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Patentkritik

GID_Titel215
215 - Dezember 2012
Patentkritik

Die Gründung der Initiative „Kein Patent auf Leben!" war - im deutschsprachigen Raum, vielleicht auch in ganz Europa - der Beginn der systematischen Beobachtung und Kritik der Patentierungspraxis in den Bereichen Bio- und Gentechnologie, Medizin und Landwirtschaft. Nicht zuletzt aus diesem Grund steht „Kein Patent auf Leben!" im Zentrum dieses GID-Titelthemas. Daneben gab es aber auch andere Versuche der Auseinandersetzung mit der Patentierung von Genen, Geweben, Pflanzen, Tieren und so weiter. Auch diese sollen hier ihren Platz finden.

 
Potthof, Christof

Wieder einmal zogen über 1.000 KritikerInnen bei einer Demonstration vor das Europäische Patentamt in München. Sie waren gekommen, um dem Patentamt und den Gentechnik-Konzernen den Marsch zu blasen.

Freundinnen und Freunde

Seit 20 Jahren ist „Kein Patent auf Leben!" nun aktiv. Aber eine Initiative ist nichts ohne die Menschen, die aktiv sind und eine Idee, eine Kampagne, eine Aktion mit Leben füllen. Bei Kein Patent auf Leben! waren in der Vergangenheit viele Menschen aktiv - doch zwei sind die Gesichter. Ein paar freundliche Worte.

Potthof, Christof

Natürlich ist immer auch irgendwas schon vorher passiert. Nichts und vor allen Dingen keine politische Initiative fällt einfach so vom Himmel: Vor der Gründung von „Kein Patent auf Leben!" gab es zum Beispiel in München die Bürgerinitiative „Anti-Gen“. Greenpeace und andere hatten bereits gegen Patente auf Pflanzen protestiert. Das Gen-ethische Netzwerk war im September 1986 gegründet worden. Trotzdem bedeutete die Gründung von „Kein Patent auf Leben!" einen besonderen Schritt hin zu einer systematischen Beobachtung und Kritik der Patentierungspraxis in den Bereichen Gen- und Biotechnologien, Landwirtschaft und Medizin.

Bundschuh, Anne

Vor 20 Jahren gründete der Molekularbiologe Richard Jefferson eine Nichtregierungsorganisation, um die Dominanz der Gentech-Multis in Gen- und Biotechnologien zu brechen und für die freie Verfügbarkeit von Material und Methoden in diesem Bereich zu kämpfen. Wie erfolgreich ist deren Arbeit bisher gewesen, und was verspricht die Zukunft?

Then, Christoph & Wagenmann, Uta

Während sich manche PatientInnenorganisationen seit Jahren gegen Patente engagieren, beanspruchen andere selbst Eigentumsrechte an Genen. In der Auseinandersetzung um die EU-Biopatent-Richtlinie Mitte der 1990er Jahre haben sich diverse PatientInnengruppen gar von der Industrie instrumentalisieren lassen. Im Streit um Patentierung sind Verbände von PatientInnen und anderen Betroffenen genetischer Risiken ganz unterschiedlich eingebunden.

Interview mit Andrea Hahne

Über die Patentansprüche des US-Unternehmens Myriad Genetics auf die beiden so genannten Brustkrebs-Gene BRCA 1 und 2 wird seit Mitte der 1990er Jahre gerichtlich gestritten. In Europa war der Protest der frühen 2000er Jahre, der von einer beispiellos breiten Koalition aus WissenschaftlerInnen, Fachgesellschaften, Patientinnen-Organisationen, Greenpeace, Ärztekammern und dem Europäischen Parlament getragen wurde, zum Teil erfolgreich. Beendet ist die Auseinandersetzung hierzulande aber noch lange nicht. Der GID sprach mit Andrea Hahne vom BRCA-Netzwerk.

Landwirtschaft & Lebensmittel

Helfrich, Silke

Der Schutz so genannten geistigen Eigentums prägt viele Debatten. Bei der Software-Entwicklung kommen erfolgreich alternative Schutzinstrumente zum Einsatz, die sich möglicherweise auch auf Pflanzenzüchtungen anwenden lassen.

Mensch & Medizin

Feuerlein, Monika

Eine neue EU-Verordnung soll die Durchführung von Arzneimitteltests in den Mitgliedstaaten vereinfachen. Sollte sie in Kraft treten, würden auch zentrale ethische Prinzipien für die Forschung am Menschen über Bord geworfen.

Politik & Wirtschaft

Wagenmann, Uta

Ziemlich genau ein Jahr nachdem das Gesetz zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik in Kraft getreten ist, hat die Bundesregierung die noch ausstehende Rechtsverordnung gebilligt, die die Anwendungspraxis des umstrittenen Verfahrens regeln wird. Wie schon die erste Fassung aus dem Bundesgesundheitsministerium steht auch der jetzt abgenickte Entwurf in eklatantem Widerspruch zu dem vom Bundestag gefundenen Gesetzeskompromiss: Sollte der Bundesrat ihm Anfang Februar zustimmen, wird die PID nicht lange auf seltene Ausnahmefälle beschränkt bleiben.

Dokumentation

Nachdem WissenschaftlerInnen in den USA und den Niederlanden 2011 in ihren Laboren äußerst gefährliche Grippeviren hergestellt hatten, wurde die Frage, inwieweit Forschung und die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse reguliert werden können oder müssen, weltweit diskutiert. Auch der Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung widmete sich dem Thema: Am 7. November wurde ein Fachgespräch zum „Umgang mit sicherheitsrelevanten Forschungsergebnissen“ durchgeführt. GeN-Mitarbeiter Christof Potthof war als Sachverständiger geladen. Wir dokumentieren hier Auszüge aus seiner schriftlichen Stellungnahme.

Editorial


Passend zur kalten Jahreszeit bietet sich der Besuch der neu aufgebauten Internet-Plattform A!Gen?Da! an. Gemeinsam mit Bloggerinnen aus dem Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik, von der Bremer Beratungsstelle Cara und aus der Selbsthilfe haben wir ein Internet-Forum eingerichtet, mit dem wir nicht zuletzt die laufende Diskussion über den neuen Frühtest auf Trisomie 21...

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Impressum

GID 215, Dezember 2012, 28. Jahrgang, ISSN 0935-2481, Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Jule Manthei, Birgit Peuker, Christof Potthof, Susanne Schultz, Tobias Schumann, Alexander v. Schwerin, Uta Wagenmann