Gentests und Genomsequenzierung

Piktogramm: Erlenmeyerkolben mit Flüssigkeit und daraus hervorgehendem Molekül

Die vollständige Sequenzierung der menschlichen DNA war das große Projekt der 1990er Jahre, die Kosten des Human Genome Projects betrugen drei Milliarden US-Dollar. Mittlerweile werden Gentests immer schneller und billiger. Die Anzahl kommerzieller Anbieter, die ihren Kund*innen eindeutige Aussagen zu Gesundheitsrisiken oder Lebensstilfragen durch Sequenzierung ihres Genoms oder einzelner Genvarianten versprechen, steigt. Während die Kund*innen große Datenschutzrisiken eingehen, ist der tatsächliche Informationsgehalt der Testergebnisse wissenschaftlich umstritten.

Auch in der medizinischen Forschung spielt Genetik eine immer größere Rolle. Doch abseits von seltenen Erkrankungen, bei denen kausale Zusammenhänge zu einzelnen Genvarianten bestehen, ist die medizinische Aussagekraft von Gentests in vielen Fällen, grade wenn es um sogenannte Volkskrankheiten geht, gering. Das Gen-ethische Netzwerk kritisiert den Fokus auf genetische Erkrankungsrisiken, während soziale Ursachen von Gesundheit wie Armut unterforscht sind.

Beiträge zu diesem Thema

  • Fragwürdige Forschungsethik

    Portraitfoto von Liam O'Dell
    Interview mit
    6. Februar 2024

    Die Spectrum 10K Studie sollte die größte Datenbank der britischen Autismusforschung werden, mit DNA und Gesundheitsdaten von 10.000 Personen – doch es hagelte Kritik. Bereits kurz nach ihrem Launch wurde die Studie aufgrund des öffentlichen Drucks pausiert. Wir haben mit dem britischen Journalisten Liam O’Dell über die Studie gesprochen.

  • Familienforschung per DNA-Test

    Screenshot Webseite NDR
    Von
    GeN

    Die eigene DNA zur Verfügung stellen, um mehr über Stammbaum und Herkunft herauszufinden? Das Gen-ethische Netzwerk positioniert sich dazu kritisch in der Debatte und wird in einer Radiosendung des NDR vom 28.01.2024 erwähnt.

  • Genetisches Risiko

    Gebäude der Halleschen Versicherung
    Von

    Das Gendiagnostikgesetz verbietet Versicherungen Informationen über genetische Veranlagungen zu berücksichtigen. Mehrere Betroffene berichten jedoch, dass sie von privaten Krankenversicherungen aufgrund eines Gentests abgelehnt wurden oder Risikozuschläge zahlen mussten.

  • Gerechtigkeit für Henrietta Lacks

    Dr. Francis Collins trifft 2018 die Nachkommen von Henrietta Lacks
    Von
    9. November 2023

    Die Zellen einer 1951 gestorbenen Afroamerikanerin haben die biomedizinische Forschung revolutioniert, Unternehmen reich gemacht und wissenschaftliche Karrieren begründet. Mehr als 70 Jahre später wirft die Klage von Hinterbliebenen erneut Fragen über die Forschung mit menschlichen Proben auf.

  • Ernährungstrend Gentests

    Screenshot von Volle Kanne
    Von
    GeN

    Im ZDF-Magazin Volle Kanne vom 8.5. warnt GeN-Mitarbeiterin Dr. Isabelle Bartram Verbraucher*innen vor Gentests zur vermeintlich personalisierten Ernährung. Kund*innen geben hochsensible Daten von sich preis für unwissenschaftliche Ergebnisse.