Selbstbestimmungskritik

Die Forderung nach Selbstbestimmung  wird von vielen sozialen Bewegungen, wie der feministischen, behindertenpolitischen oder LGBTQI* Bewegungen erhoben. Das Konzept Selbstbestimmung wird als Abwehr äußerer Zugriffe auf die Entscheidungen von Menschen verstanden. Um eine Person zu sein, die selbst entscheiden kann, muss man als autonome, zu freien Entscheidungen fähige Person gesellschaftlich anerkannt werden. Dies wurde früher nur weißen, heterosexuellen, bürgerlichen Männern zugestanden - Frauen und Behinderte mussten sich das erst erkämpfen.

Zugleich werden im öffentlichen Raum mit der Rede vom allseits selbstbestimmten Individuum Selbstmanagement und Entscheidungszwänge zu Freiheitsgewinnen umgedeutet. Diese Freiheit hat aber ihren Preis: Wer selbst entscheiden darf, muss auch dafür sorgen, die richtige Entscheidung zu treffen. Wenn irgendetwas schief geht, ist man demnach selbst schuld. So ist der Begriff Bestandteil heutiger Individualisierungsstrategien geworden - vermeintlich selbstbestimmt werden die Normen eines „gesunden“, „effizienten“ und „präventiven“ Körper- und Verhaltensmanagements befolgt.

Beiträge zu diesem Thema

  • Verbot der "Eizellspende" aufrechterhalten!

    GeN ,

    Stellungnahme des Gen-ethischen Netzwerks zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Embryonenschutzgesetzes – Kinderwünsche erfüllen, Eizellspende legalisieren (Drucksache 19/17633).

  • Anhörung im Gesundheitsausschuss

    Von
    GeN ,

    Das Ärzteblatt zitiert in einem Artikel zur Anhörung im Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages (AfG) die Stellungnahme des Gen-ethischen Netzwerks zur "Eizellspende".

  • Begründete "Ungleichbehandlung"

    Von
    Taleo Stüwe ,

    Während die Samenspende legal ist, verbietet das Embryonenschutzgesetz (ESchG) die Abgabe von Eizellen in Deutschland. Immer wieder argumentieren Befürworter*innen der Legalisierung der sog. Eizellspende, das Verfahren müsse als Gegenstück zur  Samenspende betrachtet und somit ebenfalls erlaubt werden. Auch die Bundestagsfraktion der FDP stellt diesen Vergleich auf und spricht in ihrem Gesetzentwurf zur Änderung des ESchG von einer „Ungleichbehandlung […], die nicht mehr zu rechtfertigen ist.“

  • Ein Plädoyer für reproduktive Selbstbestimmung

    Von
    Taleo Stüwe ,

    Das GeN unterstützt den Alternativbericht zum Schwangerschaftsabbruch und zu reproduktiven Rechten. Die Autorinnen zeigen, dass Deutschland von einer Sicherung reproduktiver Selbstbestimmung fast 40 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Frauenrechtskonvention noch weit entfernt ist.

  • Für reproduktive Gerechtigkeit!

    Von
    GeN ,

    Ein feministisches Netzwerk plädiert dafür, das Verbot von Eizell"spende" und "Leihmutterschaft" aufrechtzuerhalten. Die Stellungnahme wurde am 10. Januar auf einer Veranstaltung des GeN und BiosKop in Berlin vorgestellt.