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Von Risikotechnologie zu Risikotechnologie

(13. März 2011) Was hat die aktuelle Diskussion über den Einsatz der Kernenergie mit uns, dem Gen-ethischen Netzwerk, zu tun?
Die Diskussion über die Risikotechnologie Atomkraft wird durch die Katastrophe in Japan neu befeuert, aber die Zweifel sind bekanntlich nicht neu. Die Redaktion des GID bereitet seit einiger Zeit einen Schwerpunkt vor, der das Verhältnis zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und - wenn man sie als gesonderten Bereich der Gesellschaft verstehen will - der Politik auslotet.
Bei den Risikotechnologien spielt die wissenschaftliche Politikberatung eine besondere Rolle - insbesondere die naturwissenschaftlich geprägte. Inzwischen muss es ja einige Erfahrung mit dem Umgang von Risikotechnologien geben. Wir fragen uns, ob es da überhaupt einen Lerneffekt gibt - sozusagen von Risikotechnologie zu Risikotechnologie.
Ein interessantes Beispiel ist die Asse. In der Asse - einem ehemaligen Salzbergwerk in der Nähe von Wolfenbüttel - wird Atommüll endgelagert. Jahrzehntelang wurde die Asse vom Helmholtz Zentrum München (HZM) betrieben. Seit Anfang 2009 ist das Bundesamt für Strahlenschutz der Betreiber. Zu dem Betreiber-Wechsel ist es nicht mir-nichts-dir-nichts gekommen. Nach und nach wurde bekannt, dass das HZM, das auch GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit genannt wird, dieser Rolle als Betreiber nicht gerecht geworden ist. Zum Beispiel:
„14.779 von den insgesamt rund 126.000 in die Asse verbrachten Gebinden wurden zur Strahlungsabschirmung mit Beton ummantelt und nach den seinerzeitigen Vorschriften als schwachradioaktiver Abfall eingelagert. Tatsächlich enthalten diese Gebinde nach heutiger Bewertung durchweg mittelradioaktive Stoffe.“ (aus einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF im September 2010)
Wir fragen uns, wie das Helmholtz Zentrum München mit den Erfahrungen umgeht. Dabei interessiert uns weniger die Frage, wie das HMZ mit der aktuellen Situation - die Asse wird wieder leergeräumt - umgehen würde. Vielmehr interessiert uns, wie das Zentrum mit dem eigenen Versagen umgeht. Damit wandten wir uns an das HZM.
Aus unserer Anfrage:
„in welcher Form [hat] es innerhalb des Helmholtz-Zentrum München eine kritische Reflexion der eigenen Rolle gegeben (...) Ist mit Auswirkungen auf das Auftreten des Helmholtz-Zentrum München als Expertisen-erstellende Organisation zu rechnen? (...) Grundsätzlich geht es mir um das Verhältnis von Risikotechnologien und Experten.“
Trotz mehrfacher Erneuerung der Anfrage - telefonisch und schriftlich - gibt es bis heute - sechs Wochen sind seit dem ersten Versuch vergangen - keine Antwort.
... Wir halten Sie auf dem Laufenden.


16. März 2011: Nach dem verherenden Störfall in Japan bietet die Helmholtz-Gemeinschaft ihre Dienste an. (hier)