Nulltoleranz

Rechte Ideologien in der Kritik

Angesichts des Erstarkens rechter Positionen und reaktionären Vorstellungen von gesellschaftlichen Naturverhältnissen, möchte sich die Redaktion des GID von diesen abgrenzen.

Demoschild

Foto: Gero Nagel (CC BY 2.0)

Global und in Deutschland werden rechte Stimmen wieder lauter. Nicht, dass sie je weg gewesen wären, aber das Selbstbewusstsein und die Vehemenz mit der rechte Ideologien verkündet werden haben zugenommen. Die nationalistisch und rassistisch motivierten Ausschreitungen in Chemnitz 2018 und steigende Zahlen an antisemitischen Übergriffen sind Ausdruck dieses Rechtsrucks. Dies ist im Wechselspiel zwischen einer gesamtgesellschaftlichen Stimmung und parlamentarischer Politik zu sehen. Seit letztem Oktober ist die rechte bis extrem rechte Alternative für Deutschland (AfD) in allen Land­tagen vertreten und seit 2017 im Bundestag. Damit ist seit der Frühphase des bundesrepublikanischen Parlaments zum ersten Mal wieder eine Partei im Bundestag vertreten, die mehrheitlich offen rassistische, frauenfeindliche und menschenverachtende Positionen vertritt.

Rechte und extrem rechte Aktivist*innen bringen ihre Positionen nicht nur in Debatten um Migrationspolitik lautstark ein, sondern auch in vielen anderen Themenbereichen. In diesem Heft beschäftigen wir uns mit rechten Ideologien in den Debatten um Bio-, Gen- und Reproduktionstechnologien und wollen uns von ihnen abgrenzen. Dafür haben wir unsere Autor*innen gebeten Ideologien und Argumentationsmuster zu analysieren, die wir als verkehrt und äußerst gefährlich erachten. Wir leisten mit dieser Ausgabe einen Betrag dazu rechte Aktivitäten, Argumente und Kontinuitäten aufzuzeigen und für sie zu sensibilisieren. Wir wollen auf Positionen aufmerksam machen, die den unseren ähnlich erscheinen und doch grundverschieden sind.

Der Text von Lukas Nicolaisen, dem Leiter der Fachstelle für Radikalisierungsprävention im Umwelt- und Naturschutz (FARN), setzt sich mit dem Mensch-Natur-Verständnis rechter Ideologien auseinander. Der Artikel wurde 2018 in der Handreichung „Rechtsextreme Ideologien im Natur- und Umweltschutz“ von FARN veröffentlicht. Die Vorstellung, dass der Mensch den Gesetzen der Natur gehorchen müsse und nur ein Teil eines größeren Ganzen ist wird immer wieder auch in Diskursen um Impfen oder Gentechnik vertreten. Umso wichtiger ist es zu verstehen, wohin rechte Argumentationen führen, die auf diesem Gedanken beruhen. Die GeN-Mitarbeiterin, Kirsten Achtelik, weist auf frauenfeindliche Positionen der sogenannten Lebensschutzbewegung hin. Die Forderung nach schärferen Abtreibungsgesetzen wird durch eine vorgeschobene Behindertenfreundlichkeit legitimiert. Unserem Erachten nach dürfen körperliche Selbstbestimmung von Schwangeren und gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Im Interview mit Laura Hammel, Doktorandin der Politikwissenschaft, beschäftigen wir uns mit Elementen und Codes von Verschwörungstheorien und deren antisemitischen Aspekten. Teilweise finden sich diese in einer vereinfachten und personifizierten Kritik an Konzernen und Freihandelsabkommen und kommen im gesamten politischen Spektrum vor. Marius Hellwig, Referent der Amadeu Antonio Stiftung, erläutert die lange Tradition der Themen Landwirtschaft, Natur- und Umweltschutz in der rechten Ideologie. Vor allem in ländlichen Räumen benutzen Rechte anschlussfähige Themen wie Ökolandbau und Selbstversorgung als Anknüpfungspunkte in der Nachbarschaft. Der freie Journalist und Buchautor Peter Bierl beschreibt die Haltung einiger rechter Parteien im deutschsprachigen Raum zur Gentechnik in der Landwirtschaft. Er findet Positionen zwischen Ablehnung und Befürwortung, dominierend ist allerdings ein instrumentelles Verständnis zu Technikfragen. Abschließend zeigt Judith Düesberg, Mitarbeiterin im GeN, einige Handlungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten auf, um sich gegen rechts zu positionieren.

Die Redaktion des GID sagt: Nulltoleranz gegenüber rechten Ideologien! Wir setzen uns für eine offene Gesellschaft ein, an der alle Menschen selbstbestimmt teilhaben können und lehnen jegliche Form von diskriminierendem, herabwürdigendem und menschenverachtendem Gedankengut und Verhalten ab.

Judith Düesberg ist Ökologin und Mitarbeiterin des GeN.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
249
vom Mai 2019
Seite 6

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