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Entschlüsselt - J. Craig Venters Autobiografie

Ich liebe Biografien, insbesondere Autobiografien! Mir ist klar, dass es sich um eine literarisch äußerst umstrittene Form handelt. Aber auf den Genuss, den es mir bereitet, in dieses Stückchen „anderes Leben” zu schauen, mag ich nicht verzichten. Ich bin dabei sicher nicht frei von Voyeurismus, aber ich bin ziemlich sicher, dass der Antrieb, der mich immer wieder zum Kauf von Biogra­fien bringt, auch mit weniger spektakulären Begriffen fassbar wäre. J. Craig Venter, Chef-Human-Genom-Entschlüsseler und Weltmeere-Segler, ist für mich ein gefundenes Fressen. Lange ist es her, dass ich ein Buch derart begierig durchlesen habe. Venter ist sicher kein Poet, aber das gleicht er mit Verve aus, indem er schlicht kein Blatt vor den Mund nimmt. Das ist Spitze! Es ist seine Meinung, sein Blick auf das Leben, auf sein Leben. Natürlich, er ist zweifellos ein Sunny-Boy, aber wer ihn und auch sein Buch „Entschlüsselt” darauf reduziert, der hat nach meinem Verständnis diese Buchform nicht verstanden und auch nicht verdient. Eindrücke aus Vietnam, die sechziger Jahre in den USA, die Wissenschaftswelt und natürlich die Entschlüsselung des menschlichen Genoms - Venter plaudert und plaudert, wird an manchen Stellen sehr ernst, an anderen sehr böse. Eine Freude, ihm dabei zu folgen, und nicht selten auch gut zu wissen, dass es nur sein Blick auf das Leben, auf sein Leben ist ... und das hier nur meine Sicht auf sein Buch.

Christof Potthof
J. Craig Venter: Entschlüsselt. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2009. 538 Seiten. 24, 95 Euro. ISBN 978-3-10-087030-8.
198
Februar 2010
S. 44