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Mexiko

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In Mexiko, der Wiege der wichtigen Kulturpflanze Mais, wurde im Jahr 2001 die gentechnische Kontamination lokaler Maissorten nachgewiesen. Begleitet von Protesten und Einwänden stellte eine Wissenschaftlergruppe aus Kanada, den USA und Mexiko im März 2004 im Bundesstaat Oaxaca die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung einem Publikum aus Kleinbauern, indigenen Gemeinschaften, lokalen Wissenschaftlern und Umweltaktivisten vor. Übereinstimmung zwischen Wissenschaftlern und zivilgesellschaftlichen Gruppen herrschte vor allem in einem Punkt: Es fehlt an Informationen.
Ignacio Chapela, in Mexiko geborener Assistenzprofessor für Biologie an der Universität in Berkeley (USA), fand bei einer Untersuchung von mexikanischen Mais-Landsorten gentechnisch verändertes Material. Seine Ergebnisse wurden in dem Fachmagazin Nature publiziert. Später distanzierten sich die Herausgeber von dem Artikel - ein bis dato einmaliger Vorgang in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Magazins.
Der südmexikanische Bundesstaat Chiapas gilt als eines der artenreichsten Gebiete der Welt. Insbesondere der Vielzahl von Heilpflanzen in den chiapanekischen Regen- und Nebelwäldern gilt das Interesse von pharmazeutischen Unternehmen und Forschungsinstituten. Die mexikanische Regierung zeigt sich hier seit Jahren kooperativ; seit 2003 fördert sie zudem die Genomforschung an diversen mexikanischen Ethnien im Rahmen des Hap-Map-Projektes. Gegen die Liberalisierungspolitik organisiert sich seit mehr als zehn Jahren Widerstand in den indigenen Gemeinden. Der GID sprach im Dezember vergangenen Jahres mit Ana Valadez, Sprecherin der Dachorganisation indigener HeilerInnen und Hebammen Compitch, über Patente und Benefit Sharing, über politische Rahmenbedingungen in Mexiko und über die Folgen biotechnologischer Forschung für die auf der Nutzung von Heilpflanzen und traditionellen Heilmethoden basierende Gesundheitsversorgung in den chiapanekischen Gemeinden.
Mais ist neben Weizen und Reis die wichtigste Nutzpflanze der Welt. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, wenn sich auch die Gentechnik dieser Pflanze annimmt. In Europa ist Mais die einzige Pflanze, die gentechnisch verändert auch kommerziell angebaut wird.
Auf Initiative des GeN und der mexikanischen Organisation Grupo de Estudios Ambientales (GEA) bot das ASA-Programm (1) im vergangenen Jahr zwei Stipendienplätze in Mexiko, bei denen Einblicke in die dortige Debatte um den Erhalt und die Nutzung gentechnikfreien Saatguts genommen werden konnten. In dem folgenden Erfahrungsbericht schildert die Stipendiatin Silke Höfs ihre Begegnungen mit den Kleinbauern und ihren Anbausystemen im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero.
Vor rund 10.000 Jahren begannen Mexikos BewohnerInnen, Mais zu kultivieren. In diesem Ursprungszentrum wollen nun transnationale Unternehmen den experimentellen Anbau von transgenem Mais vorantreiben. Eine Kontamination der mehr als 60 heimischen Landsorten wäre gewiss.
Aus der Perspektive von indigenen Gemeinden ist der Mais in Gefahr. Mit der fortschreitenden kommerzialisierung seines Anbaus und der Entwicklung transgener Sorten droht er sein Wesen zu verlieren. Dieses lässt sich nicht auf die Ernte einer Frucht begrenzen. Es geht um das fundamentale Verhältnis indigener Gemeinschaften zur Pflanze Mais, die auf vielfältige Weise im Zentrum ihres Lebens steht.
Seit einiger Zeit spukt die These eines einzigartigen nationalen Genoms durch die Medien Mexikos. Dies erscheint besonders absurd, beruht doch der mexikanische Nationalmythos auf der Geschichte der „Mestizaje“, also der „Vermischung“. Grund genug, Nachforschungen beim Kongress der Physischen Anthropologie und beim staatlichen Genomforschungsinstitut INMEGEN anzustellen.