Jump to Navigation

Kurz notiert - Landwirtschaft und Lebensmittel

Auswirkungen von Bt auf Nichtzielorganismen

WissenschaftlerInnen der ETH Zürich haben erneut nachgewiesen, dass das von verschiedenen gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen produzierte Bt-Toxin Cry1Ab negative Auswirkungen auf Nichtzielorganismen hat. Die Forschungsgruppe um Angelika Hilbeck fütterte Larven des Zweipunkt-Marienkäfers mit Mehlmotteneiern, die mit einer Bt-Lösung besprüht worden waren. Die Larven wiesen eine signifikant höhere Sterberate auf als die Kontrollgruppe, die das Gift nicht erhalten hatte. Zu demselben Ergebnis war die Gruppe bereits 2008 gekommen. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte mit dieser und zwei weiteren Untersuchungen ihr Verbot des Bt-Mais MON810 im Frühjahr 2009 begründet. Gentechnikfreundliche WissenschaftlerInnen hatten die Arbeit damals unter anderem als „pseudo-wissenschaftlich“ diskreditiert und auf andere Experimente (von Romeis und KollegInnen vom Agrarforschungsinstitut in Reckenholz, Schweiz) verwiesen, bei denen die mit einer mit Bt angereicherten Diät gefütterten Larven keine höhere Sterblichkeit aufgewiesen hatten (siehe auch „Der Teufel steckt im Detail“ von Christof Potthof in GID 205). Für die jetzige Studie haben Hilbeck und KollegInnen sowohl die eigene als auch die Experimente der Romeis-Forschungsgruppe im Labor wiederholt und liefern eine Erklärung für die abweichenden Ergebnisse: Deren Larven hatten lediglich 24 Stunden am Stück Bt-versetzte Zuckerlösung erhalten und konnten sich danach vor der nächsten „Bt-Fütterung“ erholen; wohingegen die Larven der Hilbeck-Gruppe dem Gift durchgehend über mehrere Tage ausgesetzt waren. (Hilbeck et al.: A controversy re-visited: Is the coccinellid Adalia bipunctata adversely affected by Bt toxins? Environmental Sciences Europe 2012, Band 24, Nummer 10, www.kurzlink.de/gid211_c) (ab)

Frankreich erlässt neues MON810-Verbot

Mitte März hat die französische Regierung ein erneutes Verbot des gentechnisch veränderten (gv) Mais MON810 ausgesprochen. Damit setzte sie ihre monatelangen Ankündigungen in die Tat um. Ein erneutes Regierungshandeln war notwendig, weil das höchste Verwaltungsgericht des Landes im November ein seit 2008 geltendes Verbot aufgehoben hatte. Gentechnikkritische Organisationen äußern Kritik am späten Zeitpunkt des Verbots und an der schwammigen Formulierung. Unklar bleibt bisher, wie mit eventuell schon ausgebrachtem Saatgut umgegangen werden muss. Auch die Durchsetzung des Verbots erscheint unklar. Gentechnikfreundliche Landwirte hatten bereits angekündigt, MON810 auch im Falle eines Verbots auszubringen. Die Vereinigung französischer Maisproduzenten AGPM legte Ende März Einspruch gegen das Verbot ein. Nach Berichten des Infoportals Inf'OGM kommt dieser jedoch zu spät, um dieses Jahr noch Erfolg zu haben. (dpa, zitiert nach ZEIT online vom 17.03.12; Inf'OGM, www.infogm.org) (ab)

KWS: Kaum Freisetzungsversuche in Deutschland

Nach dem Rückzug der BASF aus Europa wird nun auch die KWS-Saat AG vorerst keine Freisetzungsversuche in Deutschland mehr durchführen. Die Geschäftsleitung begründete den Schritt Ende Februar mit der geringen Akzeptanz gentechnisch veränderter (gv) Pflanzen bei deutschen Verbrauchern. Dennoch hält das Unternehmen an der Gentechnik fest: Die Freisetzung von gv-Rüben in der Biotechfarm in Üplingen wird zu Demonstrationszwecken fortgeführt. Am Standort Einbeck werden Forschung und Entwicklung ausgebaut, und in Spanien sollen auch weiterhin gv-Rüben sowie gv-Mais der KWS wachsen (PM KWS-Gentechnikfrei vom 07.03.12, www.kws-gentechnikfrei.de) (ab)

Monsanto verurteilt

Am 13. Februar wurde Monsanto wegen der Vergiftung eines französischen Landwirtes schuldig gesprochen. Der klagende Landwirt war 2004 in Kontakt mit dem Unkrautvernichtungsmittel Lasso gekommen und litt daraufhin an Schwindel, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden. Das Landgericht in Lyon sah es als erwiesen an, dass die gesundheitlichen Probleme auf den Kontakt mit Lasso zurückzuführen seien und verurteilte Monsanto zur Zahlung von Schadensersatz. Das Herbizid ist 2007 in Frankreich verboten worden. Monsanto bestreitet den Zusammenhang zwischen den Symptomen des Landwirts und dem Herbizid und hat angekündigt, in Berufung gehen zu wollen. (SZ 14.02.12; PM Monsanto 14.02.12) (ab)

Donau-Soja

In der Europäischen Union besteht großer Bedarf an Soja als Eiweißfuttermittel. Derzeit werden die größten Mengen aus Südamerika importiert. In Zukunft soll der Bedarf in wachsendem Umfang auch aus europäischen Quellen gedeckt werden, nicht zuletzt auch in gentechnikfreier Qualität. Zu diesem Zweck haben, wie das österreichische Neue Volksblatt am 2. April in seiner Online-Ausgabe berichtet, der Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger und der bayerische Landwirtschaftsmininster Helmut Brunner in Brüssel die Idee des „Donau-Soja“ in Brüssel eingebracht. Eine - möglichst gentechnikfreie - Produktion soll mit Unterstützung der EU in den südlichen Donau-Anrainerländern aufgebaut werden. Im September wird es im Rahmen des Projektes in Wien eine Konferenz geben. (www.volksblatt.at, 02.04.12) (pau)

EU-Kommission pusht Ex-Monsanto-Kandidatin

Wie die Nichtregierungsorganisationen Testbiotech (München) und Corporate Europe Observatory (CEO, Brüssel) berichten, hat die Europäische Kommission eine ehemalige Mitarbeiterin des US-Gentech-Konzerns Monsanto für den Verwaltungsrat der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA vorgeschlagen. Mella Frewen steht nach Darstellung der NGOs seit 2007 dem Industrieverband FoodDrinkEurope vor. Christoph Then von Testbiotech: „Die Ernennung einer Lobbyistin, die in der Vergangenheit sogar dafür plädiert hat, Kontaminationen mit gentechnisch veränderten Pflanzen zuzulassen, würde die Glaubwürdigkeit der Lebensmittelbehörde schwer beschädigen“. Nina Holland von CEO fordert zudem, dass „wesentlich mehr Repräsentanten von Verbraucher- und auch Umweltorganisationen in den Verwaltungsrat der EFSA aufgenommen werden“. Die EFSA sieht sich seit längerer Zeit mit schwersten Vorwürfen in Bezug auf ihre Unabhängigkeit konfrontiert. Der Ombudsmann der EU hatte sich eingeschaltet, zuletzt hatte der Haushaltsausschuss des Europäischen Parlaments die Abnahme des EFSA-Haushaltes für das Jahr 2010 verschoben. (PM Testbiotech und CEO, 08.03.12) (pau)

Algen-Frostschutz für Tiefkühl-Brötchen?

WissenschaftlerInnen des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und des Technologietransferzentrums (ttz) in Bremerhaven haben ein Anti-Frost-Protein aus einer Kieselalge isoliert und mit biotechnologischen Methoden neu hergestellt. Nun wollen sie prüfen, ob das Protein zum Beispiel für tiefgekühlte Backwaren als Gefrierschutz verwendet werden kann. Ob es sich bei den schlussendlich servierten Brötchen um gentechnisch veränderte Produkte im Sinne des Gentechnikgesetzes handelt, kann noch nicht bestimmt werden, da der Weg, auf dem das neu entdeckte Protein in das Lebensmittel kommen wird, noch nicht feststeht. (PM AWI, 20.03.12) (pau)

USA: Bundesgericht weist Klage gegen Monsanto zurück

Im vergangenen Jahr hatten insgesamt mehr als 80 Organisationen, landwirtschaftliche Betriebe und Züchter den Gentech-Konzern Monsanto verklagt. Sie wollten erreichen, dass dessen Patente auf Saatgut geändert werden, da immer wieder Bäuerinnen und Bauern wegen Verstoßes gegen diese Patente von dem Konzern vor Gericht gebracht werden, wenn bei ihnen Kontaminationen mit gentechnisch verändertem Material festgestellt wurden. Richterin Naomi Buchwald vom Bundesgericht im Bezirk südliches Manhattan folgte in ihrer Begründung jedoch der Argumentation Monsantos. Der weltweite Gentech-Branchenprimus hatte auf seine Politik verwiesen, derzufolge der Konzern „bisher und auch in Zukunft“ niemals Patentrechte geltend mache, wenn sich Spuren von patentiertem Saatgut oder gentechnisch veränderten Konstrukten unabsichtlich auf den Feldern von Landwirten befinden. Demgegenüber hatten die Kläger-Organisationen eine Liste von 144 Fällen zusammengestellt, in denen Bäuerinnen und Bauern verklagt worden seien. Entsprechend zeigten sie sich enttäuscht über den Spruch der Richterin. (Organic Seed Growers und Trade Association und andere gegen Monsanto und andere, No. 1:11-cv-2163-NRB; PM Monsanto, 27.02.12, www.monsanto.com; www.reuters.com, 27.02.12) (pau)

Mexiko: Kommerzieller Anbau von gv-Mais beginnt

Mit dem Jahreswechsel hat die mexikanische Regierung den Anbau von gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen erlaubt. Bisher waren nur Versuchsfelder zulässig. Mit Verweis auf die Tageszeitung La Jornada berichtet das Internet-Portal Weekly News Update on the Americas, dass der US-Konzern Monsanto mit der Aussaat von gut 60 Hektar gv-Mais in dem im Norden Mexikos liegenden Bundesstaat Sineola den Anfang machen werde. Weiterer Anbau in anderen nördlichen Staaten und durch andere Firmen werde aber folgen. Die Planungen des Anbaus von gv-Mais in Mexiko und die dortigen Versuchsfelder werden seit mehr als einem Jahrzehnt kritisiert, da das Land als die Ursprungsregion des Mais gilt. Dort findet sich die größte Vielfalt von wild lebenden Pflanzenarten, die mit dem Mais verwandt sind, sowie tausende von Landsorten im Anbau; beides ist für die zukünftige Züchtung von Mais von großer Bedeutung. Der Anbau von gv-Mais kann unter anderem durch Auskreuzung und Vermischung von Saatgut zur Kontamination mit transgenem Material führen. Bereits 2001 waren von den US-Forschern David Quist und Ignacio Chapela solche Kontaminationen nachgewiesen worden. (Weekly News Update on the Americas, 20.02.12, http://weeklynewsupdate.blogspot.com; siehe auch das Interview mit Ignacio Chapela im GID 165, August 2004) (pau)

Mexiko: Kontamination von Baumwolle

Wie Andreas Bauer vom Wissenschaftsbüro epigen berichtet, haben mexikanische WissenschaftlerInnen eine Kontamination der wilden Baumwollsorte Gossypium hirsutum festgestellt. Diese Sorte sei „der Ursprung fast aller heute genutzten Baumwollsorten“. Der erste Anbau gentechnisch veränderter (gv) Baumwolle in Mexiko begann bereits 1996; die in dem Fachmagazin Molecular Ecology publizierte Untersuchung war jedoch die erste, die der Frage einer möglichen Kontamination nachgegangen ist. (epigen, 29.02.11, www.epi-gen.de; Wegier, A. und KollegInnen, 2011. Recent long-distance transgene flow into wild populations conforms to historical patterns of gene flow in cotton (Gossypium hirsutum) at its centre of origin. Molecular Ecology, 20: 4182–4194) (pau)

Gv-Bier - mit nur wenig Alkohol?

WissenschaftlerInnen um John Morrissey vom Universitäts-College in Cork (Irland) haben einen Hefe-Stamm gentechnisch so verändert, dass das unter ihrer Verwendung hergestellte Bier nur wenig Alkohol enthält. Das berichtet das Online-Portal beveragedaily.com. Die Forschungen seien im Auftrag eines nicht näher bezeichneten Brauerei-Unternehmens durchgeführt worden. Morrissey geht allerdings nicht davon aus, dass das Bier auf den Markt gebracht werden soll, da es als „gentechnisch verändert“ gelten würde. Zunächst sei es darum gegangen zu zeigen, dass diese Art der Produktion von Bier mit vermindertem Alkoholgehalt überhaupt möglich sei. In zukünftigen Schritten könnten die Teile des Hefegenoms, die die gentechnische Veränderung der Hefe ausmachten, wieder herausgeschnitten werden („engineer out the GM part of it“), ohne dass die neue Eigenschaft verloren gehe - so jedenfalls die Einschätzung der ForscherInnen. (Beverage Daily, 09.02.12, www.beveragedaily.com, zitiert nach GENET news, www.genet-info.org) (pau)

Bundesregierung: Agro-Gentechnik und Welternährung

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat in einer Kleinen Anfrage die Bundesregierung aufgefordert, umfassend zu ihrer Einschätzung der Rolle der Agro-Gentechnik (und der EU-Agrarpolitik) bei der Sicherung der Welternährung Stellung zu nehmen. In ihrer Antwort erklärt die Bundesregierung, dass der Anteil von Projekten mit gentechnisch veränderten Pflanzen an dem Gesamtbudget der vom Bund geförderten Forschungen im Bereich der Ernährungssicherung derzeit - geschätzt - bei zirka 15 Prozent liegt. Diese Mittel entstammen ausnahmslos dem Haushalt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Gleichzeitig fällt es der Bundesregierung schwer, empirische Nachweise für einen Beitrag der Agro-Gentechnik zu liefern. Vielmehr ist die Bundesregierung der Ansicht, dass es vor dem Hintergrund einer auf bis zu neun Milliarden Menschen anwachsenden Weltbevölkerung notwendig sei, dass „alle Optionen und somit auch alle verantwortbaren technologischen Möglichkeiten in Betracht gezogen und mit system- und regionalspezifischen Bedarfsanalysen verbunden werden“. Das schlage sich, nach Darstellung der Bundesregierung, auch in der aktuellen Förderinitiative des BMBF „GlobE - Globale Ernährungssicherung“ nieder, die in Verbindung mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit umgesetzt wird. (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bundestags-Drucksache 1708819, www.bundestag.de) (pau)

Indien: Weiter Streit um Bt-Aubergine

Der Genetiker Jack Heinemann von der Universität von Canterbury in Neuseeland hat in dem Streit um die Zulassung von gentechnisch veränderten (gv) Auberginen in Indien einen neuen Bericht vorgelegt. Mahyco, die Firma, die gv-Auberginen als Nahrungsmittel auf den indischen Markt bringen will, hat die molekulare Beschreibung der Pflanze nicht korrekt vorgenommen. Das bleibe nicht folgenlos für die Bewertung der Pflanzen. Heinemann sagte in einem Interview, alle Experimente, die er persönlich geprüft habe, erweckten entweder den Anschein, als seien sie nicht korrekt oder nicht wirklich zu Ende geführt worden. Zum Beispiel seien die so genannten Bt-Proteine in den Auberginen nicht - wie von Mahyco beschrieben - weitgehend identisch mit ihren in der Natur vorkommenden Vorbildern, was dazu führt, dass bis zu 70 Aminosäuren ausgetauscht sein können. Das wiederum könne erhebliche Auswirkungen darauf haben, wie der Stoffwechsel oder das Immunsystem beim Verzehr der Auberginen reagiert. Die Zulassung von 2009 war im Folgejahr widerrufen worden, unter anderem, weil keine einheitliche wissenschaftliche Bewertung vorlag. Zudem war diese - nach Einschätzung des seinerzeit zuständigen Regierungsvertreters - nicht vollständig. (Down to Earth online, 31.03.12, www.downtoearth.org.in; Third World Network, www.biosafety-info.net, 06.04.12) (pau)

Kanada: „EnviroPig“ gestoppt

An der Universität von Guelph, Kanada, ist ein Projekt zur Entwicklung von gentechnisch veränderten (gv) Schweinen gestoppt worden, deren Ausscheidungen weniger umweltschädlich sein sollen, als dies bei gewöhnlichen Schweinen der Fall ist. Grund für das Ende des Projektes ist der Rückzug des Schweinemast-Verbandes Ontario Pork als Finanzier. Wie die New York Times in ihrer Online-Ausgabe vom 3. April berichtet, werden die verbliebenen 16 Tiere getötet. Einige von ihnen gehören der zehnten Generation an. Die Sprecherin der Koalition Canadian Biotechnology Action Network Lucy Sharratt begrüßte die Entscheidung und forderte die Regierungsbehörden zugleich auf, keine Anträge zur Zulassung von gentechnisch veränderten Tieren mehr entgegenzunehmen. Siehe zum so genannten „EnviroPig“ auch den Beitrag „EnviroPig & Friends“ von Christof Potthof im GID 201, August 2010. (www.cban.ca, 02.04.12; New York Times online, 03.04.12) (pau)

Giftig für menschliche Zellen

Immer mehr gentechnisch veränderte Pflanzen kommen als so genannte stacked events (gestapelte Events) auf den Markt. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie verschiedene neue, mit gentechnischen Methoden hervorgerufene Eigenschaften haben. Aktuell werden vor allem Gene in die Pflanzen eingebaut, die die Produktion von Insektengiften oder eine Herbizidtoleranz vermitteln sollen. In der Folge finden sich in den Ernteprodukten Reste der Insektengifte und Abbauprodukte der Herbizide. Inwieweit die Kombination solcher Stoffe zu einer erhöhten Toxizität führt, wird in der Europäischen Union nicht obligatorisch geprüft. WissenschaftlerInnen um den französischen Molekularbiologen Gilles-Eric Séralini haben nun - nach eigenen Angaben erstmals - Untersuchungen durchgeführt, die darauf zielen, einen möglichen Cocktail- oder Kombinationseffekt von Bt-Giften (als Insektengifte in gv-Pflanzen sehr verbreitet) ausfindig zu machen. Zwei dieser Gifte und das weltweit am weitesten verbreitete Unkrautvernichtungsmittel Roundup wurden an menschlichen Zelllinien auf Kombinationseffekte getestet. Im Gegensatz zu bisherigen Annahmen kommen die WissenschaftlerInnen zu dem Schluss, dass die Bt-Toxine auf menschliche Zellen schädigend einwirken können. Auch gibt es Wechselwirkungen, wenn die Bt-Toxine zusammen mit dem Herbizid getestet werden. Bt-Gifte stammen ursprünglich aus verschiedenen Stämmen der bodenlebenden Bakterienart Bacillus thuringiensis. In der EU befindet sich eine gv-Pflanze (SmartStax des US-Konzerns Monsanto) im Zulassungsverfahren, die alleine sechs verschiedene Bt-Gifte produziert. Neben der Gefahr der Kombinationseffekte ergibt sich in SmartStax zudem eine relativ hohe Gesamtkonzentration - mit bisher unbekannten Folgen. Aber damit nicht genug, der gv-Mais verfügt außerdem über Toleranzen gegen zwei Unkrautvernichtungsmittel, die als Gift oder als Abbauprodukt ihrerseits zu einem unübersehbaren Cocktail in den Ernteprodukten von SmartStax-Mais beitragen können. Testbiotech aus München, dessen Geschäftsführer Christoph Then an den Forschungsarbeiten beteiligt war, fordert Untersuchungen zu weiteren Effekten. (Mesnage, R. und KollegInnen: Cytotoxicity on human cells of Cry1Ab and Cry1Ac Bt insecticidal toxins alone or with a glyphosate-based herbicide. Journal for Applied Toxicology online, 2012. www.kurzlink.de/gid211_d; PM Testbiotech, 17.02.12, www.testbiotech.org) (pau)

Eine Million für Kennzeichnung

Auch in den USA gibt es immer wieder Protest gegen gentechnisch veränderte (gv) Organismen. Aktuell äußert sich dieser in Initiativen für die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln. Das Zentrum für Lebensmittelsicherheit (Center for Food Safety - CFS) ruft seit etwa einem halben Jahr zur Unterstützung seiner „Just Label It“-Kampagne auf. Das CFS wird von 450 Organisationen, Firmen und Verbänden unterstützt. Mehr als eine Million unterstützende öffentliche Kommentare (public comments) sind mittlerweile zusammengekommen. Sie richten sich an die Food and Drug Administration, die zuständige Bundesbehörde. Auch im US-Bundesstaat Kalifornien ist eine Kennzeichnungs-Kampagne auf dem Weg. Bis zum 22. April will die Organic Consumers Association 830.000 UnterstützerInnen gewinnen, um ein Kennzeichnungsgesetz zur Abstimmung zu bringen. (PM CFS, 27.03.12, www.centerforfoodsafety.org; Millions against Monsanto, www.organicconsumers.org) (pau)
211
April 2012
S. 26 - 27