Ernst Haeckel revisited?
Wer sich bisher eher wenig mit der Wiege moderner Biopolitik, dem 19. Jahrhundert und seinen Vorstellungen von Evolution, Leben und biologischer Entwicklung beschäftigt hat, wird in dem kürzlich in der von Klaus Theweleit herausgegebenen Reihe absolute des Freiburger orange press-Verlages erschienenen Band über den Zoologen Ernst Haeckel interessante Passagen finden. Neben der vom Herausgeber in vier Teilen verfassten Biografie sind insbesondere die Auszüge aus Originaltexten des „deutschen Darwin“ lesenswert. Schade nur, dass gerade die für die deutsche Rassehygiene wichtigen Einlassungen Haeckels - etwa zu „höheren“ und „niederen Menschenrassen“ - nur erwähnt werden. Auch die Darstellung der „problematischen Rezeptionsgeschichte von Haeckels Werk“ im biografischen Teil gerät leider nicht so „detailliert“ wie vom Verlag angekündigt. Insbesondere das Verhältnis zwischen den Vorstellungen Haeckels und der nationalsozialistischen Biopolitik wird verkürzt als Instrumentalisierung wegerklärt. Alles in allem ein zwar ansprechend gestalteter und detailreicher, aber geschichtspolitisch indifferenter Überblick über den Werdegang des Zoologen, seines Denkens und Wirkens. Uwe Hoßfeld (Hg.): absolute Ernst Haeckel, Freiburg: orange press 2010, 224 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-936086-40-9.