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Genetik und soziale Ungleichheit

GID_Titel220
220 - Oktober 2013
Genetik und soziale Ungleichheit

Soziale Ungleichheit gibt es nicht erst seit der Entstehung des Kapitalismus. Aber ist sie deshalb etwas, das menschliche Gesellschaften zwangsläufig - geradezu naturhaft - auszeichnet?


 
Habermann, Friederike

Biologische Merkmale und gesundheitsrelevante Verhaltensweisen spielen eine wesentliche Rolle beim gesellschaftlichen Ein- und Ausschluss von Menschen. Heute signalisiert der fitte, natürlich ernährte, schlanke und möglichst junge Körper Zugehörigkeit und Erfolg, Armut und Marginalisierung dagegen werden mit Übergewicht, Alkohol- oder Nikotinkonsum assoziiert. Die Existenz verarmter Unterschichten erscheint dabei zunehmend als Resultat biologischer Anlagen, die Menschen daran hindern, den neoliberalen Anforderungen an Anpassungsfähigkeit, Mobilität und Flexibilität gerecht zu werden.

Schmidt, Börge

Die alte und kontroverse Diskussion um Beziehungen zwischen Genetik und sozialer Schichtzugehörigkeit erlebt in jüngster Vergangenheit eine erneute Renaissance. Schon seit Jahrzehnten ist in der Forschung zu sozialer Ungleichheit der starke Zusammenhang zwischen Gesundheit und sozioökonomischem Status bekannt; mit dem Bedeutungszuwachs genetischer Faktoren in der Krankheitsursachenforschung stellt sich deshalb die Frage nach Wechselwirkungen zwischen Genetik, Gesundheit und Schichtzugehörigkeit.

Niewöhner, Jörg

Die sogenannte Umweltepigenetik bringt sozialwissenschaftlich und gesellschaftlich brisante Fragen auf. Das in Laboren produzierte Wissen hat zwar das Potenzial, Ungleichheit und soziale Verhältnisse zu naturalisieren, bietet zugleich aber die Chance, die Verflechtung sozialer und biologischer Aspekte von Lebenswegen in den Blick zu nehmen, ohne einer umfassenden Biologisierung gesellschaftlicher Bedingungen anheimzufallen. Eine Analyse neuerer Erkenntnisse der umweltepigenetischen Forschung aus sozialanthropologischer Perspektive.

Stegemann, Dirk

Die Verfolgung von sogenannten Asozialen im Nationalsozialismus ist zwar seit langem bekannt, Forschung und Aufarbeitung dazu haben aber erst in jüngster Vergangenheit begonnen. Ungleichwertigkeitsdenken und Ausgrenzung, die der Konstruktion „asozial“ zugrunde lagen, haben eine komplexe Geschichte, und die ist nicht vorbei. Heute noch wird das Stigma benutzt, um soziale Missstände den Betroffenen anzulasten und Anpassungs- und Unterordnungsdruck zu erhöhen.

Interview mit Dirk Stegemann und Lothar Eberhardt vom AK Marginalisierte

Der „Arbeitskreis Marginalisierte Gestern und Heute” in Berlin widmet sich der Geschichte von sozialer Ausgrenzung. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus. Der Zusammenschluss von PhilosophInnen, SozialwissenschaftlerInnen, Erwerbslosen­aktivistInnen, PsychiatriekritikerInnen und anderen Engagierten will damit nicht nur die bislang weitgehend ausgebliebene Aufarbeitung der Verfolgung so genannter „Asozialer“ in Gang bringen, sondern auch Kontinuitäten und Brüche in Verwendung und Funktionsweise des Stigmas deutlich machen.

Landwirtschaft & Lebensmittel

GRAIN

Soja ist eine der wichtigsten Nutzpflanzen der Welt. In den Ländern Südamerikas hat der Anbau dieser Pflanze in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Die globale Agrarindustrie unterstützt diese Entwicklung mit intensiver Lobbyarbeit.

Mensch & Medizin

Wagenmann, Uta

Glaubt man Verlautbarungen aus Humangenetik und Labormedizin, wird die Sequenzierung des gesamten Genoms bald ein Routineverfahren in der klinischen Praxis. Verschiedene Fachgesellschaften nehmen diese Aussichten zum Anlass, das Recht auf Nichtwissen zu torpedieren. Ein Blick auf aktuelle Konstruktionen genetischer Verantwortung.

Politik & Wirtschaft

Linder, Wolfgang

Auf der Demonstration „Freiheit statt Angst“ Anfang September in Berlin forderten Teilnehmer­Innen erneut den Stopp der „elektronischen Gesundheitskarte“. Eine wichtige Forderung auch deshalb, weil im Zentrum der im Aufbau befindlichen elektronischen und technischen Infrastruktur für das Projekt die zentrale Sammlung von Patientendaten steht. Nicht nur aus der Kostenlogik des Milliarden-Projektes heraus wer­den sich ganz andere als die derzeit geplanten Nutzungen ergeben. Ein Ausblick mit Überblick.

Bergstedt, Jörg

In Gießen fanden von 2006 bis 2010 Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderter Gerste statt. Das Studium unzähliger Akten führt zu einem Bild, in dem für den ursprünglich kommunizierten Zweck der Biosicherheitsforschung nicht mehr viel Platz bleibt.

Editorial

Die für eine zukünftige Regierung in Frage kommenden Parteien im Bundestag haben uns mit ihrem taktischen Geplänkel eine vermeintliche Atempause verschafft. Diese lässt sich natürlich unterhaltsam mit Kaffeesatz-Leserei füllen (wer‘s mag ...). Für die Gentechnik-Debatte rund um Landwirtschaft und Lebensmittel dürfte es interessant werden, ob wir mehr erfahren über die Befindlichkeiten...

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Impressum

GID 220, Oktober 2013, 29. Jahrgang, ISSN 0935-2481, Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Monika Feuerlein, Christof Potthof, Uta Wagenmann, Carolin Worstbrock