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Kurz notiert - Politik und Wirtschaft

BKA: Viele Phantome von Heilbronn

In der DNA-Datenbank des Bundeskriminalamts (BKA) lagern mindestens sieben weitere Spurenprofile, die nicht von den gesuchten Tätern, sondern von Polizisten stammen, so Recherchen des Nachrichtenmagazins Spiegel. Das Magazin beruft sich auf einen internen Bericht des BKA, in dem die Behörde zusammenfasste, zu welchem Ergebnis die Stichproben-Überprüfung von 74 sogenannten Spur-Spur-Serien geführt hatte. In sieben Fällen (also fast 10 Prozent!) konnte die DNA von Kriminaltechnikern aus Bayern, Hamburg, Sachsen und Hessen identifiziert werden. Das BKA erklärte in dem Bericht, es habe sich bestätigt, dass sich deren Spuren an Asservaten „trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nie gänzlich ausschließen“ ließen. (Spiegel, 06.03.10) (sus)

Beschwerde bei der EFSA eingelegt

Die beiden Nichtregierungsorganisationen Testbiotech (München) und Corporate Europe Observatory (CEO, Brüssel) haben am 24. März wegen eines Interessenkonflikts eine offizielle Beschwerde beim EU-Ombudsmann (Bürgerbeauftragter) gegen eine ehemalige Mitarbeiterin der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) eingereicht. Suzy Renckens wechselte im vergangenen Jahr innerhalb weniger Wochen von der EFSA, wo sie in leitender Funktion für die Prüfung von gentechnisch veränderten Organismen zuständig war, zum Gentechnik-Konzern Syngenta. Nach eigener Auskunft werde sie „in Zukunft bei der Behörde auch wegen der Marktzulassung gentechnisch veränderter Pflanzen vorstellig werden“, wie die beiden Organisationen bereits im Januar mitteilten. Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech meint dazu: „Die EFSA sollte Dr. Renckens wenigstens jetzt sofort jeglichen Versuch untersagen, auf die Entscheidungen der Behörde Einfluss zu nehmen. Dies ist möglich, weil die zweijährige Genehmigungsfrist, innerhalb derer Mitarbeiter von Behörden eine Erlaubnis für ihre neue Tätigkeit benötigen, noch nicht vorbei ist.“ „Der Fall Renckens enthüllt jedoch ein ganz grundsätzliches Problem: Der unangemessene Einfluss der Industrie nährt bestehende Zweifel an den Entscheidungen der EFSA im Bereich der Lebensmittelsicherheit“, so Nina Hol­land von CEO. (PM Testbiotech 24.03.10, www.testbiotech.org) (al)

Dalli will Grüne Gentechnik vorantreiben

EU-Gesundheitskommissar John Dalli will nach Darstellung der Zeitschrift für Biotechnologie transkript möglichst bald weitere, in der EU-Zulassungspipeline feststeckende Anbau- und Importanträge für gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen durchwinken. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt erteilte er der Indus­triekartoffel Amflora der Firma BASF die Zulassung zum Anbau und als Futtermittel. (transkript, 04/2010; siehe dazu auch den Beitrag von Antje Kölling und Mute Schimpf in diesem Heft) (al)

USA: Biobank forensisch beklaut

Die Gesundheitsbehörden des US-Staates Texas haben eine Biobank mit Neugeborenenblut nicht nur für die medizinische Forschung, sondern auch für kriminologische Zwecke freigegeben, ohne dafür die Zustimmung der Eltern bekommen zu haben. Nachforschungen von Medien und bürgerrechtlich engagierten Anwälten ergaben Folgendes: Die Gesundheitsbehörden gaben zwischen 2003 und 2007 Hunderte der in einem bundesstaatlichen Screening-Programm erhobenen Blutproben an die US-Streitkräfte ab. Das „Armed Forces DNA Identification Laboratory“ erhob daraus die Daten für das nationale Datenbank-Projekt, das von George W. Bush initiiert wurde. Die Daten wurden für den Aufbau einer nationalen und - so der Plan - später auch internationalen kriminologischen Datenbank für mitochondriale DNA genutzt. Mitochondriale DNA, die sich außerhalb des Zellkerns befindet, gilt als interessant für die Forensik, da sie auch noch bei schwer beschädigten DNA-Proben extrahiert werden kann. Die Zweckentfremdung der Blutproben flog auf, nachdem die Biobank Ende 2009 gerichtlich dazu verurteilt worden war, fünf Millionen Neugeborenen-Blutproben zu vernichten, da sie diese ohne Zustimmung der Eltern gelagert und an medizinische Forschungsprojekte weitergegeben hatte. Dass das Verfahren sehr schnell durchgezogen wurde, hatte den Anwalt vom Texas Civil Rights Projekt stutzig gemacht, der fünf Eltern in dem Verfahren vertrat. (Texas Tribune, 22.02.10) (sus)

Österreich: Anbauerlaubnis für Amflora gestoppt

Am 25. März beschloss das österreichische Parlament die Anbauzulassung der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora zu stoppen. Das Parlament wolle eine gentechnikfreie konventionelle und biologische Landwirtschaft in Österreich sichern. „Jetzt hat Gesundheitsminister Stöger die nötige Rückendeckung, um umgehend die dazu fällige Verordnung in Kraft zu setzen“, so der Landwirtschaftssprecher der Grünen Wolfgang Pirklhuber. Anfang März hatte die EU-Kommission die Gentech-Kartoffel Amflora der Firma BASF zum Anbau und als Futtermittel zugelassen. Die Kartoffel soll vorrangig der stärkeverarbeitenden Industrie dienen. Nur Reste sollen als Futtermittel verarbeitet werden. Kritiker halten die Zulassung für fahrlässig, da die Pflanze Antibiotika-Resistenzgene enthält, die unter anderem zur Tuberkulose-Bekämpfung genutzt werden. Zudem gebe es bereits konventionelle Sorten mit vergleichbaren Eigenschaften. (PM Die Grünen 26.03.10, www.gruene.at) (al)

Deutschland/Indien: Leihmutter-Fiasko

Der gesetzliche Status von Zwillingen, die ein deutsches Paar bei einer indischen Leihmutter bestellt hatte, blieb zwei Jahre lang unklar. So lange wartet das bayrische Ehepaar bereits darauf, mit den Zwillingen aus Indien ausreisen zu dürfen. Die deutschen Behörden verweigerten aber Reisedokumente, weil Leih­mutterschaft nach deutschem Recht illegal ist. In Indien wiederum, wo Leihmutterschaft legal ist und das Sorgerecht aufgrund gesetzlicher Reformen in den letzten Jahren eindeutig zugunsten der „Besteller“ ausfällt, hielten die Behörden die Kinder für deutsche Staatsbürger und verweigerten deswegen indische Reisedokumente. Der deutsche Botschafter in Delhi erklärte dazu: „Wenn - ohne ihr Verschulden - nun zwei kleine Inder in die Welt gesetzt sind, dann kann ich die nicht qua deutscher Staat automatisch zu Deutschen machen.“ Inzwischen haben indische Richter eine Eilaktion angekündigt, um eine schnelle Adoption der Kinder durch die Deutschen zu ermöglichen. Dies sei aber „eine einmalige Aktion aus humanitären Gründen“. (Ärztezeitung, 03.03.10 und 17.03.10) (sus)

Roche in Singapur: „Fusionopolis”

Der Global Player Roche (Hauptsitz Basel) hat den Beginn einer „strategischen Allianz” mit wissenschaftlichen und klinischen Einrichtungen des südostasiatischen Stadtstaats Singapur angekündigt. Damit verstärkt das Unternehmen den globalen Trend, Forschung in Regionen auszulagern, in denen Staat und Bevölkerung mit weniger ethischen oder bürokratischen Hürden aufwarten und Arzneimitteltestungen kostengünstiger durchzuführen sind. In dem angekündigten Knotenpunkt für „transnationale Medizin” soll in erster Linie Anwendungsforschung an singapurischen PatientInnen stattfinden. Dabei freut sich das Schweizer Pharmaunternehmen darauf, sowohl die „eng vernetzte Forschungsgemeinde” als auch die „klinische Forschungsinfrastruktur” Singapurs nutzen zu können. Das Projekt sei eine „einzigartige Chance, die personalisierte Medizin weiter voranzutreiben”, kündigt Jean-Jacues Garaud, Leiter des Bereichs klinische Entwicklung bei Roche an. Vorrangig - daraus machen die singapurischen Institutionen auch weniger Hehl - wird es aber um Profite gehen. Das Land sei zu einem Schlüsselpartner für Unternehmen geworden, die nach Wegen für eine effektive und beschleunigte Arzneimittelentwicklung in Asien suchen, verkündete Edward Holmes, Vorsitzender des Nationalen Rats für Medizinische Forschung in Singapur. Neben der Nationaluniversität werden sich auch das Universitätskrankenhaus und die National Healthcare Group, als einer der führenden Träger von Gesundheitseinrichtungen in Singapur, an der Kooperation beteiligen. Eine zentrale Rolle kommt dabei einer staatlichen Agentur namens A*STAR zu, die über Fördertöpfe mit den schillernden Namen Biopolis und Fusionopolis die Verschaltung von universitärer Forschung und Industrie vorantreibt. Welche Gegenleis­tungen der südostasiatische Staat für die Bereitstellung öffentlicher Ressourcen erhält, war aus der Pressemitteilung nicht zu entnehmen. (www.roche.com, 28.01.10) (mf)

Schweiz: Gentech-Moratorium wird verlängert

Das seit November 2005 in der Schweiz geltende fünfjährige Anbau-Moratorium für gentechnisch veränderte Pflanzen wird um drei Jahre verlängert. Dem stimmte der Ständerat im Herbst letzten Jahres zu und dem folgte nun der Nationalrat. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass das 2005 ins Leben gerufene Forschungsprogramm zur Einschätzung von Nutzen und Risiken der Grünen Gentechnik erst im Jahr 2012 ausläuft. Die Ergebnisse wolle man abwarten. Damit bleibt der kommerzielle Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Schweiz verboten. Freisetzungen zum Zwecke der Erforschung sind erlaubt. (www.nzz.ch, 09.03.10; www.gentechnologie.ch, 19.03.10) (al)

Umsatzsteigerung durch HPV-Tests

Das US-amerikanische Diagnostikunternehmen Quiagen hat seinen Umsatz aufgrund der Nachfrage nach HPV-Testkits nach eigenen Angaben kräftig steigern können. Gegenüber dem Vorjahr ist demzufolge der Umsatz um 13 Prozent auf 731 Millionen Euro angestiegen, teilt das Unternehmen mit. Quiagen beschäftigt weltweit 3400 Mitarbeiter, Hauptsitz ist Kalifornien. (Ärztezeitung, 09.02.10, www.1.quiagen.com) (mf)

EU-Ministerrat für Klonfleischvermarktung

Nachdem die Europaparlamentarier sich mehrheitlich für ein Verbot der Vermarktung von Fleisch und Milch von geklonten Tieren einschließlich ihrer Nachkommen entschlossen haben, hat nun der EU-Ministerrat die alte Novel Food-Verordnung unverändert durch­­gewunken und sich damit für eine Vermarktung von Klonfleisch ausgesprochen. Damit geht die Verordnung zur zweiten Lesung an das Europaparlament zurück. Die für die Sicherheitsbewertung von Lebensmitteln zuständige EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA), hat keine Bedenken, die gegen eine Vermarktung von Produkten geklonter Tiere sprechen. Hingegen werteten die EU-Parlamentarier das Klonen von Tieren als Tierquälerei. Gesundheitliche Risiken wollten sie nicht ausschließen. Laut dem Sprecher der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) werde das Europäische Parlament die Entscheidung des Ministerrats im Mitentscheidungsverfahren nicht akzeptieren. Die Novel Food-Verordnung regelt die Zulassung neuartiger Lebensmittel. (transkript, 04/2010; PM 24.03.10, www.peter-liese.de) (al)

USA: Saatgutpreise für Sojabohnen gestiegen

Das US-Justizministerium hat eine kartellrechtliche Untersuchung gegen den US-Gentech-Konzern Monsanto eingeleitet. Anlass sind die Beschwerden der Bauern über die enorm gestiegenen Saatgutpreise für Sojabohnen. Seit der Patentierung von Saatgut und damit der anfallenden Lizenzgebühren hat sich der Soja-Saatgutpreis fast vervierfacht. In den USA besitzen 90 Prozent der angebauten Sojabohnen mindestens ein patentiertes Gen der Firma Monsanto. Auf diese Weise erhält die Firma hohe Summen an Lizenzgebühren. Monsanto rechtfertigt die Lizenzgebühren mit den hohen Entwicklungskosten. Nun hat das Justizministerium zu fünf bundesweiten Treffen aufgerufen, auf denen mit dem Ministerium für Landwirtschaft und betroffenen Gruppen wettbewerbsrechtliche Fragen erörtert werden sollen. (www.online.wsj.com, 11.03.10; www.gmwatch.eu, 11.03.10; zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (al)

NS: Medizinstudenten wissen wenig

Medizinstudenten haben extreme Wissenslücken und kaum Problembewusstsein hinsichtlich der Verstrickung ihrer Zunft in die NS-Verbrechen. Zu diesem Ergebnis kamen Historiker der Universität Aachen, die eine Umfrage unter 216 Teilnehmern des Modellstudiengangs Medizin der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hoch­­schule Aachen durchführten. „Etwa ein Drittel der Befragten konnte mit dem Namen Josef Mengele nichts anfangen”, fasst der His­toriker Richard Kühl vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Aachen die Ergebnisse zusammen. Nur 70 Prozent der Befragten konnten den Begriff „Euthanasie” richtig zuordnen. Und lediglich 19 Prozent wussten, dass zwischen 300.000 und 400.000 Menschen während der Nazi-Diktatur zwangssterilisiert wurden. Diese Wissenslücken sind besonders frappierend, wenn man berücksichtigt, dass die Ärzteschaft mit mehr als 45 Prozent die akademische Berufsgruppe mit dem höchsten nationalsozialistischen Organisationsgrad war. Dabei waren Kühl und seine Kollegen insbesondere vom mangelnden ethischen Problembewusstsein der Studenten irritiert: So war ein Teil der Studenten der Auffassung, dass der NS-Medizin bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse zu verdanken seien. Auf die Frage, ob die im Nationalsozialismus Zwangssterilisierten eine Wiedergutmachung erhalten sollten, antworteten zehn Prozent der befragten Studenten mit „Nein”. Gerade vor dem Hintergrund medizinischer Entwicklungen wie der Gendiagnostik sehen die Autoren der Studie Handlungsbedarf. (Ärztezeitung, 05.02.10) (mf)

Schweinegrippe: Anhörung im Europarat

In einer Anhörung vor dem Europarat haben Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Panikmache in Zusammenhang mit der Schweinegrippe vorgeworfen. „Es werden unglaubliche Mengen an Geld verschwendet in Pandemien, die eigentlich gar keine sind", kritisierte der Münsteraner Medizinprofessor Keil, seit 1973 Berater der WHO. Besonders umstritten war die Entscheidung der WHO Generaldirektorin Magaret Chan, die Schweinegrippe zur Pandemie zu erklären, wobei die Pandemiekriterien zuvor abgeflacht wurden. Die Kritik galt jedoch auch den nationalen Behörden, beispielsweise in Deutschland, wo schon in den Jahren vor der Schweinegrippe verbindliche Verträge mit Glaxo Smith Kline, einem der Impfstoffhersteller, geschlossen wurden. „Die Firmen warteten praktisch nur auf dieses Geschäft”, so der Flensburger Arzt und Epidemiologe Wolfgang Wodarg, Initiator der Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss der Parlamentsversammlung des Europarats. Vertreter vom Verband der Impfstoffhersteller hingegen konterten, die Hersteller hätten auf eigenes Risiko gehandelt: „Es war überhaupt nicht klar, wann ein ,return on investment’ erfolgen wird” - also ein Rückfluss der Investitionen. (Zeit online, 27.01.10) (mf)

„Ohne Gentechnik“-Verband gegründet

Der Verein „Verband Lebensmittel ohne Gentechnik“ wird zukünftig die Vergabe und Verwaltung des „Ohne Gentechnik“-Logos übernehmen. Das Logo soll Verbrauchern die Möglichkeit geben, sich bewusst für gentechnikfreie Lebensmittel zu entscheiden. Gleichzeitig soll durch den Kauf die gentechnikfreie Landwirtschaft unterstützt werden. Seit Mai 2008 dürfen tierische Produkte (wie Milch, Fleisch und Eier) nach neuen Kriterien als „Ohne Gentechnik“ gekennzeichnet werden. Das im vergangenen Herbst vorgestellte Logo soll nun einheitlich ausgewiesene Produkte gewährleisten. Eine Kennzeichnungspflicht für Produkte, die mit gv-Futtermitteln erzeugt wurden - zum Beispiel als „Produkt aus GVO“ -, ist nach der derzeitigen EU-Gesetzgebung nicht möglich. (PM Bundeslandwirtschaftsministerium 23.03.10; www.bmelv.de) (al)

USA: Neue Abstammungs-TV-Show

„Who do you think you are?“ heißt eine neue TV-Show beim US-amerikanischen Sender NBC, die Ende Februar angelaufen ist. Sieben berühmte Persönlichkeiten werden hier in historische Szenarien versetzt, um ihre angebliche Herkunft zu visualisieren: Sarah Jessica Parker, Brooke Shields, Susan Sarandon, Spike Lee, Matthew Broderick, Lisa Kudrow und Emmitt Smith. Parker findet sich in einem Gold Rush-Sze­nario wieder, Shields erklärt sich ihr Interesse an französischer Literatur mit Vorfahren in Europa etc. Die Show löst damit nahtlos die Genealogie-Show „Faces of America“ ab, die der Sender PBS gerade auslaufen ließ. Als genealogische Werkzeuge setzen diese Shows neben Dokumentenrecherche auch fragwürdige DNA-„Ancestry Tests“ ein (vgl. Text von Obasogie in GID 198, S. 11-15). Kooperationspartner beider Shows ist das Gentest-Unternehmen 23andMe, das mit der Show verschiedene Test-Pakete promoted. (NYTimes, 04.03.10; biopolitical times, 10.03.10) (sus)

Jahresbericht des ISAAA

In der Regel ungeprüft und aus Mangel an alternativen Datenquellen werden die vom International Service for Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) veröffentlichten Zahlen von der Presse übernommen. Der im Februar veröffentlichten Ausgabe des alljährlich erscheinenden ISAAA-Bericht zufolge wurden weltweit in 25 Ländern auf 134 Millionen Hektar gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen angebaut. Das entspricht etwa 2,7 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Anzahl der anbauenden Länder sei zum Vorjahr gleich geblieben, wobei sich die Fläche um neun Millionen Hektar vergrößert habe. Brasilien hat einen Anteil von 66 Prozent an der Erweiterung der gv-Anbau­fläche. Nach Angaben des ISAAA wurde in der Europäischen Union 2009 auf 95.000 Hektar gv-Mais der Sorte MON810 angebaut. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent. Polen wurde in die neue Statistik mit 3.000 Hektar gv-Fläche eingerechnet. Dabei war offen, ob es dort überhaupt legalen Anbau von gv-Pflanzen gibt. Das Land hatte im Rahmen der Saatgutgesetzgebung versucht, den Anbau zu verbieten. Zum Anbau kam importiertes Saatgut aus der Tschechischen Republik. Fakten, die gentechnikkritisch auszulegen sind, fehlen. In dem Bericht bleibt zum Beispiel unerwähnt, dass mittlerweile sechs EU-Staaten den Anbau von MON810 mit Bezug auf das Vorsorgeprinzip verboten haben. Gleiches gilt für die wachsende Nachfrage für gentechnikfreie Lebensmittel in den USA (siehe Notiz GID 198, Februar 2010). In Indien sind Resistenzen von Baumwollkapselbohrern gegen die Bt-Baumwolle entdeckt worden. Auch auftretende Unkrautresistenzen vor allem in Nord- und Südamerika bleiben außen vor. Dort sollen Unkrautresistenzen dazu geführt haben, dass höhere Aufwandsmengen an Glyphosat-haltigen Spritzmitteln angewendet werden, um diese Unkräuter in den Griff zu bekommen. Der Jahresbericht des ISAAA wird von der Gentechnik-Industrie gesponsert. (www.isaaa.org) (al)
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April 2010
S. 40 - 42