Leserbrief
GID 193
Leider bin ich sehr enttäuscht von der letzten Ausgabe ihrer Zeitschrift, speziell von den Ausführungen zum Titelthema „Das T-Defizit”. Darin geben Sie m.E. unangemessen Raum für die Rechtfertigungen linker Protagonisten, die bedauern, dass die „Linke” es bisher nicht geschafft hat, eine konstruktive Technologiekritik zu entwickeln und stattdessen lange Zeit eine Technologie-Hörigkeit im Sinne der Marx‛schen „Unschuld der Produktivkräfte” (S.8) erkennen ließ. Rainer Hohlfeld versteigt sich sogar dazu, eine „,Wissenschaft des Volkes’”, wie es in China zur Zeit der Kulturevolution hieß” (S.12), als Zukunftsvision anzubieten. Wie soll denn wohl das „notwendig erscheinende Merkmal(e)” (S.12) einer „politisch demokratischen” Wissenschaft in Maos Tradition aussehen? Die Entwicklung, die China unter Mao während der Kulturrevolution erlitten hat, möge uns bitte erspart bleiben! (...)Karin Schulz
Neben der Bereitstellung von sachlich gut recherchierten und aktuellen Informationen sehen wir unsere Aufgabe auch darin, Raum für Debatten zu geben. Denn auch innerhalb der Gentechnikkritik sind ja zentrale Argumente und Positionen sehr umstritten. Mit unserem Schwerpunkt zur Linken Technologiekritik wollten wir gerade diesbezügliche Leerstellen thematisieren, die sich einerseits, wie Sie ja selbst anmerken, in der Technikeuphorie linker Ideologien festmachen lassen, andererseits bis in aktuelle linke Politik hineinreichen. Ob und wie uns das gelungen ist, können natürlich nur Sie als LeserInnen beurteilen! Eine Huldigung maoistischer Politik steht uns (und übrigens auch Herrn Hohlfeld) fern. Abgesehen davon möchten wir aber betonen, dass im GID veröffentlichte Artikel nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben, sondern als Debattenbeiträge zu verstehen sind. Diese Debatte kann stets - auch von Ihnen als LeserInnen - fortgeführt werden.
Die GID-Redaktion


