„Entscheidend ist, dass wir uns dagegen wehren”
Wir haben Martin Schöngarth, Sprecher der Enthinderungselbsthilfe von Autisten für Autisten (und Angehörige) - kurz ESH, zu einem Kommentar eingeladen. Die ESH versteht sich als Interessenvertretung der Autisten und ist eine aus der Praxis entstandene Aktionsplattform von Autisten (http://autisten.enthinderung.de).
Der Begriff der Neurodiversität ist nach einhelliger Meinung in der ESH nicht in der Art sinnstiftend, wie Ortega vermutet, auch in den USA nicht. Autistic Pride als wichtigerer Begriff ist eher vergleichbar mit Deaf Pride und hat keine Bezüge zum Neurohype. Das Gehirn ist sehr flexibel, weswegen unklar ist, ob Unterschiede im Gehirn Ursache oder Wirkung sind.
Wenn Autisten sich als Minderheit entdecken, ist das auf tief erlebte Ähnlichkeiten und die neuen Möglichkeiten barrierefreier Kommunikation über das Internet zurückzuführen. Es bedarf hier keiner neurologischen Differenzen, um eine Gruppe zusammenzuhalten. Autisten haben Empathie für andere Autisten, völlig unabhängig von sprachlichen und weltanschaulichen Konzepten. So wie Nichtautisten vor allem Empathie für ihnen ähnliche Nichtautisten aufweisen. Eltern, die Autisten wie uns kontaktiert haben, um ihr autistisches Kind besser zu verstehen, sind häufig überrascht, welche Entwicklungssprünge ihre Kinder machen, wenn man besser auf ihr Wesen eingeht. Entscheidend ist, dass wir uns dagegen wehren, von Menschen als krank eingeordnet zu werden, die oft kaum eine Ahnung davon haben, wie wir die Welt erleben. Das scheint auch Ortega selbstverständlich zu tun, ohne es zu begründen. Bezüglich Autismus kommunizieren Nichtautisten bis heute lieber mit Angehörigenverbänden als mit Autisten. Dabei wird den Interessen von Autisten eher geschadet, da Nichtautisten viele Zusammenhänge erfahrungsgemäß nicht verstehen. Zum Beispiel wird dann Leid, das eigentlich aus vermeidbaren Barrieren resultiert, zur autistischen Eigenschaft erklärt und „therapiert“, was massive psychische Dauerschäden und Traumata zur Folge hat.
Biodiversität ist ein Faktor der Stabilität. Die charakterlichen Unterschiede sind uns als Minderheit vermutlich viel bewusster. Es bedarf im Grunde keiner neurologischen oder genetischen Differenzen, um eine Gruppe zusammenzuhalten. Früher hat man Gehörlosen verboten zu gebärden, Linkshänder umerzogen oder Frauen für minderbemittelt erklärt. Uns geht es darum, dass die vorhandenen Unterschiede, egal wie man sie herleitet, in nicht-pathologisierender Weise anerkannt werden.
Wenn Autisten sich als Minderheit entdecken, ist das auf tief erlebte Ähnlichkeiten und die neuen Möglichkeiten barrierefreier Kommunikation über das Internet zurückzuführen. Es bedarf hier keiner neurologischen Differenzen, um eine Gruppe zusammenzuhalten. Autisten haben Empathie für andere Autisten, völlig unabhängig von sprachlichen und weltanschaulichen Konzepten. So wie Nichtautisten vor allem Empathie für ihnen ähnliche Nichtautisten aufweisen. Eltern, die Autisten wie uns kontaktiert haben, um ihr autistisches Kind besser zu verstehen, sind häufig überrascht, welche Entwicklungssprünge ihre Kinder machen, wenn man besser auf ihr Wesen eingeht. Entscheidend ist, dass wir uns dagegen wehren, von Menschen als krank eingeordnet zu werden, die oft kaum eine Ahnung davon haben, wie wir die Welt erleben. Das scheint auch Ortega selbstverständlich zu tun, ohne es zu begründen. Bezüglich Autismus kommunizieren Nichtautisten bis heute lieber mit Angehörigenverbänden als mit Autisten. Dabei wird den Interessen von Autisten eher geschadet, da Nichtautisten viele Zusammenhänge erfahrungsgemäß nicht verstehen. Zum Beispiel wird dann Leid, das eigentlich aus vermeidbaren Barrieren resultiert, zur autistischen Eigenschaft erklärt und „therapiert“, was massive psychische Dauerschäden und Traumata zur Folge hat.
Biodiversität ist ein Faktor der Stabilität. Die charakterlichen Unterschiede sind uns als Minderheit vermutlich viel bewusster. Es bedarf im Grunde keiner neurologischen oder genetischen Differenzen, um eine Gruppe zusammenzuhalten. Früher hat man Gehörlosen verboten zu gebärden, Linkshänder umerzogen oder Frauen für minderbemittelt erklärt. Uns geht es darum, dass die vorhandenen Unterschiede, egal wie man sie herleitet, in nicht-pathologisierender Weise anerkannt werden.
Martin Schöngarth ist Sprecher der <em>Enthinderungselbsthilfe von Autisten für Autisten (und Angehörige)</em>(ESH).



