teil der Kundschaft des Instituto Bernabeu aus. Mit der neuen Gesetzgebung in Spanien, die die homosexuelle Ehe der heterosexuellen Ehe gleichstellt, kann die Reiseagentur nicht nur mit einer ausgebauten Tourismusinfrastruktur, Billigflügen und Hotelrabatten werben, sondern auch für die Kombination Befruchtungsreise plus Ehevertrag - so denn eine Wohngenehmigung in Spanien vorliegt. Das Instituto Bernabeu ist nicht nur in dieser Richtung Vorreiter, sondern ist auch eine von zwei Kliniken, die im Laufe des letzten Jahres Eizellen für die Klonforschung im nahe gelegenen Valencia bereitgestellt hat. (Guardian, 14.06.09; Spiegel online, 18.06.09; bionews, 24.06.09) (sus)
Gentechnik für Arbeitslose
Das Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH, eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie wirbt in Zeitungsanzeigen der Berliner Zeitung für Fortbildungen in Molekularer Biotechnologie. Damit sollen arbeitslose NaturwissenschaftlerInnen und Laborfachkräfte auf diesen vermeintlich boomenden Markt eingeschworen werden. Dies ist politisch jedenfalls erwünscht: Die Fortbildung wird über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanziert, das heißt, dass die Kosten letztendlich die Steuerzahler tragen. (Berliner Zeitung, 25.07.09; Greenhouse Infopool Berlin) (mf)
Leuchtende Affen
Japanische Forscher haben genetisch veränderte leuchtende Affen entstehen lassen. Das Team um Erika Sasaki vom „Zentralinstitut für experimentelle Tiere“ in Kawasaki fügte in die DNA der Affen ein Gen einer Qualle ein. Das Gen übertrug sich auf die Nachkommen, wie die ForscherInnen in dem Wissenschaftsmagazin Nature publizierten. Letzteres ließ sich bisher bei transgenen Primaten nicht nachweisen. Es handelt sich um ein Gen, das ein grünes fluoreszierendes Protein kodiert. Es lässt die Füße der Affen unter UV-Strahlung leuchten. Das Gen wurde den 91 Embryonen von Marmosetten (dazu gehören zum Beispiel Seiden- und Pinseläffchen) mit einer viralen Fähre eingefügt. Mit den Spermien der so entstandenen Affen wurden dann durch In-vitro-Fertilisation weitere Nachkommen produziert, die das Gen auch trugen. Die Forschung sei der Beweis dafür, dass an transgenen Affen geforscht werden könne, die als Mutationsträger einer spezifischen Krankheit gezüchtet werden könnten, so Anthony Chan von der Atlanta University in Georgia, USA. Allerdings, so Chan weiter, sei die Forschung auf Marmosetten bezogen, die den Menschen nicht so nah verwandt seien. Zudem wäre eine solche Forschung nur für solche Genmutationen möglich, die mit einem viralen Vektor eingeschleust werden können. Jedenfalls besteht mit diesen Forschungsergebnissen die Gefahr, dass in Zukunft die Zahl der medizinischen Experimente an Primaten steigen wird. (BBC News Online, 27.05.09; ScienceDaily, 28.05.09; bionews, 01.06.09) (sus)
HPV-Update: Hausen als Gentech-Werbeträger
„Den ersten gezielten Impfstoff gegen Krebs verdanken wir der Gentechnik“ - dieses Zitat stellt Nobelpreisträger Harald zur Hausen der Chemie-Industrie zur Verfügung, um eine großangelegte Werbekampagne des „Forum Chemie macht Zukunft“ für Gentechnik zu betiteln. Dies ging nun auch dem Ärztekammerpräsidenten Günther Jonitz zu weit. Der Spiegel veröffentlichte einen Briefwechsel zwischen Jonitz und zur Hausen, in dem sie über Wirkung und Nutzen der HPV-Impfung, die gegen Gebärmutterhalskrebs eingesetzt wird, streiten. Jonitz betonte dabei gegenüber zur Hausen: „Es ist Ihnen bekannt, dass die HPV-Impfung nicht pauschal oder umfassend gegen Gebärmutterhalskrebs schützt“ und warf Hausen vor, Erwartungen zu schüren, die nicht eingehalten werden können. Hausen wiederum betrieb Kritiker-bashing und erklärte, die Position von Jonitz könne Konsequenzen für „eine große Zahl unglücklicher Frauen“ haben. Für das „Forum Chemie macht Zukunft“ zeichnet Stefan Hilger verantwortlich, Pressesprecher des Verbands der Chemischen Industrie, der die Anzeigenkampagne zusammen mit 26 anderen Pharma- und Chemiekonzernen finanzierte. Zur Hausen erklärte, er habe kein Geld für seine Aussage erhalten. (Spiegel online, 20.10.09; GeN 2009: „Fragen stellen! Ein unabhängiger Blick auf die HPV-Impfung“, online:
www.gen-ethisches-netzwerk.de) (sus)