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Genomforschung

Genomforschung

Eine Million Proben und Datensätze hatte man beim Start des estnischen Biobankprojektes 2001 sammeln wollen, 10.000 sind es bis heute geblieben. Nachdem der Vertrag mit den privaten Geldgebern Ende 2004 aufgelöst worden war, hatte die estnische Regierung zunächst für ein Jahr die Finanzierung des laufenden Betriebes übernommen. Nun sieht es ganz so aus, als würde die Sammlung von Daten und DNA-Proben dauerhaft staatlich finanziert.
Kurz vor Redaktionsschluss kam dann doch noch ein Interview mit einem der Macher von popgen zustande. Stefan Schreiber, Leiter des Biobankprojektes und Sprecher des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN), hat mit JournalistInnen keine Probleme. Der GID sprach mit ihm über die erste bevölkerungsweite Biobank der Bundesrepublik, über Datenschutz, Kommerzialisierung und Versprechungen in der genetifizierten Medizin.
Die Dialektgruppe der Sorben in der Oberlausitz gilt als die einzige eigenständige Bevölkerungsgruppe Mitteleuropas, die groß genug ist, um statistische Zusammenhänge von Krankheit und Vererbung zu erkennen. Wissenschaftler der Universität Leipzig wollen jetzt - schon wieder - ihre Gene untersuchen.
Ein Projekt gewaltigen Ausmaßes ist am 1. Oktober 2005 am Institut für Psychologie der Universität Basel angelaufen. Die Langzeitstudie SESAM (Swiss Etiological Study of Adjustment and Mental Health) soll mittels der Erforschung von 3000 "individuellen Entwicklungsverläufen" von der zwölften Schwangerschaftswoche bis zum 20. Lebensjahr Aufschluss über die Ursache psychischer Störungen liefern.(1)
Der südmexikanische Bundesstaat Chiapas gilt als eines der artenreichsten Gebiete der Welt. Insbesondere der Vielzahl von Heilpflanzen in den chiapanekischen Regen- und Nebelwäldern gilt das Interesse von pharmazeutischen Unternehmen und Forschungsinstituten. Die mexikanische Regierung zeigt sich hier seit Jahren kooperativ; seit 2003 fördert sie zudem die Genomforschung an diversen mexikanischen Ethnien im Rahmen des Hap-Map-Projektes. Gegen die Liberalisierungspolitik organisiert sich seit mehr als zehn Jahren Widerstand in den indigenen Gemeinden. Der GID sprach im Dezember vergangenen Jahres mit Ana Valadez, Sprecherin der Dachorganisation indigener HeilerInnen und Hebammen Compitch, über Patente und Benefit Sharing, über politische Rahmenbedingungen in Mexiko und über die Folgen biotechnologischer Forschung für die auf der Nutzung von Heilpflanzen und traditionellen Heilmethoden basierende Gesundheitsversorgung in den chiapanekischen Gemeinden.
Maynard Olson ist Professor an der Universität von Washington und gilt als einer der führenden Köpfe des Projektes zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms (HUGO). Auf der letzten Jahrestagung von HUGO, im Frühjahr 2004 in Berlin, erinnerte er an den "langen Schatten der Eugenik, für den gerade Berlin steht", und warnte: "Die Frage ist, ob wir darauf achten, die Integrität der wissenschaftlichen Kultur zu wahren, oder ob wir in einen Guerrillakrieg mit der Öffentlichkeit eintreten, indem wir Versprechen machen, die wir letztlich nicht erfüllen können." Herr Olson gab dem GID das folgende kurze Interview.
Die seit Oktober 2005 an der Universität Basel in Vorbereitung befindliche Langzeitstudie SESAM ist Mitte März von der zuständigen Ethikkommission im Grundsatz gebilligt worden. Ein Scheitern des Projektes scheint dennoch nicht mehr ausgeschlossen: Die Auflagen der Ethikkommission haben es in sich, und wichtige Sponsoren wollen ihre finanziellen Zusagen überprüfen.
Die „synthetische Biologie“ versteht sich als Ingenieursdisziplin: Sie will das Leben in einzelne Bauteile und Schaltkreise zerlegen und von Grund auf selbst gestalten. In letzter Zeit konnten einige ihrer Vertreter erste Erfolge vorweisen.
Das Hauptanliegen der Anwendung von Genetik für Fragen der öffentlichen Gesundheit ist die Integration des durch die medizinische Genomforschung generierten Wissens in das Gesundheitswesen, um die individuelle und die öffentliche Gesundheit zu verbessern und Krankheiten zu vermeiden. Da Public Health nicht primär auf den einzelnen Patienten gerichtet ist, sondern auf die Bevölkerung insgesamt, werfen die zugrunde liegenden Ansätze und Verfahren eine Reihe systematisch-theoretischer und ethischer Probleme auf.