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Biosicherheit

Biosicherheit

Die Fallstudie befasst sich mit einem Bereich, der in der kritischen Debatte um die Auswirkungen gentechnisch veränderter Kulturen vielfach noch unterbelichtet bleibt: die Erzeugung und Vermehrung des transgenen Saatguts, das zumeist über die USA auf den Weltmarkt gelangt. Diese Vermehrung findet in Staaten statt, die bislang in keiner der einschlägigen Listen über Anbauländer transgener Kulturen auftauchen. Dennoch lassen dort seit vielen Jahren transnationale Konzerne des Agrobiotech-Sektors und die Forschung ihre neuen Saaten von Mais, Raps, Baumwolle oder Sojabohnen testen und vermehren. Wenig ist bekannt darüber, unter welchen Bedingungen dies geschieht. Zu den davon betroffenen Ländern zählen u.a. Hawaii, Chile, Uruguay, Mexiko, Puerto Rico, Südafrika und auch Costa Rica.
Im kommenden Mai werden die Vertragsstaaten der Konvention über die Biologische Vielfalt und des Biosicherheits-Protokolls der Vereinten Nationen in Bonn zu ihren turnusmäßigen Verhandlungen zusammenkommen. Es werden eine Reihe von wichtigen Themen auf der Agenda stehen, so zum Beispiel der Zugang zu genetischen Ressourcen und das gerechte Aufteilen des Vorteils (Access and Benefit Sharing - ABS) als Teil der Konvention sowie die Haftung und Wiedergutmachung unter dem Biosicherheits-Protokoll.
Vor gut einem Jahr wurde das Urteil der Welthandelsorganisation (WTO) im Gentechnikstreitfall der USA nebst Verbündeten gegen die Europäische Union veröffentlicht. Beide Seiten sahen sich durch das Urteil bestätigt. Nur Nichtregierungsorganisationen warnten vor den weitreichenden Konsequenzen der Entscheidung der WTO, da sie das Vorsorgeprinzip ignoriert und damit das Biosicherheits-Protokoll unterminiert.
Bevor transgene Nutzpflanzen in Monokulturen zum Einsatz kommen, muss erst einmal das entsprechende Saatgut in ausreichender Menge erzeugt werden. Bereits vor 1996, dem Jahr des ersten kommerziellen Anbaus im Pionierland der Gentechnik, den USA, begannen die Saatgutvermehrungen und der experimentelle Einsatz. Beides fand überwiegend in Staaten statt, wo derartige Arbeiten unbehelligt von gesellschaftlichen Debatten oder besonderen Kontrollen möglich sind.
Weil die Bundeslandwirtschaftsministerin öffentlich über ein Verbot eines gentechnisch veränderten Mais nachdenkt, bekam sie nun Post von einem Wissenschaftler, der diese Pflanze untersucht hat. Über die Krise der so genannten Biosicherheitsforschung - nicht nur in Deutschland.