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Weitere Bücher

Die Macht der Gene

Von wegen Paradigmenwechsel: Dass das 2006 in Österreich erschienene Buch des laut Verlagswerbung „weltweit führenden Humangenetikers“ Hengstschläger nun auch in der Bundesrepublik aufgelegt wird, macht klar, dass die Zeiten des genetischen Determinismus noch längst nicht vorbei sind. Wir erfahren, dass Gene „wissen, was Ihnen gut tut“, dass Mafiosi ihren Genen „hilflos ausgeliefert“ und deshalb genau genommen unschuldig sind oder auch, dass Homosexualität Menschen „bis zu einem gewissen Grad in die Wiege gelegt“ wird. Hinzu kommt ein larmoyanter Plauderton, der ständig signalisiert, dass hier ein Wissenschaftler mal aus dem Laborturm hinab zum Volk gestiegen ist, um die Angelegenheit auf witzige Art verständlich zu machen. Ein Buch zum Weglegen. Markus Hengstschläger: Die Macht der Gene. Schön wie Monroe, schlau wie Einstein, Piper 2008, 176 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 978-3-492-25029-0.

Arzneimittel und Gesellschaft im Diskurs

Die Beiträge des Sammelbandes untersuchen das Verhältnis von medialen und wissenschaftlichen Diskursen, Alltagspraktiken und neuen Formen der Politik. Beispiele sind das Verhältnis von Patientenorganisationen und Pharmaunternehmen; Direktmarketing; und Kontroversen um einzelne Medikamente wie zum Beispiel die HPV-Impfung oder Psychopharmaka in den USA. Simon J. Williams, Jonathan Gabe und Peter Davis (Hrsg.): Pharmaceuticals and Society. Critical Discourses and Debates. Wiley-Blackwell 2009, 160 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-1-4051-9084-8.

Diskursboom ohne verzögernde Wirkung

Hatten die intensiven öffentlichen Diskussionen zu Stammzellforschung, Präimplantationsdiagnostik oder zum „therapeutischen“ Klonen Auswirkungen auf die wissenschaftliche Entwicklung in diesen Feldern? Svea Luise Herrmann studiert diese Frage anhand der Debatten in Deutschland und Großbritannien um die Jahrtausendwende. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Auseinandersetzungen zunehmend auf „ethische“ Fragen, insbesondere den Status des Embryo, verengt wurden, während die wissenschaftliche Entwicklung selbst als unaufhaltsam vorausgesetzt wurde. Die Stimulation eines solchen Diskurses führte dazu, dass Konflikte und Bedenken zwar zirkulieren konnten, dass diese der wissenschaftlich-technologischen Entwicklung jedoch nicht im Wege standen. Svea Luise Herrmann: Policy Debates on Reprogenetics. The Problematisation of New Research in Great Britain and Germany, Campus Verlag, Frankfurt/New York, 32,90 Euro, 240 Seiten, ISBN 987-3-593-38792-5.

Enhancement: Medizin für Gesunde

Schneller, wacher, leistungsfähiger: Nach jahrzehntelanger intensiver Hirnforschung und der Entwicklung wirksamer Substanzen gegen kognitive Störungen (Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen), Depression und Narkolepsie, greifen zunehmend auch gesunde Menschen zu entsprechenden Mitteln, um Alltagsstress und Arbeitsdruck zu bewältigen und ein permanentes Wohlbefinden und eine kontinuierlich hohe Leistungsfähigkeit pharmakologisch herzustellen. Das so genannte „Neuro-Enhancement“ ist Teil des allgemeinen Trends, in den Ablauf intakter Körper einzugreifen beziehungsweise eingreifen zu lassen (kosmetische Interventionen, Sportdoping). In anderen Ländern bereits seit längerem in der Diskussion, gewinnt „Enhancement“ auch in Deutschland an Bedeutung. Einen umfangreichen Überblick über die internationale Debatte liefern jetzt zwei Sammelbände des Mentis-Verlages auf insgesamt knapp 800 Seiten. Die Beiträge in deutscher Übersetzung thematisieren die wesentlichen ethischen und sozialen Aspekte und beleuchten Möglichkeiten und Risiken dieser Entwicklung transdisziplinär. Zu den Autoren zählen unter anderen Jürgen Habermas und Francis Fukuyama. Bettina Schöne-Seifert/ Davinia Talbot (Hrsg.): Enhancement. Die ethische Debatte. Mentis-Verlag 2009, 411 Seiten, kartoniert, 38,00 Euro, ISBN 978-3-89785-604-2. Bettina Schöne-Seifert, Davinia Talbot, Uwe Opolka, Johann S. Ach (Hrsg.): Neuro-Enhancement. Ethik vor neuen Herausforderungen. Mentis-Verlag 2009, 367 Seiten, kartoniert, 39,80 Euro, ISBN 978-3-89785-602-8.

Power, Politics and Pharmaceuticals

In den letzten Jahren ist das Thema Arzneimittelregulierung stärker in die öffentliche Wahrnehmung gekommen. Dies liegt unter anderem an Kontroversen über bestimmte Arzneimittel, nicht zuletzt aufgrund von Nebenwirkungen. Im Zentrum der Problematik steht die Übermedikalisierung von Menschen im Norden und der fehlende Zugang zu existentiellen Medikamenten im Süden. Die Beiträge in diesem Buch reflektieren die politischen Implikationen des neoliberalen Systems der Arzneimittelregulierung mit besonderer Berücksichtigung von Irland. Orla O’Donovan und Kathy Glavanis-Grantham (Hrsg.): Power, Politics and Pharmaceuticals. Drug Regulation in Ireland in the Global Context. University Press, Cork 2008, 262 Seiten, gebunden, 49 Euro, ISBN 978-1-8591-8419-6.
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August 2009
S. 54