Wissenschaftskritik

Wissenschaft wird von Seiten staatlicher Forschungspolitik seit Jahrzehnten als Ausgangspunkt ökonomischen Wachstums betrachtet. Die Förderpolitik zielt in erster Linie auf die Entwicklung ökonomischer Potenziale und vermarktbarer Produkte. Die kooperierende Industrie ist jedoch kein neutraler Partner, sondern beeinflusst - wie viele Studien belegen - oftmals das Ergebnis der von ihr finanzierten Forschung und die Publikation der Ergebnisse.

Durch diese zunehmende Ökonomisierung stehen auch GrundlagenforscherInnen unter dem Druck, spektakuläre Ergebnisse zu produzieren und zu vermarkten. Die Kommunikationsabteilungen wissenschaftlicher Institute tun das Ihre, um mediale Hypes und uneinlösbare Versprechen zu erzeugen. Kein Wunder also, dass Studien immer wieder zeigen, dass ein großer Teil der Forschungsergebnisse nicht reproduzierbar ist.

Beiträge zu diesem Thema

  • Offener Brief an VISAGE

    Von GeN ,

    Das VISAGE (VISible Attributes Through GEnomics) Consortium ist eine internationale Forschungskollaboration, die eine forensische DNA-Analysetechnologie entwickeln will, um äußere Merkmale wie Gesichtszüge, Haar-, Augen- und Hautfarbe sowie Alter und eine sogenannte „biogeografische Herkunft“ von möglichen Verdächtigen aus DNA-Spuren von Tatorten abzuleiten. Obwohl die Anwendung dieser Technologie in polizeilichen Ermittlungen in den meisten EU-Staaten illegal ist, wird das Projekt bis 2022 von der EU im Rahmen des "Horizon 2020"-Programmes gefördert.

  • GID-Ausgabe
    244
    vom Februar 2018

    Fehler im System

    Unzuverlässige Literatur, fehlende Transparenz und ökonomische Interessenkonflikte - in Zeiten der Vertrauenskrise in wissenschaftliche Evidenz ist es höchste Zeit, die Schwachstellen des Wissenschaftssystems genauer zu betrachten.

  • Wissenschaft kritisieren

    Von Christof Potthof, Isabelle Bartram , 21. Februar 2018

    Über die inhaltliche Ausrichtung von GeN und GID wird intern viel diskutiert, ohne dass LeserInnen davon viel mitbekommen. Dieser Schwerpunkt, in dem wir von Wissenschaft und Forschung mehr Selbstkritik und Transparenz fordern, erscheint uns als gute Gelegenheit für eine transparente Selbstreflektion unserer Arbeit.

  • „Es gibt Gründe optimistisch zu sein“

    Von Interview mit Brian Nosek , 20. Februar 2018

    Brian Nosek erforscht die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Werten und menschlichem Verhalten. Als Mitbegründer und Geschäftsführer des Center for Open Science (COS) versucht er diese Lücke im Verhalten von WissenschaftlerInnen zu schließen. Der GID hat ihn zu Problemen im Wissenschaftssystem und Lösungsansätzen befragt.

  • Fehlende Gewissheiten

    Von Martina Franzen , 20. Februar 2018

    Die Aufmerksamkeitsökonomie prägt auch das akademische Pubikationsverhalten. Für die Bewertung von Wissenschaft bleibt dies nicht folgenlos.