Rezension: Ökologische Schäden

Ökologische Schäden

Was ist ein ökologischer Schaden? Die Antwort auf diese Frage spielt eine zentrale Rolle, wenn es um die Genehmigung zum Inverkehrbringen transgener Pflanzen geht. Laut geltendem Recht darf eine transgene Pflanze nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn sie die Umwelt nicht schädigt. Wer über die Genehmigung zum Inverkehrbringen entscheidet, muss deshalb festlegen, ob die möglichen Umweltwirkungen einer transgenen Pflanze als schädlich zu bewerten sind oder nicht. Wie die Bewertung erfolgt, liegt heute allein im Ermessen der zuständigen Behörden und Expertengremien. Denn das geltende Recht lässt offen, welche Wirkungen transgener Pflanzen als schädlich zu bewerten sind. Was ein ökologischer Schaden sein könnte, darauf versucht der neue Band aus der Reihe "Theorie in der Ökologie" zu antworten, der auf ein Treffen zweier Arbeitskreise der Gesellschaft für Ökologie zurückgeht. Autorinnen und Autoren aus den Disziplinen der Biologie, Chemie, Gentechnik, Jura, Landschaftsökologie, Ökonomie und Philosophie beleuchten dabei die vielfältigen Aspekte des Schadensbegriffs. Sie schildern verschiedene Schadensdefinitionen, stellen umweltökonomische Herangehensweisen vor, diskutieren die Grenzen der Monetarisierung von Umweltgütern und zeigen anhand von drei Fallstudien aus den Bereichen Naturschutz, Küstenschutz und Pflanzenschutz auf, wie ökologische Schäden ermittelt werden könnten. Drei der insgesamt zwölf Beiträge widmen sich dem ökologischen Schadensbegriff im Bereich der Agrogentechnik. Hier erfahren die Leserinnen und Leser, wie im deutschen und im EU-Gentechnikrecht mit dem Schadensbegriff umgegangen wird, welchen Einfluss andere Umweltgesetze auf diesen Umgang haben könnten und welche Rolle die gesellschaftliche Partizipation bei der Bewertung von Umweltwirkungen transgener Pflanzen spielen sollte. Wie der umfassende Sammelband zeigt, ist eine abschließende und unanfechtbare Definition des Begriffs "ökologischer Schaden" nicht möglich. Was ein ökologischer Schaden ist, das macht der Band unausgesprochen klar, ist letztendlich eine politische Frage und sollte deshalb nicht allein von Behörden und Expertengremien, sondern im Rahmen eines partizipativen Prozesses beantwortet werden.

Benno Vogel ist freischaffender Biologie in Winterthur und in Berlin. Mehr zu seinen Tätigkeiten erfahren Sie unter www.benno-vogel.ch.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
169
vom April 2005
Seite 50

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