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Kurz notiert - Landwirtschaft und Lebensmittel

Frankreich: MON810 weiter verboten

„Der hohe Rat für Biotechnologie“ (HCB), ein Expertengremium zur Beratung der französi­schen Regierung, hat bestätigt, dass es Probleme bei der statistischen Auswertung des gentechnisch veränderten Mais MON810 der Firma Monsanto gibt. Zu dieser Ansicht kam auch die Behörde für Nahrungsmittelsicherheit des Landes. Dennoch erklärte der Wissenschaftsausschuss des HCB, dass von dem Mais keine bedeutenden negativen Auswirkungen auf die Umwelt ausgehe und deshalb das derzeit gültige Anbauverbot nicht aufrecht erhalten werden müsse. Demgegenüber stimmte der Wirtschafts-, Ethik- und Sozialausschuss des HCB gegen eine Aufhebung des Anbauverbotes von MON810. Von den 26 Experten des HCB waren 14 der Meinung, dass eine Aufhebung des Verbotes eher Nachteile als Vorteile mit sich bringt. Die Entscheidung der Regierung steht noch aus. Siehe dazu auch das Interview mit Gilles-Eric Séralini in diesem Heft. (www.topagrar.com, 13.01.10) (al)

EFSA und die Industrie

In einem gemeinsamen Brief fordern vier Nichtregierungsorganisationen (NGO), Corporate Europe Observatory, Friends of the Earth (beide Brüssel), Lobbycontrol (Berlin) and Testbiotech (München) die EU-Kommission auf, den Wechsel einer führenden Mitarbeiterin der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zum Agro-Konzern Syngenta zu untersuchen. Renckens hat bereits im Mai bei Syngenta den Bereich für regulatorische Angelegenheiten in der Biotechnologie (Europa, Afrika und Naher Osten) übernommen. Bis Ende März hatte sie bei der EFSA als wissenschaftliche Leiterin der Abteilung Gentechnik gearbeitet. In dieser Funktion war sie für die Bewertung des Risikos von gv-Pflanzen für Mensch und Umwelt verantwortlich. Europäischen Regularien zufolge muss sie jeden beruflichen Wechsel innerhalb von zwei Jahren nach ihrem Ausscheiden genehmigen lassen, um Interessenskonflikten vorzubeugen. Das hat Renckens getan. Die EFSA hatte in dem vorliegenden Fall aber keine Bedenken, was nun von den NGO scharf kritisiert wird. (PM Testbiotech 21.01.10, www.testbiotech.org) (al)

USA: GVO-freie Lebensmittel

Supermarket News (SN), ein wöchentlich erscheinendes US-amerikanisches Handelsmagazin für die Lebensmittelindustrie, berichtet, dass im US-amerikanischen Lebensmittel- und Einzelhandel die Nachfrage nach GVO-frei gekennzeichneten Produkten enorm gestiegen ist. SN bezieht sich in der Meldung auf das - nach eigenen Angaben - weltweit führende Marktforschungsunternehmen Nielsen. Bisher akzeptierten die VerbraucherInnen in den USA gentechnisch veränderte Lebensmittel mehr oder weniger stillschweigend. Mittlerweile sei die Nachfrage nach als gentechnikfrei gekennzeichneten Produkten um 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen - ein stärkerer Zuwachs als bei allen vergleichbaren Labels. Nachfragezuwächse sind auch bei glutenfreien und cholesterinarmen Lebensmitteln zu verzeichnen. Insgesamt wird deutlich mehr Geld für gesunde Produkte ausgegeben. (www.supermarketnews.com, 04.02.10, zitiert nach traceconsult.ch; www.nielsen.com) (al)

Mexiko: Gv-Mais freigesetzt

In Mexiko wurde mit der Freisetzung von gentechnisch verändertem (gv) Mais begonnen. Umweltschützer und Bauernverbände haben dagegen Klage bei der „Inter-American Human Rights Commission” eingereicht. Man dürfe nicht zulassen, dass in der Wiege des Mais gv-Sorten ausgebracht werden. Dies gelte umso mehr, da der gv-Mais in der Vergangenheit illegal angebaut worden ist und sich bereits unkontrolliert ausgebreitet hat. Die Regierung wiederum argumentiert, dass der gv-Mais hauptsächlich im Norden des Landes angebaut werde und nicht in Zentralmexiko, der „Geburtsstätte“ des Mais. (www.forbes.com, 03.02.10) (al)

Kooperation von KWS und BASF

Das Saatgutunternehmen KWS und der Chemie-Konzern BASF wollen gemeinsam an der Entwicklung gentechnisch veränderter Zuckerrüben arbeiten. Ihre erklärten Ziele sind höhere Zucker- und Energieerträge sowie die Entwicklung trockentoleranter Sorten für den globalen Markt bis 2020. Die Initiative „Witzenhäuser Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft” reagierte in einer Pressemitteilung gelassen auf die Ankündigungen. Bereits 1990 habe KWS eine virusresistente Zuckerrübe angekündigt, die bis heute nicht auf dem Markt sei. Keines der Ernährungs- und Trockenheitsprobleme sei bisher durch die Gentechnik-Industrie gelöst worden, obgleich Millionen an staatlichen Forschungsgeldern geflossen sind. (PM BASF 20.01.10; PM Witzenhäuser Initiative 22.01.10, www.kws-gentechnikfrei.de) (al)

Thailand: Kontamination trotz Anbauverbot

Die thailändische Bauern-Organisation „Biothai” und das akademische „Netzwerk zum Schutz von Bio-Ressourcen” haben verschiedene Nutzpflanzen auf gentechnische Veränderungen untersucht und Spuren gentechnischer Verunreinigung in Chili, Soja, Mais, Reis, Sonnenblumen, Ananas, Tomaten, Papayas und Baumwolle gefunden. In Thailand ist der kommerzielle Anbau von gv-Pflanzen untersagt, allein zu Zwecken der Forschung ist ein Anbau unter strengen Auflagen möglich. Der Direktor von Biothai fordert nun die Regierung auf, die Einfuhrkontrollen zu verschärfen, Gesetze zur biologischen Sicherheit zu verändern, die Verursacher von gentechnischen Verunreinigungen zu bestrafen und für Geschädigte Ausgleichs­zahlungen bereitzustellen. (www.bangkokpost.com, 09.02.2010) (al)

USA: 5:0 gegen Bayer

Der Bayer-Konzern muss Schadensersatz in Höhe von etwa 1,5 Millionen US-Dollar wegen der Verunreinigung von US-amerikanischem Reis mit gentechnisch verändertem Material zahlen. Die Zahlungen wurden drei Reisbauern aus den US-Bundesstaaten Arkansas und Mississippi von einem Gericht in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) zugestanden. Eine nicht zugelassene gentechnisch veränderte Reissorte von Bayer war 2006 in konventionellen Reisprodukten nachgewiesen worden, woraufhin weltweit Importe von US-Reis gestoppt worden waren. In die gleiche Richtung wie die aktuelle Entscheidung wies be­reits ein Urteil im Dezember des vergangenen Jahres, als zwei Landwirte in der gleichen Angelegenheit zwei Millionen US-Dollar erstritten hatten. Insgesamt könnten bis zu 3.000 Farmer betroffen sein. Der Schaden der Kon­tamination wird mit bis zu 1,3 Millionen US-Dollar beziffert. Die Coordination gegen Bayer-Gefahren begrüßte die Entscheidung des Gerichts. Der Bayer-Konzern prüft die eigenen Optionen, betont aber, dass nicht alle der zu ewartenden Fälle vergleichbar kostspielig seien. (www.reuters.com, 05.02.10; CBG 08.02.10) (pau)

Saatgutpreise steigen wegen Gentechnik

Das Organic Center, Zentrum zur Unterstützung der Forschung für den ökologischen Landbau in Boulder im US-Bundesstaat Colorado, hat den Bericht „The Magnitude and Impacts of the Biotech and Organic Seed Price Premium” (etwa: Umfang und Effekte der Preisaufschläge auf gentechnisch veränderte und ökologische Saaten) veröffentlicht. Darin wird anhand von Mais, Soja und Baumwolle beschrieben, wie der Preis für gentechnisch verändertes (gv) Saatgut in den letzten Jahren gestiegen ist. Gegenübergestellt werden die Preisaufschläge für gv- und biologisches Saatgut und deren Auswirkungen auf das Einkommen der Landwirte. Klarer Trend ist, dass der Anteil am Einkommen der Farmer, der für gentechnisch verändertes Saatgut ausgegeben werden muss, in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist. Dies wirkt sich auf das Einkommen der Farmer umso deutlicher aus, als dass die geernteten Produkte, gegenüber konventionell erzeugter Ware, keinen Aufpreis einbringen. Demgegenüber wirkt sich der Aufpreis auf ökologisches Saatgut nicht nachteilig auf das Einkommen aus, da in diesem Marktsegment für die Produkte höhere Preise gezahlt werden. Der 17-seitige, in englischer Sprache verfasste Bericht steht zum kostenlosen Download unter: www.organic-center.org > state of science > Environment. (www.organic-center.org, Dezember 2009) (al)

Antikörper gegen HIV aus Tabak

Forscher vom Aachener Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie beginnen erste klinische Studien mit Antikörpern gegen HIV, die mit gentechnisch veränderten Tabakpflanzen erstellt worden sind. Tabakpflanzen sollen im Gegensatz zu den bei der Herstellung von Medikamenten verwendeten gv-Mikroorganismen in der Lage sein, komplexere Proteine zu produzieren. Zudem könnten so größere Mengen des erwünschten Stoffes als auf herkömmliche Weise durch tierische Zellen oder Bakterien gewonnen werden, so die Forscher. Ein weiterer Vorteil sei, dass Pflanzen keine Krankheitserreger übertragen. Christoph Then, Berater der Umweltorganisation Greenpeace, betonte jedoch gegenüber 3sat, dass nur Pflanzen genutzt werden sollten, die keine Rolle für die Ernährung spielen und dass ein Anbau nur im Gewächshaus stattfinden sollte. (www.3sat.de, 12.11.09) (al)

Glyphosat schädigt Bodenorganismen

In einer Reihe von wissenschaftlichen Fachartikeln haben ForscherInnen aus den USA Untersuchungsergebnisse über das Roundup­Ready-Anbausystem mit gentechnisch veränderten Soja- und Maissorten veröffentlicht. Die RoundupReady-Pflanzen vertragen aufgrund ihrer gentechnischen Veränderung die Behandlung mit dem Herbizid-Wirkstoff Glyphosat. Glyphosat ist ein so genannter aktiver Bestandteil von Unkrautvernichtungsmitteln, wie zum Beispiel des weltweit am häufigs­ten eingesetzten Mittels Roundup. Durch den Einsatz von Roundup könneh den Erkenntnissen der Forschenden zufolge zum Beispiel Probleme mit einem Pilz, der die Wurzeln von Soja und Mais befällt, zunehmen, was zu einem „plötzlichen Absterben” der Pflanzen führen kann. Auch auf Bodenbakterien kann sich die Anwendung von Roundup negativ auswirken. Der an einer der neuen Publikationen beteiligte Forscher Robert Kremer hebt in einem Interview besonders die negative Wirkung auf Rhizobien hervor, eine Bakteriengruppe, die zur Fixierung von Luftstickstoff in der Lage ist. Rhizobien unterstützen die Pflanzen so durch die Bereitstellung des wichtigsten Nährstoffs und tragen außerdem erheblich zur Bodenverbesserung bei. Kremer betont zudem, dass es bisher nicht möglich gewesen sei, diese Informationen in den USA, zum Beisiel über den landwirtschaftlichen Forschungs-Service (ARS) zu verbreiten. (European Journal of Agronomy, Oktober 2009, Band 31, Ausgabe 3, Seiten 111 bis 176. „Glyphosate Interactions with Physiology, Nutrition, and Diseases of Plants: Threat to Agricultural Sustainability?”; www.non-gmoreport.com, 01.01.10) (pau)

USA: RBGH verbieten

Die Amerikanische Gesellschaft für Public Health (American Public Health Association - APHA) hat sich für ein Verbot des mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellten Rinderwachstumshormons RBGH ausgesprochen. RBGH mache die Kühe und Rinder krank. Der Einsatz des Hormons führt zu einer stärkeren Milchproduktion und ist häufig begleitet von einer als Mastitis bezeich­neten Euterentzündung. Diese muss auf dem Label des Hormons als Nebenwirkung angegeben werden. Mastitis wird ihrerseits mit Antibiotika behandelt. Keime der Entzündung und die Antibiotika können in der Milch nachgewiesen werden. Nach Angaben der APHA ist die Milch von Kühen, die mit dem als Posilac vermarkteten Hormon behandelt worden sind, chemisch und in der Nährstoff­zusammensetzung unterscheidbar von „natürlicher” Milch. Die Organisation schließt sich mit dieser Entscheidung den Forderungen der Krebsvorsorge-Koalition an, einem Zusammenschluss von Gruppen der Landwirtschaft, insbesondere des Ökolandbaus und des Verbrau­cherschutzes. (www.apha.org, 10.11.09, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (pau)

Super-Reis

Die Bill und Melinda Gates-Stiftung wird ein Projekt des Internationalen Reisforschungs-Zentrum (IRRI) auf den Philippinen mit elf Millionen US-Dollar unterstützen, in dem der Stoffwechsel von Reis mit gentechnischen Methoden grundsätzlich umprogrammiert werden soll. Üblicherweise spielen beim Reis, wie auch bei Weizen und den meisten anderen Getreiden, an zentraler Stelle Ketten aus drei Kohlenstoffatomen die Hauptrolle. Anders jedoch funktioniert zum Beispiel der Mais: Er hat einen so genannten C4-Stoffwechsel, was ihm eine bessere Ausbeute des Kohlendioxids aus der Luft erlaubt. Die ForscherInnen am IRRI wollen den C4-Stoffwechsel in Reis überführen, um so dessen Erträge zu verbessern. Der Generaldirektor des IRRI, Robert Zeigler, vergleicht dieses Projekt mit dem Apollo-Weltraumprojekt der USA, einen Menschen zum Mond zu bringen: langwierig, risikoreich, aber - im Falle des Erfolgs - mit einem sehr hohen Ertrag. Was diesen Ertrag des Apollo-Projektes seiner Meinung nach ausmacht, ließ der IRRI-Chef offen. Dass die USA gerade ihren Rückzug von dem Ziel, Menschen bis 2020 erneut zum Mond zu schicken, erklärt haben, mag als Omen für das ambitionierte IRRI-Projekt angesehen werden. Die Begründung lautete: Das Programm „war teurer als geplant und hinter dem Zeitplan“. (The National online, www.thenational.ae, 12.01.10; www.heise.de/tr, 02.02.10) (pau)

USA: RR1-Patent läuft aus

Der US-amerikanische Gentech-Konzern Monsanto wird sein 2014 auslaufendes Patent für herbizidtolerante gentechnisch veränderte (gv) Soja der ersten Generation, die so genannte RR1-Soja, auslaufen lassen. Das betonte der Konzernchef Hugh Grant im Januar. Theoretisch eröffnet dieser Schritt anderen Saatgutunternehmen die Möglichkeit, auf der Basis des Monsanto-Saatgutes eigene gentechnisch veränderte Sorten zu entwickeln. Farmer könnten das RR1-Saatgut nutzen und ihre Ernten als Saatgut weiterverwenden, ohne dass Lizenzgebühren fällig werden. Offen ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings der regulatorische Status dieser Sorten. Monsanto hat nach Angaben der New York Times bisher nur zugesagt, die Zulassungen bis zum Jahr 2017 aufrecht zu erhalten. Insbesondere in den Ländern und Regionen, in denen für gentechnisch verändertes Saatgut und die daraus bestehenden Produkte keine dauerhaften, sondern nur temporäre Zulassungen ausgesprochen werden, müsste geklärt werden, ob das Antragsprocedere von anderen Firmen oder Verbänden durchgeführt werden kann. Die Europäische Union zum Beispiel vergibt Zulassungen für gv-Pflanzen und -Produkte nur für zehn Jahre. Die Unsicherheit gilt in Bezug auf die Vermarktung, aber auch mit Blick auf mögliche Verunreinungen anderer Waren mit RR1-Soja. (www.businessweek.com, 21.01.10, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org; New York Times, 17.12.09) (pau)

Kooperation: BASF und Monsanto

Die Kooperation zwischen den weltgrößten Chemie- beziehungsweise Saatgutkonzernen bekommt ein weiteres Kapitel: Im Dezember wurde bekanntgegeben, dass die so genannte NutriDense-Technologie von BASF in gentechnisch veränderte Maissorten von Monsanto eingebaut wird. NutriDense soll den Nährwert von Mais und zudem seine Aufnahme durch die gefütterten Tiere verbessern. Die Pflanzen sollen durch diese Veränderung mehr essentielle Aminosäuren enthalten, die vom Organismus selbst nicht hergestellt werden können. Außerdem soll der Energiegehalt und die Verfügbarkeit von Phosphor erhöht sein. (www.farmfutures.com, 09.12.09) (pau)

Gentechnikfreie Milch bei LIDL

LIDL Bayern hat als neue Regionalmarke „Ein gutes Stück Natur“ mit ausschließlich regional erzeugten Produkten ins Sortiment aufgenommen. Unter diesem Namen gibt es in bayerischen Filialen seit Januar Milchprodukte zu kaufen. Damit ist LIDL der erste Lebensmittel-Discounter, der eine Regionalmarke einführt. Es ist geplant, die Produktpalette auszubauen und diese später auch bundesweit zu vermarkten. Nicht kommuniziert wird, dass die Bauern verpflichtet sind, auf gentechnisch veränderte Futtermittel zu verzichten. Eine Nachfrage von Spiegel online, warum man nicht mit der Be­zeichnung „ohne Gentechnik“ werbe, ergab, dass der Discounter hauptsächlich Wert auf Regionalität lege. Vermutlich soll jedoch ausgeschlossen werden, dass Verbraucher die mit „ohne Gentechnik“ ge­kennzeichneten Produkte bevor­zugen und die nicht gekenn­zeichneten im Regal stehenlassen. (www.spiegel.de, 10.01.10) (al)

Aigner und Amflora

Sollte die Europäische Kommission der gentechnisch veränderten (gv) Kartoffel Amflora eine Anbauzulassung erteilen, wird sich Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner nicht gegen einen Anbau aussprechen. Im Frühjahr 2009 genehmigte sie bereits Freisetzungsversuche mit der gv-Kartoffel Amflora des BASF-Konzerns. Die Kartoffel hat einen veränderten Stärkegehalt und soll in der Stärke-ver­arbeitenden Industrie eingesetzt werden. Kritiker bezweifeln den Nutzen, da Kartoffeln herkömmlicher Züchtung ebenso hohe Stärkegehalte aufweisen. Zudem enthält Amflora höchst umstrittene Antibiotikaresistenz-Markergene. (www.keine-gentechnik.de, 04.01.10; www.topagrar.com, 04.01.10) (al)

Hamburg gentechnikfrei

Die Fraktionen der Hamburger Bürgerschaft beschlossen am 10. Februar 2010 in einem gemeinsamen Antrag, sich für ein gentechnikfreies Hamburg einzusetzen. Damit ist Hamburg der bundesweit erste Stadtstaat, der sich zur Gentechnikfreiheit bekennt. Michael Gwosdz von der Fraktion GAL sieht im Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ein Risiko für den Obst- und Gemüsebau in der Region. Das Alte Land ist das größte Obstanbaugebiet Europas. In Zukunft sollen gentechnikfreie Produkte aus der Region, für die Region gefördert werden. Auch Thomas Sannmann, Gärtner und Sprecher der Initiative gentechnikfreie Metropolregion Hamburg, sieht darin eine große Chance für BäuerInnen, Verarbeiter und dem Einzelhandel. Die Initiative geht davon aus, dass Gentechnikfreiheit nur gesichert werden kann, wenn der Forschungsschwerpunkt wieder auf der klassischen konventionellen und ökologischen Saatgutzüchtung liegt. (PM www.hamburg-gentechnikfrei.de, 10.02.10; www.taz.de, 10.02.10) (al)

Lieber Gebäck ohne Gentechnik

Eine vom Süßwarenhersteller Griesson-de Beukelaer in Auftrag gegebene FORSA- Umfrage ergab, dass VerbraucherInnen in Deutschland Süßgebäck vor allem nach Geschmack und Qua­lität der Produkte auswählen. Als wichtigstes Kriterium für die Qualität von Keksen, Waffeln und Knabbergebäck wurde die Herstellung ohne Gentechnik genannt. Als weitere wichtige Kriterien entpuppten sich der Verzicht auf künstliche Farb- und Aromastoffe, sowie der Verzicht auf Konservierungsstoffe. Weniger wichtig war den Teilnehmenden, ob die Produkte regional erzeugt worden sind oder wie hoch deren Fettanteil ist. (PM Griesson-de Beukelaer, 28.01.10, www.griesson-debeukelaer.de) (al)

Faire Milch

Seit dem 20. Januar dieses Jahres wird in rund 1.200 Rewe- und 300 Tegut-Filialen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen „Faire Milch” angeboten. Rund 120 molke­reiunabhängige Milchbauern liefern an die Milchvermarktungs-GmbH (MVS) mit Sitz in Freising, die den Vertrieb organisiert. Neben dem festgesetzten Mindestabnahme-Preis von 40 Cent je Liter - eine Preisforderung, die seit langem von den Milchbauern erhoben wird - gibt es weitere Auflagen innerhalb der Herstellung und Vermarktung der Milch. Die Milch muss von Tieren stammen, die nicht mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert worden sind. Zudem muss jeder beteiligte Landwirt für ein Umweltprojekt verantwortlich sein. Dies kann zum Beispiel die Weidehaltung der Tiere oder der Erhalt einer Blumenwiese sein. Die Idee geht auf den Bundesverband Deutscher Milchvieh­halter zurück. (www.agrarheute.com, 20.01.10) (pau)

Bt-Brinjal gestoppt!

Die indische Regierung hat sich im Februar gegen die Zulassung gentechnisch veränder­ter Auberginen für den kommerziellen Anbau entschieden. Während des Verfahrens war es besonders in den letzten Wochen zu massiven Protesten gekommen. Landwirtschaftliche Organisationen, regionale Regierungen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Gruppen der Zivilgesellschaft hatten sich gegen die so genannten Bt-Brinjal-Pflanzen ausgesprochen. Die Pflanzen produzieren ein Insektengift, das ursprünglich aus dem bodenlebenden Bakterium Bacillus thuringiensis stammt. Der zuständige Ausschuss, das Genetic Engineering Approval Committee (GEAC), hatte ein positives Votum abgegeben. Zu guter Letzt gab der indische Umweltminister Jairam Ramesh Anfang Februar bekannt, dass weitere Untersuchungen der Pflanze durchgeführt werden müssen. Dieser Entscheidung gingen eine Reihe von öffentlichen Anhörungen voraus. In Bangalore zum Beispiel hat sich - nach übereinstimmender Berichterstattung verschiedener Quellen - ein ehemaliger leitender Angestellter von Monsanto, Tiruvadi Jagadisan, zu Wort gemeldet. Das Online-Portal intoday.in zitiert ihn mit den Worten: „Die Firma ‚ist es gewohnt, wissenschaftliche Daten zu fälschen’, wenn sie diese bei Regierungsbehörden vorlegt, um in Indien die Zulassungen für ihre Produkte zu bekommen” („the company used to fake scientific data‛ submitted to government regulatory agencies”). (www.intoday.in, 09.02.10, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (pau)

Westaustralien: Anbau von gv-Raps erlaubt

Der Landwirtschaftsminister von Westaustralien (WA), Terry Redman, hat den Anbau von gentechnisch verändertem (gv) Raps in WA genehmigt. Der Sprecher der landwirtschaftlichen Organisation WA Farmers Federation, Alan Hill, begrüßte die Entscheidung. Redman und Hill sind sich sicher, dass es zu keiner Verunreinigung von konventionellem Raps kommen wird. Der so genannte Schatten-Landwirtschaftsminister Murray, im australischen System der Sprecher der Opposition in landwirtschaftlichen Fragen, nannte die Entscheidung dagegen einen irreversiblen Fehler. 2003 hatten sich mehrere Bundesstaaten Australiens für ein Anbauverbot von gv-Pflanzen ausgesprochen. 2007 waren New South Wales und Victoria wieder von dieser Entscheidung abgerückt. In Südaustralien und Tasmanien (Moratorium bis 2014) bleibt gv-Raps vorerst verboten. Der politische Druck auf Südaustralien, das Moratorium ebenfalls zu beenden, scheint zu steigen, dabei geht es unter anderem um die Möglichkeit des freien Handels und Transports von gv-Raps. (www.margeretrivermail.com, 27.01.10; www.abc.net, 26.01.10; www.weeklytimesnow.com, 27.01.10, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (al)

BASF: Anbau-Zulassung für gv-Soja

Der deutsche Chemie- und Gentech-Konzern BASF hat seine weltweit erste Anbauzulassung für eine gentechnisch veränderte (gv) Pflanze bekommen. Der Konzern darf in Brasilien ab der kommenden, im September beginnenden Anbausaison seine herbizidtolerante gv-Sojabohne Cultivance für die kommerzielle Nutzung vertreiben. Die Sorte wurde gemeinsam mit dem brasilianischen Agrarforschungsinstitut Empraba entwickelt. Die Pflanzen vertragen Behandlungen mit Breitbandherbiziden auf der Basis von so genannten Imidazolinonen, die von der BASF vertrieben werden. Die BASF erwartet laut Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski, dass die neue Gentech-Soja einen Marktanteil von 10 bis 20 Prozent der gesamten Sojaanbaufläche Brasiliens erreichen wird. Die brasilianische Kommission für Biosicherheit CTNBio erklärte, wie es in der Pressemitteilung der BASF heißt, „dass die gentechnisch veränderten Sojabohnen den Vorgaben und Gesetzen zur Biosicherheit für Umwelt und Landwirtschaft entsprechen und für die Gesundheit von Mensch und Tier unbedenklich sind”. BASF hat in Europa die Nutzung der neuen gv-Sojasorte in Lebens- und Futtermitteln beantragt. (PM BASF 05.02.10; Rheinpfalz online, 06.02.10) (pau)

Brasilien: Landwirte erklären Monsanto „den Krieg”

Man könnte annehmen, dass Monsanto und die brasilianischen Soja-Landwirte sich prima verstehen. Nimmt doch der Anbau gentechnisch veränderter Sojasorten des US-Konzerns seit Jahren stetig zu. Nun haben die Farmer dem Unternehmen jedoch „den Krieg erklärt”. Dabei geht es um die Lizenzen, die der Kon­zern auf seine gentechnisch veränderten herbizidtoleranten Sojasorten erhebt. Der Verband der Soja- und Maisproduzenten im Bundesstaat Mato Grosso, Aprosoja, bereitet Medienberichten zufolge eine Klage vor, um zu ermitteln, mit welchem Recht die Lizenzen berechnet werden. In dem Verfahren zu klärende Fragen sind: Welche Art von Patent macht die gegebene Art der Lizenzen möglich? Wie lang ist dieses Patent noch wirksam? Nach Angaben des Präsidenten von Aprosoja, Glauber Silveira, nötigt Monsanto die Saatguthändler dazu, „nur gentechnisch verändertes Saatgut anzubieten”. In dem Bundesstaat wurden in der letzten Anbausaison etwa drei Millionen Hektar mit gentechnisch veränderten Sojasorten bewirtschaftet. Das entspricht etwa der Hälfte der dortigen Gesamtanbaufläche für Soja. (www.diariode cuiaba. com.br, 29.01.10, nach einer Übersetzung von GM free Ireland Network, www.gmfreeireland.org, und Cert ID Brasilien) (pau)
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Februar 2010
S. 20 - 23