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Ethische Fragen genetischer Beratung

Ethische Fragen genetischer Beratung

Kernaufgabe genetischer Beratung heute ist es, Ratsuchenden eine informierte Entscheidung für oder gegen eine genetische Untersuchung zu ermöglichen. Hirschberg, Grießler, Littig und Frewer greifen die aktuelle Diskussion um die Gestaltung dieser Beratung in ihrem umfassenden Sammelband auf, der im Rahmen des Projekts „gen-dialog: Neo-sokratische Dialoge zur Verbesserung der genetischen Beratung“ entstanden ist: „Die Kernfrage für Betroffene, die Medizinethik und die Gesellschaft lautet: ‚Wie kann genetische Beratung möglichst gut ablaufen?’“ Erklärtes Ziel ist eine Vertiefung der Diskussion zwischen Theorie und Praxis. Das Buch verfolgt den interessanten Ansatz, die Perspektiven von Ratsuchenden und Beratenden zu verknüpfen und jeweils auf praktischer wie theoretischer Ebene zu beleuchten. Ergänzung findet dies durch eine gesellschaftstheoretische und ethische Diskussion. Aus praktischer Perspektive geht es dabei zum Beispiel um die genetische Beratung am Beispiel einzelner Krankheiten (Steiner et al.), um die Fähigkeit der Ratsuchenden zu autonomen Entscheidungen (Zoll) oder die Umsetzung von Datenschutz (Henn). Die vorgestellten Studienergebnisse betreffen etwa Stellvertreterentscheidungen (Nicklas-Faust), Funktionen von Sprachbildern in der Beratung (Kovács/Frewer) oder Entscheidungen aus Sicht der Patient/innen (Porz). Der dritte Teil des Buches ergänzt dies beispielsweise durch die Reflexion der Beratungssituation mit Beteiligten (Grießler et al.) sowie der Rolle von Online-Ressourcen bei der Entscheidungsfindung (Wolf/Ilkilic). Ein ausführlicher, aktueller Serviceteil (Hirschberg) bietet weiterführende Informationen. Die Kombination von individueller und medizinisch-professioneller Perspektive ist der Diskussion um genetische Beratung aus meiner Sicht sehr zuträglich. Positiv zu bewerten ist auch die erneute Problematisierung des Autonomieprinzips. Dass ein weiterer Beitrag zu einzelnen Themenschwerpunkten wünschenswert gewesen wäre (wie zum Beispiel Ergebnisse aus einer wissenschaftlichen Studie zum Thema Autonomie), ist wohl der breit angelegten Thematik geschuldet. Den Herausgebern ist unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Perspektiven auf das Feld der genetischen Beratung eine sehr überzeugende Darstellung der aktuellen Diskussion gelungen.

Anne Brüninghaus

Irene Hirschberg/Erich Grießler/Beate Littig/Andreas Frewer (Hg.): Ethische Fragen genetischer Beratung, Peter Lang: Frankfurt a.M./Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/ Wien 2009, 56,80 Euro, ISBN 978-3-631-58895-6e.
196
Oktober 2009
S. 58