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Rezension: Das Gotteshandwerk

Joachim Schummer knöpft sich die Debatte um die Synthetische Biologie vor. Welche Begriffe und Bilder (zum Beispiel „Leben herstellen“ oder „Gott spielen“) sind beliebt? Werden diese zu Recht benutzt und welche Vergleiche werden in der Debatte gezogen? Fragen dieser Art geht der Philosoph, der unter anderem in Bielefeld und Darmstadt tätig war, nach. Dabei bleibt er im Regelfall - was bekanntlich bei AkademikerInnen nicht immer der Fall ist - stets klar und gut verständlich. Schummer beleuchtet auch Winkel der Diskussionen, die bisher eher im Dunkeln lagen - so zum Beispiel geht er dem Wahrheitsgehalt der von den Synthetischen BiologInnen oft genutzten These nach, dass die Fähigkeit, etwas machen beziehungsweise herstellen zu können, ein Zeichen dafür sei, dieses etwas auch verstanden zu haben: „Was ich nicht bauen kann, kann ich auch nicht verstehen.“ Einer meiner Lieblingssätze in seinem Buch zeigt den unpratentiösen Stil, mit dem Schummer vorgeht: „Zwar liest sich heute fast jeder Überblicksartikel zur Synthetischen Biologie wie ein Werbetext, der die Lebensherstellung anpreist, weil sie angeblich in absehbarer Zeit revolutionäre technische Veränderungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen verspricht. Doch zur Bewertungdes zu erwartenden technischen Nutzens müssen andere Kriterien angelegt werden.“ Sehr zu empfehlen!

Christof Potthof

Joachim Schummer: Das Gotteshandwerk. Die künstliche Herstellung von Leben im Labor. Suhrkamp Verlag, Edition Unseld, Berlin (2011). Taschenbuch, 239 Seiten, 12 Euro. ISBN: 978-3-518-26039-5.

215
Dezember 2012
S. 48