Gentests und Genomsequenzierung

Die vollständige Sequenzierung der menschlichen DNA war das große Projekt der 1990er Jahre, die Kosten des Human Genome Projects betrugen drei Milliarden US-Dollar. Seitdem wird die Technologie immer schneller und billiger. Parallel steigt die Anzahl kommerzieller Anbieter, die ihren Kund*innen wissenschaftlich fragwürdige Aussagen zu Gesundheitsrisiken oder Lebensstilfragen durch Sequenzierung ihres Genoms oder einzelner Genvarianten versprechen.

Doch ob die Sequenzierung des gesamten Genoms oder Exoms (dem proteinkodierenden Bereich) tatsächlich zu einer besseren Diagnose und Therapie führt ist unklar. Auch ist umstritten, inwieweit genetische Informationen solche Rückschlüsse zulassen, wenn es nicht seltene monogenetische (von einer Genvariante verursachte) Erkrankungen geht. Denn der tatsächliche kausale Zusammenhang von abweichenden Genvarianten mit möglichen Konsequenzen für die Gesundheit ist für die allermeisten Erkrankungen unbekannt. Das GeN kritisiert zudem, dass die Entscheidung für eine Sequenzierung angesichts möglicher nicht interpretierbarer Ergebnisse und Nebenbefunde kaum als eine „informierte“ zu bezeichnen ist.

Beiträge zu diesem Thema

  • DNA-Test per Post

    Von
    GeN ,

    Im ZDF-Magazin WISO vom 22.02.2021 kritisiert GeN-Mitarbeiterin Dr. Isabelle Bartram die fehlende Genauigkeit und Intransparenz privater Gentest-Anbieter. Kund*innen bezahlen die wenig informativen Ergebnisse nicht nur mit Geld, sondern auch mit der unkontrollierten Freigabe ihrer DNA-Daten.

  • Neue Möglichkeiten, alte Debatten

    Von
    Lilian Marx-Stölting ,

    Einzelzellanalysen sind eine neue Methode, die auf aktuellen Entwicklungen der Hochdurchsatzsequenzierung (Next Generation Sequencing, NGS) aufbauen. Die neue Technologie berührt viele bestehende ethische Fragen.

  • Personalisierte Ernährung

    Von
    GeN ,

    Netzpolitik.org berichtete am 12.02.20 über einen DNA-Test des Unternehmens MyMüsli, das personalisierte, genbasierte Ernährung möglich machen soll. Isabelle Bartram vom GeN bewertete die wissenschaftliche Basis für fragwürdig.

  • Gefährlicher Unsinn bei mymuesli: genetische Konsumberatung

    Von
    GeN ,

    (Berlin, 06.02.2020) Das Gen-ethische Netzwerk und das Netzwerk Datenschutzexpertise warnen Verbraucher*innen, vor dem aktuellen Angebot von mymuesli. Unter dem Namen „myDNA slim“ bietet das Unternehmen für 189 Euro einen DNA-Test zur Ernährungsoptimierung an.

  • Ahnenforschung per Gentest

    Von
    GeN ,

    Wer ein paar Hundert Euro investiert, kann sein Erbgut analysieren lassen. Über die Versprechen der Gentest-Anbieter diskutierten bei der Sendung Marktplatz im Deutschlandradio am 19.12.2019 Isabelle Bartram vom GeN e.V. und Thilo Weichert vom Netzwerk Datenschutzexpertise.