USA: Gv-Zuckerrüben-Anbau 2010 erneut genehmigt
Bio-Bauern und Umweltverbände in den USA wollten durch eine einstweilige Verfügung
ein Anbauverbot für gentechnisch veränderte Zuckerrüben erreichen. Aus ihrer Sicht ist das Auskreuzungsrisiko nicht ausreichend untersucht. Ein Bundesrichter des nordkalifornischen Gerichtsbezirkes lehnte nun den Antrag auf eine einstweilige Verfügung ab. Die Argumentation des US-Gentechkonzerns Monsanto, dass ein Verbot einen ökonomischen Schaden von eineinhalb Milliarden Dollar mit sich bringen würde und Arbeitsplätze auf dem Spiel standen, überzeugte den Richter. Der wirtschaftliche Schaden wurde als unverhältnismäßig eingeschätzt, da der Großteil des Saatgutes schon verkauft sei. Der Richter warnte aber davor, das Urteil als Hinweis auf die endgültige Entscheidung zu werten. Die Kläger, unter anderem die Nichtregierungsorganisationen Earthjustice und Center for Food Safety und verschiedene Saatgutfirmen des ökologischen Landbaus, sehen den folgenden Anhörungen mit Hoffnung entgegen. 95 Prozent der 2010 in den USA ausgebrachten Zuckerrüben sind gentechnisch verändert. Diese wurden von Monsanto gemeinsam mit dem deutschen Saatgutkonzern KWS AG entwickelt. (PM The Center for Food Safety 16.03.10;
www.truefoodnow.org; www.nytimes.com, 17.03.10) (al)
USA: Gv-Mais fördert Ausbreitung von Maisschädling
In den USA breitet sich der Western Bean Cutworm (WBC - deutsch: Westlicher Bohnenschneider) aus. Laut einer Studie von Testbiotech ist der bisher als unproblematisch geltende Schädling zu einer ernsthaften Bedrohung geworden. Der natürliche Gegenspieler des WBC, der Baumwollkapselbohrer, soll durch den jahrelangen großflächigen Anbau von gentechnisch verändertem (gv) Bt-Mais extrem zurückgedrängt worden sein, wodurch sich der sonst unterlegene Nahrungskonkurrent WBC ausbreiten konnte. Die Industrie empfiehlt, den Bohnenschneider mit teilweise extrem giftigen Insektiziden zu bekämpfen. Alternativ könnten auch neue gv-Maissorten, die mehrere Bt-Toxine gleichzeitig produzieren, verwendet werden. Testbiotech zufolge könnten sich „die derzeit empfohlenen gv-Pflanzen leicht als Falle herausstellen: Sie destabilisieren die Ökosysteme durch die weitgehende Verdrängung bestimmter Insekten“. Testbiotech ist eine im vergangenen Jahr gegründete Nichtregierungsorganisation, die sich vor allem mit der Risikoabschätzung in der Biotechnologie beschäftigt. Die von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie findet sich zum Herunterladen unter
www.testbiotech.org. (PM Testbiotech 26.03.10,
www.testbiotech.org) (al)
China: Illegal angebauter Reis in den Ladenregalen
Einer Studie der Umweltorganisation Greenpeace zufolge wurde in Supermärkten in acht chinesischen Städten gentechnisch veränderter (gv) Reis entdeckt. Der Reis dürfe offiziell weder angebaut noch gehandelt werden. Der gv-Reis habe zwar im letzten Jahr die positive Sicherheitsbewertung erhalten, der kommerzielle Anbau sei aber damit noch nicht erlaubt. Wie die Zeitung The Epoche Times in ihrer Online-Ausgabe berichtet, wissen die Bauern oft gar nicht, dass sie gv-Saatgut anbauen. Es werde ihnen als „Supersaatgut“ verkauft, verbunden mit dem Versprechen, sie könnten damit höhere Erträge erzielen. Bauern, die wissen, dass sie gv-Reis anbauen, geben, dem Bericht zufolge, ihre Erträge in den Verkauf oder als Futter an ihre Hühner. Den Bedarf der Familie decken sie mit traditionellem Reis. (theepochtimes.com, 08.04.10) (al)
Globales Abkommen gegen Biopiraterie?
Wie aus einer gemeinsamen Pressemitteilung hervorgeht, bewerten Bundesumweltamt und Bundesumweltministerium das letzte Treffen der Vertragsstaaten der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) als einen entscheidenden Schritt für ein weltweites Abkommen gegen Biopiraterie. In Cali (Kolumbien) einigten sich die Vertreter von 194 Ländern erstmals auf eine gemeinsame Verhandlungsgrundlage für ein „Internationales Protokoll zum Zugang zu genetischen Ressourcen und zum gerechten Vorteilsausgleich“. Vertreter des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) zweifeln hingegen an einem Zustandekommen eines internationalen Abkommens. Sie sehen die Fortschritte in den Verhandlungen durch die Blockadehaltung einzelner Industrieländer, wie Kanada, Japan, Australien und Südkorea gefährdet. Biopiraterie bezeichnet die zunehmende Praxis internationaler Konzerne, Patente auf Inhaltsstoffe von Pflanzen oder Produkte von Tieren zu beantragen, die für Medikamente oder Biotechnik verwendet werden sollen. Da es sich meist um traditionelles Wissen indigener Völker handelt, sollten diese nach der CBD auch am Gewinn beteiligt werden. (PM EED 29.03.10,
www.eed.de; PM BMU/UBA 29.03.10,
www.bmu.de) (al)
Europäisches Patentamt lehnt Einspruch gegen Kuh-Patent ab
Das Europäische Patentamt (EPA) hat Anfang März den Einspruch verschiedener Organisationen, darunter der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Initiative Kein Patent auf Leben! und das Gen-ethische Netzwerk, gegen ein Patent auf Milchkühe abgelehnt. Das Patent wurde von Biotechnologen aus Belgien und Neuseeland eingereicht und 2007 vom EPA erteilt. Es umfasst die Verwendung der Gensequenz zur Erhöhung der Milchleistung bei Rindern sowie die Tiere, die mit dieser Sequenz gentechnisch verändert (gv) wurden. Die Organisationen sind der Meinung, dass das Patent nicht die Patentierungsvoraussetzungen in Bezug auf die erfinderische Tätigkeit nach dem Europäischen Patentübereinkommen (EPÜ) erfüllt. Gentechnische Veränderung führe bei gv-Rindern zu übermäßigem Leiden und nicht zu einem wesentlichen medizinischen Nutzen für Mensch und Tier, so die Kläger. Das Patentamt wies den Einspruch auf Grundlage des EPÜ zurück. Speziell die Behauptung, dass die Erfindung zu übermäßigem Leiden bei gv-Rindern führen würde, hielt es für nicht ausreichend belegt. Die Entscheidung kann in zweiter Instanz vor der Technischen Beschwerdekammer des EPA angefochten werden. (
www.epo.org, 03.03.10) (al)
Bulgarien: Anbau von gv-Pflanzen praktisch unmöglich
Das bulgarische Parlament hat das Gentechnikgesetz des Landes verschärft. Das Gesetz regelt den Anbau von gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen zu kommerziellen und wissenschaftlichen Zwecken. Die veränderte Gesetzgebung macht einen Anbau von gv-Pflanzen praktisch unmöglich. Damit hat Bulgarien die strengsten Anbaubedingungen in der EU. Es wurden Abstandsregelungen von dreißig Kilometern zu Schutzgebieten, zehn Kilometern zu fest stationierten Bienenstöcken und sieben Kilometer zu biologisch bewirtschafteten Flächen eingeführt. Damit habe, so Svetla Nikolova vom bulgarischen Biolandbau-Verband Agrolink, die bulgarische Regierung auf den Druck der Bevölkerung reagiert. Einer Umfrage zufolge sind 97 Prozent der Bevölkerung für ein gentechnikfreies Bulgarien. Nikolova weiter: „Die Europäische Kommission sollte den Willen Bulgariens in ihre Entscheidungen mit einbeziehen.“ (PM Agrolink, 19.03.10,
www.agrolink.org) (al)
Indien: Bt-Baumwolle unwirksam gegen Hauptschädling
Die in Indien kommerziell angebaute gentechnisch veränderte (gv) Baumwollsorte Bollgard produziert ein Gift gegen die Raupen des Baumwollkapselbohrers. Bei 2009 im indischen Bundesstaat Gujarat durchgeführten Untersuchungen wurden resistente Raupen des Schadinsektes gefunden. Der Bt-Baumwolle wird ein Gen des bodenlebenden Bakteriums Bacillus thuringiensis eingesetzt. Das Gen führt zur Produktion eines Insektengiftes gegen die Raupen des Baumwollkapselbohrers. Der US-Gentechkonzern Monsanto, auf dessen Technologie die gv-Sorten basieren, bestätigte die auftretenden Resistenzen. Ein Sprecher des US-Gentechkonzerns erklärte, die Resistenzen könnten aus der Aussaat von nicht zugelassener - von den Landwirten selbst nachgebauter - Bt-Baumwolle resultieren. Dieses Saatgut habe einen niedrigeren Wirkungsgrad, was die Resistenzbildung fördere. Monsanto empfiehlt ein neues Produkt, so genanntes Bollgard-II-Saatgut. Darin werden verschiedene Bt-Gifte produziert, was die Resistenzbildung verzögern soll. Weiter wird geraten, Refugien mit nicht gv-Pflanzen zu schaffen. Kritiker bezweifeln, dass diese Empfehlungen den gewünschten Erfolg bringen. (
www.indiatoday.intoday.in, 06.03.10;
www.thehindu.in, 06.03.10; zitiert nach GMWatch,
www.gmwatch.org) (al)
FrieslandCampina mit eigenem Logo „Ohne Gentechnik“
Der Molkereikonzern FrieslandCampina will weiter das bereits etablierte firmeneigene „Ohne Gentechnik“-Siegel für seine Marke Landliebe benutzen. Im März wurde der „Verband Lebensmittel ohne Gentechnik“ ins Leben gerufen, der sich um die Vergabe des vom
Bundeslandwirtschaftsministerium vorgeschlagenen „Ohne Gentechnik“-Siegels kümmern wird. FrieslandCampina ist eines der 30 Gründungsmitglieder dieses Verbandes. Campina plant im dritten Quartal dieses Jahres die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung auf weitere Produkte, zum Beispiel Sahne, Butter und Naturjoghurt, auszudehnen. (
www.topagrar.com, 06.04.10) (al)
KWS-Freisetzungsfeld besetzt
Studierende der Witzenhäuser Abteilung der Universität Kassel haben am 9. April ein Freisetzungsfeld der KWS Saat AG im niedersächsischen Wetze besetzt. Am gleichen Tag hat Deutschlands größter Saatgutkonzern auf einem Teil des 50 Hektar großen Feldes das gentechnisch veränderte Zuckerrüben-Saatgut ausgebracht. Die daraufhin besetzten beziehungsweise blockierten Sämaschinen wurden mit Hilfe der Polizei erneut aktiviert. Im Laufe des Tages wurden alle BesetzerInnen - zum Teil noch mit mit Beton gefüllten Ölfässern verbunden - von der Polizei vom Feld geholt. Nichtsdestotrotz werteten die AktivistInnen ihre Aktion als Erfolg und verspachen, dass sie dem Konzern „weiter auf den Acker“ gehen werden. Fakt sei, so die Begründung der Initiative für die Aktion, dass nach „13 Jahren Erfahrung mit dem Anbau genetisch manipulierter Pflanzen“ zum Beispiel in Kanada deutlich werde, dass „eine Koexistenz [zwischen gentechnischen und nicht gentechnischen Anbauweisen], wie sie auch von der KWS vertreten wird, nicht zu machen ist“. Mit ihrer Kritik verbanden die AktivistInnen die Forderung, dass der Saatgutkonzern die Versuche mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben einstellen solle. (PM Witzenhäuser Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft, 09.04.10) (pau)
Kanada: Umweltfreundliches Schwein?
Kanada hat die begrenzte Produktion von gentechnisch veränderten Schweinen genehmigt. Das sogenannte „Enviropig“ soll 65 Prozent weniger Phosphor über seinen Urin und Kot ausscheiden. Das soll der Umwelt zugute kommen, da Schweinefäkalien in die Flüsse und Seen gelangen. Dort führen sie zu vermehrtem Algenwachstum, welches das aquatische Gleichgewicht zerstört. Bei herkömmlichen Schweinen ist der Phosphor in der Nahrung schwer verdaulich und wird daher größtenteils ausgeschieden. Das „Enviropig“ wurde gentechnisch so verändert, dass es bei der Speichelproduktion das sonst fehlende Enzym Phytase erzeugt. Die Phytase sorgt für eine verbesserte Phosphorverdauung, was zu einer verringerten Phosphorausscheidung führen soll. Üblicherweise wird Phytase dem Futter zugesetzt. (
www.cbsnews.com, 05.04.10) (al)
Performance Plants pleite?
Das britische Biotech-Unternehmen „Performance Plants Inc.“ muss für mindestens drei Monate seine Tore schließen. Ursache sind akute Probleme frische Finanzmittel zu aquirieren, wie ein Sprecher des Unternehmens mitteilte. Noch Ende des vergangenen Jahres hatte die auf Pflanzenbiotechnologie spezialisierte Firma eine enge Kooperation mit dem Bayer-Tochterunternehmen Bayer Cropsciences angekündigt. Der Guardian zitierte den Performance Plants-Chef David Dennis vor zwei Jahren mit der These, dass in vier Jahren, also 2012, gentechnisch veränderte trockenheitstolerante Pflanzen verfügbar wären, die unter stärkstem Wassermangel bis zu 40 Prozent höhere Erträge bringen werden als vergleichbare Sorten ohne entsprechende gentechnische Veränderung. Am Standort London sind 29 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Stilllegung des Unternehmens betroffen. (
www.thewhig.com, 16.02.10, zitiert nach gmwatch.eu) (pau)
Prozess gegen Broschüre „Organisierte Unverantwortlichkeit“
Kerstin Schmidt, Geschäftsführerin verschiedener Biotech-Unternehmen, und Uwe Schrader, Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt und Gentech-Lobbyist, versuchen seit einem dreiviertel Jahr, Passagen der Broschüre „Organisierte Unverantwortlichkeit“ des Anti-Gentech-Aktivisten und Autors Jörg Bergstedt verbieten zu lassen. In dem beim Landgericht Saarbrücken anhängigen Verfahren wird insbesondere darum gestritten, welche Inhalte der Broschüre Streitpunkte des Verfahrens sind. Während die Kläger versuchen, den Fokus des Verfahrens sehr eng auf bestimmte Formulierungen zu lenken, sieht Bergstedt die Notwendigkeit, diese Zitate in ihren Zusammenhang zu stellen. Konkret geht es um Formulierungen, denen zufolge Schmidt und/oder Schrader einer „Seilschaft für Fördermittelveruntreuung“ angehören und beabsichtigen würden„Steuermittel in eine Zentrale für Genetikpropaganda und undurchsichtiger Firmengeflechte zu verschieben“ oder „in Üplingen ein El Dorado für Geldwäsche entstehen zu lassen“. Eine bestimmte Strategie des Gerichtes ist derzeit nicht klar erkennbar. Für Interessierte hat der Beklagte Bergstedt eine umfangreiche Dokumentation des von ihm als „Maulkorbprozess“ bezeichneten Verfahrens unter
www.projektwerkstatt.de/gen/filz.htm ins Netz gestellt. Siehe dazu auch den Beitrag „Sicherheitsforschung - Tarnnetz deutscher Agrogentechnik?“ von Jörg Bergstedt im GID 195, August 2009. (
www.projektwerkstatt.de) (pau)
Sonderweg in die Kontamination
In der Europäischen Union (EU) nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen dürfen nicht in Produkten vorhanden sein. Dies gilt für jeglichen Nachweis - es gilt die so genannte Nulltoleranz. Werden Kontaminationen nachgewiesen, müssen die entsprechenden Produkte vom Markt genommen werden. Wegen angeblicher aktueller und zukünftiger Versorgungsengpässe bei sojahaltigen Futtermitteln gibt es seit gut zwei Jahren massive Versuche, diese strikte Regelung aufzuweichen. Steter Tropfen scheint an dieser Stelle nun den Stein gehölt zu haben: Die Bundesregierung plant - nach Darstellung der Internetseite des Branchendienstes top agrar - für den Fall, dass die Kommission der Europäischen Union keinen Vorschlag für eine Lösung vorlegt, eigene Regelungen. Die Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, Julia Klöckner, hat demzufolge klargestellt, die Bundesregierung sei „an einer für Wirtschaft und Überwachung praktikableren Anwendung der im Gemeinschaftsrecht festgelegten Nulltoleranz für nicht in der EU zugelassene GVO interessiert“. Details sind noch nicht bekannt, allerdings läuft es wohl darauf hinaus, dass die Bundesregierung eine technische Lösung anpeilt. So ist es möglich, die Untersuchungen weniger genau durchzuführen. Als nehme man statt einer Lupe mit 100-facher ein Modell mit 10-facher Vergrößerung. (top agrar online, 22.03.10,
www.topagrar.com) (pau)
Gentechnik-Standorte veröffentlichen!
Seit 2007 zieht sich die Geschichte nun hin, sie hat in verschiedenen Bundesländern die Gerichte beschäftigt und ist nun - aus der Perspektive von Bäuerinnen und Bauern, VerbraucherInnen und UmweltschützerInnen - zu einem guten Ende gekommen: Standorte, an denen gentechnisch veränderte (gv) Sorten ausgebracht wurden, müssen öffentlich gemacht werden. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob die Aussaat absichtlich oder aus Versehen vorgenommen wurde oder ob der Anteil der gv-Samen 0,1 oder 100 Prozent betrug. In besagtem Jahr war in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gentechnisch kontaminiertes Rapssaatgut auf insgesamt mehr als 1.500 Hektar Ackerfläche ausgebracht worden. Der Ökolandbau-Anbauverband Bioland hatte sich dieses Falles angenommen und von den jeweiligen Landesüberwachungsbehörden Auskunft über die Standorte verlangt. Die Behörden hatten sich aber mit Verweis auf den Datenschutz geweigert, die Informationen bereitzustellen. Daraufhin ist der Verband, gemeinsam mit den gerichtserprobten UmweltschützerInnen von Greenpeace, vor Gericht gezogen. Nun haben die Organisationen - nach entsprechenden Urteilen - auch in dem letzten betroffenen Bundesland, in Mecklenburg-Vorpommern, Recht bekommen. (Gemeinsame Pressemitteilung von Bioland und Greenpeace, 25.02.10,
www.bioland.de, dort auch PMen zu den anderen Entscheidungen, 03.09.09 und 26.08.09) (pau)
34.000 Blaue Briefe für Ilse Aigner
Die Nichtregierungsorganisation Campact hat bei dem Wahlkreisbüro von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner 34.000 Blaue Briefe abgegeben. Die Ministerin soll auch in Zukunft gentechnisch veränderte Pflanzen in Entscheidungen der Europäischen Union ablehnen. Nach der Bundestagswahl droht sich das Abstimmungsverhalten der Bundesregierung in der Weise zu ändern, dass Deutschland nicht mehr gegen die gv-Pflanzen stimmt oder sich der Stimme enthält. Vielmehr deutet sich an, dass Aigner wie auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen in Zukunft durchgehend für die Zulassung von gv-Pflanzen stimmen werden. Christine Borchers von Campact betont besonders die Rolle der bayerischen CSU-Wähler: „Da sich die CSU vor der Bundestagswahl klar gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft ausgesprochen hat, müssten sich die Wähler betrogen fühlen.“ Campact ist auf Online-Aktionen und -Kampagnen spezialisiert, hin und wieder sind AktivistInnen der Organisation auch auf der Straße anzutreffen - wie zum Beispiel bei dem Aigner-Termin in Gmund am Tegernsee. (PM Campact, 24.02.10,
www.campact.de) (pau)
Vatikan: Kein „Ja“ zu gv-Pflanzen
In den letzten Jahren gab es immer wieder Hinweise darauf, dass der Vatikan seine Einstellung zu gentechnisch veränderten Pflanzen überdenken und diese in Zukunft eher positiv bewerten könnte. Zuletzt gab es zum Beispiel im vergangenen Jahr im Vatikan eine Konferenz zur Agro-Gentechnik, bei der überwiegend Befürworter zu Wort gekommen waren. Nun scheint das sprichwörtliche Pendel wieder in die andere Richtung ausgeschlagen zu sein. Anlässlich der Zulassung der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel Amflora in der Europäischen Union gab es laut dem Online-Portal zenit.org Gerüchte, denen zufolge diese Zulassung auch vom Vatikan übernommen werden könnte. Diesen Gerüchten sei der Vatikan allerdings entgegengetreten, wie zenit. org mit Verweis auf L‘Osservatore Romano berichtete. Vielmehr habe die „semi-offizielle Tageszeitung“ des Vatikans ein Zitat von Papst Benedikt aus der Enzyklika Caritas in Veritate gebracht. Darin betont der Papst, die Kirche habe keine technischen Lösungen im Angebot, sondern „eine Mission der Wahrhaftigkeit“. In die gleiche Richtung wird die Berufung von Kardinal Peter Turkson als Chef des Pontifikalrates für Gerechtigkeit und Frieden gewertet, der im Januar auf den bekennenden GVO-Befürworter Kardinal Renato Martino folgte. (
www.zenit.org, 04.03.10) (pau)
UNDP: Gentech-Pflanzen nicht die Lösung gegen Hunger
Die Leiterin des Entwicklungshilfe-Programms der Vereinten Nationen, Helen Clark, ist nicht der Ansicht, dass gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen eine Lösung für die Probleme bei der Versorgung der Menschheit mit Lebensmitteln seien. Die ehemalige Premierministerin von Neuseeland war bei einem Radiointerview gefragt worden, ob sie mit der Beraterin der US-Regierung, Nina Federoff, einer Meinung sei. Diese hatte erklärt, dass die Welt ohne die Nutzung der Gentechnik in Zukunft Hunger leiden müsste. Clark sprach sich dagegen für die stärkere Berücksichtigung von Forschungsfragen aus, die die Situation von Kleinbauern im Fokus haben. (
www.inbi.canterbury.ac.nz, 17.02.10) (pau)
Kooperation zwischen Cimmyt und Syngenta
Das internationale Forschungszentrum für Weizen und Mais, Cimmyt, ist eine Forschungs- und Entwickungskooperation mit dem Agrar- und Gentechkonzern Syngenta eingegangen. Auf dem Programm stehen sowohl konventionelle wie gentechnisch veränderte Sorten. Auch Hybrid-Weizensorten stehen auf dem Programm. Während Cimmyt in erster Linie die genetischen Ressourcen in die Kooperation einbringt, kommt von Syngenta vor allem züchterisches Know-How, insbesondere die so genannte Marker-gestützte Selektion, bei der mit molekularen Methoden nach den genetischen Informationen für Eigenschaften gefahndet wird. Der Leiter des Weizenprogramms im Cimmyt, Hans-Joachim Braun, erklärte, der derzeitige jährliche Zuwachs beim Ertrag von Weizen sei mit 0,9 Prozent zu gering, da der Bedarf um 1,5 Prozent zunehme. Zusammen mit den Folgen des Klimawandels bestehe die Gefahr einer weiteren Nahrungsmittel-Unterversorgung. Cimmyt ist Teil eines internationalen Agrarforschungs-Verbundes, des CGIAR. Zu diesem zählt zum Beispiel auch das Internationale Reisforschungsinstitut IRRI. Die Zentren sind in den letzen Jahren häufig - unter anderem von Nichtregierungs- und Entwicklungsorganisationen - wegen ihrer zu großen Nähe zu den Agrarkonzernen kritisiert worden. (Cimmyt PM, Syngenta PM, beide 06.04.10,
www.cimmyt.org,
www.syngenta.com) (pau)
Wem nützen gentechnisch veränderte Pflanzen?
Pünktlich zu dem Erscheinen des von der Industrie gesponserten Jahresberichtes zum Stand der Agro-Gentechnik veröffentlicht die internationale Sektion der Umweltorganisation Friends of the Earth (FoE) einen kritischen Bericht zum gleichen Thema. Der Bericht „Who benefits from GM crops?“ überprüft die Aussagen des International Service for Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) (siehe auch die Notiz „Jahresbericht des ISAAA“). Im Gegensatz zu FoE sieht der ISAAA in der Verwendung von gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen eine Möglichkeit, den weltweiten Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten zu erhöhen und gleichzeitig die schädliche Umweltwirkung der Landwirtschaft zu reduzieren. Der FoE-Bericht zeigt unter anderem, dass die vom ISAAA als hoch bewertete weltweite Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen gerade mal drei Prozent an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmacht. Auch unterschlägt der ISAAA bestimmte Fakten, zum Beispiel, dass der Anbau von gv-Pflanzen 2009 in Europa gesunken ist. Außerdem sei keine der versprochenen gv-Pflanzen bisher auf dem Markt - weder dürre- oder salztolerante Pflanzen noch solche mit besonderen ernährungsphysiologischen Eigenschaften. Nach Angaben von FoE werden die angebauten gv-Pflanzen zu 99 Prozent als Tierfutter und Biokraftstoffe genutzt. Der Report zum Herunterladen unter
www.foei.org > resources > publications > food sovereignty. (PM FoE Europe 23.02.10,
www.foeeurope.org) (al)
Streit bei Oxfam um Agro-Gentechnik
Für Außenstehende mutet es schon etwas seltsam an: Die internationale Sektion der Entwicklungsorganisation Oxfam (OI) hat sich im April mit einem Offenen Brief an ihre US-Sektion (O-US) gewandt. Oxfam International klagt über die Position der US-Sektion zur Agro-Gentechnik. Was war geschehen? Oxfam-US hatte mit der Unterstützung der Rockefeller-Stiftung den Anbau von gentechnisch veränderten Baumwollsaaten in Indien, China, Kolumbien und Südafrika untersucht und die Ergebnisse in einem Bericht veröffentlicht. Die AutorInnen dieses Berichts kommen zu dem Schluss, der Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen biete „enorme Möglichkeiten“. Die internationale Sektion kritisiert diese Einschätzung massiv: Oxfam-US stelle sich als neutral gegenüber der Agro-Gentechnik dar. Dies sei aber nicht der Fall, wie aus dem Bericht zu erkennen sei. In dem Bericht würden selektive Informationen genutzt, um zu gewährleisten, dass im Ergebnis die Agro-Gentechnik in einem positiven Licht erscheint. Last but not least wird die Ausrichtung der Untersuchung an sich kritisiert. Die Untersuchung lege den Fokus auf die Frage, ob die Agro-Gentechnik eine Hilfe für Bauern und Subsistenz-Farmer sein könne, die über nur wenige Ressourcen verfügen. Die AutorInnen schreiben: „Wie in diesem Brief dargestellt wird, verengt die Oxfam[-US]-Studie den Fokus auf kurzfristige ökonomische Erträge und Produktivität (die auf fehlerhafte und selektive Daten aufgebaut sind). Dabei werden externe Faktoren, die die eingeschränkten Vorteile der Bt-Baumwolle anbauenden Farmer reduzieren, nicht miteingerechnet.“ Oxfam International fordert - mit Unterstützung von weiteren Organisationen aus Südafrika, Indien und den USA - die US-Sektion auf, ihre Bewertung der Agro-Gentechnik zu überdenken. Der Offene Brief zum Einsatz der Agro-Gentechnik kann von der Internetseite des Oakland Institutes heruntergeladen werden. (
www.oaklandinstitute.org, 12.04.10) (pau)