COVID-19: Gesundheitsversorgung für alle!

(Berlin, 24.04.2020) Das Gen-ethische Netzwerk (GeN) fordert anlässlich der Corona-Pandemie gemeinsam mit über 250 internationalen Organisationen und Unterstützer*innen eine internationale Kooperation zur Förderung medizinscher Entwicklung sowie eine umfassende und gerechte weltweite Gesundheitsversorgung.

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Foto: Wagenmann 04/2020

Seit Ende Februar dokumentiert das Gen-ethische Netzwerk (GeN) täglich die Entwicklungen, Debatten und Reaktionen um medizinische Expertisen und Eindämmungsmaßnahmen in Deutschland und weltweit in einem gesundheits- und medizinpolitischen Tagebuch.

COVID-19: Prinzipien für globalen Zugang, Innovation und Kooperation

Den englischen Originaltext der Stellungnahme und die Liste mit allen unterstützenden Organisationen finden Sie hier.

COVID-19 kennt keine Nationalität: Wenn sich die Pandemie in einem Land ungebremst ausbreitet, wird sich die Ausbreitung auch jenseits seiner Grenzen beschleunigen, und damit weltweit die Chance einer Eindämmung verschlechtern.
Es besteht die große Gefahr, dass der Zugang zu medizinischen Innovationen im Kampf gegen COVID-19 durch Faktoren wie nationale Interessen, Preisgestaltung, eingeschränkte Produktion, fragmentierte Lieferketten und Geschäftsgeheimnisse erschwert wird. Wir rufen zu Solidarität mit denjenigen Personen auf, die durch Faktoren wie Gesundheitsstatus, Alter, Geschlecht und Herkunft unverhältnismäßig stark von der COVID-19-Pandemie betroffen sind.

Dr. Isabelle Bartram vom GeN fordert daher: "Konzerne und staatliche Institutionen müssen Technologien teilen, statt Eigeninteressen zu verfolgen und dafür sorgen, dass alle Menschen weltweit einen Zugang zu Gesundheitsversorgung bekommen. Eine Pandemie global mit social distancing bekämpfen zu wollen, während Geflüchtete in Unterkünften auf engstem Raum Ansteckungsgefahren ausgesetzt sind und Menschen in überfüllten Lagern ohne ausreichende Gesundheitsversorgung ausharren müssen, ist aus menschenrechtlicher, medizinischer und wissenschaftlicher Sicht katastrophal."

Das GeN fordert daher gemeinsam mit über 250 internationalen Organisationen die Regierungen, Behörden, Hersteller, Spender*innen und Entwicklungspartner dazu auf, sich folgenden Prinzipien zu verpflichten:

 

  • Innovation für alle
    Die auf Monopolen basierte Arzneimittelentwicklung versagt weltweit. Regierungen sollten Open Science-Prinzipien und -Praktiken für COVID-19-bezogene Forschung fördern, um Innovation und einen zeitnahen Zugang für alle zu ermöglichen. Technologieinhaber*innen sollten Patente, Geschäftsgeheimnisse, Fachwissen, Zelllinien, Software, Daten, Urheberrechte und jedes relevante geistige Eigentum lizenzfrei zur freien Verfügung stellen. Zugang und Bezahlbarkeit sollten integrale Voraussetzungen für die gesamte Forschung und Entwicklung sowie den Herstellungsprozess sein.
     
  • Zugang für alle
    Medizinische Ausstattung, die dringend für die Diagnostik, Behandlung und Prävention von COVID-19 benötigt wird, sollte für alle unverzüglich zugänglich und verfügbar sein; mit der notwenigen Priorisierung von Menschen, die in der Patient*innenversorgung tätig sind und von besonders gefährdeten Personengruppen. Regierungen müssen sicherstellen, dass Diagnostik, Behandlungen, medizinische Geräte, Impfstoffe und Schutzkleidung zu fairen und bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen. Unternehmen müssen ihre exklusiven Nutzungsrechte aussetzen.
     
  • Solidarität und globale Zusammenarbeit
    Regierungen, Technologieeigentümer*innen und Forschende sollten sich mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) koordinieren. Um Innovationen zu beschleunigen, kurzfristig die Produktion ausbauen zu können und Engpässe sowie Lieferkettenprobleme zu verhindern, sollten öffentliche Plattformen zum Austausch von Forschungsergebnissen, Daten, Fachwissen und geistigem Eigentum eingerichtet werden. Medizinische Ausstattung muss in ausreichenden Mengen hergestellt werden und unverzüglich über Grenzen hinweg verteilt werden.
     
  • Verantwortung und Transparenz
    Regierungen und internationale Organisationen sollten Transparenz und eine sinnvolle Beteiligung der Zivilgesellschaft in kritischen Entscheidungsprozessen fördern. Geldgeber und Technologieentwickler sollten sicherstellen, dass Forschungs-, Entwicklungs- und Herstellungskosten sowie Ausgaben, die durch Preisgestaltung, Regulierungsstatus und Patentansprüche entstehen, transparent veröffentlicht werden.

Gesundheit ist ein Menschenrecht. Medizinisches Wissen ist ein öffentliches Gut. Niemand sollte vergessen werden!

 

Gen-ethisches Netzwerk e.V.

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24. April 2020

Pressekontakt:

Dr. Isabelle Bartram
isabelle.bartram[at]gen-ethisches-netzwerk.de
Tel. 0176 55239012

Corona-Tagebuch
corona[at]gen-ethisches-netzwerk.de