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Meldungen der Woche

4. Dezember 2008 Christoph Schulz
Die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard bewies kürzlich in einem Interview mit Focus Online, dass Gentech-Forscher noch immer gern mal den Holzhammer rausholen, wenn es um die Verteidigung ihres Fachgebiets geht. Umweltgruppen wie Greenpeace verhielten sich "zutiefst unmenschlich! Die setzen auch Menschenleben ohne Weiteres aufs Spiel", bemerkt sie zum Beispiel in Bezug auf Kritik am sogenannten Goldenen Reis. Oder: Im Bio-Landbau "wird ständig und flächendeckend gespritzt", während die Gentechnik intelligentere Lösungen anzubieten habe. Das ganze Interview ist sehr lohnend - je nachdem zum Lachen oder zum Heulen...
24. November 2008 Uta Wagenmann
Präkoitaldiagnostik? "Liebe ist kein Zufall" – unter diesem Motto bietet die Schweizer Firma GenePartner eine Testung der sogenannten MHC-Gene an; Menschen mit ähnlichen Mustern auf diesen DNA-Abschnitten, so die Statistik, können sich oft buchstäblich nicht riechen. Damit nun niemand meint, der 155 Euro teure Test sei durch die eigene Nase ersetzbar, werden Aussagen über die „genetische Kompatibilität zwischen zwei Individuen“ versprochen. Schließlich sollte man, so Tamara Brown, geschäftsführende Molekulargenetikerin des Unternehmens, „von Anfang an wissen, ob man biologisch überhaupt zusammenpasst und sich die Mühe lohnt.“
18. November 2008 Susanne Schultz
Stammzellforschung im Eimer? Das Projekt der Stammzellforschung, defektes Gewebe ersetzen zu wollen, sei naiv, so die Biophysikerin Christine Mummery von der niederländischen Universität Leiden jüngst auf einer Tagung internationaler Stammzellforscher. „Eimerweise Herzmuskelzellen“ könne ihr Team aus embryonalen Stammzellen herstellen. Für eine Transplantation in ein infarktgeschädigtes Herz seien diese Zellen aber vollkommen wertlos. Ob diese ungewöhnlich klaren Worte den Hype brechen werden?
10. November 2008 Christof Potthof
Soziable Genprofile Individuelle Genomanalysen sollen nicht länger stylishes Acessoire der High Society bleiben. Noch während der New Yorker Modewochen im September lud die Firma 23andMe zu einer „Spuckparty“. Zugleich senkte das Unternehmen aber unter dem Label einer „Demokratisierung" den Preis für die Tests: Eine DNA-Analyse kostet nun nur noch 400 Dollar. Außerdem wirbt die Firma mit einer Einrichtung zum „social networking“: Im Forum ihrer Webseite können Gruppen entlang genetischer Besonderheiten gebildet werden, etwa die „Slow Coffeine Metabolizers” („langsame Koffein-Verstoffwechsler”). Wenn das nicht sozial ist...
4. November 2008 Alexander Schwerin
Forschung 2.0 ? Die Biomedizin-Industrie hat aus der Geschichte gelernt. Das macht die Kampagne "Jeder kann Proband sein" deutlich. Die nahezu überall hängenden Plakate zeigen freundliche Menschen, die ihre „soziale Verantwortung“ wahrnehmen, indem sie sich der klinischen Forschung zur Verfügung stellen. Die Idee einer Volksgemeinschaft und damit verbundener Pflichten kann eben enorme Teilnehmerzahlen bringen. Und eine zeitgemäß an der individuellen Entscheidung orientierte Darstellung vermeidet allzu eindeutige Bezüge...
28. Oktober 2008 The
Virenalarm? Greenpeace-Aktivisten haben bei einem Treffen der EU-Umweltminister "AntiCorp-Pillen" verteilt, um so die "Viren der Pro-GMO-Lobby" zu bekämpfen.
"Es ist höchste Zeit, dass die EU-Umweltminister sich für eine Verbesserung der aktuellen Zulassungsprozedur in der EU aussprechen, um damit der Gentechnik den Weg in unsere Felder und Teller zu verwehren", so Marco Contiero von Greenpeace. Na dann: Gute Besserung!
21. Oktober 2008 Susanne Schultz
Unklare Personen Laut dem Mantra der modernen Rechtsmedizin identifizieren DNA-Spuren Personen und sind daher eindeutige Beweismittel. Nun aber fanden ForensikerInnen in einer Leiche sowohl männlich als auch weibliche DNA-Merkmale. Grund: der Tote hatte vor Jahren eine Knochenmarkspende von einer Frau erhalten, und deren DNA findet sich noch immer in seinen Blutzellen. Ein Grund also, Genspuren kritischer zu hinterfragen, so die Müncher Rechtsmedizinerin Katja Anslinger. Ihr Wort in BKAs Ohren...
15. Oktober 2008 Antje Lorch
Die gute Nachricht: Auch bei US-VerbraucherInnen entwickelt sich ein kritischeres Verhältnis zur Gentechnik. 87 Prozent wollen eine Kennzeichnung von Gentech-Nahrungsmitteln, 53 Prozent wollen es nicht essen.
Die schlechte Nachricht: Keiner der US-Präsidentschaftskandidaten sieht so aus als würde er sich für derartige Forderungen stark machen.
7. Oktober 2008 Christoph Schulz
Der einstige Star der Biowissenschaften Hwang Woo Suk aus Südkorea hat sich in Australien die Herstellung von Stammzellen aus geklonten menschlichen Embryonen patentieren lassen. Es gebe keine gesetzliche Grundlage, die Genehmigung eines Patents zu verweigern, so ein Sprecher des australischen Patentamtes, auch wenn die wissenschaftlichen Daten in dem Patentantrag falsch dargestellt oder betrügerisch erworben wurden. 2005 hatte Hwang behauptet, einen menschlichen Embryo geklont und daraus maßgeschneiderte Stammzellen für Patienten hergestellt zu haben. Diese wie auch andere seiner Veröffentlichungen erwiesen sich später als gefälscht.
30. September 2008 Uta Wagenmann
Für die Komplett-Sequenzierung der DNA wird in Kürze auch im All geworben. Die digitale Sammlung von DNA-Sequenzen herausragender Künstler, Wissenschaftler und Sportler, die Softwareentwickler Richard Garriot unter dem Motto "Operation Unsterblichkeit" ins All schicken will, wird von Astrophysiker Stephen Hawking unterstützt. Hawking will mit seinen Basenpaaren für den "Archon X Prize For Genomics" werben. Der mit 10 Millionen Dollar dotierte Preis ruft zur Entwicklung einer Methode auf, mit der 100 menschliche Genome innerhalb von nur 10 Tagen sequenziert werden können. Hoffentlich wissen die Adressaten im Weltraum, was DNA ist...
23. September 2008 The
Die BASF droht mit schönen Aussichten. Das Unternehmen scheint mit seiner Geduld am Ende: Der Chemiekonzern hat angedroht, die Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen für den europäischen Markt zu stoppen, falls die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora keine Zulassung erhalten sollte. Im Juli diesen Jahres hatte die BASF vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg eine Untätigkeitsklage gegen die EU-Kommission eingereicht, weil das Zulassungsverfahren für die Kartoffel mit dem erhöhtem Stärkegehalt seit zehn Jahren läuft. Nun kann man nur hoffen, dass die BASF ihre Drohung auch wahr werden läßt...
17. September 2008 Alexander Schwerin
Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) schlüpfte letzte Woche in die Rolle des Advocatus Diaboli. Das am 9.9. vorgestellte Gutachten "Reproduktionsmedizin im internationalen Vergleich" zielt auf eine Liberalisierung des Embryonenschutzgesetzes (ESchG). (http://www.fes.de/biotech/) Dass es sich um eine bestellte Einflüsterung handelt, um das Thema "Fortpflanzungsmedizingesetz" auf die Tagesordnung zu setzen - dafür dürfte der ehemalige Staatsekretär im Forschungsministerium (BMBF) Wolf-Michael Catenhusen stehen, der sich in der FES um das Wohl der Biotechnologie "als eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts" kümmert.