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Das "Gen für..."- Alphabet

Absurde Assoziationen

Mit den „Genen für ...‟ dokumentieren wir, welche immer neuen Assoziationen die Genforschung zwischen Verhaltensmustern oder Krankheitsbildern einerseits und bestimmten Genen andererseits herstellt. Bisher boten wir in unserer Zeitschrift GID die „Gene für…“ als bittersüße Bonbons in der Heft-Rubrik „Kurznachrichten zu Mensch und Medizin“ an. Nun verlagern wir diese Gen-Sammlung hier auf unsere Homepage: alphabetisch und chronologisch geordnet.

Für eine Mischung aus Belustigung und Schauder sorgen seit Jahren im GID die Kurznachrichten über wissenschaftlich ins Leben gerufene Gene jeder Art: Gene „für“ Alkoholismus, Nikotinsucht, Schizophrenie, Homosexualität, Parkinson, Sportlichkeit, ja sogar über Gene für Fröhlichkeit konnten wir berichten.

Hinter solchen von uns dokumentieren Meldungen in den Medien stehen seriöse Forschungsprojekte, die mit hohen Summen öffentlicher Forschungsgelder ausgestattet nach den genetischen Grundlagen für die vielfältigsten menschlichen Eigenschaften fahnden.

Unser Gen-Alphabet soll mithelfen, dieses Mysterium zu entlarven. In der Gesamtschau zeigt sich z.B., wie absurd die jährliche Häufung neuer Meldungen über ein „Gen für Homosexualität“ ist. Inzwischen ist es nämlich nicht nur ein Gen, sondern sind es genau genommen ganz schön viele... Eindringlich wahrnehmbar ist vor allem der Wahrheitsanspruch des „Gen-talks“.

Wir freuen uns über die Mitarbeit bei der Vervollständigung des Alphabets.
Gesucht sind vor allem rare „Gen für…“-Dementis, die in Zeitungen erschienen sind.
Funde bitte senden an: gen@gen-ethisches-netzwerk.de, Stichwort „Gen für ...‟

Trotz der Thesen über das Ende einfacher deterministischer Annahmen in der Genetik, Genomik, Epigenetik oder Proteomik bricht der "Gen-talk" nicht ab, im Gegenteil: Billigere technische Möglichkeiten der Sequenzierung und der Datenverarbeitung führen dazu, dass sich die Genomforschung weiter in vermeintlichen „Eureka!“ überschlägt. Ihr Übriges tut eine Presseberichterstattung, die nicht fähig zu sein scheint, sich ein eigenes Urteil von den Verlautbarungen professioneller Presseabteilungen der Universitäten, Forschungszentren und Biotechfirmen machen zu können. Neben den simplen Thesen über „Gene für …“ reihen sich dann auch die Forschungsergebnisse über so genannte polygene Erbgänge sehr gut ein. Es ist dann die Kombination von mehreren Genen, die für die gesundheitsökonomisch wichtigen „Volkskrankheiten“ wie Diabetes, Herzinfarkt oder Krebs verantwortlich zeichnen sollen.
Nicht berichtet wird hingegen über die Dementi, mit denen oftmals Jahre später die alten Forschungsergebnisse stillschweigend ad acta gelegt werden.

"Gen für..." - alphabetisch

  • A (18)
  • B (5)
  • C (2)
  • D (3)
  • E (6)
  • F (5)
  • G (9)
  • H (12)
  • I (4)
  • J (1)
  • K (5)
  • L (8)
  • M (2)
  • N (6)
  • O (1)
  • P (8)
  • R (3)
  • S (17)
  • T (4)
  • U (4)
  • V (2)
  • Z (3)

"Gen für..." - chronologisch

2017 (2)
2011 (4)
2010 (5)
2009 (15)
2008 (27)
2007 (18)
2006 (7)
2005 (13)
2004 (19)
2003 (18)
Rauchverhalten
April 2004

Männer sind anders und Frauen auch: Diese Binsenweisheit bestätigte scheinbar eine Studie unter Menschen beiderlei Geschlechts, die sich bemühten, das Rauchen aufzuhören. Danach hängt die Wirksamkeit von Nikotinpflastern gegen das Suchtverhalten bei Frauen von den Genen ab, bei Männern jedoch nicht. Für die im British Medical Journal online vorgestellte Untersuchung knüpften die Wissenschaftler um die Medizinerin Patricia Yudkin an der britischen Oxford University an eine bereits vor zehn Jahren abgeschlossene Studie an. Yudkin und ihre MitarbeiterInnen führten eine Gendiagnostik durch, um zu analysieren, welche Rezeptoren im Gehirn bei den damaligen TeilnehmerInnen für die Aufnahme des Dopamins eine Rolle spielten und in welchem Verhältnis die Wirksamkeit des Nikotinpflasters dazu stand. Dopamin gilt als zentraler Botenstoff für die Entwicklung einer Tabakabhängigkeit. Für die Untersuchung wurde 752 Freiwilligen, die bereits damals teilnahmen, Blut abgenommen. Der Auswertung zufolge soll das Pflaster vor allem Frauen geholfen haben, die eine eher ungewöhnliche Variante des betreffenden Rezeptors haben. Bei Männern gab es keinen vergleichbaren Zusammenhang.

New York Times, 23.03.04