Rezension: Pro und contra Genome Editing

„Ich glaube, dass in den nächsten Jahren einige Forscher versuchen werden, genetisch modifizierte Menschen zu erzeugen. In der Welt der Biomedizin wird die Science-Fiction Wirklichkeit.“ Diese etwas reißerische Annahme ist der Ausgangspunkt von Paul Knoepflers Versuch, Lai_innen die komplexe Thematik des Genome Editing und seine möglichen Konsequenzen näher zu bringen. Knoepfler ist Stammzellforscher und Professor an der University of California und glaubt an die Versprechungen von Stammzellforschung und „bahnbrechenden Technologien“ wie CRISPR-Cas9. Doch er ist kritisch und vorsichtig, wenn es um deren Anwendung abseits von Grundlagenforschung im Labor geht. Seine Zukunftsvision der „GMO sapiens“, so der Originaltitel des Buches, gleicht insgesamt eher einer Dystopie als einer krankheitsfreien und egalitären Gesellschaft, wie sie von den Befürworter_innen dargestellt wird, die er für sein Buch interviewt hat. Knoepfler vertritt eine klare Meinung: Er fordert gesetzliche Verbote und Überwachung der Forschung und spricht sich gegen die Ausweitung der Versuche außerhalb des Labors aus. Er kommt zu diesem Schluss durch pragmatische Abwägungen, die der Thematik vielleicht nicht immer angemessen sind. In einem Kapitel summiert er beispielsweise die Argumente der Befürworter_innen für die Erzeugung von „besseren Babys“ mittels Genmodifikation unter „pro“ und die Argumente der Gegner_innen gleichwertig unter „contra“ auf. Dennoch bietet sein Buch einen guten Einstieg in die Problematik des Genome Editing für naturwissenschaftlich nicht bewanderte Leser_innen.

➤ Paul Knoepfler: Genmanipulierte Menschheit. Evolution selbst gemacht. Springer (2018), 264 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 978-3- 662-56000-6.

 

Isabelle Bartram ist Molekularbiologin und Mitarbeiterin des GeN.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
245
vom Mai 2018
Seite 37