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Kurz notiert - Landwirtschaft und Lebensmittel

Genehmigung des EFSA-Budgets verschoben

Die Mitglieder des Europäischen Parlaments haben in ihrer Sitzung am 10. Mai gegen die Genehmigung des Haushaltes der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gestimmt und diese damit zunächst verschoben. Aufgrund von überzogenen Kosten und Interessenkonflikten hatte die Berichterstatterin Monica Macovei (Fraktion der Europäischen Volkspartei - Christdemokraten) dem Plenum in ihrem Bericht vorgeschlagen, den jetzt zur Entlastung anstehenden Haushalt des Jahres 2010 nicht abzusegnen. Besonders brisant ist in diesem Zusammenhang der Vorwurf der Interessenkonflikte, der sich in erster Linie gegen Diána Bánáti richtete. Bánátis enge Kontakte zum ILSI, einer Lobbygruppe der Lebensmittel- und Agrarindustrie, hatten bereits 2010 für Aufsehen gesorgt, da sie dort - parallel zu ihrem leitenden EFSA-Posten - Mitglied des Verwaltungsrates war. Von diesem ILSI-Posten war sie zurückgetreten, um im November des vergangenen Jahres als EFSA-Verwaltungsrats-Vorsitzende wiedergewählt zu werden. Unmittelbar vor der jetzigen Abstimmung im Europäischen Parlament war sie von ihrem Posten als Vorsitzende des Verwaltungsrates der EFSA zurückgetreten. Gleichzeitig hatte sie angekündigt, sie werde zur europäischen Sektion von ILSI wechseln, um dort den Vorsitz des Verwaltungsrates zu übernehmen. Auch die Haushalte der Europäischen Medikamenten-Agentur und der Europäischen Umwelt-Agentur fielen bei den Abgeordneten durch. (European Voice, 09.05.12, www.europeanvoice.com; EFSA, 09.05.12, www.efsa.europa.eu) (pau)

Burkina Faso: Gv-Baumwolle enttäuscht

Ersten Berichten zufolge werden die Bäuerinnen und Bauern in Burkina Faso in diesem Jahr wieder zu konventionellen Baumwollsorten zurückkehren. Im vergangenen Jahr waren bis zu 70 Prozent der Anbaufläche des westafrikanischen Landes mit gentechnisch veränderten (gv) Sorten bepflanzt worden. In erster Linie habe die Qualität der geernteten Baumwollfasern zu wünschen übrig gelassen. Üblicherweise sei die Baumwolle des Landes von guter bis mittlerer Qualität mit langen Fasern. Im vergangenen Jahr sei sie jedoch nur von minderer Qualität gewesen. Das Saatgut der gv-Sorten war vom US-Gentech-Branchenprimus Monsanto geliefert worden, der diese möglicherweise zu schnell habe entwickeln wollen. (Radio France International, 10.05.12, www.rfi.fr, zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (pau)

Gv-Mais MON810

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat erneut erklärt, dass sie den gentechnisch veränderten (gv) Mais MON810 des US-Konzerns Monsanto - in Bezug auf Gesundheit des Menschen und die Umwelt - für sicher hält. Die EFSA war von der EU-Kommission um eine Stellungnahme zu dem MON810-Verbot Frankreichs gebeten worden. Mitgliedstaaten der EU können unter bestimmten Bedingungen, insbesondere bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verbundenen Gefahren, den Anbau oder Vertrieb eines GVO verbieten. Die Mitglieder des GVO-Ausschusses der EFSA haben nun erklärt, dass sie in der Begründung des französischen Verbotes keine wissenschaftliche Evidenz erkennen können, die ein Verbot des MON810-Mais rechtfertigen würde. Die EFSA argumentiert unter anderem, dass die meisten der von der französischen Regierung vorgebrachten Argumente beziehungsweise wissenschaftlichen Studien bereits in früheren Stellungnahmen der EFSA geprüft worden seien und ein Verbot von MON810-Mais nicht rechtfertigen würden. Inklusive Frankreich haben derzeit sieben Länder den Anbau von MON810 auf ihrem Territorium verboten - darunter Deutschland, Österreich, Bulgarien und Griechenland. MON 810 ist derzeit die einzige gv-Pflanze, die in der Europäischen Union kommerziell angebaut wird. Nun liegt die Entscheidung über das weitere Verfahren wieder bei der EU-Kommission. Sie kann zum Beispiel den Mitgliedstaaten den Vorschlag vorlegen, die französische Regierung zu einer Aufhebung des Verbots aufzufordern. MON810-Mais produziert ein Insektengift, das ihn vor den Larven des Maiszünslers schützen soll. In den vergangenen Jahren lag die Anbaufläche von MON810-Mais in der EU bei etwa 100.000 Hektar; der größte Teil des Anbaus fand in Spanien statt. (EFSA: „Scientific Opinion [...] on genetically modified maize MON 810 [...]“, veröffentlicht: 21.05.12, www.efsa.eu ropa.eu; Food Navigator, 06.03.12, www.foodnavigator.com; siehe auch: inf‘OGM: „UE - OGM: Désaccords d’experts sur l’interdiction française du MON810“, Mai 2012, www.infogm.org) (pau)

Philippinen: Freisetzung von gv-Auberginen

„Wenn sie auskreuzen - na und?“ Mit dieser Frage reagierte die Insektenkundlerin Emiliana Bernardo auf die von Umweltschützern der Organisation Greenpeace und anderen vorgebrachte Kritik an einem Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten (gv) Auberginen auf den Philippinen. Die KritikerInnen hatten das Höchste Gericht (Supreme Court) des südostasiatischen Landes aufgerufen, den Freisetzungsversuch zu stoppen. Bernardo, die auch Mitglied der Biosicherheits-Kommission der philippinischen Universität Los Baños (UPLB) ist, argumentierte zudem, die gentechnische Veränderung der Auberginen führe nur zur Bildung des so genannten Bt-Toxins, welches ursprünglich von dem weit verbreiteten bodenlebenden Bakterium Bacillus thuringiensis stamme und auch im ökologischen Anbau eingesetzt werde. Damit setzt sie eine Vereinfachung der Sachlage fort, die in den Diskussionen um den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit von BefürworterInnen genutzt wird: Tatsächlich werden Bt-Präparate, die gegen Insekten eingesetzt werden, auch im ökologischen Anbau genutzt. Allerdings unterscheidet sich die Methode in wesentlichen Aspekten. Zum Beispiel werden die Mittel im Ökolandbau gespritzt, was - im Gegensatz zu deren Bildung in den Zellen einer Pflanze - dazu führt, dass sie Wettereinflüssen ausgesetzt sind und deshalb schneller abgebaut werden. Zudem produzieren die gentechnisch veränderten Pflanzen oft das aktive Gift, während in der ökologischen Landwirtschaft Vorläufermoleküle zum Einsatz kommen, die erst im Verdauungssystem der Schadinsekten ihre Giftwirkung entfalten. Beides hat eine gezieltere Wirkung zur Folge. (The Philippine Star, 15.05.12, www.philstar.com; SEARCA Biotechnology Information Centre, 11.05.12, www.bic.searca.org; beide zitiert nach GENET news, im Netz unter www.genet-info.org) (pau)

Bayer-Tochter und KWS kooperieren bei Zuckerrüben

Die meisten aktuell relevanten gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen tragen neue Eigenschaften, die in der einen oder anderen Form mit Pestiziden in Verbindung stehen. Mehr als die Hälfte der weltweit angebauten gv-Pflanzen tragen Toleranzen gegenüber Unkrautvernichtungsmitteln, was dazu führt, dass diese in immer größerem Umfang eingesetzt werden. Eine Kooperation zwischen Bayer CropScience, der Agrar-Tochter des Bayer-Konzerns, und der KWS Saat AG zeigt nun, dass für die Entwicklung nicht immer der Einsatz von Gentechnik notwendig ist. Die beiden Unternehmen gaben im April den Abschluss eines Vertrages bekannt, mit dem die gemeinsame Entwicklung von (nicht gentechnisch veränderten) Zuckerrüben-Sorten geregelt werden soll, die ebenfalls über eine Herbizidtoleranz verfügen. Wie die beiden Konzerne bekannt gaben, seien Pflanzen mit einer „spontanen Veränderung des Erbguts“ gezielt ausgewählt und weitergezüchtet worden. Die Zuckerrüben vertragen die Behandlung mit Herbiziden aus der Gruppe der so genannten ALS-Inhibitoren, die üblicherweise ein Enzym der Aminosäure-Synthese in den Pflanzen blockieren. In der Folge können die mit diesen Herbiziden behandelten Pflanzen bestimmte Aminosäuren nicht mehr produzieren. Toleranz gegen ALS-Inhibitoren entsteht, wenn das entsprechende Enzym, die Acetolactat-Synthase (ALS), durch eine Mutation nicht mehr von den Inhibitoren gebunden werden kann. (PM Bayer CropScience und KWS, 12.04.12, www.bayercropscience.com) (pau)

Umweltpreis für argentinische Anti-Pestizid-Aktivistin

Der diesjährige Goldman Environmental Prize für Süd- und Zentralamerika geht an Sofia Gatica. Die Argentinierin setzt sich seit 13 Jahren gegen den großflächigen Einsatz von Pestiziden in ihrer Heimatregion ein. Ausgangspunkt für ihr Engagement war der Tod ihrer neugeborenen Tochter durch Nierenversagen. Nachforschungen in ihrer von Sojafeldern umgebenen Gemeinde ergaben, dass derartige Fälle überdurchschnittlich häufig vorkommen. Die von Gatica mitgegründete Gruppe Mothers of Ituzaingó erreichte schließlich, dass die Auswirkungen der Pestizidanwendung wissenschaftlich untersucht wurden und dass aufgrund der Ergebnisse das Ausbringen von Pestiziden aus der Luft mithilfe von Hubschraubern in bewohnten Gebieten verboten wurde. Außerdem wurde die Beweislast umgekehrt, sodass nun die Regierung und Sojaproduzenten die Ungefährlichkeit der Chemikalien nachweisen müssen. Der mit 150.000 US-Dollar dotierte Preis wird seit 1990 an UmweltaktivistInnen vergeben. Eine internationale Jury prämiert jährlich je eineN PreisträgerIn aus Europa, Asien, Afrika, Nordamerika, Süd- und Zentralamerika sowie den Inselstaaten. (16.04.12, www.goldmanprize.org) (ab)

Bt-Mais mit weniger Mykorrhizapilzen

80 Prozent aller Blütenpflanzen bilden Symbiosen mit bodenlebenden so genannten arbuskulären Mykorrhizapilzen. Die Pilze versorgen die Pflanzen mit mineralischen Nährstoffen. Im Gegenzug stellt die Pflanze dem Pilz Zuckerreste zur Verfügung. Eine Gruppe WissenschaftlerInnen der Portland State Universität im US-Bundesstaat Oregon hat nun neun gentechnisch veränderte Bt-Maissorten und fünf konventionelle Sorten auf ihre Vergesellschaftung mit den Mykorrhizen untersucht. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Bt-Mais nur in reduziertem Maße mit den Pilzen vergesellschaftet ist. Allerdings konnten die ForscherInnen diese Reduzierung nicht mit den von den Bt-Pflanzen produzierten Bt-Giften in Verbindung bringen. Von diesen ist bekannt, dass sie auch in den Boden abgegeben werden. Die WissenschaftlerInnen betonen, dass dies die ersten Untersuchungsergebnisse dieser Art sind, bei denen die verglichenen Sorten auch unter ähnlichen Bedingungen gewachsen sind. Sie verstehen ihre Untersuchung als einen Beitrag zu dem wachsenden Pool an Informationen über unerwünschte Nebeneffekte der Kultivierung von (gentechnisch veränderten) Bt-Pflanzen. (Tanya Cheek et al.: „Evidence of reduced arbuscular mycorrhizal fungal colonization in multiple lines of Bt maize“, American Journal of Botany, April 2012, Band 99, Nummer 4; www.biologie.uni-hamburg.de) (pau)

USA: Blueprint einer nationalen Bioökonomie

US-Präsident Barrack Obama hat im April einen Plan zur US-Bioökonomie vorgelegt. Dieser soll einen strategischen Ausblick geben und zugleich die ersten Erfolge beschreiben. Grundsätzlich steht die Strategie zur (Weiter-)Entwicklung der Bioökonomie in den USA auf fünf Säulen: der Unterstützung von Investitionen für Forschung und Entwicklung; der Erleichterung der Überführung von Erkenntnissen aus dem Labor in marktfähige Produkte; der Reduzierung von regulatorischen Hindernissen; der Unterstützung der akademischen Ausbildung; der Identifizierung von Möglichkeiten für Öffentlich-Private Partnerschaften. Der New-York-Times-Autor Andrew Pollack kann in dem jetzt vorgelegten Papier kaum etwas Neues entdecken. Vielmehr sei es eine Zusammenstellung von Programmen, die in der Vergangenheit bereits auf den Weg gebracht worden sind. Die Umweltorganisation Friends of the Earth kritisiert, der Plan sei nicht so grün, wie die Obama-Administration ihn erscheinen ließe. Die „so genannte Bioökonomie“ basiere „in erster Linie auf der riskanten, wenig regulierten synthetischen Biologie und der Nutzung von nicht nachhaltig produzierter Biomasse, mit der synthetische Organismen gefüttert werden sollen“. (National Bioeconomy Blueprint, www. whitehouse.gov; „Bioeconomy Blueprint or biotechnology boost?“, April 2012, www.foe.org; New York Times, 26.04.12, www.nytimes.com) (pau)

Großbritannien: Proteste gegen gv-Weizen

Hunderte von Gentech-GegnerInnen haben im Mai im britischen Rothamsted gegen einen Freisetzungsversuch mit gentechnisch verändertem (gv) Weizen protestiert. Zu der im Vorfeld angekündigten Aktion, bei der die Weizenpflanzen zerstört werden sollten, ist es dagegen nicht gekommen. Die Behörden hatten es VeranstalterInnen und TeilnehmerInnen verboten, sich dem Versuchsgelände zu nähern. In den Wochen zuvor hatte es in Großbritannien eine scharfe Kontroverse über den staatlich geförderten Freisetzungsversuch gegeben. Neben Argumenten, die eher technischer Natur sind, wie zum Beispiel das Auskreuzungs- und damit verbundene Kontaminationsrisiko für konventionellen und ökologischen Weizen, wurden von Seiten der KritikerInnen auch grundsätzliche Vorbehalte vorgebracht, mit der sie die Ausrichtung der Forschung in Frage stellten. Eine Teilnehmerin aus Frankreich, ihrerseits Mitglied der dortigen Freiwilligen Feldbefreier (Faucheurs Volontaires d'OGM) forderte, Forschung müsse sich eher in Richtung einer Partnerschaft mit der Zivilgesellschaft entwickeln; es gehe nicht nur um Wissenschaft. Die an dem Versuch beteiligten WissenschaftlerInnen hatten sich mit auf der Internet-Plattform YouTube veröffentlichten Video-Statements direkt an die Protestierenden gewandt, um diese von ihrem Vorhaben abzuhalten, die Pflanzen des Versuchs auszureißen. Stattdessen boten sie Diskussionen über den Versuch an. Laut Darstellung in der britischen Tageszeitung The Guardian führte dies dazu, dass die Medien den geplanten Protest eher als Vandalismus dargestellt hätten. Dem gentechnisch veränderten Weizen war ein Gen der Minze eingebaut worden, welches zur Produktion eines Pflanzenpheromons führt, mit dem Blattläuse verprellt, aber nicht getötet werden sollen. (The Guardian, 27.05.12, www.guardian.co.uk; siehe auch GID 208, Oktober 2011, Seite 28, www.kurzlink.de/gid212_c) (pau)

Gentechnik keine Antwort auf Dürreproblem

Eine aktuelle Studie der Union of Concerned Scientists, einer unabhängigen Vereinigung US-amerikanischer WissenschaftlerInnen, enthüllt: Gentechnik ist keine passende Antwort auf Dürre und Trockenheit. Angesichts der Grenzen der Agrogentechnik, der hohen Entwicklungskosten und der langen Entwicklungszeitdauer sind andere Züchtungsmethoden sowie die Umstellung auf andere landwirtschaftliche Praktiken effektiver und kostengünstiger. Die Studie nimmt insbesondere DroughtGard in den Blick, die bisher einzige zugelassene gv-Sorte, die eine Trockentoleranz aufweisen soll. Die bisherigen Ergebnisse sind enttäuschend: Der von Monsanto entwickelte Mais liefert lediglich mittelmäßige Erträge, und auch das nur unter moderaten Dürrebedingungen. Das größte Problem für US-amerikanische Landwirte sind jedoch schwere bis extreme Dürren. Die Wassernutzungseffizienz, das heißt die Fähigkeit, mit weniger Wasser denselben Ertrag zu liefern, ist nicht besser als bei herkömmlichen Sorten. Als Konsequenz empfehlen die AutorInnen, mehr öffentliche Forschungsgelder für die konventionelle Züchtung von trockentoleranten Sorten bereitzustellen. Auch Technologien der Wasserspeicherung sowie Landwirtschaftsmethoden, die Dürreperioden standhalten, müssten verstärkt erforscht werden. Die Studie ist bereits die dritte in einer Serie, die die Grenzen der Agrogentechnik aufzeigt und dafür plädiert, mehr Forschungsgelder für alternative landwirtschaftliche Technologien einzusetzen. (UCSUSA: „High and Dry. Why Genetic Engineering Is Not Solving Agriculture’s Drought Problem in a Thirsty World“, Juni 2012, Download unter www.ucsusa.org/highanddry) (ab)

ACTA wird immer unwahrscheinlicher

Vier der fünf Ausschüsse des Europäischen Parlaments, die in die Entscheidungs-findung um das umstrittene Anti-Produktpiraterie-Abkommen ACTA einbezogen sind, sprechen sich gegen das Abkommen aus. In den Ende Mai/Anfang Juni verabschiedeten Stellungnahmen des Bürgerechts-, Industrie-, Rechts- sowie Entwicklungsausschusses wird empfohlen, ACTA nicht zu unterzeichnen. Am 20. Juni wird der federführende Internationale Handelsausschuss seine Stellungnahme verabschieden; die endgültige Entscheidung liegt dann beim Europäischen Parlament, das diese voraussichtlich Anfang Juli treffen wird. Einerseits stehen die Chancen gut, dass die Parlamentarier dem „Nein“ der Ausschüsse folgen werden. Andererseits sind die Stellungnahmen nicht bindend, und hinter den Kulissen mahlt auch weiterhin die Lobby-Maschinerie. ACTA-Gegner rufen daher zu einem internationalen Aktionstag am 9. Juni auf. Neben den Bedenken, dass das Abkommen wichtige Grundrechte verletzt - eine Frage, die derzeit vom Europäischen Gerichtshof überprüft wird - standen in den letzten Wochen insbesondere die Auswirkungen auf Entwicklungsländer im Fokus. Ein von Dagmar Wöhrl (CSU) in Auftrag gegebenes Gutachten hat bestätigt, dass durch die stärkere Durchsetzung von Lizenz- und Patentrechten an Saatgut mit fatalen Auswirkungen auf Bauern in Entwicklungsländern zu rechnen sei. (PM Europäisches Parlament, 05.06.12; „Entwicklungsländer dürfen nicht zu den Verlierern des ACTA-Abkommens werden", www.dagmar-woehrl.de, 24.04.12) (ab)

EU-Ökolandbau und GVO

In einem aktuellen Bericht stellt die europäische Kommission zentrale Fragen des ökologischen Landbaus in der EU dar, die sich aus der Novellierung der EU-Öko-Verordnung (834/2007) ergeben haben. Darunter fällt auch das Verbot des Einsatzes von gentechnisch veränderten Organismen (GVO). Den Ergebnissen des Berichtes zufolge funktionieren die Regulierungen im Allgemeinen gut, „die Mitgliedsstaaten [können] die Überwachung des Kontrollsystems für das Verbot der Verwendung von GVO ohne größere Probleme durchführen“. Bei Futtermitteln wurden jedoch „in einigen Fällen sehr geringe Mengen an zugelassenen GVO festgestellt, die unter 0,1 [Prozent] lagen“. Weiter berichtet die Kommission, dass einige Stoffe, „wie Vitamin B2 (Riboflavin) und Vitamin B12 (Cobalamin) sowie die Enzyme Chymosin (für die Käseherstellung) und Phytase (für Futtermittel) [...] regelmäßig als nicht anders als durch GVO hergestellt erhältlich angegeben“ werden. (Bericht der EU-Kommission über die Anwendung der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen, COM 2012/212 final, 11.05.12, www.ec.europa.eu/agriculture) (pau)

212
Juni 2012
S. 24 - 26