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Mensch & Medizin

Mensch & Medizin

(Berlin, 29. Januar 2010) Am 1. Februar tritt das Gendiagnostik-Gesetz (GenDG) in Kraft. Es regelt erstmals in Deutschland den Umgang mit Gentests. Welche dieser Tests aber genau unter die Schutzbestimmungen des Gesetzes fallen werden, ist noch unklar.
Gerade selbstverständliche Dinge stellen sich bei näherer Betrachtung oft als schwer fassbar heraus. Anders formuliert: Je näher man diesen Dingen kommt, desto unschärfer werden ihre Konturen; sie zerstreuen sich. So stellt sich auch immer wieder die Frage: Was eigentlich ist ein Gen? Eine Untersuchungsskizze aus Anlass seines 100. Geburtstages.
In Deutschland, so wollen uns jedenfalls Politik und Medien weismachen, grassiert die Schweine-Grippe-Panik. Bisher beruht sie vor allem auf Zahlendrehereien - und darauf, dass der Virus als etwas Fremdes, Abartiges inszeniert wird.
In der deutschen Gesundheitsforschung ist „Migrationshintergrund“ die neue Variable zur differenzierenden Erhebung von Gesundheitsdaten. Ist diese Forschung sinnvoll oder birgt sie die Gefahr biologischer Zuschreibungen? Eine Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gibt darüber Aufschluss.
Wie greifen Vorstellungen von Krankheit und Rassimus ineinander? Was geschieht, wenn die Medizin eine Krankheit eng in den Zusammenhang mit „ethnischen Markern“ stellt? Welche Analyse ist aus der Perspektive derjenigen, die so angesprochen und im doppelten Sinne behandelt werden, zentral? Wir dokumentieren Auszüge aus einer sehr viel umfangreicheren Analyse.
Seit einigen Jahren laufen die Screeningmaschinen heiß: Sie durchforsten die Genome großer Gruppen von StudienteilnehmerInnen nach so genannten genetischen Markern, die statistisch mit einer bestimmten Krankheit in Verbindung gebracht werden können. Eifrig wird auch untersucht, ob sich diese Zusammenhänge je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedlich darstellen. Wie aber werden da welche „Populationen“ voneinander unterschieden? Die Sozialwissenschaft diskutiert, ob die Hypothese menschlicher Biodiversität als rassistisch zu werten ist, oder ob es Modelle gibt, um „Rasse“ als Kriterium zu vermeiden.
Im neu erschienenen Sammelband „Gemachte Differenz“ zeigt die Berliner „AG gegen Rassismus in den Lebenswissenschaften“: Ein biologisch begründeter Rassismus spielt im Wissenschaftsbetrieb weiter eine Rolle. Eine GID-Redakteurin sprach mit der AG über ihren Aktivismus, über Rassismus und Genetik, und darüber, wie man in Deutschland Rassismus kritisieren kann, wenn der Begriff „Rasse“ diskreditiert ist.