In Bewegung

Don´t CRISPR the Climate! Oder tatkräftiger Widerstand

Landwirtschaft und Klima sind eng miteinander verbunden. Etwa 25 Prozent der globalen Treibhausemissionen kommen aus der Landwirtschaft. Dabei ist es weniger CO² als die Gase Methan und Stickstoffmonoxid (Lachgas), die den größten Effekt auf das Klima haben.
Die Kampagne Free the Soil (Befreit die Böden) hat es sich zum Ziel gesetzt, über die umwelt- und klimaschädlichen Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft aufzuklären und diese tatkräftig zu stören. Vom 19. bis 25. September organisierte Free the Soil ein Klimacamp in Sankt Margarethen. Eine kleine Stadt an der Nordseemündung der Elbe. Die Kampagnen-Organisator*innen sind aus verschiedenen Ländern der Europäischen Union und so kamen auch die angereisten Aktivist*innen zum Beispiel aus Frankreich, den Niederlande oder Schweden. Neben einem vollen Workshop- und Informationsprogramm zu Aspekten der industriellen Landwirtschaft war es das erklärte Ziel die ansässige Kunstdüngemittelfabrik des Konzerns YARA zu blockieren. YARA ist ein international agierendes Unternehmen mit Hauptsitz in Norwegen. Kunstdünger ist eine Hauptquelle für Lachgas und wird in der industriellen Landwirtschaft eingesetzt.
An den ersten vier Tagen des Camps ging es aber erstmal um eine inhaltliche Auseinandersetzung. Judith Düesberg, Mitarbeiterin des GeN, war mit einem zweistündigen Workshop zu Gentechnik am Donnerstag vor Ort. In einem Input ging es um die Fragen: Was hat uns die alte Gentechnik gebracht, was ist das Neue am Genome Editing und was heißt eigentlich Regulation? Danach folgte eine Diskussion um die Frage, ob Gentechnik einen Beitrag leisten kann zu einer nachhaltigen, klimafreundlichen Landwirtschaft. Das Programm lief vielfältig weiter; zu agrarpolitischen Aspekten wie der Fleischproduktion und Tierethik, indigenen Perspektiven und sozialer Ökologie. Ab Samstagnachmittag lag der Fokus des Programms dann mehr auf den Vorbereitungen für die bevorstehenden Aktionen. Am Montag schließlich blockierten und demonstrierten einige hundert Aktivist*innen vor dem Yara-Werk. 24 Stunden lang blockierten sie die Zufahrten der Fabrik und hielten die 500 eingesetzten Polizist*innen auf Trab.
Das Zusammendenken von Klimawandel und Landwirtschaft begrüßen wir sehr! Deswegen war das GeN auch begeistert, gleich am folgenden Dienstag, den 24. September, beim Klimacamp We4Futur in Berlin mit Kolleg*innen von BUND und Inkota e.V. weiter über Gentechnik und Klimawandel sprechen zu dürfen. Denn den unterkomplexen und rein technologischen Lösungsversprechen wie der Gentechnik in der Landwirtschaft muss innerhalb der Klimadebatte entgegengetreten werden.

www.freethesoil.org
➤ Der NDR berichtete: www.kurzlink.de/gid251_q

Jenaer Erklärung

Vier Professoren des Instituts für Zoologie und Evolutionsforschung der Universität Jena sprechen sich in einer gemeinsamen Erklärung sehr deutlich gegen wissenschaftlich begründeten Rassismus aus. Anlass war der 100. Todestag des Jenaer Professors Ernst Haeckel dieses Jahr. Der wohl bekannteste deutsche Evolutionsbiologe gilt als Wegbereiter der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland. Die Jenaer Wissenschaftler machen auch darauf Aufmerksam, dass die moderne Geschichte der Evolutionsbiologie nicht frei von Rassismus ist. In ihrer Distanzierung von wissenschaftlich begründetem Rassismus argumentieren sie mit genetischen Studien die zeigen würden, dass „die größten genetischen Unterschiede innerhalb einer Population zu finden sind und nicht zwischen den Populationen“. Die „vermeintlichen Rassen“, die in der Vergangenheit wissenschaftlich belegt wurden, so die Autoren, würden erst durch „Rassismus in Form von Ausgrenzung und Diskriminierung“ erschaffen werden. Sie fordern, dass „nie wieder mit scheinbar biologischen Begründungen Menschen diskriminiert werden“ und der „unrühmliche“ Beitrag der Wissenschaft nicht vergessen werden sollte.

www.uni-jena.de/190910_JenaerErklaerung.html

Wiederholter Widerstand

Am Wochenende vor der Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses, die pränatalen Tests auf Trisomie 13, 18 und 21 als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen (siehe Artikel Seite 32), brachten Betroffene zum wiederholten Mal ihren Widerstand zum Ausdruck. Das Motto der von downsyndromberlin organisierten Kundgebung auf dem Berliner Breitscheidplatz lautete: „Inklusion statt Selektion“. Viele Redner*innen befürchten, dass sich durch die Kassenzulassung der Druck auf Schwangere und Menschen mit Behinderung weiter erhöht. Sebastian Urbanski, der mit Trisomie 21 lebt, machte auf der Kundgebung auf die gesamtgesellschaftliche Dimension der Angst vor Behinderung aufmerksam: „Jeder braucht in unserer Gesellschaft Hilfe, ganz egal, ob er behindert ist oder nicht. … Behindert sein ist auch normal.“

➤ Unter www.downsyndromberlin.de finden sich auch alle Reden.

GeN-Mitarbeiter auf Monsanto-Liste

Seit etwa Mitte Mai dieses Jahres ist bekannt, dass der Gentechkonzern Monsanto systematisch Listen mit Unterstützer*innen und Kritiker*innen erstellen ließ. Nun hat sich herausgestellt, dass auch ein Mitarbeiter des GeN betroffen ist. Christof Potthof, seit 2002 in verschiedenen Funktionen für das GeN tätig, hatte im August eine Anfrage an Bayer gestellt. In dem Verzeichnis finden sich rund 50 Einträge, darunter von Potthof selbst verfasste GID-Beiträge, Pressemitteilungen des GeN, Twitter-Einträge und Zitate oder Literaturverweise in Medien Dritter. Der früheste Eintrag ist aus dem Jahr 2009, der letzte vom 2. Mai 2019 – die Überwachung endete wohl mit den Berichten in taz beziehungsweise Le Monde Mitte Mai.
Zuletzt berichtete im September die taz, Bayer habe nicht dementiert, dass „mindestens 1.450 Personen in Frankreich, Deutschland (202), Polen oder Spanien bezüglich ihrer Haltung zu Monsanto erfasst“ worden seien. Die taz hatte zuerst am 12. Mai (online) – mit Verweis auf die französische Tageszeitung „Le Monde“ – über die Listen berichtet. Seinerzeit waren ausschließlich Aktivist*innen, Politiker*innen und Journalist*innen in Frankreich betroffen. Diese wurden in Unterstützer*innen und Kritiker*innen eingestuft. In Deutschland haben das Umweltinstitut München und die Coordination gegen Bayer-Gefahren Unterstützer*innen dazu aufgefordert, Anfragen an Bayer zu stellen, ob Informationen über sie gespeichert worden seien.

GID-Redaktion

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
251
vom November 2019
Seite 4 - 5

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